Alles wächst

Samstag, 1. Juni 2019

Viel hat sich getan seit meinem letzten Eintrag Mitte April. Viel Gutes vor allem!

Der Mai hat uns zwar ungewöhnlich kaltes Wetter beschert, aber es gab keinen Frost. Und die niedrigen Temperaturen haben die Vegetation deutlich verzögert, sodass wir mittlerweile trotz frühem Austrieb nicht mehr von einer Hitze-Weinlese im August ausgehen. 2018 haben die Reben Mitte Mai zu blühen begonnen, heuer wird es voraussichtlich erst in einer Woche soweit sein.

Außerdem hat es im Mai – endlich – ergiebig geregnet, genug für den aktuellen Bedarf und für ein wenig Reserve für die nächsten Wochen. Traut man den Wettervorhersagen dürfte es jetzt, pünktlich zur Blüte, warm und stabiler werden.

Im Weingarten wächst jetzt buchstäblich alles. Die Reben, die Begrünung und wohl auch die Gefahr von Pilzerkrankungen, die es ja auch gerne feucht und warm haben. Dementsprechend arbeitsreich werden die nächsten Wochen mit Laubarbeit, Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz werden. Das ist aber nicht weiter ungewöhnlich, denn schon in einem sehr alten Weinbauernspruch heißt es:

Wan die wüld´n Ros´n bliahn, kaun I voa lauta Schlof nit gian.

(Wenn die wilden Rosen blühen kann ich vor Müdigkeit nicht einmal gähnen.)

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Warten und bangen

Freitag, 19. April 2019

Auch heuer sind die Reben wieder früh aus dem Winterschlaf erwacht. Mittlerweile muss man dabei aber wohl eher von der Normalität als vom Außergewöhnlichen ausgehen. Jetzt heißt es warten und bangen.

Warten auf die nächsten Arbeiten nach Rebschnitt und Binden der Fruchtruten. Das Wegbrechen von unerwünschten Trieben, das Einstricken der verbliebenen in den Drahtrahmen. Und bangen, ob die Temperatur bis Mitte Mai nicht doch vielleicht noch einmal unter den Gefrierpunkt sinkt.

Dienstag dieser Woche war es beinahe soweit, aber zum Glück waren es dann doch plus zwei Grad und die Reben sind jetzt auch noch klein genug, um leichte Minusgrade auszuhalten. Mit jedem schönen Frühlingstag, der die Reben weiter aus ihren Knospen lockt steigt aber die Gefahr.

Bis die jungen Triebe groß genug für die ersten Laubarbeiten sind kümmern wir uns um den Boden. Unter den Stöcken wird die Erde, die wir dort im Herbst angehäuft haben entfernt, und zwischen den Reihen lockern wir die Begrünung auf, ohne sie allerdings umzubrechen.

sdfgs

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Verkostungsbedarf

Freitag, 22. März 2019

Während die leichteren Weißweine bereits seit Anfang Februar in der Flasche sind, durften die kräftigeren 2018er noch auf der (Fein-)Hefe weiterreifen. Kommenden Dienstag ist es aber auch für Pinot blanc, Chardonnay Duett und die süße Auslese soweit.

Die Auslese ist ja schon seit der Gärungsunterbrechung im November weitgehend „fertig“, bei den anderen beiden gab es allerdings in den letzten Wochen intensiven Verkostungsbedarf. Chardonnay und Pinot blanc zählen nämlich zu unseren wichtigsten Sorten, und dementsprechend viele Einzelchargen gibt es insbesondere in einem auch mengenmäßig guten Jahr wie 2018.

Früh gelesen mit wenig Alkohol und lebendiger Säure, spät gelesen mit reifer Frucht und cremiger Fülle, kühle Lage, frühe Lage, alte Reben und junge Stöcke, tankvergoren, spontan und mit Reinzuchthefe, altes Fass, (fast) neues großes Fass und Barriques von neu bis alt boten eine Menge an Kombinationsmöglichkeiten für den Endverschnitt.

Entstehen sollten daraus ein klassischer Pinot blanc, der jetzt gefüllt wird, und ein lagenreiner Sortenvertreter von den alten Reben in der Riede Wieser, der als Leithaberg DAC im Juli oder August in die Flasche kommt. Außerdem unser Chardonnay Duett, der den Ausbau in Stahl und Holz verbindet und ebenfalls am Dienstag abgefüllt wird sowie später ein Lagenchardonnay vom Goldberg, den wir 2017 erstmals gefüllt haben. Und für ein vage andiskutiertes Projekt mit einem unserer Vertriebspartner sollten auch noch passende Chargen im Tank verbleiben.

Nach etlichen Etappen, gelegentlichen Zweifeln und dem Härtetest der Muster als Speisenbegleiter und im Alltag bin ich mir jetzt ziemlich sicher, eine gute Lösung gefunden zu haben. Einen schönen Kompromiss im besten Sinn des Wortes.

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Schlechtes Wetter

Dienstag, 12. März 2019

Eigentlich müsste ich es besser wissen, ist der Bezug der meisten Menschen zur Natur doch sehr gering geworden und sind doch nur mehr weniger als fünf Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig. Trotzdem verwundert es mich immer wieder, wenn sich jemand über 20°C im Februar freut, und auch nach Wochen ausgeprägter Trockenheit über ein paar Regentropfen ärgert.

Fassungslos bemerke ich dann jedes Mal aufs Neue, wie ich-bezogen die meisten Menschen beim Wetter sind, wie wenige Gedanken sie sich über die natürlichen Zusammenhänge machen. Und wie wenige über uns Bauern, die wir von und mit der Natur auch für sie Brot, Wein und mehr liefern.

Das ist übrigens kein Jammern über die aktuelle Trockenheit und den sich andeutenden (zu) frühen Austrieb, denn ich jammere nicht. Es ist lediglich der Versuch darauf hinzuweisen, dass Sommertemperaturen von März bis November und andauernder Sonnenschein ohne einen Tropfen Regen kein gutes Wetter sind.

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Der gläserne Wein (15)

Donnerstag, 21. Februar 2019

In dieser Serie stelle ich, wie im ersten Beitrag angekündigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausführlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer „gläsernen“ Weine entsteht dabei nach und nach in der entsprechenden Beitragskategorie und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.

Weinsäure und andere

Auch bei bester Arbeit im Weingarten, eingehenden Reifeanalysen vor der Ernte und hoher Flexibilität bei der Wahl des Lesetermines landen immer wieder Trauben im Presshaus, bei denen Aromareife, Zucker- und Säuregehalt nicht ganz im Einklang stehen.

In kühleren Jahren werden die Trauben zwar oft aromatisch reif, erreichen aber nicht immer einen Zuckergehalt, der später als Alkohol im Wein dem Potential und den Erwartungen an die Qualität der Trauben entspricht. Dafür nützen wir fallweise wie in Teil 7 beschrieben die Möglichkeit mit Saccharose geringfügig aufbessern zu dürfen.

Klimawandelbedingt gibt es immer seltener solche Jahrgänge, dafür werden die frühreifen, heißen und trockenen Jahre häufiger. Diese Wetterbedingungen führen zu niedrigen Säurewerten in den Trauben, denen man nicht immer durch eine vorgezogene Lese entgegenwirken kann. Zu frühes Ernten würde nämlich zwar mehr Säure, aber auch unreife, wenig attraktive und haltbare Aromen bedeuten.

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Kontrolliertes Nichtstun

Montag, 7. Januar 2019

Foto: Armin Bardel

Nach der Hektik der Weinlesezeit ist es seit Mitte November sehr ruhig geworden in unserem Keller. Der biologische Säureabbau der Roten ist abgeschlossen, die meisten Weine sind von der groben Hefe abgezogen und die Intervalle zwischen den laufenden Verkostungen sind jetzt deutlich länger als im Oktober.

Da wir – im Gegensatz zum weit verbreiteten Jüngstweinkult – versuchen, frühe Abfüllungen zu vermeiden, wurden die meisten unserer Weine seit der Gärung nur einmal bewegt. Manche aber auch noch gar nicht.

Der Zucker der Trauben ist vergoren zu Alkohol, die Äpfelsäure dort wo gewünscht abgebaut zu Milchsäure, Aroma und Farbe mit einer ersten geringen Jungweinschwefelung stabilisiert und der Großteil der Trubstoffe durch die Wirkung der Schwerkraft abgetrennt.

Bei gutem Traubenmaterial und sorgfältiger Erntearbeit in Weingarten und Keller sind die meisten Weine damit eigentlich „fertig“.  Was jetzt noch kommt, sind  kleine Anpassungen des Säuregehaltes (heuer witterungsbedingt erlaubterweise eher nach oben) einiger weniger Chargen, eine Filtration möglichst knapp vor der Abfüllung um die Feinhefe zu entfernen, die sich nicht von selbst absetzt und das Einstellen eines stabilen SO2-Spiegels für die Füllung.

Wichtiger als diese Maßnahmen ist aber die Zeit, die wir unseren Weinen lassen. Sie spart einiges an Stabilisierungsmaßnahmen und trägt wesentlich zur inneren Balance der Weine bei.

Das Schlagwort dafür lautet „kontrolliertes Nichtstun“, wobei die Betonung auf der Kontrolle liegt, nicht auf der Faulheit. Wenn die Verkostung eines Jungweines zeigt, dass Nichtstun ein Fehler wäre, wird natürlich gehandelt. Und wenn es ökonomisch notwendig erscheint, füllen wir auch schon mal eine kleine Teilmenge eines Weines vor Weihnachten.

Trotz aller Liebe zu klaren Grundsätzen halte ich nämlich Kompromisslosigkeit eher für das Problem als die Lösung.

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Der Verlust der Mitte

Montag, 19. November 2018

Das ist ein Artikel, den ich schon längere Zeit, eigentlich schon Jahre vor mir herschiebe. Er ist lang, sehr lang, wahrscheinlich nicht immer nachvollziehbar strukturiert und persönlich. Sehr persönlich.

Aber es geht um Wein, immerhin. Würde ich zum Plakativen neigen, wäre die Überschrift wohl „Orange“. Oder „Naturwein“. Dabei dreht er sich eigentlich um viel mehr.

Die Weinwelt im Fluss

Auch wenn sich die Weinwelt gerne konservativ und traditionell gibt, so war sie doch immer im Wandel. Neue Anbautechniken, neue Sorten, neue Krankheiten und Schädlinge, neue Verarbeitungstechniken und Weinstile hat es immer gegeben. Selbst Traditionshochburgen wie Bordeaux oder Burgund, von denen man meinen könnte, sie stehen seit Jahrhunderten für den gleichen Stil, die gleiche Machart von Wein haben sich immer verändert.

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Nachlese

Samstag, 29. September 2018

Gestern haben wir mit einer Spätlese vom Welschriesling und einer Auslese von Traminer und Welschriesling die Ernte 2018 beendet. Damit ist der Jahrgang komplett, vom leichten Veltliner der Vorlese am 16. August über mittelgewichtigen Muskat, gehaltvollen Pinot blanc, kräftigen Chardonnay, dichten Zweigelt, Blaufränkisch und Cabernet der Haupternte bis zum Süßwein.

Zeit für ein paar Gedanken zum Jahrgang:

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Fast fertig

Freitag, 21. September 2018

Nach vier Wochen Lese – davon allerdings nur eine durchgehend von Montag bis Freitag – haben wir den Jahrgang 2018 beinahe vollständig im Keller. Zwei Lesetage trennen uns noch vom „Leikauf“, unserem Mundart-Begriff für das Ende der Ernte.

Einen Traminer-Weingarten haben wir am Dienstag bereits in Auslese-Qualität (knapp 22°KMW) geerntet, beim anderen und einem Welschriesling warten noch den Wetterumschwung an diesem Wochenende ab.

Vor dem Traminer war am Montag dieser Woche der letzte Blaufränkisch und gleich im Anschluss unser Cabernet Sauvignon an der Reihe. Beide wie nach dem heißen, trockenen Sommer zu erwarten sehr reif und sehr vielversprechend.

Im Keller haben einige Weine bereits ihre Gärung beendet und lassen erste Charakterzüge erkennen. Das tägliche Verkosten ist jetzt die wichtigste Arbeit des Kellermeisters.

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Feierabend

Mittwoch, 12. September 2018

Gestern und heute haben wir Blaufränkisch gelesen, und weil es beim Rotwein am Tag der Ernte nichts zu pressen gibt, hatte ich heute etwas früher Feierabend.

Bis auf den Traminer und einen Welschriesling, bei denen wir auf Spät- und Auslese hoffen sind jetzt alle Weißweine zu Hause. Von den Roten fehlt noch der Blaufränkisch vom Goldberg (voraussichtlich Montag) und der Cabernet Sauvignon (vielleicht auch schon nächste Woche).

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