Wieder früh

Samstag, 22. Februar 2020

Seit ein paar Tagen blüht der erste Mandelbaum vor unserer Haustür. Bienen wie auf diesem Archivbild habe ich zwar noch nicht beobachtet, aber wenn es so weitergeht, wird es wohl nicht mehr lange dauern.

Das ist zwar nicht ganz so früh, wie laut meiner Statistik 2007, aber immer noch zu früh früh genug. Wenn der März nicht langsam und nachhaltig kühler wird und das Erwachen der Reben aus dem Winterschlaf bremst, dürfte es wieder ein langes Zittern bis zum Ende der Spätfrostphase Mitte Mai werden.

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Nebel sei Dank

Mittwoch, 22. Januar 2020

Beständiger Nebel, der sich wochenlang kaum lichtet, ist bei uns am Neusiedlersee im Spätherbst und Winter nichts Ungewöhnliches. Obwohl sich der damit verbundene Mangel an Sonnenlicht sehr aufs Gemüt schlagen kann und der Raureif auf den Reben etwas lästig beim Schneiden ist, bin ich besonders heuer trotzdem sehr froh über die dicke Nebelsuppe.

Sie hält die Temperaturen in diesem – erneut – viel zu milden Winter bei uns im Burgenland wenigstens in der Nähe des Gefrierpunktes und gibt so unseren Reben zumindest ein bisschen das Gefühl von Winter. Außerhalb der Nebelzonen im Flachland werden seit Wochen immer wieder 5 bis 10°C gemessen, die den Vegetationsrhytmus der Natur ziemlich durcheinander wirbeln.

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Ruhe im Keller

Samstag, 21. Dezember 2019

Foto: Armin Bardel

Lang ist es her seit meinem letzten Beitrag Ende Oktober, und die damaligen Zweifel an Tank 18 haben sich Gott sei dank in Wohlgefallen aufgelöst. Ein kleiner Teil dieses Grünen Veltliners ist (mit einem kleinen Anteil von Tank 2) sogar bereits in der Flasche.

Nachdem der biologische Säureabbau schon länger abgeschlossen ist, habe ich vor zwei Wochen auch unsere Rotweine von der Hefe abgezogen. Damit ist die Arbeit mit den Jungweinen abgeschlossen und sie reifen jetzt in Ruhe vor sich hin.

Während in vielen Kellern im November und Dezember große Hektik herrscht, um die Weine der neuen Ernte möglichst bald in die Flasche zu bringen, sind Abfüllungen vor Weihnachten wie die heurige beim Grünen Veltliner bei uns die große Ausnahme (und betreffen im Fall des Falles immer nur kleine Teilmengen der jeweiligen Sorten).

Die Zeit auf der Voll- oder Feinhefe gibt unseren Weinen Fülle, Stabilität und aromatische Harmonie und verschiebt die für die Abfüllung notwendigen Weinbewegungen in die (auch im Keller) kalte Jahreszeit. Je niedriger die Weintemperatur beim Filtrieren, umso weniger weniger Aromastoffe gehen dabei verloren. Und umso mehr natürliche Kohlensäure bleibt den Weißweinen bis in die Flasche erhalten.

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Zweifel

Sonntag, 27. Oktober 2019

Foto: Armin Bardel

Langsam kehrt Ruhe ein im Keller. Alle Weine haben ihre Gärung beendet, die Roten sind gepresst und viele von ihnen haben auch schon den biologischen Säureabbau hinter sich.

Das (beinahe) tägliche Verkosten lässt langsam das Bild eines sehr, sehr guten Jahrgangs entstehen. Die Weißweine deutlich frischer als es Hitze und Trockenheit erwarten haben lassen. Und die Roten genauso dicht und ausgereift, wie man hoffen durfte. Die zwei, drei kleinen Experimente bringen spannende Erkenntnisse und alles in allem gibt es keine echten Sorgenkinder im Keller

Nur Tank 18 lässt mich hin und wieder beim Verkosten ratlos zurück. Nicht immer, manchmal schmeckt mir der Grüne Veltliner, der eigentlich für unseren leichten Qualitätswein von dieser Sorte vorgesehen wäre richtig gut.

Manchmal allerdings erscheint er mir ein wenig ausdruckslos, fast müde und lässt mich darüber nachdenken, ob ich etwas und was ich unternehmen sollte. Umziehen, um auch die feinere Hefe zu entfernen und ihm dabei ein wenig Luft zu gönnen? Das Gegenteil anstreben, die geringe SO2-Dosis, die er bekommen hat ergänzen, um ihn vor weiterem Lufteinfluss zu schützen? Oder einfach nur abwarten?

Weil er mir zwischendurch immer wieder auch gut gefällt, habe ich mich bisher fürs Abwarten entschieden. Ich bin mir keiner Fehler in Weingarten und bisheriger Kellerarbeit bewusst und wirklich schlecht schmeckt er auch in den unsicheren Phasen nicht. Außerdem gibt es auch noch Grünen Veltliner Tank 2 aus einer nicht ganz so guten Lage, der heuer ungewöhnlich gut und fein ausgefallen ist…

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Fertig

Dienstag, 1. Oktober 2019

Ein Monat (bzw. 17 echte Lesetage) nach Beginn haben wir gestern Montag die Weinlese 2019 abgeschlossen. Süßwein stand heuer nicht auf dem Programm, deshalb war der Cabernet Sauvignon der letzte und es gibt kein Warten auf Edelfäule für Auslese und Co.

Geht man nach den Trauben und den ersten bereits durchgegorenen Jungweinen, dürfte die Ernte qualitativ sehr gut, bei den Rotweinen vielleicht sogar ausgezeichnet ausgefallen sein. Die Weißen haben etwas mehr Säure als ihre Vorgänger von 2018 und weiß wie rot profitieren vom deutlich niedrigeren Ertrag.

Insgesamt ist der Jahrgang mengenmäßig zwar nur leicht unterdurchschnittlich, bei einigen Sorten sind wir aber sehr nah an der wirtschaftlichen Schmerzgrenze. Beim Zweigelt hat uns – wie hier berichtet – die Welke mehr als ein Drittel der Menge gekostet, beim Chardonnay war der Traubenbehang von Haus aus äußerst gering und beim Blaufränkisch waren auch deutlich weniger und deutlich kleinere Trauben da, als wir gewohnt sind.

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Auf und ab

Sonntag, 15. September 2019

Die zweite Lesewoche brachte viel Gutes, leider aber auch negative Überraschungen. Am Montag hat es nicht nur in der Früh, sondern entgegen dem Wetterbericht auch am Nachmittag nochmal geregnet und unseren Anlauf zur Lese nach zwei Stunden wieder beentet. Dafür hat das Wetter dann den Rest der Woche gehalten.

So konnten wir diese Woche den verbliebenen Grünen Veltliner, den Chardonnay, einiges an Weißburgunder und die ersten Zweigelt-Weingärten lesen.

Einer ziemlich jungen Veltliner-Anlage hat der Regen der letzten Wochen erfreulicherweise sichtlich in Menge und Qualität geholfen. Insgesamt sind die Veltliner sehr vielversprechend, was in Trockenjahren nicht selbstverständlich ist. Gleich neben dem jungen Veltliner hat der Regen aber auch einiges an Schaden angerichtet. Beim Weißburgunder sind viele Beeren feuchtigkeitsbedingt aufgeplatzt und etliche faule Trauben(teile) waren auszusortieren.

Dank unserer großartigen Erntemannschaft ist das gut gelungen und die Erntemenge ist trotz des Ausfalls immer noch zufriedenstellend. Vom Chardonnay kann man das hingegen nicht behaupten. Die Trauben waren nahezu perfekt, es war keine Fäulnis auszusortieren (und das bisschen Oidium vom Sommer fiel mengenmäßig kaum ins Gewicht), aber es waren einfach zu wenige Trauben da, die noch dazu besonders klein geblieben sind.

Noch schlimmer hat es uns im Zweigelt-Weingarten am Goldberg erwischt. Hier wären die Trauben für eine gute Normalernte da gewesen, aber wir konnten etwa die Hälfte davon nicht ernten, weil die Traubenwelke (vulgo „Zweigeltkrankheit“) extrem zugeschlagen hat.

Immer wieder haben wir besonders in diesem Weingarten Probleme mit den kurz nach Reifebeginn schlaff werdenden Trauben, die nicht weiterreifen. 2008 war es schlimm, und auch im Vorjahr haben wir etwa ein Drittel der Trauben verloren. So arg wie heuer war es aber noch nie.

Leider gibt es keine klar definierte Ursache dafür, die man einfach beheben könnte, denn z.B. beim Zweigelt in der Ried Haderwald hatten wir kaum Welke zu beklagen. Dabei gibt es dort einige Risikofaktoren genauso wie am Goldberg oder sogar stärker.

Hoffen wir, dass es uns in den restlichen Zweigelt-Anlagen so geht wie im Haderwald, wenn wir sie am Montag ernten.

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Ein Anfang ist gemacht

Sonntag, 8. September 2019

Die erste Lesewoche – mit regenbedingt allerdings nur dreieinhalb Erntetagen – liegt hinter uns. Der frühreife Muskat Ottonel ist zur Gänze im Keller und vom Grünen Veltliner und Chardonnay jeweils ein (kleiner) Teil.

Wie erwartet sind die Trauben sehr gesund und haben die richtige Reife für den jeweils angestrebten Weinstil erreicht. Muskat Ottonel liegt zwischen gut 17 und knapp 18°KMW, der Grüne Veltiner bei 17°KMW und der gelesene Chardonnay von einer Junganlage bei knapp 18°. Den werden die noch deutlich reiferen Trauben von den älteren Weingärten gut ergänzen. Der Säuregehalt der Trauben ist wie in Trockenjahren üblich eher niedrig, allerdings höher als 2018.

Nicht ganz so gut ist das aktuelle Wetter. Nachdem es schon den Montag verregnet hat, zieht seit Freitag Nachmittag (und laut Prognosen bis inklusive morgen Montag) eine Schlechtwetterfront durch und bringt uns neuerlich Regen. Die relativ geringe Menge ist dabei nicht das Problem, die stunden- oder gar tagelangen Wassertropfen auf den Trauben hingegen schon.

Vollreife Trauben reagieren darauf nämlich sehr empfindlich und beginnen leicht zu „gliebern“ und zu faulen. Zuerst werden die Schalen dünn, platzen teilweise auf, und dann beginnen Botrytis cinerea und andere Fäulnispilze zu wachsen.

Zum Glück ist es relativ kühl geworden, was diese Entwicklung deutlich verlangsamt. Heute Sonntag weht auch endlich wieder der Wind, der die Trauben trocknet, und vielleicht halten sich die weiteren Regenschauer in Grenzen. Sehr oft kommen die angekündigten Wetterfronten ja gar nicht oder nur extrem abgeschwächt bis zu uns in den äußersten Osten.

Im Vorjahr hat es mitten in der Lese deutlich mehr geregnet, und trotzdem konnten wir einen guten Jahrgang einbringen. Damals habe ich mich an das Jahr 2007 erinnert, in dem wir auch mit einem blauen Auge davon gekommen sind.

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Morgen geht´s los. Oder doch nicht?

Sonntag, 1. September 2019

Wie es scheint, könnte und die durchziehende Wetterfront einen Strich durch die Rechnung machen, morgen Montag mit der heurigen Weinernte zu beginnen. Sowohl in der Nacht als auch tagsüber sind Regenschauer prognostiziert.

Vielleicht haben wir aber auch Glück und können zumindest ein paar Stunden lesen. Und auf jeden Fall bin ich froh über die deutlich niedrigeren Temperaturen, die danach auf uns warten.

Die nächsten Wochen sind die anstrengendsten des ganzen Weinjahres, in denen man mitunter an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gerät. Trotzdem ist heute für mich ein Tag der Freude:

Morgen beginnen wir mit der Lese 2019!

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Wir haben einen Plan

Samstag, 24. August 2019

Der Termin der Weinlese prägt den zukünftigen Wein stärker als die meisten anderen Entscheidungen, die wir Weinbauern zu treffen haben. Und weil dabei viele Aspekte zu berücksichtigen sind, fällt es nicht immer leicht, das richtige Erntedatum zu finden.

Zucker- und Säuregehalt sind gemeinsam mit der geschmacklichen Reife der Trauben natürlich am Wichtigsten. Dazu kommt aber auch der aktuelle und bis zur Lese zu erwartende/befürchtende Gesundheitszustand der Trauben, die zu erwartende Witterung bis zur und bei der Lese, Risiken wie Vogelfraß, logistische Überlegungen für die Verarbeitung, die Verfügbarkeit der Erntehelfer, mögliche gesetzliche Einschränkungen (z.B. bei Prädikatsweinen) und bei extremer Trockenheit bei Junganlagen die Entlastung der Rebstöcke durch vorgezogene Ernte.

Sollte sich im nachhinein herausstellen, dass man ein paar Tage zu früh oder zu spät dran war, ist das in den allermeisten Fällen zum Glück auch kein Weltuntergang. Aber natürlich Ansporn, es im nächsten Jahr besser zu machen.

Mit diesem Ehrgeiz gehen wir in die heurige Lese, nachdem wir im Vorjahr ein paar Tage später dran waren, als mir lieb gewesen wäre. Nach ausführlichen Reifemessungen heute Vormittag haben wir deshalb beschlossen, die Ernte schon am 2. September zu beginnen.

Die Frühsorten sind bereits beinahe dort, wo sie sein sollten, alle Trauben sind gesund und vielversprechend und auch wenn ein oder zwei ordentliche Regen im August gut getan hätten, stehen fast alle Weingärten schön da. Es könnte also eine gute Ernte werden und ich freue mich schon darauf!

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Im Plan

Dienstag, 16. Juli 2019

Vier rekordverdächtig heiße Juni- und zwei ebenso außergewöhnlich kühle Juliwochen waren wir seit dem letzten Beitrag damit beschäftigt, die Triebe unserer Reben dorthin zu bringen, wo  wir sie  haben wollen. Mittlerweile geht die Kraft der Weinstöcke vor allem in die Trauben und das Triebwachstum verlangsamt sich, nicht zuletzt auch wegen der Trockenheit.

In den Weingärten beginnt jetzt der „Feinschliff“. Vor allem bei den Rotweinsorten werden Blätter entfernt, um den Trauben mehr Luft (aber nicht unbedingt direkte Sonnenbestrahlung) zu verschaffen, und dort wo notwendig haben wir auch schon mit dem Ausdünnen des Traubenbehanges begonnen.

Dabei habe ich heute beim Zweigelt in der Ried Haderwald auch die allerersten blauen, besser gesagt rosaroten Beeren gefunden. Damit liegen wir trotz späterer Blüte als in diesen Jahren etwa gleichauf mit 2002, 2008, 2009, 2011, 2014 und 2017, also zwei Wochen später als der Rekordhalter 2018.

Ein Weinlesebeginn in der ersten, allerspätestens zweiten Septemberwoche ist statistisch sehr wahrscheinlich, auch wenn in denn kommenden zwei Monaten natürlich noch viel passieren kann.

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