Wein: Eine Tragödie

Sonntag, 24. Januar 2016

Rotweinreflexion Rauter komprimiert

Ich habe ja auch schon gelegentlich beklagt, dass nicht selten viel zu viel Tamtam rund um den Wein gemacht und dabei auf den ungezwungenen Genuss vergessen wird.

Viel besser analysiert das aber Ryan Opaz in diesem (englischen) Beitrag. Lesenswert!

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Kurzes Vergnügen

Samstag, 23. Januar 2016

Eisstimmung 3 bearbeitet

Ein paar Mutige haben es auch schon Anfang Jänner probiert. Wirklich befahrbar ist das Eis am Neusiedlersee aber erst seit Donnerstag. Leider schneit es heute und für morgen ist schon wieder Tauwetter prognostiziert.

Schön war es aber trotzdem.

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Kassenchaos

Sonntag, 27. Dezember 2015

Antique_cash_registerAb 1. Jänner sind alle österreichischen Betriebe, die eine gewisse, relativ niedrig angesetzte Umsatzgrenze überschreiten verpflichtet, ihre Bareinnahmen über eine elektronisches Kassensystem zu registrieren. Und ab 1. Jänner 2017 müssen die Kassenbuchungen und -belege mit einer zertifizierten elektronischen Signatur versehen sein. Damit soll Steuerhinterziehung unmöglich gemacht oder zumindest deutlich erschwert werden.

Dieses Ziel ist durchaus nachvollziehbar, obwohl man natürlich auch den Zusammenhang zwischen extrem hoher Abgabenquote in unserem Land, nicht vorhandener Bereitschaft der Politik zum Sparen und Steuervermeidung nicht übersehen sollte.

Für uns Weinbauern ist die neue Regelung aus verschiedenen Gründen eine ziemliche Herausforderung:

Anders als in klassischen Handelsgeschäften gibt es beim Ab-Hof-Verkauf keine relativ gleichmäßige Kundenfrequenz. Tage und Wochen ohne Kunden wechseln mit extremen Stoßzeiten bei Veranstaltungen wie Tagen der offenen Kellertür. Ein zweiter Rechnungsblock ist da schnell aufgelegt, eine zweite Registrierkasse, die den Rest des Jahres nur im Regal verstaubt aber wohl kaum wirtschaftlich.

Sehr viele Weinbauern erzielen nicht nur ab Hof Bareinnahmen, sondern auch beim Liefern ihrer Weine. Dafür muß das Kassensystem entweder mobil sein (wobei sich die Frage stellt, wie man es organisiert, wenn gleichzeitig auch zu Hause verkauft wird) oder die beim Liefern zulässigen handgeschriebenen Rechnungen müssen nachträglich mit zusätzlichem Aufwand in die Kassa eingegeben werden.

Viele Weinbauern führen ihre Betriebe – oft durchaus wirtschaftlich erfolgreich – ohne jegliche Computerkenntnisse. Und dort wo der Betriebsführer in solchen Dingen fit ist, helfen weniger computerkundige Eltern und Schwiegereltern oft im Verkauf mit. Sie sind eher anwesend, wenn Zufallskunden läuten und kennen die Stammkunden zum Teil seit Jahrzehnten. Ohne digitale Grundkenntnisse ist aber kein Kassensystem vernünftig zu bedienen.

Während Dienstleistungsbetriebe de facto keine und Handelsfirmen vergleichsweise einfache Lagerbuchhaltungen haben, schreibt uns Weinbauern das Weingesetz in Form des Kellerbuches eine relativ komplizierte Lagerverwaltung vor. Verschiedene Qualitätsstufen müssen strikt getrennt, unterschiedliche Mehrwertsteuersätze angewendet und Grenzen für Eigenverbrauch und Schwund eingehalten werden. Die Übernahme der Verkaufsdaten aus der Registrierkasse in dieses System muß rechtlich einwandfrei und ohne all zu großen Aufwand möglich sein.

Und schließlich gibt es – anders als im „normalen“ Geschäft um die Ecke – neben den Bareinnahmen auch einen relativ hohen Anteil an Rechnungsbeträgen, die überwiesen werden. Diese müssen zwar nicht zwangsläufig über die Registrierkasse laufen (und manche Systeme können das auch gar nicht), aber wenn sie es nicht tun, braucht es dafür eigene Rechnungsblöcke und ein eigenes Verbuchungssystem.

Die Entscheidung, welches Kassensystem am ehesten zu den eigenen Betriebsabläufen paßt, ist also keine einfache. Und meist auch keine billige. Deshalb habe ich mich in den letzten Tagen intensiv damit beschäftigt, zahlreiche Angebote recherchiert und einige von ihnen auch ausprobiert.

Wer Details dazu wissen möchte, liest hier einfach weiter:

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Weinbeziehung

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Foto: Armin Bardel

Foto: Armin Bardel

Frau F. wohnt in Wien. Sie trinkt nicht viel, aber gerne Wein und manchmal auch Traubensaft. Seit vielen Jahren dürfen wir ihr bei unserer Weihnachtslieferung etwas mitbringen und bei der Gelegenheit ein paar Minuten mit ihr plaudern. Schließlich gibt es immer wieder Neues zu berichten.

Vor zwei Jahren kam ich kurz nach einem größeren Wasserschaden in ihrer Altbauwohnung, der nicht nur den Keller, in dem ich den Wein abgestellt habe, sondern auch die Küche verwüstet hat. Trotz vieler Scherereien mit Handwerkern und Versicherung war Frau F. guter Dinge und zeigte mir im Jahr darauf stolz die neue Kochecke.

Heuer berichtete die alte Dame voll Freude von den Weihnachtsbräuchen ihrer Kinder und Enkel, aber auch sorgenvoll von ihrem hohen Blutdruck und den Mühen, die damit verbunden sind. Und fast so, als ob ich zur Familie gehören würde, gab sie mir etwas zum Naschen auf meine weitere Tour mit.

Familie S. aus Oberösterreich kennen wir ebenfalls schon sehr lange. Zwei- oder dreimal im Jahr liefern wir Wein, plaudern mit dem Hausherrn darüber, wo er als Tischler auf Montage überall hingekommen ist, und mit Frau S. über ihre Sammelleidenschaften. Und wenn wir nicht in der Früh kommen und zum Frühstück eingeladen werden, gibt es immer reichlich Trinkgeld, damit wir uns unterwegs eine Jause kaufen können.

Bei Familie L. am Attersee gab es ebenfalls immer ein Frühstück für uns. Jahrzehntelang war sie uns außerdem bei der Weinlese behilflich und Franz unterhielt die ganze Mannschaft mit seinen Fernfahrerabenteuern, die er in aller Welt erlebt hatte. Leider ist seine Frau heuer verstorben und kann uns kein Frühstück mehr servieren, aber auch Franz ist sehr gastfreundlich, wenn er nicht gerade, obwohl längst in Pension, als Aushilfsfahrer mit dem LKW unterwegs ist…

Viele, sehr viele unserer Kunden kennen und schätzen unsere Weine seit vielen Jahren. Und bei nicht wenigen von ihnen durften nicht nur die Weine, sondern auch wir fast ein Teil der  Familie werden.

Auch wenn beim Verkosten in unserem Keller oder beim Liefern vor Ort nicht viel Zeit für Persönliches bleibt, ein paar Worte sind es doch jedes Mal. Und über die Jahre leben unsere Stammkunden mit uns und wir mit ihnen.

Immer wieder gibt es Schönes zu zeigen oder zu berichten: Hochzeiten, Kinder und Enkelkinder (für die wir manchmal sogar Hochzeits- oder Taufweine liefern dürfen), neu gebaute Häuser, berufliche Erfolge, Reisen, ehrenamtliche Tätigkeiten. Aber natürlich auch die Schattenseiten des Lebens: Krankheiten, Scheidungen, Mißerfolge und den Tod.

Trotzdem ist es eine wunderbare Erfahrung, fremden Menschen über die Jahre so nahe kommen zu dürfen. Das hat nichts von anonymer Kunden-Lieferanten-Beziehung, und schon gar nichts vom gläsernen Kunden, dessen Daten kalt zur Umsatzmaximierung benutzt werden.

Es ist schlicht ein Ehre und ein Privileg unseres Berufes und unserer Betriebsgröße. Herzlichen Dank dafür allen unseren Wein-Freunden.

Frohe Weihnachten!

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Sieben Grad in neun Tagen

Sonntag, 15. November 2015

Beerenauslese 2015

Eigentlich wollten wir am Dienstag, den 3. November wie hier angekündigt die heurige Ernte mit einer süßen Auslese vom Traminer und Weißburgunder abschließen.

Während aber die Zuckergrade des Traminers im angestrebten Bereich lagen, war der Weißburgunder trotz Aussortierens der wenigen nicht edelfaulen Beeren mit rund 21°KMW (ca. 105°Oe) ziemlich knapp am gesetzlichen Mindestwert und wir brachen die Lese nach der Traminer-Ernte beim Weißburgunder nach einer halben Stunde ab.

Neun Tage später, vorgestern Freitag, starteten wir einen neuen Versuch und konnten ohne Aussortieren eine schöne Beerenauslese mit 28°KMW (ca. 140°Oe) ernten.

Damit endet der Jahrgang 2015 mit zwei Prädikatsweinen in brauchbarer Menge, die wir beide gut gebrauchen können.

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Weinanalytik im Nutellaglas

Mittwoch, 4. November 2015

Säureabbaukontrolle

Seit mehr als 20 Jahren führe ich für unseren Weinbauverein Analysen zur Kontrolle des biologischen Säureabbaues durch. Im Oktober und November bringen beinahe täglich Kollegen Weine zur Untersuchung.

Vor allem für Betriebe wie uns, die nicht den ganzen Raum, sondern Fass für Fass temperieren, ist es wichtig, das Ende des Säureabbaues so rasch wie möglich festzustellen. Das erspart dem Wein unnötig lange Temperaturen von 20 bis 22 Grad und macht die Heizstäbe rascher frei für den nächsten Behälter.

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Auslesewetter

Freitag, 30. Oktober 2015

Botrytis beim Neuburger 2008

Mitte Oktober hat es in einer guten Woche mehr geregnet, als im Juli, August und September zusammen. Wie für unseren Süßwein erhofft, hat das die Ausbreitung des Edelfäulepilzes Botrytis cinerea in den beiden noch nicht gelesenen Weingärten sehr begünstigt.

Die meisten Beerenschalen von Weißburgunder und Traminer sind jetzt braun und mürbe. Ein wenig Wasser ist schon durch die porösen Schalen verdunstet und der Zuckergehalt in den Beeren dadurch um zwei, drei Grad angestiegen.

In den nächsten Tagen sollte sich dieser Prozess deutlich beschleunigen, denn die Wetterprognosen versprechen sonniges, weitgehend nebelfreies Wetter mit mildem Südostwind.

Damit es keine unbeabsichtigte Beerenauslese wird wie 1996, werden wir die Trauben also wohl in der kommenden Woche ernten.

Archivbild von 2008

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Jahrgangsbeobachtungen (9)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Hamader 9

Geduldsprobe

Dass alle paar Jahre ein Tank oder Fass auffallend langsam gärt, kommt immer wieder vor. Wenn es aber gleich sechs verschiedene Chargen in einem Jahr sind, kann man durchaus von einem Jahrgangsphänomen sprechen. Zumindest in unserem Keller.

Mittlerweile sind sie zum Glück alle durchgegoren, aber in zwischendurch war ich schon etwas nervös ob der ungewohnt langsamen Zuckerabnahme bei meinen täglichen Messungen.

Schließlich ist der Markt für halbtrockene bis liebliche Chardonnays und Weißburgunder wohl nicht besonders groß und wir stehen seit Jahren gerade nicht für diesen Weinstil. Außerdem hätte der Wein dann ja gefehlt, um die Wünsche unserer Kunden nach trockenen Weinen zu befriedigen.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (8)

Sonntag, 11. Oktober 2015

Hamader 8

Mehr Druck, weniger Trub

Unsere Weinpresse mußte sich in diesem Jahr ein klein wenig mehr anstrengen, um den Most aus den Beeren zu holen. Auf Extrembedingungen wie im heurigen Sommer reagiert die Weinrebe nämlich mit einer dickeren Traubenschale, der der Saft etwas schwerer abzuringen ist. Und weil auch keinerlei Fäulnis die Schale angegriffen hat, war es notwendig, das Pressprogramm dementsprechend zu adaptieren.

Der Saft enthielt dafür dann allerdings deutlich weniger Trubstoffe als z.B. 2014, was weniger Verlust bei der Vorklärung der Weißweinmoste über Nacht (dem sogenannten Entschleimen) bedeutete.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (7)

Samstag, 10. Oktober 2015

Hamader 7

Beschränktes Staraufgebot

Obwohl die  Stare heuer schon recht früh in ungewohnt stattlicher Anzahl präsent waren, hält sich der Fraßschaden insgesamt anders als in anderen Jahren in verschmerzbaren Grenzen.

Als wir Ende Juli bemerkten, dass die Vögel schon zur Umfärbung die ersten rosaroten Zweigelt-Beeren aus den noch überwiegend grünen Trauben picken, haben wir die beiden gefährdetsten Weingärten mit Netzen geschützt. Während der Reifephase waren dann (natürlich auch dank der gemeinsam organisierten Vertreibungsaktion) kaum größere Schwärme in unseren Weingärten präsent. Und wenn, führte die zunehmende Reife aller Traubensorten dazu, dass der Schaden verteilt und dadurch meist nicht nennenswert ausfiel.

Nach Abschluss der Hauptlese haben wir dann sofort die Netze in jene beiden Weingärten transferiert, die noch auf die Ernte warten. Dort ist auch nach Ende der Starehut bis jetzt kein nennenswerter Starefraß zu beobachten. Hoffentlich bleibt es so, denn auch die Netze können keinen hundertprozentigen Schutz bieten.

Foto: Erich Hamader

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