Ein Anfang ist gemacht

Sonntag, 8. September 2019 | Autor:

Die erste Lesewoche – mit regenbedingt allerdings nur dreieinhalb Erntetagen – liegt hinter uns. Der frühreife Muskat Ottonel ist zur Gänze im Keller und vom Grünen Veltliner und Chardonnay jeweils ein (kleiner) Teil.

Wie erwartet sind die Trauben sehr gesund und haben die richtige Reife für den jeweils angestrebten Weinstil erreicht. Muskat Ottonel liegt zwischen gut 17 und knapp 18°KMW, der Grüne Veltiner bei 17°KMW und der gelesene Chardonnay von einer Junganlage bei knapp 18°. Den werden die noch deutlich reiferen Trauben von den älteren Weingärten gut ergänzen. Der Säuregehalt der Trauben ist wie in Trockenjahren üblich eher niedrig, allerdings höher als 2018.

Nicht ganz so gut ist das aktuelle Wetter. Nachdem es schon den Montag verregnet hat, zieht seit Freitag Nachmittag (und laut Prognosen bis inklusive morgen Montag) eine Schlechtwetterfront durch und bringt uns neuerlich Regen. Die relativ geringe Menge ist dabei nicht das Problem, die stunden- oder gar tagelangen Wassertropfen auf den Trauben hingegen schon.

Vollreife Trauben reagieren darauf nämlich sehr empfindlich und beginnen leicht zu „gliebern“ und zu faulen. Zuerst werden die Schalen dünn, platzen teilweise auf, und dann beginnen Botrytis cinerea und andere Fäulnispilze zu wachsen.

Zum Glück ist es relativ kühl geworden, was diese Entwicklung deutlich verlangsamt. Heute Sonntag weht auch endlich wieder der Wind, der die Trauben trocknet, und vielleicht halten sich die weiteren Regenschauer in Grenzen. Sehr oft kommen die angekündigten Wetterfronten ja gar nicht oder nur extrem abgeschwächt bis zu uns in den äußersten Osten.

Im Vorjahr hat es mitten in der Lese deutlich mehr geregnet, und trotzdem konnten wir einen guten Jahrgang einbringen. Damals habe ich mich an das Jahr 2007 erinnert, in dem wir auch mit einem blauen Auge davon gekommen sind.

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Morgen geht´s los. Oder doch nicht?

Sonntag, 1. September 2019 | Autor:

Wie es scheint, könnte und die durchziehende Wetterfront einen Strich durch die Rechnung machen, morgen Montag mit der heurigen Weinernte zu beginnen. Sowohl in der Nacht als auch tagsüber sind Regenschauer prognostiziert.

Vielleicht haben wir aber auch Glück und können zumindest ein paar Stunden lesen. Und auf jeden Fall bin ich froh über die deutlich niedrigeren Temperaturen, die danach auf uns warten.

Die nächsten Wochen sind die anstrengendsten des ganzen Weinjahres, in denen man mitunter an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gerät. Trotzdem ist heute für mich ein Tag der Freude:

Morgen beginnen wir mit der Lese 2019!

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Wir haben einen Plan

Samstag, 24. August 2019 | Autor:

Der Termin der Weinlese prägt den zukünftigen Wein stärker als die meisten anderen Entscheidungen, die wir Weinbauern zu treffen haben. Und weil dabei viele Aspekte zu berücksichtigen sind, fällt es nicht immer leicht, das richtige Erntedatum zu finden.

Zucker- und Säuregehalt sind gemeinsam mit der geschmacklichen Reife der Trauben natürlich am Wichtigsten. Dazu kommt aber auch der aktuelle und bis zur Lese zu erwartende/befürchtende Gesundheitszustand der Trauben, die zu erwartende Witterung bis zur und bei der Lese, Risiken wie Vogelfraß, logistische Überlegungen für die Verarbeitung, die Verfügbarkeit der Erntehelfer, mögliche gesetzliche Einschränkungen (z.B. bei Prädikatsweinen) und bei extremer Trockenheit bei Junganlagen die Entlastung der Rebstöcke durch vorgezogene Ernte.

Sollte sich im nachhinein herausstellen, dass man ein paar Tage zu früh oder zu spät dran war, ist das in den allermeisten Fällen zum Glück auch kein Weltuntergang. Aber natürlich Ansporn, es im nächsten Jahr besser zu machen.

Mit diesem Ehrgeiz gehen wir in die heurige Lese, nachdem wir im Vorjahr ein paar Tage später dran waren, als mir lieb gewesen wäre. Nach ausführlichen Reifemessungen heute Vormittag haben wir deshalb beschlossen, die Ernte schon am 2. September zu beginnen.

Die Frühsorten sind bereits beinahe dort, wo sie sein sollten, alle Trauben sind gesund und vielversprechend und auch wenn ein oder zwei ordentliche Regen im August gut getan hätten, stehen fast alle Weingärten schön da. Es könnte also eine gute Ernte werden und ich freue mich schon darauf!

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Im Plan

Dienstag, 16. Juli 2019 | Autor:

Vier rekordverdächtig heiße Juni- und zwei ebenso außergewöhnlich kühle Juliwochen waren wir seit dem letzten Beitrag damit beschäftigt, die Triebe unserer Reben dorthin zu bringen, wo  wir sie  haben wollen. Mittlerweile geht die Kraft der Weinstöcke vor allem in die Trauben und das Triebwachstum verlangsamt sich, nicht zuletzt auch wegen der Trockenheit.

In den Weingärten beginnt jetzt der „Feinschliff“. Vor allem bei den Rotweinsorten werden Blätter entfernt, um den Trauben mehr Luft (aber nicht unbedingt direkte Sonnenbestrahlung) zu verschaffen, und dort wo notwendig haben wir auch schon mit dem Ausdünnen des Traubenbehanges begonnen.

Dabei habe ich heute beim Zweigelt in der Ried Haderwald auch die allerersten blauen, besser gesagt rosaroten Beeren gefunden. Damit liegen wir trotz späterer Blüte als in diesen Jahren etwa gleichauf mit 2002, 2008, 2009, 2011, 2014 und 2017, also zwei Wochen später als der Rekordhalter 2018.

Ein Weinlesebeginn in der ersten, allerspätestens zweiten Septemberwoche ist statistisch sehr wahrscheinlich, auch wenn in denn kommenden zwei Monaten natürlich noch viel passieren kann.

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Alles wächst

Samstag, 1. Juni 2019 | Autor:

Viel hat sich getan seit meinem letzten Eintrag Mitte April. Viel Gutes vor allem!

Der Mai hat uns zwar ungewöhnlich kaltes Wetter beschert, aber es gab keinen Frost. Und die niedrigen Temperaturen haben die Vegetation deutlich verzögert, sodass wir mittlerweile trotz frühem Austrieb nicht mehr von einer Hitze-Weinlese im August ausgehen. 2018 haben die Reben Mitte Mai zu blühen begonnen, heuer wird es voraussichtlich erst in einer Woche soweit sein.

Außerdem hat es im Mai – endlich – ergiebig geregnet, genug für den aktuellen Bedarf und für ein wenig Reserve für die nächsten Wochen. Traut man den Wettervorhersagen dürfte es jetzt, pünktlich zur Blüte, warm und stabiler werden.

Im Weingarten wächst jetzt buchstäblich alles. Die Reben, die Begrünung und wohl auch die Gefahr von Pilzerkrankungen, die es ja auch gerne feucht und warm haben. Dementsprechend arbeitsreich werden die nächsten Wochen mit Laubarbeit, Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz werden. Das ist aber nicht weiter ungewöhnlich, denn schon in einem sehr alten Weinbauernspruch heißt es:

Wan die wüld´n Ros´n bliahn, kaun I voa lauta Schlof nit gian.

(Wenn die wilden Rosen blühen kann ich vor Müdigkeit nicht einmal gähnen.)

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Warten und bangen

Freitag, 19. April 2019 | Autor:

Auch heuer sind die Reben wieder früh aus dem Winterschlaf erwacht. Mittlerweile muss man dabei aber wohl eher von der Normalität als vom Außergewöhnlichen ausgehen. Jetzt heißt es warten und bangen.

Warten auf die nächsten Arbeiten nach Rebschnitt und Binden der Fruchtruten. Das Wegbrechen von unerwünschten Trieben, das Einstricken der verbliebenen in den Drahtrahmen. Und bangen, ob die Temperatur bis Mitte Mai nicht doch vielleicht noch einmal unter den Gefrierpunkt sinkt.

Dienstag dieser Woche war es beinahe soweit, aber zum Glück waren es dann doch plus zwei Grad und die Reben sind jetzt auch noch klein genug, um leichte Minusgrade auszuhalten. Mit jedem schönen Frühlingstag, der die Reben weiter aus ihren Knospen lockt steigt aber die Gefahr.

Bis die jungen Triebe groß genug für die ersten Laubarbeiten sind kümmern wir uns um den Boden. Unter den Stöcken wird die Erde, die wir dort im Herbst angehäuft haben entfernt, und zwischen den Reihen lockern wir die Begrünung auf, ohne sie allerdings umzubrechen.

sdfgs

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Verkostungsbedarf

Freitag, 22. März 2019 | Autor:

Während die leichteren Weißweine bereits seit Anfang Februar in der Flasche sind, durften die kräftigeren 2018er noch auf der (Fein-)Hefe weiterreifen. Kommenden Dienstag ist es aber auch für Pinot blanc, Chardonnay Duett und die süße Auslese soweit.

Die Auslese ist ja schon seit der Gärungsunterbrechung im November weitgehend „fertig“, bei den anderen beiden gab es allerdings in den letzten Wochen intensiven Verkostungsbedarf. Chardonnay und Pinot blanc zählen nämlich zu unseren wichtigsten Sorten, und dementsprechend viele Einzelchargen gibt es insbesondere in einem auch mengenmäßig guten Jahr wie 2018.

Früh gelesen mit wenig Alkohol und lebendiger Säure, spät gelesen mit reifer Frucht und cremiger Fülle, kühle Lage, frühe Lage, alte Reben und junge Stöcke, tankvergoren, spontan und mit Reinzuchthefe, altes Fass, (fast) neues großes Fass und Barriques von neu bis alt boten eine Menge an Kombinationsmöglichkeiten für den Endverschnitt.

Entstehen sollten daraus ein klassischer Pinot blanc, der jetzt gefüllt wird, und ein lagenreiner Sortenvertreter von den alten Reben in der Riede Wieser, der als Leithaberg DAC im Juli oder August in die Flasche kommt. Außerdem unser Chardonnay Duett, der den Ausbau in Stahl und Holz verbindet und ebenfalls am Dienstag abgefüllt wird sowie später ein Lagenchardonnay vom Goldberg, den wir 2017 erstmals gefüllt haben. Und für ein vage andiskutiertes Projekt mit einem unserer Vertriebspartner sollten auch noch passende Chargen im Tank verbleiben.

Nach etlichen Etappen, gelegentlichen Zweifeln und dem Härtetest der Muster als Speisenbegleiter und im Alltag bin ich mir jetzt ziemlich sicher, eine gute Lösung gefunden zu haben. Einen schönen Kompromiss im besten Sinn des Wortes.

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Schlechtes Wetter

Dienstag, 12. März 2019 | Autor:

Eigentlich müsste ich es besser wissen, ist der Bezug der meisten Menschen zur Natur doch sehr gering geworden und sind doch nur mehr weniger als fünf Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig. Trotzdem verwundert es mich immer wieder, wenn sich jemand über 20°C im Februar freut, und auch nach Wochen ausgeprägter Trockenheit über ein paar Regentropfen ärgert.

Fassungslos bemerke ich dann jedes Mal aufs Neue, wie ich-bezogen die meisten Menschen beim Wetter sind, wie wenige Gedanken sie sich über die natürlichen Zusammenhänge machen. Und wie wenige über uns Bauern, die wir von und mit der Natur auch für sie Brot, Wein und mehr liefern.

Das ist übrigens kein Jammern über die aktuelle Trockenheit und den sich andeutenden (zu) frühen Austrieb, denn ich jammere nicht. Es ist lediglich der Versuch darauf hinzuweisen, dass Sommertemperaturen von März bis November und andauernder Sonnenschein ohne einen Tropfen Regen kein gutes Wetter sind.

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Der gläserne Wein (15)

Donnerstag, 21. Februar 2019 | Autor:

In dieser Serie stelle ich, wie im ersten Beitrag angekündigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausführlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer „gläsernen“ Weine entsteht dabei nach und nach in der entsprechenden Beitragskategorie und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.

Weinsäure und andere

Auch bei bester Arbeit im Weingarten, eingehenden Reifeanalysen vor der Ernte und hoher Flexibilität bei der Wahl des Lesetermines landen immer wieder Trauben im Presshaus, bei denen Aromareife, Zucker- und Säuregehalt nicht ganz im Einklang stehen.

In kühleren Jahren werden die Trauben zwar oft aromatisch reif, erreichen aber nicht immer einen Zuckergehalt, der später als Alkohol im Wein dem Potential und den Erwartungen an die Qualität der Trauben entspricht. Dafür nützen wir fallweise wie in Teil 7 beschrieben die Möglichkeit mit Saccharose geringfügig aufbessern zu dürfen.

Klimawandelbedingt gibt es immer seltener solche Jahrgänge, dafür werden die frühreifen, heißen und trockenen Jahre häufiger. Diese Wetterbedingungen führen zu niedrigen Säurewerten in den Trauben, denen man nicht immer durch eine vorgezogene Lese entgegenwirken kann. Zu frühes Ernten würde nämlich zwar mehr Säure, aber auch unreife, wenig attraktive und haltbare Aromen bedeuten.

weiter…

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Kontrolliertes Nichtstun

Montag, 7. Januar 2019 | Autor:

Foto: Armin Bardel

Nach der Hektik der Weinlesezeit ist es seit Mitte November sehr ruhig geworden in unserem Keller. Der biologische Säureabbau der Roten ist abgeschlossen, die meisten Weine sind von der groben Hefe abgezogen und die Intervalle zwischen den laufenden Verkostungen sind jetzt deutlich länger als im Oktober.

Da wir – im Gegensatz zum weit verbreiteten Jüngstweinkult – versuchen, frühe Abfüllungen zu vermeiden, wurden die meisten unserer Weine seit der Gärung nur einmal bewegt. Manche aber auch noch gar nicht.

Der Zucker der Trauben ist vergoren zu Alkohol, die Äpfelsäure dort wo gewünscht abgebaut zu Milchsäure, Aroma und Farbe mit einer ersten geringen Jungweinschwefelung stabilisiert und der Großteil der Trubstoffe durch die Wirkung der Schwerkraft abgetrennt.

Bei gutem Traubenmaterial und sorgfältiger Erntearbeit in Weingarten und Keller sind die meisten Weine damit eigentlich „fertig“.  Was jetzt noch kommt, sind  kleine Anpassungen des Säuregehaltes (heuer witterungsbedingt erlaubterweise eher nach oben) einiger weniger Chargen, eine Filtration möglichst knapp vor der Abfüllung um die Feinhefe zu entfernen, die sich nicht von selbst absetzt und das Einstellen eines stabilen SO2-Spiegels für die Füllung.

Wichtiger als diese Maßnahmen ist aber die Zeit, die wir unseren Weinen lassen. Sie spart einiges an Stabilisierungsmaßnahmen und trägt wesentlich zur inneren Balance der Weine bei.

Das Schlagwort dafür lautet „kontrolliertes Nichtstun“, wobei die Betonung auf der Kontrolle liegt, nicht auf der Faulheit. Wenn die Verkostung eines Jungweines zeigt, dass Nichtstun ein Fehler wäre, wird natürlich gehandelt. Und wenn es ökonomisch notwendig erscheint, füllen wir auch schon mal eine kleine Teilmenge eines Weines vor Weihnachten.

Trotz aller Liebe zu klaren Grundsätzen halte ich nämlich Kompromisslosigkeit eher für das Problem als die Lösung.

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