Kompromisslos?

Samstag, 2. September 2017 | Autor:

Man liest das öfter in Magazinen und Betriebsprospekten: Winzer XY macht keine Kompromisse, ist Qualitätsfanatiker, vom Weinvirus befallen.

Viele Kollegen fühlen sich von solchen Beschreibungen wohl geehrt (sonst würden sie sie ja auch nicht selbst verwenden) und treffend charakterisiert. Ich nicht. Mir stellen sich bei sowas alle Haare auf, die ich noch habe.

Mein Weininteresse ist weder krankhaft, denn bei aller Liebe zum Wein ist es mir wichtig, ihn nicht über Familie, Freunde, andere Interessen und Lebensglück dominieren zu lassen.

Noch bin ich fanatisch, halte meine Vorstellung von Wein(qualität) nicht für die alleingültige Wahrheit, versuche anderen Meinungen gegenüber offen und tolerant zu bleiben und habe keinerlei Ambitionen, meine Weinansichten mit missionarischem Eifer in die Welt zu tragen.

Und schon gar nicht bin ich kompromisslos, denn für mich ist ein guter Wein geradezu die Summe vieler kleiner bestmöglicher Kompromisse. Die beginnen schon bei der Auspflanzung eines neuen Weingartens und ziehen sich bis zur Abfüllung des Weines.

Um ganz aktuell zu bleiben: Ernte ich meine Trauben spät, um so viel Zucker (=Alkohol, Kraft, Extrakt) wie möglich zu bekommen? Oder früher, um mehr Säure (=Feinheit, Frische, Eleganz) zu bewahren? Oder versuche ich den Kompromiss aus beidem, entweder durch einen mittleren Erntetermin oder durch das spätere Verschneiden von früh- und spätgelesenen Chargen?

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Jubiläum verpasst

Sonntag, 11. September 2016 | Autor:

Haider 131 komprimiert

Am 3. September 2006 ging mein Blog mit diesem Beitrag online, aber im (Vor-)Lesestreß habe ich mein 10-Jahres-Jubiläum glatt vergessen.

Zum Glück hat mich mein Bruder, der sich dankenswerterweise seit damals um die „Technik“ dahinter kümmert, daran erinnert.

Nach der Lese werde ich ein gutes Glas Mosel-Riesling von Harald Steffens darauf trinken!

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Gustav-Adolf-Fest in Mörbisch

Dienstag, 24. Mai 2016 | Autor:

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Das Gustav-Adolf-Fest ist eine Art Jahrestreffen der burgenländischen Evangelischen, das jedes Jahr von einer anderen Kirchengemeinde veranstaltet wird.

Heuer ist mein Heimatort Mörbisch Gastgeber, und in diversen Arbeitskreisen bin ich mit sehr vielen anderen seit über einem Jahr an den Vorbereitungen beteiligt. Immerhin werden 1500 oder mehr erwachsene Besucher erwartet, und das Kinderprogramm, für das ich mit anderen zuständig bin, haben wir für bis zu 240 Kinder ausgelegt.

Besonders in den letzten Tagen und Wochen war sehr viel für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu tun. Ehrenamtlich natürlich, und in einer Zeit, die auch im Weinbau nicht gerade zu den ruhigsten zählt.

Bei allem Stress war es aber auch schön zu beobachten, was da in der Gemeinde entsteht. Wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, auch mit Leuten und Institutionen, mit denen man sonst nichts zu tun hat.

Längst ist das Gefühl, ganz sicher irgend etwas Wichtiges vergessen zu haben der Vorfreude auf den kommenden Donnerstag gewichen. Und wie es scheint, meint es das Wetter auch gut mit uns!

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Kurzes Vergnügen

Samstag, 23. Januar 2016 | Autor:

Eisstimmung 3 bearbeitet

Ein paar Mutige haben es auch schon Anfang Jänner probiert. Wirklich befahrbar ist das Eis am Neusiedlersee aber erst seit Donnerstag. Leider schneit es heute und für morgen ist schon wieder Tauwetter prognostiziert.

Schön war es aber trotzdem.

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Kassenchaos

Sonntag, 27. Dezember 2015 | Autor:

Antique_cash_registerAb 1. Jänner sind alle österreichischen Betriebe, die eine gewisse, relativ niedrig angesetzte Umsatzgrenze überschreiten verpflichtet, ihre Bareinnahmen über eine elektronisches Kassensystem zu registrieren. Und ab 1. Jänner 2017 müssen die Kassenbuchungen und -belege mit einer zertifizierten elektronischen Signatur versehen sein. Damit soll Steuerhinterziehung unmöglich gemacht oder zumindest deutlich erschwert werden.

Dieses Ziel ist durchaus nachvollziehbar, obwohl man natürlich auch den Zusammenhang zwischen extrem hoher Abgabenquote in unserem Land, nicht vorhandener Bereitschaft der Politik zum Sparen und Steuervermeidung nicht übersehen sollte.

Für uns Weinbauern ist die neue Regelung aus verschiedenen Gründen eine ziemliche Herausforderung:

Anders als in klassischen Handelsgeschäften gibt es beim Ab-Hof-Verkauf keine relativ gleichmäßige Kundenfrequenz. Tage und Wochen ohne Kunden wechseln mit extremen Stoßzeiten bei Veranstaltungen wie Tagen der offenen Kellertür. Ein zweiter Rechnungsblock ist da schnell aufgelegt, eine zweite Registrierkasse, die den Rest des Jahres nur im Regal verstaubt aber wohl kaum wirtschaftlich.

Sehr viele Weinbauern erzielen nicht nur ab Hof Bareinnahmen, sondern auch beim Liefern ihrer Weine. Dafür muß das Kassensystem entweder mobil sein (wobei sich die Frage stellt, wie man es organisiert, wenn gleichzeitig auch zu Hause verkauft wird) oder die beim Liefern zulässigen handgeschriebenen Rechnungen müssen nachträglich mit zusätzlichem Aufwand in die Kassa eingegeben werden.

Viele Weinbauern führen ihre Betriebe – oft durchaus wirtschaftlich erfolgreich – ohne jegliche Computerkenntnisse. Und dort wo der Betriebsführer in solchen Dingen fit ist, helfen weniger computerkundige Eltern und Schwiegereltern oft im Verkauf mit. Sie sind eher anwesend, wenn Zufallskunden läuten und kennen die Stammkunden zum Teil seit Jahrzehnten. Ohne digitale Grundkenntnisse ist aber kein Kassensystem vernünftig zu bedienen.

Während Dienstleistungsbetriebe de facto keine und Handelsfirmen vergleichsweise einfache Lagerbuchhaltungen haben, schreibt uns Weinbauern das Weingesetz in Form des Kellerbuches eine relativ komplizierte Lagerverwaltung vor. Verschiedene Qualitätsstufen müssen strikt getrennt, unterschiedliche Mehrwertsteuersätze angewendet und Grenzen für Eigenverbrauch und Schwund eingehalten werden. Die Übernahme der Verkaufsdaten aus der Registrierkasse in dieses System muß rechtlich einwandfrei und ohne all zu großen Aufwand möglich sein.

Und schließlich gibt es – anders als im „normalen“ Geschäft um die Ecke – neben den Bareinnahmen auch einen relativ hohen Anteil an Rechnungsbeträgen, die überwiesen werden. Diese müssen zwar nicht zwangsläufig über die Registrierkasse laufen (und manche Systeme können das auch gar nicht), aber wenn sie es nicht tun, braucht es dafür eigene Rechnungsblöcke und ein eigenes Verbuchungssystem.

Die Entscheidung, welches Kassensystem am ehesten zu den eigenen Betriebsabläufen paßt, ist also keine einfache. Und meist auch keine billige. Deshalb habe ich mich in den letzten Tagen intensiv damit beschäftigt, zahlreiche Angebote recherchiert und einige von ihnen auch ausprobiert.

Wer Details dazu wissen möchte, liest hier einfach weiter:

weiter…

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Weinbeziehung

Mittwoch, 23. Dezember 2015 | Autor:

Foto: Armin Bardel

Foto: Armin Bardel

Frau F. wohnt in Wien. Sie trinkt nicht viel, aber gerne Wein und manchmal auch Traubensaft. Seit vielen Jahren dürfen wir ihr bei unserer Weihnachtslieferung etwas mitbringen und bei der Gelegenheit ein paar Minuten mit ihr plaudern. Schließlich gibt es immer wieder Neues zu berichten.

Vor zwei Jahren kam ich kurz nach einem größeren Wasserschaden in ihrer Altbauwohnung, der nicht nur den Keller, in dem ich den Wein abgestellt habe, sondern auch die Küche verwüstet hat. Trotz vieler Scherereien mit Handwerkern und Versicherung war Frau F. guter Dinge und zeigte mir im Jahr darauf stolz die neue Kochecke.

Heuer berichtete die alte Dame voll Freude von den Weihnachtsbräuchen ihrer Kinder und Enkel, aber auch sorgenvoll von ihrem hohen Blutdruck und den Mühen, die damit verbunden sind. Und fast so, als ob ich zur Familie gehören würde, gab sie mir etwas zum Naschen auf meine weitere Tour mit.

Familie S. aus Oberösterreich kennen wir ebenfalls schon sehr lange. Zwei- oder dreimal im Jahr liefern wir Wein, plaudern mit dem Hausherrn darüber, wo er als Tischler auf Montage überall hingekommen ist, und mit Frau S. über ihre Sammelleidenschaften. Und wenn wir nicht in der Früh kommen und zum Frühstück eingeladen werden, gibt es immer reichlich Trinkgeld, damit wir uns unterwegs eine Jause kaufen können.

Bei Familie L. am Attersee gab es ebenfalls immer ein Frühstück für uns. Jahrzehntelang war sie uns außerdem bei der Weinlese behilflich und Franz unterhielt die ganze Mannschaft mit seinen Fernfahrerabenteuern, die er in aller Welt erlebt hatte. Leider ist seine Frau heuer verstorben und kann uns kein Frühstück mehr servieren, aber auch Franz ist sehr gastfreundlich, wenn er nicht gerade, obwohl längst in Pension, als Aushilfsfahrer mit dem LKW unterwegs ist…

Viele, sehr viele unserer Kunden kennen und schätzen unsere Weine seit vielen Jahren. Und bei nicht wenigen von ihnen durften nicht nur die Weine, sondern auch wir fast ein Teil der  Familie werden.

Auch wenn beim Verkosten in unserem Keller oder beim Liefern vor Ort nicht viel Zeit für Persönliches bleibt, ein paar Worte sind es doch jedes Mal. Und über die Jahre leben unsere Stammkunden mit uns und wir mit ihnen.

Immer wieder gibt es Schönes zu zeigen oder zu berichten: Hochzeiten, Kinder und Enkelkinder (für die wir manchmal sogar Hochzeits- oder Taufweine liefern dürfen), neu gebaute Häuser, berufliche Erfolge, Reisen, ehrenamtliche Tätigkeiten. Aber natürlich auch die Schattenseiten des Lebens: Krankheiten, Scheidungen, Mißerfolge und den Tod.

Trotzdem ist es eine wunderbare Erfahrung, fremden Menschen über die Jahre so nahe kommen zu dürfen. Das hat nichts von anonymer Kunden-Lieferanten-Beziehung, und schon gar nichts vom gläsernen Kunden, dessen Daten kalt zur Umsatzmaximierung benutzt werden.

Es ist schlicht ein Ehre und ein Privileg unseres Berufes und unserer Betriebsgröße. Herzlichen Dank dafür allen unseren Wein-Freunden.

Frohe Weihnachten!

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Da wiehert der Amtsschimmel (2)

Freitag, 17. April 2015 | Autor:

Heap of Stamps von I, Magnus Gertkemper.

Ab November des heurigen Jahres braucht man einer EU-Richtlinie zufolge als Käufer und Anwender von Pflanzenschutzmitteln einen eigenen Pflanzenschutzmittel-Sachkundeausweis.

Das ist, obwohl es an der Praxis kaum etwas ändern wird, aber Kosten und Bürokratie verursacht grundsätzlich durchaus nachvollziehbar. Schließlich sind Pflanzenschutzmittel etwas, was im Interesse aller von möglichst kompetenten Personen richtig und sparsam eingesetzt werden sollte.

Nicht nachvollziehbar ist allerdings, warum die Umsetzung der Richtlinie in Österreich bundesländerweise ziemlich unterschiedlich gehandhabt wird. Das geht laut dieser Info sogar so weit, dass Wien gültige Ausweise anderer Bundesländer nicht anerkennt.

Man darf allerdings großzügigerweise mit einem gültigen Ausweis eines anderen Bundeslandes den Wiener Pflanzenschutzmittel-Sachkundeausweis beantragen. Selbstverständlich mit einem neuerlichen Behördenweg und neuen Kosten.

Geht´s noch?

 

Foto: „Heap of stamps“ von I, Magnus Gertkemper.
Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons

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Gute Ausbeute

Sonntag, 29. März 2015 | Autor:

Holzpfähle1 komprimiert

Wie hier vor vielen Jahren schon einmal berichtet, stammen die Holzpfähle für das Drahtgerüst unserer Weingärten aus unserem eigenen kleinen Waldanteil.

Im Jänner haben wir die schönsten Stammteile  der Akazien Robinienbäume nicht zu Brennholz zerkleinert, sondern auf 2,5 Meter Länge zugeschnitten. Und gestern hat ein pensionierter Faßbinder diese schweren Teile mit seiner Bandsäge unter unserer tatkräftigen Mithilfe je nach Dicke nur gespitzt oder halbiert, gedrittelt, geviertelt, gefünftelt oder zweimal sogar gesechstelt.

So haben wir 212 neue Pfähle (die für einen neuen Weingarten mit ca. 4000 m2 reichen) erhalten – eine gute Ausbeute.

Holzpfähle2 komprimiert

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Da wiehert der Amtsschimmel (1)

Sonntag, 22. Februar 2015 | Autor:

Katasterplan

Angesichts der zunehmenden (Agrar-)Bürokratie und zahlreicher Doppel-, Drei- und Viergleisigkeiten in der Verwaltung spiele ich schon länger mit dem Gendanken, hier im Blog eine kleine Serie über deren Sinnlosighaftigkeit zu starten.

Als Vorgeschmack darauf empfiehlt sich dieser Artikel in der Tageszeitung „Die Presse“ über die aktuell laufende Hauptfeststellung der landwirtschaftlichen Einheitswerte. Von diesen mühsam ermittelten, aber trotzdem natürlich zwangsläufig fiktiven pauschalen Ertragswerten werden auch im 21. Jahrhundert immer noch sehr viele Steuern und Abgaben landwirtschaftlicher Betriebe berechnet.

„Das Rückgrat (der Einheitsbewertung, Anm.) bildet die Betriebszahl zwischen eins und hundert, die es für jeden Bauernhof (der 167.000, Anm.) zu ermittelt gilt – mit Abschlägen von einem Hauptvergleichsbetrieb mit Betriebszahl 100, also besten Bedingungen. Er existiert als ideeller Betrieb nur in den Köpfen der Beamten. …

Besonders liebevoll durchdacht ist etwa die Entfernung zum lokalen zentralen Ort, also der nächsten Stadt. Da von der Bürokratie geknechtete Bauern oft bei Behörden vorsprechen müssen, ist zu hinterfragen, ob es im lokalen zentralen Ort zumindest eine Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft gibt. Sonst ist ein Mittelwert mit dem nächsten entsprechenden Ort zu bilden, „sofern auch teilweise agrarische Belange bearbeitet werden“. …

Abschläge bei der Betriebszahl gibt es auch für die „Überquerung stark befahrener Straßen“ oder besondere Gefährdung durch Hagel – wofür Daten der Versicherung und der Zentralanstalt für Meteorologie zu konsultieren sind.“

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Frohe Weihnachten!

Mittwoch, 24. Dezember 2014 | Autor:

Raureif3 bearbeitet

 

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