Zeitlupenlese

Dienstag, 7. Oktober 2008 | Autor:

Gestern und heute stand der Cabernet Sauvignon auf dem Ernteprogramm, und wie schon 2006 (lustigerweise exakt am gleichen Tag) waren wir auch heuer mit einem massiven Auftreten von Stiellähme konfrontiert.

Diese physiologischen Erkrankung wird vermutlich durch ein Ungleichgewicht der Nährstoffe im Boden ausgelöst, wobei aber auch Zeitpunkt und Menge der Niederschläge sowie Unterlagsrebe und Bodenbearbeitung eine Rolle spielen dürften. Trotz zahlreicher Gegenmaßnahmen wie z.B. Blattdüngung mit Magnesium zeigt der Cabernet (nicht nur bei uns) vor allem in relativ feuchten Jahren immer wieder starke Symptome.

Dabei vertrocknet bei einzelnen Trauben oder Traubenteilen während des Reifeverlaufes der Stiel und die Beeren können sich nicht weiterentwickeln. Jene Trauben, die früh befallen werden, sind leicht zu erkennen, aber es gibt auch solche, die relativ spät die Reife einstellen und guten Trauben sehr ähnlich sind. Die sind fast nur durch ein Verkosten der Beeren zu erkennen.

Reife Cabernet-Traube mit Stiellähmebefall der unteren Hälfte

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Erste Eindrücke

Sonntag, 5. Oktober 2008 | Autor:

Rotwein im Glas

Je mehr Weine sich dem Endstadium der Gärung nähern oder diese bzw. den beim Rotwein nachfolgenden biologischen Säureabbau beendet haben, umso wichtiger wird das tägliche Verkosten.

Noch ist es für ein auch nur halbwegs treffendes Urteil über den Jahrgang viel zu früh, und das Probieren dient vor allem dazu, auch kleinste (und möglicherweise unerwünschte) Entwicklungen frühzeitig wahrnehmen und richtig einordnen zu können.

Was mir im Moment dabei aber generell auffällt, ist, dass die Zweigelt-Weine nach dem Säureabbau vergleichsweise mild schmecken, was die Säure betrifft, und dabei über ein relativ markantes, aber reif wirkendes Tannin verfügen.

Beides spricht durchaus dafür, dass (zumindest in unserem Fall) die wenigen Schönwetterwochen zwischen 20. August und Mitte September gereicht haben könnten, um wirklich ausgereiftes Traubenmaterial zu erhalten. Und das unsere mühsame Auslese doch Früchte trägt.

Bei den Weißweinen kann man bisher nur den Muskat Ottonel und die erstgelesenen Veltliner-Chargen ernsthaft verkosten. Ersterer scheint sich im Stil der letzten Jahre zu präsentieren (also nicht extrem intensiv, aber sehr sauber und feingliedrig) und letztere sind zwar ob der nicht allzuhohen Zuckergrade eher schlank, ihre Säure wirkt aber bei aller Rasse nicht agressiv.

Das läßt sich durchaus auch als Zeichen dafür deuten, dass die Trauben trotz nur mittlerer Zuckergrade ein gewisses Maß an Reife im Sinne von „innerer Harmonie“ erreicht haben.

Foto: steve.haider.com

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Es ist Zeit

Freitag, 3. Oktober 2008 | Autor:

Gestern habe ich zum erste Mal seit unserem Lesebeginn vor viereinhalb Wochen den Cabernet Sauvignon ausgiebig besichtigt.

Dabei habe ich mich weniger auf die Zuckermessung (von rund 18,5°KMW) oder gar irritierende Säureanalysen 😉 konzentriert, sondern hauptsächlich auf den Geschmack von Saft, Fruchtfleisch und Kernen.

Von den vielen Beeren, die ich gekostet habe erinnerte nur eine einzige an grünen Paprika, ein typisches Zeichen für Pyrazine Unreife. Und von den vielen zerbissenen Kernen war kein einziger unangenehm bitter.

Cabernet Sauvignon Ende August 2008

Trotz nicht unbedingt idealer Wetterverhältnisse seit diesem Foto vom 26. August wirken die Trauben reif.

Eine weitere Verbesserung scheint mir in diesem Stadium und um diese Jahreszeit (samt Nebel- und Botrytisgefahr, kurzer Tageslänge und dem zunehmenden Risiko des Vogelfraßes) kaum noch möglich und so werden wir die prognostizierten schönen Tage der nächsten Woche nützen, um den Cabernet (und den verbliebenen Blaufränkisch) zu lesen.

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Pause

Mittwoch, 1. Oktober 2008 | Autor:

Nach der gestrigen Ernte unserer Traminer-Trauben und des letzten Rests Welschriesling legen wir zumindest bis Montag eine Lesepause ein.

Von den Weißweinsorten wartet jetzt nur noch der Neuburger, bei dem wir auf einen Prädikatswein hoffen. Dazu kommt ein Teil unseres Blaufränkisch-Weingartens in der Riede Goldberg (wie hier ganz unten erwähnt) und der Cabernet Sauvignon, der in den Rieden Hader, Satz und Goldberg gedeiht.

Zu den Faktoren, die deren Erntetermin bestimmen, ist in den letzten Tagen ein weiterer hinzugekommen: Die Stare, von denen bislang zum Glück wenig zu sehen war, treten in immer größeren Schwärmen auf und stürzen sich gerne auf jene mittlerweile wenigen Weingärten, die noch nicht geerntet sind.

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Blaufränkisch-Schrecksekunde

Montag, 29. September 2008 | Autor:

Heute haben wir die mittlerweile vierte Lesewoche mit einem unserer beiden besten Blaufränkisch-Weingärten begonnen. Die letzte intensive Begutachtung der Trauben ist zwar schon einige Tage her, aber die geschmackliche und die Zuckerreife waren zu diesem Zeitpunkt bereits sehr vielversprechend.

Außerdem war anzunehmen, dass der (zu) hohe Säuregehalt seither ähnlich wie beim bereits gelesenen Chardonnay deutlich abgenommen hat. Ab Mitte der Woche droht zudem die nächste Schlechtwetterfront, und damit wir in der dafür anfälligen Lage Hader nicht wie im Vorjahr gefährlich in die Nähe der Überreife kommen, haben wir uns am Sonntag zur Lese entschlossen. weiter…

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Dicke Luft

Samstag, 27. September 2008 | Autor:

Neben Alkohol und Wärme entsteht bei der alkoholischen Gärung auch jede Menge CO2 (vulgo „Kohlensäure“) als Nebenprodukt. Dieses „Gärgas“ ist zwar nicht giftig, kann aber trotzdem tödlich sein, weil es im Extremfall jeglichen Sauerstoff aus dem Keller verdrängt.

An und für sich ist unser Keller in dieser Hinsicht relativ unproblematisch. Er liegt zwar tatsächlich unter der Erde, was den „natülichen“ Abzug des CO2 verhindert, weil dieses schwerer ist, als Luft und sich am Boden sammelt.

Aber er hat ein großes Einfahrtstor mit einer Rampe, das normalerweise gemeinsam mit mehreren Lüftungsschächten und den ständig laufenden Ventilatoren für ein vertretbares Arbeitsklima sorgt.

Heuer stößt unsere Entlüftung aber an ihre Grenzen. Das kühle Wetter und die große Erntemannschaft in der vergangenen Woche haben dazu geführt, das anders als sonst beinahe alle Tanks und Fässer gleichzeitig gären. Und damit man sich einmal vorstellen kann, was sich dabei so tut, habe ich folgende Rechnung angestellt:

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Das Highlight des Jahrgangs?

Freitag, 26. September 2008 | Autor:

Heute stand unser Chardonnay auf dem Programm, und die Trauben sind ein heißer Kandidat für den Titel „Highlight des Weinjahres“.

Mit perfekter Ausreifung, (gerade) noch so gut wie botrytisfrei, mit 19,5°KMW und einer knackigen Säurestruktur lassen sie auf ein tolles Endprodukt hoffen, wenn es der Kellermeister nicht verbockt.

Da muß sich morgen der (beste) Pinot blanc gehörig anstrengen. Und die Blaufränkischen und der Cabernet, die noch auf ein paar Sonnentage warten ebenso…

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Alles im Keller

Mittwoch, 24. September 2008 | Autor:

Noch sind nicht alle Trauben gelesen, aber der ungewöhnliche Verlauf der Lese und der Wettersturz von Sommer auf Winter hat dazu geführt, dass in unserem Keller im Moment alle Stadien der Weinwerdung nebeneinander zu finden sind.

Bei den Weißweinen wartet der heute gelesene Grüne Veltliner auf das morgige Entschleimen. Außerdem gibt es jede Menge gärender Moste, die vergangene Woche geerntet wurden und je nach Lesetermin und -temperatur gerade beginnen oder bereits mitten in der Gärung stecken.

Der Muskat Ottonel, mit dem wir die Lese vor zwei Wochen begonnen haben hat seinen Zucker hingegen schon seit vergangenen Samstag komplett in Alkohol umgewandelt und wird als „fertiger“ Wein voraussichtlich morgen erstmals geschwefelt, um einer Oxidation seiner empfindlichen Aromastoffe vorzubeugen.

Der beim Entschleimen dieses Muskat abgetrennte Trubanteil ist sogar noch einen Schritt weiter. Der Trubwein, den wir bald nach der Lese im Gebinde an den Großhandel verkaufen, wurde heute von seinem Bodensatz aus Hefezellen und Trubstoffen (dem Geläger) abgezogen.

Bei den Rotweinen ist die Bandbreite ähnlich groß: Während der Blaufränkisch von gestern noch nicht gärt und der von vorgestern gerade beginnt, ist der Zweigelt vom Mittwoch der vergangenen Woche schon in der Endphase.

Einer der beiden Zweigelt von der ersten Lesewoche wurde heute gepreßt und wartet darauf, morgen in die Barriques gefüllt zu werden. Und der zweite Zweigelt vom Lesebeginn liegt schon seit vergangener Woche gepreßt im Faß und ist vielleicht schon dabei, den biologischen Säureabbau zu beginnen.

Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten…

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Olfaktorische Metamorphose

Montag, 22. September 2008 | Autor:

rotweinbeere-komprimiert.jpg

Für Menschen mit ausgeprägter olfaktorischer Wahrnehmung ist das Werden des Weines eine unglaublich spannende Metamorphose.

Wie aus den Trauben mit ihren mehr oder weniger erkennbaren Aromen innerhalb von relativ kurzer Zeit „fertige“ Weine werden und welche Vielfalt an aromatischen Zwischenstadien es dabei gibt, läßt sich nicht in Worte fassen.

Nur wer schon einmal den Geruch der Rotweinmaische verfolgt hat, wie sie sich vom süß-säuerlich-fruchtigen Ausgangsprodukt über Fruchtmarmelade, aber auch ganz eigenartige, nicht immer ausgesprochen attraktive Gerüche zum warmen, dunkelfruchtigen Bukett eines (jungen) Rotweines gewandelt hat, kann erahnen, was ich meine.

Und nur Menschen mit wachen Sinnen können die Veränderung z.B. eines Muskat Ottonel vom traubig-aromatischen Saft über den kaum als Muskat erkennbaren Sturm zum Jungwein, der innerhalb von wenigen Tagen die Gäraromen abstreift und den Charakter der Muskat-Beeren wieder freigibt als das erkennen, was es ist:

Ein Wunder der Natur!

Foto: Wein Burgenland/Lukan

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Es geht (wieder) aufwärts

Sonntag, 21. September 2008 | Autor:

Wieviele Zuckergrade haben die Trauben schon?

In den letzten Tagen mußte sich unser Refraktometer nicht sonderlich anstrengen. Nach dem bisherigen Höchstwert von 18,5°KMW bei einer Zweigelt-Charge lag der Zuckergehalt von Welschriesling und Grünem Veltliner aus den verschiedensten Rieden zwischen 15 und 17°KMW. Gerade richtig für leichte und erfrischende (Land)Weine mit einem Alkoholgehalt rund um 11 Prozent.

Was jetzt noch draußen hängt, spielt überwiegend in einer anderen Liga: Morgen steht der erste Blaufränkische auf dem Plan, bei dem ich heute 18°KMW gemessen habe. Und je nach Wetterlage folgen ihm im Lauf der Woche Pinot blanc und Chardonnay, der bei der heutigen Reifekontrolle die 20°KMW nur knapp verfehlt hat.

Foto: steve.haider.com

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