Wie hoch pokern?

Samstag, 26. September 2009 | Autor:

 Blaufränkisch 2009

Und wieder ist eine Woche mit sommerlichen Tagtemperaturen, kühlen Nächten und ohne Regen oder nennenswerten Nebel vergangen.  Eine derart stabile Wetterphase während der Endreife der Spätsorten ist auch im Burgenland selten.

Bei solchen Bedingungen wird die Festlegung des Erntetermines der besten Blaufränkisch-Trauben zur Pokerpartie:

Wie lange wird die Glückssträhne noch anhalten?

Ist die Wetterprognose ernst zu nehmen, oder nur ein Bluff?

Gehen wir auf Nummer sicher, freuen uns über den bisherigen Gewinn, und ernten den Blaufränkisch? Oder spekulieren wir auf den ganz großen Jackpot?

Der Einsatz ist hoch, denn die Trauben sind schon jetzt sehr sehr reif. Das macht sie einerseits äußerst anfällig für Fäulnis und andererseits einen möglichen Verlust besonders bitter.

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Entspanntes Abwarten

Mittwoch, 23. September 2009 | Autor:

Blaufränkisch 2009

Dem Herbstbeginn zum Trotz war es auch heute wieder trocken, sonnig und ungewöhnlich warm. Und weil auch für die nächsten Tage keine Schlechtwetterfront prognostiziert wurde, lassen wir uns mit der Blaufränkisch-Ernte noch ein paar Tage Zeit.

Obwohl angesichts der fortgeschrittenen Reife und der hohen Temperaturen eine tägliche Kontrolle der Trauben auf erste Anzeichen von Überreife und Botrytis angesagt ist, können wir heuer die weitere Entwicklung relativ entspannt abwarten.

Während mir nämlich heute ein Kollege aus einem anderen heimischen Weinbaugebiet von massivem Botrytisbefall im Anfangsstadium berichtet hat, sind wir von solchen Bedingungen wie 2007 zum Glück noch weit entfernt.

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Im falschen Film

Sonntag, 20. September 2009 | Autor:

 pH-Wert des Neuburgermostes 2009

Knapp vor der Lese war ich bei einem Vortrag eines deutschen Önologen, der in seinen Ausführungen über die Reifeprozesse der Traube unter anderem einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Kerne in den Beeren und dem Säurepotential der Trauben herstellte.

Je mehr Kerne sich in den Beeren befinden, so seine Theorie, umso mehr Fruchtfleischgewebe (Kernsäcke) gibt es auch, die sie umgeben, und in denen vornehmlich Säuren gespeichert werden. Und da die Anzahl der Kerne primär vom Blütewetter abhängt, müßte man nach dem verregneten Juni 2009 mit einer niedrigen Kernanzahl in den Beeren und demzufolge mit sehr niedrigen Säurewerten rechnen, warnte er Anfang September.

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Der aktuelle Zwischenstand

Samstag, 19. September 2009 | Autor:

Traubenstiele nach dem Rebeln

Die Hauptlesewoche liegt hinter uns, und da wir auch bereits davor einige Weingärten geerntet haben, sind mittlerweile rund drei Viertel des Jahrgangs im Keller.

Die besten Parzellen vom Blaufränkisch, der Cabernet Sauvignon sowie Traminer und Weißburgunder für eine süße Auslese hängen jetzt noch draußen. Da es sich um keine großen Mengen handelt, sind wir relativ flexibel und können uns je nach Wetterbericht auch recht kurzfristig zur Lese entschließen.

Bisher verlief die Ernte aus mehreren Gründen so entspannt wie selten. Die ungewöhnlichen Reifeunterschiede der verschiedenen Sorten und die dem folgende Lese in Etappen mit mehreren Pausen hat mir zwischendurch genug Zeit für jene Arbeiten gelassen, die sonst meist in den Abend- oder Nachtstunden erledigt werden.

Auch die Qualität der bisher eingebrachten Trauben hat das ihre zum Wohlbefinden des Kellermeisters beigetragen. Und die Tatsache, dass es heuer wesentlich geringere Mengen zu verarbeiten gibt, hielt den Stress ebenso in Grenzen.

Wobei letzteres natürlich auch weniger positive Auswirkungen hat. Aber diese zu verdrängen ist angesichts der vielversprechenden Trauben ein Leichtes.

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Kein Vergleich

Freitag, 18. September 2009 | Autor:

Traubenwelke beim Zweigelt

In manchen Dingen ist der Jahrgang 2009 seinem Vorgänger sehr ähnlich: Die gute Wasserversorgung im Sommer, der trotzdem frühe Erntebeginn und die gute Säurestruktur der Trauben.

Was die Traubenwelke betrifft, so gibt es aber zum Glück keine Gemeinsamkeiten. Während wir im Vorjahr durch diese Krankheit mehr als 30 Prozent unseres Zweigelt verloren haben (siehe hier und hier), mußten wir heuer nur ganz wenige schlaffe, nicht ausgereifte Trauben aussortieren.

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Maischestandzeit

Mittwoch, 16. September 2009 | Autor:

 Chardonnay-Maische 2009

Normalerweise verarbeiten wir unsere Weißweintrauben möglichst zügig und pressen sie ungerebelt mit den Stielen. Das reduziert nicht nur den Anteil an Trubstoffen im Most (die nach dem Pressen entfernt werden müssen), sondern führt auch zu tendenziell zarteren, eleganteren Weinen mit einem etwas höheren Säuregehalt (was in unserem Klima meist einen Vorteil darstellt).

Wenn es paßt, ist unser Preßhaus aber auch flexibel genug, um die Weißweintrauben zu rebeln und anschließend eine sogenannte Maischestandzeit durchzuführen. Beim Chardonnay 2009 war es heute wieder einmal soweit.

Die Trauben waren frei von Fäulnis, physiologisch reif (was man auf dem Foto an den reifen braunen Kernen erkennen kann) und hatten dank der guten Wasserversorgung während des Sommers einen relativ hohen Säuregehalt.

Deshalb habe ich der Chardonnay-Maische bis zur Pressung ein paar Stunden Zeit gelassen, in der der Saft Aroma- und Mineralstoffe aus den Schalen aufnehmen konnte.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Die Maischestandzeit schiebt den ganzen Tagesablauf nach hinten und damit natürlich auch den Feierabend des Kellermeisters.

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Erfreuliches Jahrgangsphänomen

Montag, 14. September 2009 | Autor:

Trubdepot komprimiert

Neben dem ungewöhnlichen Reifeverlauf der verschiedenen Sorten (über den ich hier und hier schon berichtet habe), zeigt der Jahrgang 2009 bislang auch noch eine weitere Besonderheit:

Die frisch gepreßten weißen Moste sind auffallend arm an Trubstoffen, wie sich beim Entschleimen der verschiedenen Chargen immer wieder herausstellt.

Und nachdem wir die Art der Traubenverarbeitung in den letzten Jahren nur geringfügig verändert haben, muß es wohl am Jahrgang liegen. Ich vermute ein gutes Zusammenspiel von Gesundheitszustand und Reifegrad der Trauben.

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Wie weiter?

Sonntag, 13. September 2009 | Autor:

 Zweigelt 2000

Wenn nicht gerade ein hoher Fäulnisdruck alle Erntepläne über den Haufen wirft und höchste Eile angesagt ist, gibt es während jeder Weinlese eine Phase der Unsicherheit über den richtigen Zeitpunkt. Im Jahr 2009 ist es an diesem Wochenende soweit.

Die besten Trauben von Zweigelt, Pinot blanc und Chardonnay sind der idealen Reife mittlerweile recht nahe gekommen. In diesem Bereich läßt sich kaum noch beurteilen, ob und wenn ja wie viele Milli- oder Mikrometer noch fehlen.

Noch weniger kann man über das als wechselhaft prognostizierte Wetter der nächsten Tage sagen. Und darüber, wie weit sich die Trauben nach einem möglichen Regen wieder vom Idealzustand entfernen werden.

Angesichts derart vieler Variablen läßt sich die Richtigkeit des gewählten Erntetermins bestenfalls im Nachhinein erahnen. Wirklich wissen wird man es aber nie.

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Der erste Rote

Samstag, 12. September 2009 | Autor:

Überfluten der gärenden Rotweinmaische

Die meisten unserer Zweigelt-Trauben haben noch ein paar hoffentlich sonnige Tage Zeit, bevor sie gelesen werden. Ein Weingarten war aber nicht zuletzt aus logistischen Gründen schon am Donnerstag dran, und gärt dank der milden Temperaturen bereits munter vor sich hin.

In dieser Phase ist es wichtig, die vom entstehenden CO2 nach oben gedrückten Schalen laufend mit gärendem Saft zu befeuchten, damit dieser möglichst viele Farbstoffe aus den Beerenschalen lösen kann. Auf diese Weise wird aus dem blaßrosa Saft innerhalb weniger Tage ein tiefdunkler Rotwein.

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Traubenreife aktuell

Freitag, 11. September 2009 | Autor:

Zweigelt am 11. September 2009

Zweigelt, Pinot blanc und Chardonnay sind der physiologischen Reife meinem Gefühl nach schon recht nahe. Und auch an den Trieben und Blättern merkt man schön langsam, dass sich die Vegetationsperiode ihrem Ende nähert.

Zweigelt Ried Wasser: 18°KMW

Zweigelt Ried Goldberg 8 Trauben/Stock: 17,5°KMW

Zweigelt Ried Goldberg 6 Trauben/Stock: -18°KMW

Chardonnay Ried Hofwiesörter: +19°KMW

Pinot blanc Ried Wieser (jüngere Reben): +17°KMW

Blaufränkisch Ried Goldberg 6 Trauben/Stock: -18°KMW

Im Vergleich zu dieser Beobachtung vor einer Woche hat der Zweigelt punkto geschmacklicher Reife zwar deutlich aufgeholt, seine Zuckergehalte sind aber z.B. in Relation zum normalerweise deutlich späteren Blaufränkisch weiterhin auffallend niedrig.

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