Der Jahrgang 2011

Sonntag, 15. Januar 2012 | Autor:

 

Foto: steve.haider.com

Nach dem ohrenbetäubenden Schweigen zum 2010er wird der der Weinjahrgang 2011 allerorten um so mehr über den grünen Klee gelobt. Immer wieder ist von einem großen Jahrgang die Rede, einem der allerbesten der letzten drei Jahrzehnte.

Der frühe Vegetationsbeginn, ein sonniger und niederschlagsarmer Spätsommer und Herbst sowie die deshalb besonders gesunden und sehr reifen Trauben seien dafür verantwortlich, heißt es oft.

Deutlich seltener ist hingegen von den in vielen Betrieben außergewöhnlich hohen Alkoholwerten die Rede (über die ich hier bereits im Oktober berichtet habe), und den zum Teil sehr niedrigen Säurewerten (die naturgemäß vorwiegend ein Weißweinproblem darstellen).

Wenn man also schon Pauschalurteile fällen möchte, dann würde ich den heurigen Jahrgang beim Weißwein als ähnlich schwierig (wenn auch aus ganz anderen Gründen) wie seinen Vorgänger bewerten, mit schönen Lichblicken aber auch gar nicht so wenig Schatten.

Die roten 2011er sind hingegen zweifellos höher einzustufen. Der niedrigere Säuregehalt ist ihrer Harmonie nicht so schnell abträglich, und ihre Qualität ist noch viel stärker von gesundem Traubenmaterial mit höchstmöglicher Reife abhängig.

Worin aber ihre Einzigartigkeit im Vergleich zu den anderen sehr guten Rotweinjahrgängen der letzten zehn Jahre (also v.a. 2009, 2006, 2004, 2003, 2002 und 2000) liegen soll, will sich mir dennoch nicht ganz erschließen.

Ganz sicher kein außergewöhnlicher Jahrgang ist der 2011er hingegen bei den höhergradigen Prädikatsweinen. Trotz langer Warterei gab es kaum Edelfäule, die die Zuckergradationen nach oben treiben hätte können. Auch die Hoffnung auf Eiswein wurde (zumindest bis jetzt, angesichts des Datums und der Wetterprognose aber wahrscheinlich sogar endgültig) nicht erfüllt.

Eine etwas detailiertere Jahrgangseinschätzung sieht für unseren Keller derzeit folgendermaßen aus:

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In Schwung

Sonntag, 20. November 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Anders als bei den „normalen“ Weinen der Haupternte hat es bei unserer süßen Auslese eineinhalb Wochen von der Lese an gedauert, bis die Gärung dieser Tage richtig in Schwung gekommen ist. Das allerdings auch erst, seit ich mit einem Mostwärmer nachgeholfen und die Temperatur des Mostes auf einen hefeverträglicheren Wert gebracht habe.

Obwohl es gar nicht um eine stärker wärmeabstrahlende Kleinmenge geht, hatte die Hefe keinerlei Chance, sich mit der bei der Gärung freiwerdenden Energie selbst einzuheizen. Zu niedrig war die Ausgangstemperatur (rund 12°C), zu kalt mittlerweile der Keller (unter 10°C) und zu gering die Hefekeimzahl.

Um nämlich die später für den Erhalt des gewünschten Restzuckers notwendige Gärungsunterbrechung zu erleichtern, haben wir einerseits den Most stark entschleimt (und mit den Trubstoffen auch viele Hefezellen entfernt) und andererseits auf die Zugabe von Reinzuchthefe verzichtet.

Unserer Erfahrung nach führt das zu langsameren Gärungen, bei denen das Zeitfenster mit einem optimalen Verhältnis zwischen Alkohol und Restsüße für die Gärungsunterbrechung größer ist (was die Koordination mit dem dafür notwendigen Lohnunternehmer einfacher macht). Und zu einer besseren Filtrierbarkeit (was den Streß für den Wein beim Abstoppen mindert).

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Geschafft

Dienstag, 8. November 2011 | Autor:

Lesebuschen

Nach langem Warten haben wir gestern und heute unsere letzten Trauben geerntet. Und ganz traditionsgemäß wurde dabei der allerletzte Wagen auch mit einem Buschen aus Rebtrieben gekennzeichnet (wie auf dem Foto aus einem der Vorjahre).

Auch wenn wir trotz der Warterei unsere Idealmarke von gut 23°KMW nicht ganz erreicht haben, bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Nach einem sehr frühen Beginn hat die Weinlese 2011 damit ein ungewohnt spätes Ende gefunden.

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Weiterwarten

Dienstag, 1. November 2011 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Obwohl zahlreiche Beeren mittlerweile sehr dünnhäutig geworden sind, heißt es für unsere süße Auslese weiter warten. Abgesehen von den letzten beiden Tagen haben wir und unsere Trauben seit Wochen dank des beständigen und für unsere tief gelegene Region typischen Hochnebels keine Sonne gesehen.

Das ist zwar gut für die Auflösung der Beerenhaut und die Edelfäuleinfektion, verhindert jedoch die danach notwendige Wasserverdunstung. Deshalb steigt der Zuckergehalt bei den derzeitigen niedrigen Temperaturen und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit nur sehr, sehr langsam an.

Beim Traminer liegen wir zwar bereits deutlich im Bereich der Auslese, beim Weißburgunder könnte es aber noch etwas (zu) knapp sein. Weil beide gemeinsam einen Wein ergeben sollen, und das Handling im Keller bei einer gemeinsamen Lese einfacher ist, werden wir also frühestens nächste Woche ernten.

Natürlich wäre es auch möglich, die zahlreichen frischen, nicht geschrumpften Trauben separat zu lesen, um mit dem überreifen Material die Wunschgradation leichter zu erreichen. Die Fruchtigkeit und Frische, die wir neben der Süße auch gerne in unserer Auslese hätten, würde dann aber wohl vom Honigaroma der Botrytis übertönt werden.

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Dünnhäutig

Sonntag, 23. Oktober 2011 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Noch sehen die Trauben, auf die wir heuer unsere Süßweinhoffnungen setzen nicht so aus, wie der Neuburger 2008 auf dem Foto, aber seit ein paar Tagen merkt man doch, dass sich etwas tut.

Vor allem beim Weißburgunder hat die knackig-feste Schale kleine braune Flecken bekommen, und wenn man die Beeren zusammendrückt, platzt ihre Haut an diesen Stellen leicht auf. In unserer Mundart spricht man davon, dass die Trauben jetzt langsam „gliewert“ werden, eine Voraussetzung für eine weitere Steigerung des Zuckergehaltes durch Wasserverdunstung.

Weil dieser Prozess von Beere zu Beere in unterschiedlichem Tempo abläuft, variiert der Zuckergehalt der einzelnen Trauben zum jetzigen Zeitpunkt recht stark, was Reifekontrollen mittels kleiner Stichproben sehr sehr schwer macht.

Die gemessenen 24° KMW beim Traminer und 22° KMW beim Weißburgunder sind deshalb mit Vorsicht zu genießen und wir werden für die Festlegung des Erntetermines wohl auch noch eine kleine Probelese von zwei, drei Kübeln Trauben durchführen.

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Warten

Dienstag, 11. Oktober 2011 | Autor:

Vogelnetz

Während im Keller alle Weißweine mittlerweile durchgegoren sind, und die ersten Roten schon den biologischen Säureabbau hinter sich haben, warten draußen immer noch zwei Weingärten darauf gelesen zu werden.

Wie hier berichtet streben wir beim Traminer und einer Weißburgunder-Lage eine Auslese an, die ohne nennenswerten Edelfäulebefall nicht zu erreichen ist. Die letzten Tage haben zwar ein wenig Regen gebracht, aber noch zeichnet sich keinerlei Botrytisinfektion ab.

Dabei ist es normalerweise eher umgekehrt: Wir hoffen auf gesunde Trauben für trockene Qualitätsweine und kämpfen bei längerem Zuwarten gegen die Fäulnis. Der trockene heurige Spätsommer hat aber nicht nur die Entwicklung von kleinen Botrytisherden (z.B. in verletzten Beeren) weitgehend verhindert, die bei passender Wetterlage rasch um sich greifen können. Das Wetter hat auch für besonders dicke Beerenschalen gesorgt, die jegliche Infektion enorm erschweren.

Da sich unser Süßweinverkauf in Grenzen hält, und wir meist besonders günstige Jahrgänge nützen, um unseren Bedarf für mehrere Jahre zu decken, stören uns Ausnahmefälle wie der heurige üblicherweise nicht. Schon einmal gab es allerdings einen dringenden Prädikatsweinbedarf in einem Jahr ohne Edelfäule:

2003 wollten wir eine Beerenauslese, und trotz Zuwarten bis nach dem ersten Schneefall Anfang November hat es nur für eine hochgradige Auslese gereicht.

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Bomben und Granaten

Samstag, 8. Oktober 2011 | Autor:

Bomben und Granaten

Ein Wetterverlauf wie im heurigen Spätsommer bietet durchaus die Gelegenheit, sehr gute Weine zu keltern. Noch viel mehr allerdings macht er es möglich, Alkoholbomben und Üppigkeitsgranaten in Faß und Flasche zu bringen.

Die frühe Blüte und der Vegetationsvorsprung der Reben haben heuer eine (in Relation zur Traubenreife) späte Ernte ohne all zu großes Risiko erlaubt. Das ab Mitte August bis Ende September anhaltende (Hoch-)Sommerwetter trieb die Zuckergradationen nach oben. Und die warmen Nächte in Verbindung mit der nicht übermäßigen Wasserversorgung der Reben die Säurewerte nach unten.

Dieses Phänomen ist natürlich nicht neu, sondern in unserer Klimazone immer wieder mehr oder weniger ausgeprägt zu beobachten: 2009, 2007, 2003, 2000, 1997, 1994, 1992, 1990, 1983,…

Was sich allerdings ändert, ist der weinmodische Kontext, in dem diese Jahrgänge stehen.

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Immer was zu tun

Freitag, 30. September 2011 | Autor:

Abzug vom Geläger

Obwohl wir nach den letzten Blaufränkisch-Trauben die Lese am Montag bis auf weiteres eingestellt haben, gibt es im Keller jeden Tag etwas zu tun. So müssen unter anderem fünf verschiedene auf der Maische gärende Rotwein-Chargen jeweils dreimal täglich mittels Rundpumpen des Saftes durchmischt und dabei auch belüftet werden.

Außerdem gilt es die gärenden Weißweine zu kontrollieren und bei jenen, die sich dem Ende nähern wird sorgfältig der für die Gärung belassene Luftraum in den Fässern und Tanks aufgefüllt. Damit dafür ausreichend Wein zur Verfügung steht, habe ich mittlerweile auch schon zwei Weine von der Hefe abgezogen und dabei in kleinere Behälter gepumpt.

Die meisten bereits durchgegorenen (und teilweise auch schon moderat „geschwefelten„) Weißweine liegen allerdings noch auf dem Hefedepot, das positive Auswirkungen auf die spätere Stabilität und Mundfülle haben kann. Weil das aber nur funktioniert, solange sich das Geläger nicht negativ verändert und dem Wein unangenehme Gerüche nach Knoblauch und faulen Eiern veleiht, ist es wichtig, alle Chargen täglich zu verkosten.

Während wir die Weißweine kühl halten, liegen die verschiedenen Zweigeltfässer bei rund 20°C, um den biologischen Säureabbau einzuleiten. Noch schmecken die Roten ähnlich säurebetont wie die Weißen, aber die zunehmende CO2-Entwicklung, die man ab Spundloch hören kann, deutet schon auf ein Erwachen der Säureabbaubakterien hin.

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Vernetzt

Mittwoch, 28. September 2011 | Autor:

Vogelnetz

Schon vor der Lese der letzten Blaufränkisch-Trauben am Montag haben wir unsere letzten beiden Weingärten mit Vogelschutznetzen vor den nach der Hauptlese immer gefährlicher werdenden Staren geschützt.

Vom Weißburgunder-Weingarten, der oben zu sehen ist, und vom Traminer hätten wir nämlich gerne eine schöne Auslese mit etwa 23°KMW. Und weil sich schon vergangene Woche abgezeichnet hat, dass heuer wohl länger dauern wird, als die gemeinschaftliche Stareabwehr anhält, sind wir mit den Netzen auf Nummer sicher gegangen, obwohl der Kosten- und Arbeitsaufwand dafür nicht ohne ist.

Es mag paradox erscheinen, aber das derzeit vorherrschende grandiose Spätsommerwetter ist für unsere Absichten einfach zu gut. Die Reben haben die Zuckerbildung mittlerweile weitgehend eingestellt, und die vollreifen Trauben liegen seit mindestens einer Woche weitgehend unverändert zwischen 19 und 21°KMW.

Der Sprung zur Auslese gelingt nur, wenn Wasser aus den Beeren verdunstet und die Trauben schrumpfen. Und wenn man nicht das Glück hat, dass einem der Sonnenbrand auf den südseitigen Trauben ausnahmsweise einmal vorteilhaft konzentrierte Beeren beschert wie Armin Kobler hier in Südtirol, dann bleibt nur das Warten auf die Botrytis.

Damit dieser Edelfäulepilz die Traubenschalen aber weich und durchlässig machen kann, braucht er Feuchtigkeit in Form von Tau, Nebel oder einem leichten Regen. Nach der Pilzinfektion wäre dann wiederum trockenes Wetter ideal, damit das Wasser durch die porösen Beerenschalen verdunsten und sich der Zucker konzentrieren kann.

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Reif, unreif, überreif?

Donnerstag, 22. September 2011 | Autor:

Blaufränkisch

In frühen und heißen Jahren wie heuer ist es nicht immer einfach, den optimalen Lesezeitpunkt zu finden.

Manchmal wird mit Blick auf den Kalender zu lange zugewartet, weil es noch „zu früh“, und die Wettervorhersage günstig ist. Nicht selten wird aber auch zu früh gelesen, weil die Zuckergradationen bereits sehr hoch und die Säurewerte auf dem Weg in den Keller sind.

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Hightech

Montag, 19. September 2011 | Autor:

Dichtemeßgerät bearbeitet

Bald nach der Intervitis Vienna im heurigen Frühjahr habe ich in die betriebsinterne Analytik investiert und dabei nicht nur eine zeitgemäße Ausstattung zur SO2-Messung beim Rotwein gekauft, sondern auch dieses Dichtemeßgerät für die Weinlese.

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Zwischenstand

Samstag, 17. September 2011 | Autor:

Überfluten der gärenden Rotweinmaische

Am Ende der zweiten Lesewoche präsentiert sich die Lage folgendermaßen:

Der erstgelesene Muskat Ottonel von voriger Woche ist (nicht nur aber auch wegen des schnellen Gärstarts aufgrund der hohen Temperaturen) ebenso in der Endphase der Gärung, wie die (rotweingärtemperaturbedingt schneller gärenden) Zweigeltchargen vom Dienstag und Mittwoch dieser Woche. Beide Sorten sind angesichts der Traubenqualität und der bereits möglichen ersten Verkostung sehr vielversprechend.

Der Grüne Veltliner (gradations- und säuremäßig auf perfektem Niveau für einen leichten, erfrischenden Weintypus) wurde Ende der vorigen Woche komplett geerntet und heute kam auch die letzte Charge vom Welschriesling (schon eine Spur zu hoch in der Gradation bei noch akzeptabler Säure) nach Hause.

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Nebenbeschäftigungen

Mittwoch, 14. September 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Die Weinlese bringt zwar einiges an Anstrengungen mit sich, bei einer guten Organisation der Abläufe hält sich der Streß aber in durchaus verträglichen Grenzen.

Schwierig wird es meist nur dann, wenn diverse „Nebenbeschäftigungen“ die Ernteroutine beeinträchtigen. Und weil das Leben während der Weinlese natürlich keine Pause einlegt, bleiben diese nie aus.

Morgen Donnerstag gilt es zum Beispiel unsere Weine hier bei der gemeinsamen Herkunftsweinpräsentation von Leithaberg, Eisenberg und Mittelburgenland in Wien zu präsentieren.

Vergangene Woche hatten wir zwei (aller)erste Schultage zu organisieren und zu begleiten, diese Woche gab es familiäre Krankheitsfälle zu bewältigen und am Sonntag ist unser Kirtag, für den zumindest ein wenig Feierzeit und -stimmung bleiben sollte.

Zum Glück hat uns die Technik (bisher) nicht auch noch im Stich gelassen, wie Harald Steffens an der Mosel.

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Entwarnung

Montag, 12. September 2011 | Autor:

Pinot-Trauben

Schon vor dem Beginn der Haupternte wurde da und dort in der Branche die Jahrgangsdevise von einem sehr niedrigen Säuregehalt ausgegeben. Und wer ein wenig Ahnung von den Vorgängen in den Weintrauben während der Reife hat (oder diese hier nachliest) weiß, dass diese Befürchtung angesichts der ungewöhnlich warmen Reifephase durchaus nachvollziehbar ist.

Trotzdem kann ich diesbezüglich zumindest für unsere Weingärten vorsichtige Entwarnung geben, nachdem wir mittlerweile nicht nur Muskat Ottonel (der immer wenig Säure hat und deshalb nicht wirklich repräsentativ ist), sondern auch schon den gesamten Grünen Veltliner und einen Teil von Chardonnay und Zweigelt im Keller haben.

Der Säuregehalt von Pinot blanc und Chardonnay war bei der gestrigen Reifeanalyse sogar so unerwartet hoch, dass ich mir zuerst nicht sicher war, ob ich mich darüber freuen, oder die Säure als Zeichen der Unreife werten soll.

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Erschöpft, aber zufrieden

Samstag, 10. September 2011 | Autor:

Blick vom Goldberg

Nach einem kühlen Zwischenspiel mit Regen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat die erste Lesewoche heute so heiß geendet, wie sie begonnen hat.

Die hohen Temperaturen über 25°C sind sowohl für die Lesehelfer als auch für den Kellermeister eine besondere Herausforderung. Erstere werden bei der Ernte schneller müde, wenn es so warm ist. Umso bemerkenswerter, dass sie heute beim Grünen Veltliner trotzdem die geradezu sensationelle Spitzenleistung von 1200 kg Trauben pro Kopf gelesen haben. Danke!

Auch im Keller ist die Arbeit noch viel anstrengender, wenn die Trauben so warm hereinkommen. Bei hohen Temperaturen geht alles schneller: Die Oxidation von Farb- und Aromastoffen ebenso wie die Vermehrung (nicht immer erwünschter) Mikroorganismen.

Das ohnehin nur kurze Zeitfenster zwischen Pressung und Gärbeginn schrumpft dadurch (zumindest wenn man den Aufwand an Kühlenergie in halbwegs vertretbaren Grenzen halten möchte bzw. so wie wir nur sehr begrenzte Kühlmöglichkeiten hat) auf wenige Stunden zusammen. In denen müssen zumindest das Entschleimen erledigt, Zucker- und Säuregehalt gemessen, die Wahl des Gärbehälters getroffen und allfällige Behandlungen (wie z.B. diese) durchgeführt werden.

Bei allem Streß ist uns ein Spätsommer wie der heurige trotzdem lieber, als Nebel und Dauerregen. Und wenn die Trauben bei der Ernte so gesund und punktgenau reif sind, wie bis jetzt, nehmen wir auch gerne in Kauf, dass wir jeden Abend hundemüde ins Bett fallen.

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Es geht los!

Dienstag, 6. September 2011 | Autor:

Lesevorbereitungen

Obwohl ich das große Saubermachen in Preßhaus und Keller gestern nicht ganz abschließen konnte, beginnen wir heute Dienstag mit der Weinlese. Da wir diese Woche ohnehin nur eine kleine Erntemannschaft sind, werde ich die restlichen Fässer und Tanks, die erst nächste Woche benötigt werden, nebenbei saubermachen.

Eigentlich hatten wir uns ja erst vor gut einer Woche nach diesen Reifeanalysen auf nächsten Montag als Erntebeginn festgelegt. Aber wer konnte ahnen, dass nach der für Ende August außergewöhnlich heißen Periode vom 18. bis zum 28. des Monats noch eine weitere Woche mit extrem hochsommerlichen Temperaturen folgen würde.

Da sich nicht alle Pläne innerhalb weniger Tage ändern lassen, besteht die einzige Möglichkeit für uns, darauf zu reagieren, in einer Lese des besonders frühreifen Muskat Ottonel mit kleiner Crew im Lauf dieser Woche. Der ist nämlich besonders gefährdet, in der Hitze seine ohnehin niedrige Säurestruktur einzubüßen.

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Der Engpaß geht zu Ende

Mittwoch, 31. August 2011 | Autor:

Trauben

Für wirklich stichhaltige Aussagen ist es natürlich noch zu früh, aber schon jetzt zeichnet sich mit der Ernte 2011 ein Ende des österreichischen (Weiß-)Weinengpasses ab.

Nach einer unterduchschnittlichen Menge im Jahr 2009 und der Miniernte 2010 herrschte schon nach der Ernte Nervosität am Faßweinmarkt, und im Lauf dieses Jahres trafen verschiedene schlechte Nachrichten wegen der leeren Weißweinlager ein.

Prompt gab es Prognosen, die davon sprachen, dass ein Viertel der heurigen Ernte als Frühabfüllungen zur Abdeckung des Mangels von 2010 herangezogen werden müßte, und deshalb die Lage auf dem Weinmarkt selbst bei einer guten Ernte 2011 angspannt bleiben würde.

Betrachtet man die aktuelle Lage auf dem Traubenmarkt, scheint mir dieses Szenario wenig wahrscheinlich.

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Traubenreife aktuell

Sonntag, 28. August 2011 | Autor:

Pinot-Trauben

Die vergangene Woche mit einer für Ende August eher ungewöhnlichen Serie von Tageshöchsttemperaturen deutlich über 30 °C hat uns einen deutlichen Reifefortschritt beschert.

Für eine gute Entwicklung der Trauben müßte es zwar gar nicht so heiß sein, aber da wir die Traubenzone unserer Weingärten nicht oder (mit Ausnahme des Cabernet Sauvignon) nur auf der Schattenseite entblättert haben, befürchte ich keine Nachteile durch eine zu starke Besonnung der reifenden Trauben.

Die etwas stärkere Säureabnahme in den Trauben bei diesen Temperaturen sollte nach dem ansonsten (vor allem in den Nächten) eher moderaten und zuletzt auch ausreichend feuchten Sommer kein all zu großes Problem darstellen.

Und die Fäulnisgefahr nach dem ergiebigen Regen ist sogar merklich gesunken. Die vereinzelten Botrytisnester sind mittlerweile sauber und ohne Essigbakterieninfektionen eingetrocknet.

Nach den ersten Reifeanalysen vor einer Woche und den folgenden Werten von heute gehen wir im Moment von einem Lesebeginn am 12. September aus.

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Erste Anhaltspunkte

Donnerstag, 18. August 2011 | Autor:

Zweigelt in der Reife

Mit der fortschreitenden Entwicklung der Trauben haben die zuständigen Stellen auch heuer wieder ihre Reifeanalysen aufgenommen.

Die Weinbauschule Klosterneuburg hat damit bereits vergangene Woche begonnen und deshalb bereits das zweite Ergebnis, während das Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt heute die ersten Daten veröffentlicht hat.

Noch ist die Anzahl der Proben recht klein, aber wie nicht anders zu erwarten zeichnet sich gegenüber dem Vorjahr bereits ein etwas höherer Zuckergehalt (d.h. primär eine frühere Reife) bei deutlich weniger Säure in den Trauben (v.a. wegen der höheren Temperaturen und der geringeren Niederschläge im Juni bzw. Juli) ab.

Wie immer liegen meine ebenfalls heute durchgeführten ersten Messungen der Zuckergradation mehr oder weniger deutlich über den „amtlichen“ Werten. Die Trauben sind sehr gut entwickelt, der Ertrag scheint je nach Sorte, Lage und Bearbeitung um eine normale Erntemenge zu pendeln und die Reife schreitet gut voran.

Nicht zuletzt dank der Regenfälle der vergangenen Woche sind die Beeren allerdings prall gefüllt und damit sensibler als in trockene(re)n Jahren. Zum Glück finden sich bislang nur sehr sehr vereinzelt Botrytisnester rund um wegen Platzmangels aufgeplatzte Beeren und/oder nicht rechtzeitig abgetrocknete Wassertropfen.

Um das Wachstum der Reben nicht noch weiter anzutreiben und einen Teil des Wassers aus dem Boden zu bringen lassen wir die Begrünung in unseren Weingärten derzeit kräftig wachsen und mähen sie wenn überhaupt (um den Lesehelfern die Arbeit zu erleichtern) erst so knapp vor der Lese wie möglich.

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