Der Jahrgang 2011

Sonntag, 15. Januar 2012 | Autor:

 

Foto: steve.haider.com

Nach dem ohrenbetäubenden Schweigen zum 2010er wird der der Weinjahrgang 2011 allerorten um so mehr über den grünen Klee gelobt. Immer wieder ist von einem großen Jahrgang die Rede, einem der allerbesten der letzten drei Jahrzehnte.

Der frühe Vegetationsbeginn, ein sonniger und niederschlagsarmer Spätsommer und Herbst sowie die deshalb besonders gesunden und sehr reifen Trauben seien dafür verantwortlich, heißt es oft.

Deutlich seltener ist hingegen von den in vielen Betrieben außergewöhnlich hohen Alkoholwerten die Rede (über die ich hier bereits im Oktober berichtet habe), und den zum Teil sehr niedrigen Säurewerten (die naturgemäß vorwiegend ein Weißweinproblem darstellen).

Wenn man also schon Pauschalurteile fällen möchte, dann würde ich den heurigen Jahrgang beim Weißwein als ähnlich schwierig (wenn auch aus ganz anderen Gründen) wie seinen Vorgänger bewerten, mit schönen Lichblicken aber auch gar nicht so wenig Schatten.

Die roten 2011er sind hingegen zweifellos höher einzustufen. Der niedrigere Säuregehalt ist ihrer Harmonie nicht so schnell abträglich, und ihre Qualität ist noch viel stärker von gesundem Traubenmaterial mit höchstmöglicher Reife abhängig.

Worin aber ihre Einzigartigkeit im Vergleich zu den anderen sehr guten Rotweinjahrgängen der letzten zehn Jahre (also v.a. 2009, 2006, 2004, 2003, 2002 und 2000) liegen soll, will sich mir dennoch nicht ganz erschließen.

Ganz sicher kein außergewöhnlicher Jahrgang ist der 2011er hingegen bei den höhergradigen Prädikatsweinen. Trotz langer Warterei gab es kaum Edelfäule, die die Zuckergradationen nach oben treiben hätte können. Auch die Hoffnung auf Eiswein wurde (zumindest bis jetzt, angesichts des Datums und der Wetterprognose aber wahrscheinlich sogar endgültig) nicht erfüllt.

Eine etwas detailiertere Jahrgangseinschätzung sieht für unseren Keller derzeit folgendermaßen aus:

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In Schwung

Sonntag, 20. November 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Anders als bei den „normalen“ Weinen der Haupternte hat es bei unserer süßen Auslese eineinhalb Wochen von der Lese an gedauert, bis die Gärung dieser Tage richtig in Schwung gekommen ist. Das allerdings auch erst, seit ich mit einem Mostwärmer nachgeholfen und die Temperatur des Mostes auf einen hefeverträglicheren Wert gebracht habe.

Obwohl es gar nicht um eine stärker wärmeabstrahlende Kleinmenge geht, hatte die Hefe keinerlei Chance, sich mit der bei der Gärung freiwerdenden Energie selbst einzuheizen. Zu niedrig war die Ausgangstemperatur (rund 12°C), zu kalt mittlerweile der Keller (unter 10°C) und zu gering die Hefekeimzahl.

Um nämlich die später für den Erhalt des gewünschten Restzuckers notwendige Gärungsunterbrechung zu erleichtern, haben wir einerseits den Most stark entschleimt (und mit den Trubstoffen auch viele Hefezellen entfernt) und andererseits auf die Zugabe von Reinzuchthefe verzichtet.

Unserer Erfahrung nach führt das zu langsameren Gärungen, bei denen das Zeitfenster mit einem optimalen Verhältnis zwischen Alkohol und Restsüße für die Gärungsunterbrechung größer ist (was die Koordination mit dem dafür notwendigen Lohnunternehmer einfacher macht). Und zu einer besseren Filtrierbarkeit (was den Streß für den Wein beim Abstoppen mindert).

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Geschafft

Dienstag, 8. November 2011 | Autor:

Lesebuschen

Nach langem Warten haben wir gestern und heute unsere letzten Trauben geerntet. Und ganz traditionsgemäß wurde dabei der allerletzte Wagen auch mit einem Buschen aus Rebtrieben gekennzeichnet (wie auf dem Foto aus einem der Vorjahre).

Auch wenn wir trotz der Warterei unsere Idealmarke von gut 23°KMW nicht ganz erreicht haben, bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Nach einem sehr frühen Beginn hat die Weinlese 2011 damit ein ungewohnt spätes Ende gefunden.

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Weiterwarten

Dienstag, 1. November 2011 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Obwohl zahlreiche Beeren mittlerweile sehr dünnhäutig geworden sind, heißt es für unsere süße Auslese weiter warten. Abgesehen von den letzten beiden Tagen haben wir und unsere Trauben seit Wochen dank des beständigen und für unsere tief gelegene Region typischen Hochnebels keine Sonne gesehen.

Das ist zwar gut für die Auflösung der Beerenhaut und die Edelfäuleinfektion, verhindert jedoch die danach notwendige Wasserverdunstung. Deshalb steigt der Zuckergehalt bei den derzeitigen niedrigen Temperaturen und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit nur sehr, sehr langsam an.

Beim Traminer liegen wir zwar bereits deutlich im Bereich der Auslese, beim Weißburgunder könnte es aber noch etwas (zu) knapp sein. Weil beide gemeinsam einen Wein ergeben sollen, und das Handling im Keller bei einer gemeinsamen Lese einfacher ist, werden wir also frühestens nächste Woche ernten.

Natürlich wäre es auch möglich, die zahlreichen frischen, nicht geschrumpften Trauben separat zu lesen, um mit dem überreifen Material die Wunschgradation leichter zu erreichen. Die Fruchtigkeit und Frische, die wir neben der Süße auch gerne in unserer Auslese hätten, würde dann aber wohl vom Honigaroma der Botrytis übertönt werden.

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Dünnhäutig

Sonntag, 23. Oktober 2011 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Noch sehen die Trauben, auf die wir heuer unsere Süßweinhoffnungen setzen nicht so aus, wie der Neuburger 2008 auf dem Foto, aber seit ein paar Tagen merkt man doch, dass sich etwas tut.

Vor allem beim Weißburgunder hat die knackig-feste Schale kleine braune Flecken bekommen, und wenn man die Beeren zusammendrückt, platzt ihre Haut an diesen Stellen leicht auf. In unserer Mundart spricht man davon, dass die Trauben jetzt langsam „gliewert“ werden, eine Voraussetzung für eine weitere Steigerung des Zuckergehaltes durch Wasserverdunstung.

Weil dieser Prozess von Beere zu Beere in unterschiedlichem Tempo abläuft, variiert der Zuckergehalt der einzelnen Trauben zum jetzigen Zeitpunkt recht stark, was Reifekontrollen mittels kleiner Stichproben sehr sehr schwer macht.

Die gemessenen 24° KMW beim Traminer und 22° KMW beim Weißburgunder sind deshalb mit Vorsicht zu genießen und wir werden für die Festlegung des Erntetermines wohl auch noch eine kleine Probelese von zwei, drei Kübeln Trauben durchführen.

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Warten

Dienstag, 11. Oktober 2011 | Autor:

Vogelnetz

Während im Keller alle Weißweine mittlerweile durchgegoren sind, und die ersten Roten schon den biologischen Säureabbau hinter sich haben, warten draußen immer noch zwei Weingärten darauf gelesen zu werden.

Wie hier berichtet streben wir beim Traminer und einer Weißburgunder-Lage eine Auslese an, die ohne nennenswerten Edelfäulebefall nicht zu erreichen ist. Die letzten Tage haben zwar ein wenig Regen gebracht, aber noch zeichnet sich keinerlei Botrytisinfektion ab.

Dabei ist es normalerweise eher umgekehrt: Wir hoffen auf gesunde Trauben für trockene Qualitätsweine und kämpfen bei längerem Zuwarten gegen die Fäulnis. Der trockene heurige Spätsommer hat aber nicht nur die Entwicklung von kleinen Botrytisherden (z.B. in verletzten Beeren) weitgehend verhindert, die bei passender Wetterlage rasch um sich greifen können. Das Wetter hat auch für besonders dicke Beerenschalen gesorgt, die jegliche Infektion enorm erschweren.

Da sich unser Süßweinverkauf in Grenzen hält, und wir meist besonders günstige Jahrgänge nützen, um unseren Bedarf für mehrere Jahre zu decken, stören uns Ausnahmefälle wie der heurige üblicherweise nicht. Schon einmal gab es allerdings einen dringenden Prädikatsweinbedarf in einem Jahr ohne Edelfäule:

2003 wollten wir eine Beerenauslese, und trotz Zuwarten bis nach dem ersten Schneefall Anfang November hat es nur für eine hochgradige Auslese gereicht.

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Bomben und Granaten

Samstag, 8. Oktober 2011 | Autor:

Bomben und Granaten

Ein Wetterverlauf wie im heurigen Spätsommer bietet durchaus die Gelegenheit, sehr gute Weine zu keltern. Noch viel mehr allerdings macht er es möglich, Alkoholbomben und Üppigkeitsgranaten in Faß und Flasche zu bringen.

Die frühe Blüte und der Vegetationsvorsprung der Reben haben heuer eine (in Relation zur Traubenreife) späte Ernte ohne all zu großes Risiko erlaubt. Das ab Mitte August bis Ende September anhaltende (Hoch-)Sommerwetter trieb die Zuckergradationen nach oben. Und die warmen Nächte in Verbindung mit der nicht übermäßigen Wasserversorgung der Reben die Säurewerte nach unten.

Dieses Phänomen ist natürlich nicht neu, sondern in unserer Klimazone immer wieder mehr oder weniger ausgeprägt zu beobachten: 2009, 2007, 2003, 2000, 1997, 1994, 1992, 1990, 1983,…

Was sich allerdings ändert, ist der weinmodische Kontext, in dem diese Jahrgänge stehen.

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Immer was zu tun

Freitag, 30. September 2011 | Autor:

Abzug vom Geläger

Obwohl wir nach den letzten Blaufränkisch-Trauben die Lese am Montag bis auf weiteres eingestellt haben, gibt es im Keller jeden Tag etwas zu tun. So müssen unter anderem fünf verschiedene auf der Maische gärende Rotwein-Chargen jeweils dreimal täglich mittels Rundpumpen des Saftes durchmischt und dabei auch belüftet werden.

Außerdem gilt es die gärenden Weißweine zu kontrollieren und bei jenen, die sich dem Ende nähern wird sorgfältig der für die Gärung belassene Luftraum in den Fässern und Tanks aufgefüllt. Damit dafür ausreichend Wein zur Verfügung steht, habe ich mittlerweile auch schon zwei Weine von der Hefe abgezogen und dabei in kleinere Behälter gepumpt.

Die meisten bereits durchgegorenen (und teilweise auch schon moderat „geschwefelten„) Weißweine liegen allerdings noch auf dem Hefedepot, das positive Auswirkungen auf die spätere Stabilität und Mundfülle haben kann. Weil das aber nur funktioniert, solange sich das Geläger nicht negativ verändert und dem Wein unangenehme Gerüche nach Knoblauch und faulen Eiern veleiht, ist es wichtig, alle Chargen täglich zu verkosten.

Während wir die Weißweine kühl halten, liegen die verschiedenen Zweigeltfässer bei rund 20°C, um den biologischen Säureabbau einzuleiten. Noch schmecken die Roten ähnlich säurebetont wie die Weißen, aber die zunehmende CO2-Entwicklung, die man ab Spundloch hören kann, deutet schon auf ein Erwachen der Säureabbaubakterien hin.

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Vernetzt

Mittwoch, 28. September 2011 | Autor:

Vogelnetz

Schon vor der Lese der letzten Blaufränkisch-Trauben am Montag haben wir unsere letzten beiden Weingärten mit Vogelschutznetzen vor den nach der Hauptlese immer gefährlicher werdenden Staren geschützt.

Vom Weißburgunder-Weingarten, der oben zu sehen ist, und vom Traminer hätten wir nämlich gerne eine schöne Auslese mit etwa 23°KMW. Und weil sich schon vergangene Woche abgezeichnet hat, dass heuer wohl länger dauern wird, als die gemeinschaftliche Stareabwehr anhält, sind wir mit den Netzen auf Nummer sicher gegangen, obwohl der Kosten- und Arbeitsaufwand dafür nicht ohne ist.

Es mag paradox erscheinen, aber das derzeit vorherrschende grandiose Spätsommerwetter ist für unsere Absichten einfach zu gut. Die Reben haben die Zuckerbildung mittlerweile weitgehend eingestellt, und die vollreifen Trauben liegen seit mindestens einer Woche weitgehend unverändert zwischen 19 und 21°KMW.

Der Sprung zur Auslese gelingt nur, wenn Wasser aus den Beeren verdunstet und die Trauben schrumpfen. Und wenn man nicht das Glück hat, dass einem der Sonnenbrand auf den südseitigen Trauben ausnahmsweise einmal vorteilhaft konzentrierte Beeren beschert wie Armin Kobler hier in Südtirol, dann bleibt nur das Warten auf die Botrytis.

Damit dieser Edelfäulepilz die Traubenschalen aber weich und durchlässig machen kann, braucht er Feuchtigkeit in Form von Tau, Nebel oder einem leichten Regen. Nach der Pilzinfektion wäre dann wiederum trockenes Wetter ideal, damit das Wasser durch die porösen Beerenschalen verdunsten und sich der Zucker konzentrieren kann.

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Reif, unreif, überreif?

Donnerstag, 22. September 2011 | Autor:

Blaufränkisch

In frühen und heißen Jahren wie heuer ist es nicht immer einfach, den optimalen Lesezeitpunkt zu finden.

Manchmal wird mit Blick auf den Kalender zu lange zugewartet, weil es noch „zu früh“, und die Wettervorhersage günstig ist. Nicht selten wird aber auch zu früh gelesen, weil die Zuckergradationen bereits sehr hoch und die Säurewerte auf dem Weg in den Keller sind.

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