Ein gutes Jahr

Montag, 31. Dezember 2012 | Autor:

Bevor mit dem Jahreswechsel auch die Arbeit am neuen Jahrgang beginnt, möchte ich meine Aufmerksamkeit am letzten Tag des alten Jahres der vergangenen Ernte widmen. Auch wenn die Weine jetzt schon einige Monate Reife hinter sich haben (und vom Muskat schon ein kleiner Teil abgefüllt wurde), ist das natürlich kein abschließendes Urteil. Seriöser ist eine Einschätzung jetzt freilich schon als Pressemeldungen Anfang Oktober…

Insgesamt sind wir mit dem 2012er sehr zufrieden. Alles andere wäre auch einigermaßen undankbar angesichts der reifen, gesunden Trauben ohne Fäulnis und nennenswerten Sortieraufwand, des trockenen Wetters bei der Ernte und der guten Erntemenge, die uns das Jahr beschert hat.

Nicht nur darin ähnelt der heurige Jahrgang seinem Vorgänger. Auch stilistisch gibt es – in so unmittelbarer Wiederholung eher ungewöhnlicherweise – einige Parallelen zwischen den beiden. Eine frühe Reife und hohe Temperaturen bei der Ernte brachten vergleichswerise hohe Zuckergrade und relativ niedrige Säurewerte sowie speziell bei den Rotweinsorten reife Tannine und intensive Farbstoffe.

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Sehr verschieden

Dienstag, 23. Oktober 2012 | Autor:

Geiztriebtraube

Während man sich über die gute Qualität des Jahrgangs 2012 österreichweit recht einig zu sein scheint, geht die Zufriedenheit mit der Erntemenge in den einzelnen Weinbaugebieten weit auseinander.

Bei uns in der Region, aber auch im Mittelburgenland, in der Steiermark und einigen Teilgebieten Niederösterreichs, wo Winter- und Spätfrost, Hagel und Trockenheit die Ernte nicht (all zu sehr) dezimiert haben, sind die Keller durchschnittlich oder hin und wieder sogar ein wenig mehr als sonst gefüllt.

Aus dem sogenannten Seewinkel (dem Weinbaugebiet „Neusiedlersee“ also), dem niederösterreichischen Weinviertel, dem Kamptal und anderen Gegenden wird hingegen von leicht unterdurchschnittlichen bis hin zu sehr sehr kleinen Mengen berichtet.

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Auf und Ab

Dienstag, 9. Oktober 2012 | Autor:

Rotweinbelüftung

Aus hochwertigen Trauben entstehen bei sorgfältiger Arbeit im Keller in den allermeisten Fällen zumindest gute, nicht selten sogar sehr gute Weine. Auf dem Weg dorthin gibt es allerdings immer wieder echte und vermeintliche Probleme und schwierige Phasen, die zumindest bei mir jedes Jahr aufs Neue ein emotionales Auf und Ab auslösen.

Ein Muskat Ottonel und ein Grüner Veltliner zum Beispiel haben mir heuer in der Endphase der Gärung ausnehmend gut gefallen, wirkten wenige Tage später aber sehr verschlossen und beinahe dumpf. Das ist weder neu, noch ungewöhnlich werden Berufskollegen zu Recht einwenden.

Die Frage ist allerdings, ob und wenn ja wie man darauf im jeweiligen Einzelfall reagieren sollte: Die Jungweinschwefelung ein paar Tage vorziehen und die Dosis etwas erhöhen, oder auf die „öffnende“ Wirkung des Sauerstoffs vertrauen? Die oft heilende Wirkung der Hefe nützen und diese aufrühren, oder den Wein so schnell wie möglich vom Geläger abziehen?

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Daumen mal Pi

Mittwoch, 3. Oktober 2012 | Autor:

Rotweinmaische

Nach der Messung des Zuckergehaltes ist die Mengenfeststellung die zweitwichtigste Bestimmung, die man als Kellermeister durchzuführen hat. Die Literzahl bestimmt nicht nur den Gärbehälter, sondern auch jede weitere Behandlung von Most und Wein.

Normalerweise reicht es bei unseren Chargengrößen im ein- oder zweistelligen Hektoliterbereich (bei denen es nicht auf 50 oder 100 Liter annkommt) die Füllhöhe unserer zylinderförmigen Edelstahltanks mit deren Grundfläche zu multiplizieren.

Beim Rotwein allerdings ist die Sache etwas komplizierter, da in der Maische ja auch jede Menge Feststoffe in Form von Schalen und Kernen herumschwimmen, die das Ergebnis verfälschen würden. Während deshalb viele Kollegen auf die Pressung eine oder mehrere Wochen nach der Ernte warten, versuche ich immer noch am Tag der Lese zu berechnen, wieviel Wein ich erhalten werde.

Fast immer liege ich dabei so gut wie heute: Ein Gärtank vom Blaufränkisch ergab beim Pressen exakt die berechneten 5200 Liter und der andere 4400 Liter statt der vorhergesagten 4500.

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Ernte gut, alles gut

Mittwoch, 26. September 2012 | Autor:

Cabernet Sauvignon

Bei ähnlich warmem Sommerwetter wie am Beginn der Weinlese vor dreieinhalb Wochen haben wir gestern mit dem Cabernet Sauvignon die heurige Ernte abgeschlossen.

Dank unserer fleißigen Helfer haben wir in den letzten Wochen eine (im Unterschied zu einigen anderen österreichischen Gebieten) zufriedenstellende Menge an Trauben von sehr guter Qualität nach Hause gebracht.

Während die letzten davon gerade erst zu gären beginnen, sind die ersten bereits fertige Jungweine, die sich äußerst vielversprechend verkosten. Mehr dazu aber ein anderes Mal…

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Jahrgangsphänomene

Montag, 17. September 2012 | Autor:

Maische

Nach der zweiten Lesewoche bleibt uns für die nächsten Tage „nur“ noch der Traminer und der Blaufränkisch. Mit dem Cabernet Sauvignon sollte die Lese dann nächste Woche zu Ende gehen.

Trotz Hitze haben wir die Trauben bisher gut nach Hause und sauber bis zum Gärbeginn gebracht. Auffallend ist heuer einerseits die zum Teil extrem geringe Trubmenge nach dem Absetzenlassen der Moste über Nacht (was an den besonders gesunden Trauben des Jahrgangs, zum Teil aber auch an der neuen Presse liegen könnte), und andererseits eine gewisse Diskrepanz zwischen den relativ hohen Säuregehalten und den ebenfalls vergleichsweise hoch liegenden pH-Werten unserer Moste (die zum Teil auch an Messungenauigkeiten liegen könnte).

Eine mögliche Erklärung für letzteres Phänomen könnte eine überdurchschnittliche Kalium-Aufnahme aus dem Boden dank der guten Wasserversorgung im Juli und die für unserer Verhältnisse halbwegs niedrigen Nachttemperaturen im August sein, die die Säureabnahme in den Trauben während der Reife verlangsamen. Hohe Säurewerte stehen deshalb heuer möglicherweise hohen Kaliwerten gegenüber, was normalerweise zu vermehrtem Weinsteinausfall (und damit verbunden einer entsprechenden Säurereduktion während und nach der Gärung) führt.

Lassen wir uns überraschen…

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Die erste Woche

Freitag, 7. September 2012 | Autor:

Muskat Ottonel

Die erste Lesewoche liegt (fast) hinter uns. Muskat Ottonel, Grüner Veltliner und Welschriesling sind komplett geerntet und vom Chardonnay und Zweigelt ist auch schon eine erste Teilmenge im Keller.

Die Trauben sind außergewöhnlich gesund, haben für ihren jeweiligen Verwendungszweck die passende Zuckergradation und geschmackliche Reife und wie es scheint, sind die Säurewerte trotz ähnlich hohen Tagestemperaturen wie 2011 deutlich höher als im Vorjahr.

Noch ist es natürlich viel zu früh dafür, aber der Gedanke, dass das Jahr 2012 auch beim Weißwein  jene Spitzenqualität erbringen könnte, die dem 2011er von vielen Meinungsmachern (meiner Meinung nach nicht ganz berechtigt) zugeschrieben wurde, läßt mich nicht mehr los.

Nächste Woche soll es allerdings noch heißer werden, möglicherweise bis zu 32°C. Da heißt es wohl wieder flexibel sein, in den kühleren Morgenstunden Weißwein und später in der Hitze Rotwein ernten. In Preßhaus und Keller sauber und besonders schnell arbeiten. Und alle möglichen Tricks zur Kühlung der warmen Moste anwenden.

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Lesebeginn

Sonntag, 2. September 2012 | Autor:

Chardonnay-Trauben

Morgen Montag beginnen wir mit der Weinlese 2012. Der Muskat Ottonel ist sowohl vom Geschmack als auch von den Zuckergraden her dort, wo wir ihn gerne haben, und bis wir damit fertig sind, ist wohl auch der Grüne Veltliner, vielleicht schon der Welschriesling und ziemlich sicher auch der Zweigelt soweit.

Bis zuletzt haben wir am neuen Presshaus gearbeitet, und auch in den nächsten Tagen gibt es noch die eine oder andere  Sache zu erledigen, damit alles so funktioniert, wie geplant (dazu aber ein andermal mehr). Die Grundreinigung der Geräte und Behälter muß deshalb heuer – wie auch schon im Vorjahr mit dem kurzfristig vorgezogenen Lesetermin – nebenbei während des laufenden Betriebes erledigt werden, was die Nächte des Kellermeisters noch kürzer machen wird, als üblich.

Obwohl die nächsten Wochen nicht zuletzt deshalb die anstrengendsten des ganzen Weinjahres sind, in denen man mitunter an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gerät, ist heute für mich ein Tag der Freude:

Morgen beginnen wir mit der Lese 2012!

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Déjà-vu

Mittwoch, 22. August 2012 | Autor:

Zweigelt

Kaum lobt man das tolle, weil nicht zu heiße Wetter und läßt seine Trauben ein paar Tage allein, feiert der Hochsommer ein Comeback. Temperaturen deutlich jenseits der 30°-Marke haben die Traubenreife in den letzten Tagen enorm beschleunigt und erinnern stark an das Vorjahr.

Die Frage ist mittlerweile nicht mehr, ob wir schon am 3. September mit der Ernte beginnen. Sondern nur noch ob wir gleich mit der „großen“ Mannschaft oder nur einer kleineren Crew starten werden.

Wenn alles gut läuft, werden Ende nächster Woche die noch fehlenden Kleinteile in unserem neuen Presshaus montiert, damit wir am Wochenende noch „in Ruhe“ mit ein paar hundert Kilo Trauben einen ordentlichen Probelauf machen können.

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