Ein Jahrgang, der in Erinnerung bleibt

Freitag, 28. November 2014 | Autor:

WeinrallyeNach langer Pause schaffe ich es heute wieder einmal an einer Etappe der Wein(blog)rallye teilzunehmen. Alle deutschsprachigen Genussblogger die Lust dazu haben beschäftigen sich auf Vorschlag von Christin Jordan von Hauptsache Wein mit Eindrücken, Bilanzen und Meinungen zur Ernte 2014. In den nächsten Tagen wird es bei der Gastgeberin dieser Etappe auch eine Zusammenfassung dazu geben.

Aus dem Gefühlsleben eines Weinbauern

Auch wenn sich das nach 22 Jahrgängen, an denen ich aktiv beteiligt war, nicht mehr ganz so leicht sagt, wie früher: 2014 wird mir (und sehr, sehr vielen Kollegen) sicherlich lange Zeit in Erinnerung bleiben. Nicht wegen seiner Vorgeschichte, die mit (beinahe) blühenden Mandelbäumen im Jänner und einem extrem frühen Austrieb der Reben auch schon sehr ungewöhnlich war. Sondern natürlich in erster Linie wegen der sechs Wochen vor der Ernte und der Lese selbst.

Ende Juli waren wir noch bester Dinge. Das mäßige Sommerwetter hatte die Entwicklung der Reben ein wenig verzögert und die Nachteile des frühen Vegetationsbeginnes – eine zu frühe, zu heiße und zu schnelle Reifephase der Trauben – zum Teil wettgemacht. Der Regen in dieser Phase hätte vielleicht nicht ganz so üppig ausfallen müssen, aber er war nach ein paar eher trockeneren Wochen durchaus willkommen. Ein durchschnittlicher August genügt und das wird vielleicht der perfekte Jahrgang…

Leider hörte es aber nicht auf zu regnen und am 9. des Monats traf dann auch noch ein Hagelschauer einige unserer wichtigsten Weingärten. Davon abgesehen gaben die Trauben jedoch immer noch Grund zum Zweckoptimismus. Nur sehr vereinzelt waren Fäulnisnester zu sehen. Kein Problem, das bei der Ernte auszusortieren. Das kann noch ein sehr guter Jahrgang werden, wenn es jetzt trocken bleibt…

Es regnete weiter. Im ganzen August gab es wohl keine fünf Tage an denen es nicht geregnet hat oder die Trauben lange Zeit vom Regen am Vortag naß waren. Nur mühsam kletterten die Zuckerwerte der Beeren nach oben, aber immerhin waren die Trauben noch weitgehend gesund. Wenn es jetzt aufhört zu regnen, wir mit der Ernte zuwarten und in Weingarten und Keller alles richtig machen, kann das noch ein guter Jahrgang werden…

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Mit einem blauen Auge?

Donnerstag, 16. Oktober 2014 | Autor:

Rotweinschaum

Noch ist es viel zu früh, den außergewöhnlichen Jahrgang 2014 richtig einzuordnen. Natürlich wird man ihn nicht zu den sehr guten zählen können. Und ziemlich sicher wird er in der Menge auch österreichweit gerechnet unterdurchschnittlich ausfallen. Wie es aber im Detail aussieht, ist um diese Zeit schon in einem normalen Jahr schwer abzuschätzen. Und heuer praktisch gar nicht.

Auch wenn es überall zu nass war, dürfte es doch große Unterschiede zwischen den heimischen Weinbaugebieten geben. Und zwischen den Sorten. Zweigelt und wohl auch St. Laurent scheinen zum Beispiel fast überall schwer von der Fäulnis in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, während der Blaufränkisch besser dastehen könnte. Weil wichtige Blaufränkisch-Gebiete aber deutlich später in der Entwicklung sind, bleibt aber die Frage, ob die Reife weit genug fortgeschritten ist. Die deutliche Wetterbesserung ab Ende September konnten die meisten Reben nämlich mangels intakter Blattmasse aufgrund von de facto unvermeidlichem Peronosporabefall kaum noch nützen.

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Geschafft

Dienstag, 7. Oktober 2014 | Autor:

Auslese 2014

Heute Nachmittag haben wir die Weinlese 2014 mit einer Auslese vom Weißburgunder abgeschlossen.

Während es zwischendurch bei Welschriesling, Grünem Veltliner und Blaufränkisch deutlich besser war, mußten wir am Ende der Ernte die Trauben wieder genauso intensiv sortieren wie am Beginn vor 29 Tagen bei Muskat Ottonel und Zweigelt.

Deutlich mehr als die Hälfte landete heute auf dem Boden, infiziert von Essigsäurebakterien und verschiedensten unedlen Fäulnisarten. Hoffentlich hat sich die Mühe gelohnt.

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Dem Ende entgegen

Mittwoch, 1. Oktober 2014 | Autor:

Cabernet 2014

Mit dem Cabernet Sauvignon haben wir vorgestern Montag die Weinlese 2014 beinahe abgeschlossen. Neben einzelnen edelfaulen Trauben in fast allen Weißweingärten hängt jetzt nur noch eine Traminer- und eine Weißburgunderanlage komplett um davon eine süße Auslese zu keltern.

Wie eine genaue Kontrolle des Traminers gestern ergeben hat, dürfte sich die Sache dort allerdings leider erledigt haben. Fast keine Traube ist frei von Essigstich und eine Selektion bei der Ernte ist praktisch unmöglich. Die Kosten dafür stünden in keinerlei Relation zur erzielbaren Minimenge und der qualitative Erfolg der Arbeit wäre keineswegs sicher.

Alle Hoffnung ruht jetzt auf dem Weißburgunder. In dem Weingarten ist die Situation deutlich besser, ohne penibelste Auslese wird es aber auch dort nicht gehen.

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Zwischenbilanz

Sonntag, 21. September 2014 | Autor:

Rotweinmaische

Die Weinlese 2014 ist die bei weitem aufwändigste der mehr als 20 Ernten, die ich als Kellermeister mittlerweile auf dem Buckel habe. Zwei anstrengende Wochen liegen hinter uns und trotz vergrößerter Mannschaft noch mehr als eine weitere vor uns.

Praktisch überall ist ein mühsames Aussortieren der von Fäulnis befallenen Trauben(teile) notwendig. Das kostet viel Zeit und reduziert den Ertrag deutlich. Meistens landen die vom Botrytis-Pilz überzogenen Trauben auf dem Boden und nur in einzelnen Weingärten können sie in der Hoffnung auf einen Süßwein an den Stöcken hängenbleiben.

Zweigelt, Muskat Ottonel und Chardonnay sind mittlerweile komplett geerntet, Pinot blanc zum Großteil und Grüner Veltliner und Welschriesling etwa zur Hälfte. Bis wir mit den Weißen fertig sind, dürfen Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon noch ein paar Tage die Sonne genießen.

Die Trauben des Blaufränkisch sind zwar noch recht gesund und vielversprechend, im Unterschied zum Cabernet haben sie aber nicht mehr die Stabilität, um weitere Regenschauer und Nebelfeuchte zu überstehen und kommen deshalb auch noch diese Woche dran.

Was schon im Keller ist, zeigt durchaus positive erste Anzeichen, dass sich die Arbeit unserer fleißigen Erntehelfer (Danke!) auch lohnt: Die frisch gepressten Zweigelt-Weine sind recht farbkräftig und der erste durchgegorene Muskat Ottonel wirkt sehr sauber und fein.

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Schönfärberei und Panikmache

Samstag, 13. September 2014 | Autor:

Welschriesling-Traube mit massivem Botrytisbefall

2014 stellt uns Weinbauern nicht nur in Weingarten und Keller vor große Herausforderungen, sondern auch in der Kommunikation. Wie kann man die derzeitige Lage und ihre möglichen Auswirkungen auf das spätere Endprodukt erklären, ohne auf dem schmalen Grat zwischen Schönfärberei und Panikmache auszurutschen?

Auf der einen Seite droht der Verlust jeglicher Glaubwürdigkeit angesichts des auch für Laien nachvollziehbar miserablen (Spät-)Sommerwetters. Und auf der anderen ein ungerechtfertigt pauschales Negativimage der eigenen Produkte, von deren Verkauf man ja schließlich lebt, und von denen es auch 2014 ganz sicher solche geben wird, die man mit Genuss und Freude trinken kann.

Umso bemerkenswerter sind daher die folgenden Aussagen:

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Unverhofft kommt heuer nicht oft

Freitag, 12. September 2014 | Autor:

Most

Positive Überraschungen sind heuer eher selten. Umso erfreulicher, wenn gleich zwei an einem Tag eintreffen:

Entgegen den Prognosen von gestern hat das Adriatief heute eine Pause eingelegt und wir konnten ab 10 Uhr einen weiteren Teil des Muskat Ottonel heimholen.

Außerdem gab es netten Besuch von meinen Kollegen Petra und Wolfgang Janß vom Rheinterrassenhof im deutschen Rheinhessen.

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Zwischendurch was Positives

Mittwoch, 10. September 2014 | Autor:

Muskat Ottonel 2014

Mit entsprechend sorgfältiger Handlese kann man auch heuer (noch) weitgehend gesunde Trauben in die Presse bringen: Muskat Ottonel, geschmacklich reif mit braunen Kernen bei gut 16°KMW (d.h. später ca. 11% Alkohol), 5,4 g/l Säure bei einem pH-Wert von ca. 3,65.

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Das Jahr des Reagierens

Dienstag, 9. September 2014 | Autor:

Wetterbericht September 2014

Auch wenn die Lese erst gestern begonnen hat, steht bereits eines fest: 2014 ist das Jahr des Reagierens. Zum Agieren haben wir Weinbauern nämlich angesichts der vergangenen und der prognostizierten Wetterlage nicht den geringsten Spielraum mehr.

Seit unserem Kontrollgang am vergangenen Donnerstag sind die Schalen der Weintrauben noch dünner und die braunen oder sogar bereits vom Botrytispilz befallenen Beeren merkbar mehr geworden. Gestern und heute haben wir deshalb mit intensiver Sortierarbeit bei der Ernte den Großteil des Zweigelt vor dem Verfall gerettet und morgen wollen wir zumindest einen Teil des Muskat Ottonel schaffen.

Dann dürfte uns leider erneut ein Adriatief zu einer längeren Regenpause zwingen, bevor wir ab Montag im Wettlauf mit der Botrytis so viel so schnell so sauber sortiert wie möglich nach Hause bringen wollen.

Wünscht uns Glück, heuer können wir das brauchen!

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Auf Nummer sicher

Donnerstag, 4. September 2014 | Autor:

Traminer 2014

Heute haben wir ausgiebig unsere Weingärten inspiziert und dabei festgestellt, dass der regenreiche August leider deutlichere Spuren hinterlassen hat, als erhofft. Die Trauben sind in den meisten Anlagen zwar noch weitgehend gesund, aber das extreme feuchte Wetter hat die Schalen recht dünn werden lassen.

Da und dort finden sich schon aufgerissene oder löchrige Beeren die kleine Safttröpfchen austreten lassen wie auf dem Foto beim Traminer. Und einige Sorten zeigen mit deutlich sichtbaren braunen Flecken, dass sie kurz vor der Auflösung der Beerenschale stehen.

Einmal in diesem Stadium angelangt werden die Schalen nach einem weiteren Regen innerhalb von zwei, drei Tagen extrem weich, komplett braun und ziemlich bald danach vom Pilzrasen der Botrytis überzogen. Die Fruchtaromen sind weitgehend verloren und es dominiert im besten Fall ein überreif-honigartiger Geschmack, der zwar Süßweinen ihren Charakter verleiht, bei trockenen Weinen aber unpassend erscheint und die Qualität mindert.

Um es nicht soweit kommen zu lassen, werden wir am Montag mit der heurigen Weinlese beginnen. Die Reife der Trauben ist zwar noch nicht ganz dort, wo wir sie gerne hätten, aber weil das Risiko von Ertrags- UND Qualitätsverlusten extrem hoch ist, gehen wir ein wenig auf Nummer sicher und holen von den gefährdetsten Sorten zumindest einen Teil nach Hause.

Auch bei späterer Lese wird 2014 kein Jahr der Kraft und Fülle mehr, dafür sind die Beeren feuchtigkeitsbedingt zu groß und die Anzahl der Sonnenstunden zur Hauptreifezeit zu niedrig. Für leichtere, durchaus elegante Weine hingegen sind die Trauben bereits reif genug und gerade dieser Weinstil erfordert gesunde Beeren mit lebendigen Fruchtaromen in ihren Schalen.

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