Sieben Grad in neun Tagen

Sonntag, 15. November 2015 | Autor:

Beerenauslese 2015

Eigentlich wollten wir am Dienstag, den 3. November wie hier angekündigt die heurige Ernte mit einer süßen Auslese vom Traminer und Weißburgunder abschließen.

Während aber die Zuckergrade des Traminers im angestrebten Bereich lagen, war der Weißburgunder trotz Aussortierens der wenigen nicht edelfaulen Beeren mit rund 21°KMW (ca. 105°Oe) ziemlich knapp am gesetzlichen Mindestwert und wir brachen die Lese nach der Traminer-Ernte beim Weißburgunder nach einer halben Stunde ab.

Neun Tage später, vorgestern Freitag, starteten wir einen neuen Versuch und konnten ohne Aussortieren eine schöne Beerenauslese mit 28°KMW (ca. 140°Oe) ernten.

Damit endet der Jahrgang 2015 mit zwei Prädikatsweinen in brauchbarer Menge, die wir beide gut gebrauchen können.

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Auslesewetter

Freitag, 30. Oktober 2015 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Mitte Oktober hat es in einer guten Woche mehr geregnet, als im Juli, August und September zusammen. Wie für unseren Süßwein erhofft, hat das die Ausbreitung des Edelfäulepilzes Botrytis cinerea in den beiden noch nicht gelesenen Weingärten sehr begünstigt.

Die meisten Beerenschalen von Weißburgunder und Traminer sind jetzt braun und mürbe. Ein wenig Wasser ist schon durch die porösen Schalen verdunstet und der Zuckergehalt in den Beeren dadurch um zwei, drei Grad angestiegen.

In den nächsten Tagen sollte sich dieser Prozess deutlich beschleunigen, denn die Wetterprognosen versprechen sonniges, weitgehend nebelfreies Wetter mit mildem Südostwind.

Damit es keine unbeabsichtigte Beerenauslese wird wie 1996, werden wir die Trauben also wohl in der kommenden Woche ernten.

Archivbild von 2008

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Jahrgangsbeobachtungen (9)

Sonntag, 18. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 9

Geduldsprobe

Dass alle paar Jahre ein Tank oder Fass auffallend langsam gärt, kommt immer wieder vor. Wenn es aber gleich sechs verschiedene Chargen in einem Jahr sind, kann man durchaus von einem Jahrgangsphänomen sprechen. Zumindest in unserem Keller.

Mittlerweile sind sie zum Glück alle durchgegoren, aber in zwischendurch war ich schon etwas nervös ob der ungewohnt langsamen Zuckerabnahme bei meinen täglichen Messungen.

Schließlich ist der Markt für halbtrockene bis liebliche Chardonnays und Weißburgunder wohl nicht besonders groß und wir stehen seit Jahren gerade nicht für diesen Weinstil. Außerdem hätte der Wein dann ja gefehlt, um die Wünsche unserer Kunden nach trockenen Weinen zu befriedigen.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (8)

Sonntag, 11. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 8

Mehr Druck, weniger Trub

Unsere Weinpresse mußte sich in diesem Jahr ein klein wenig mehr anstrengen, um den Most aus den Beeren zu holen. Auf Extrembedingungen wie im heurigen Sommer reagiert die Weinrebe nämlich mit einer dickeren Traubenschale, der der Saft etwas schwerer abzuringen ist. Und weil auch keinerlei Fäulnis die Schale angegriffen hat, war es notwendig, das Pressprogramm dementsprechend zu adaptieren.

Der Saft enthielt dafür dann allerdings deutlich weniger Trubstoffe als z.B. 2014, was weniger Verlust bei der Vorklärung der Weißweinmoste über Nacht (dem sogenannten Entschleimen) bedeutete.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (7)

Samstag, 10. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 7

Beschränktes Staraufgebot

Obwohl die  Stare heuer schon recht früh in ungewohnt stattlicher Anzahl präsent waren, hält sich der Fraßschaden insgesamt anders als in anderen Jahren in verschmerzbaren Grenzen.

Als wir Ende Juli bemerkten, dass die Vögel schon zur Umfärbung die ersten rosaroten Zweigelt-Beeren aus den noch überwiegend grünen Trauben picken, haben wir die beiden gefährdetsten Weingärten mit Netzen geschützt. Während der Reifephase waren dann (natürlich auch dank der gemeinsam organisierten Vertreibungsaktion) kaum größere Schwärme in unseren Weingärten präsent. Und wenn, führte die zunehmende Reife aller Traubensorten dazu, dass der Schaden verteilt und dadurch meist nicht nennenswert ausfiel.

Nach Abschluss der Hauptlese haben wir dann sofort die Netze in jene beiden Weingärten transferiert, die noch auf die Ernte warten. Dort ist auch nach Ende der Starehut bis jetzt kein nennenswerter Starefraß zu beobachten. Hoffentlich bleibt es so, denn auch die Netze können keinen hundertprozentigen Schutz bieten.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (6)

Freitag, 9. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 6

Säureentwarnung

Wenig überraschend sind die heurigen Weine nicht sehr säurereich. Trockenheit im Juli bremst die Einlagerung von Säure in die Trauben und Hitze im August führt zu einer beschleunigten Säureabnahme während der Reife.

Trotz der extremen Wetterbedingungen sind die 2015er aber weit nicht so säurearm wie zu befürchten war und weisen genügend Frische und Lebendigkeit auf.

Mußten wir 2014 beim Säuregehalt der meisten Weinen korrigierend (nach unten) eingreifen, gab es heuer nur sehr vereinzelt Handlungsbedarf (in Form von geringfügiger Weinsäurezugabe zum Most vor der Gärung).

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (5)

Donnerstag, 8. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 5

Zuckerschock

Wie hier bereits angedeutet stiegen die Zuckerwerte der Trauben in den Tagen vor Lesebeginn und in der ersten Woche extrem schnell an. 1,5°KMW in vier Tagen ist absolut rekordverdächtig und trotz promptem Lesebeginn mit voller Mannschaft hatten wir anfangs die Befürchtung, der Zucker (und damit der spätere Alkoholgehalt im Wein) könnte uns bei der einen oder anderen Sorte davongaloppieren.

Zum Glück ging die Lese aber heuer wegen der außergewöhnlich gesunden und gleichmäßig reifen Trauben (ganz anders als 2014) sehr schnell von statten und wir dürften alle Trauben (mit Ausnahme des Rosé) ziemlich im richtigen Moment erwischt haben. Nicht zuletzt, weil wir vom leichten Grünen Veltliner am 7. September bis zum Cabernet Sauvignon am 22. September nur die beiden Sonntage pausiert haben, was schon lange nicht mehr vorgekommen ist.

Von 11 oder 11,5 Prozent beim Veltliner und beim Muskat Ottonel über 12 bis 13 Prozent beim Pinot blanc und 13,5 Prozent beim Chardonnay und den verschiedenen Roten bis zu gewollten 14 Prozent bei unserem speziellen Traminer „Ober dem Mühlweg“ findet sich auch heuer alles im Keller.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (4)

Mittwoch, 7. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 4

Hitzewelle um Hitzewelle

Obwohl ich nach einer Abkühlung am 23. August eine weitere Hitzewelle ausgeschlossen hatte, stieg die Quecksilbersäule in den letzten Augusttagen erneut auf 36°C. Während der Hauptlese herrschten dann zwar überwiegend normale Temperaturen, aber am 17. und 18. September bescherte uns ein Fönsturm erneut extrem ermüdende Werte über 30°C.

An der gärgasbedingt offenen Kellertür schlug einem der heiße Wind unerträglich stickig entgegen und trieb die Lufttemperatur im Keller über Nacht auf 25 Grad. Nach zwei Tagen war der Spuk zum Glück wieder vorbei.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (3)

Dienstag, 6. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 3

Das Jahr der Kerne

Noch nie sind mir die Kerne der Weintrauben so aufgefallen wie heuer: Außergewöhnlich viele und schon sehr früh vor der Lese ausgereift und braun.

Ersteres ist wohl ein Resultat des guten Blütewetters, das eine optimale Befruchtung und damit wahrscheinlich eine gute Entwicklung aller Erbanlagen begünstigt hat (während normalerweise einer oder mehrere im Geschein angelegte Kerne verkümmern, statt über den Sommer zu wachsen).

Und letzteres ist ein klares Indiz dafür, dass im August – anders als in anderen Hitzejahren – nicht nur der Zuckergehalt in den Beeren gestiegen ist, sondern auch alle anderen Reifeprozesse in der Beere ungebremst von Hitze und Trockenheit abgelaufen sind.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (2)

Montag, 5. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 2

Höchstleistung der Reben

Der heurige Sommer war über einen sehr sehr langen Zeitraum außergewöhnlich heiß und extrem trocken. Trotzdem konnten wir bei den allermeisten unserer Rebstöcke keinerlei Mangelsymptome feststellen. Im Gegenteil, sie lieferten qualitative Höchstleistungen in angemessener Quantität.

Eigentlich ist das nicht zu erklären, denn zum Wetter kommen für unsere Reben noch erschwerend die zwar humusfördernde, aber wasserverbrauchende Begrünung des Bodens und die hohe, ebenfalls feuchtigkeitszehrende Laubwand.

Es scheint so, als ob sich die Wasserspeicherfähigkeit unserer Böden in den letzten 20 Jahren durch diese Bewirtschaftung deutlich verbessert hätte, und unsere Rebstöcke gelernt haben, damit umzugehen. Im trocken-heißen Sommer 1990 litten sie zum Beispiel noch unter der Begrünung (wie ich hier am Rande erwähnt habe).

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (1)

Sonntag, 4. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 1

Bis auf die noch erhoffte süße Auslese ist die Weinernte 2015 seit vergangenem Dienstag abgeschlossen. Der ganz große Stress im Keller ist auch schon vorbei und es ist Zeit für ein paar Beobachtungen zur heurigen Lese.

Davor möchte ich mich aber ganz herzlich bei allen unseren fleißigen Helfern bedanken, insbesondere bei der Verstärkung aus Oberösterreich, der wir auch einige tolle Fotos verdanken, die diese kleine Serie illustrieren werden.

Foto: Erich Hamader

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Morgens, mittags, abends

Samstag, 26. September 2015 | Autor:

Rotweinlüften

Die Lesearbeit im Weingarten ist (fast) abgeschlossen, aber im Keller herrscht noch immer Erntestimmung. Dreimal täglich wird die gärende Rotweinmaische durchmischt und der Saft dabei belüftet. Natürlich auch am Wochenende.

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Endspurt

Sonntag, 20. September 2015 | Autor:

Trester

Die zweite Lesewoche ist zu Ende und morgen Montag starten wir (beinahe) zum Endspurt. Gutes Lesewetter hat uns eine zügige Ernte erlaubt und die äußerst fortgeschrittene Reife der Trauben ließ keinen Zeit für die meist üblichen mehrtägigen Unterbrechungen.

Trotzdem ging die Arbeit in Weingarten und Keller bisher recht entspannt von statten. Anders als der 2014er kommt der heurige Jahrgang nämlich dem Ideal von der Weinwerdung beinahe ohne Zutun des Kellermeisters relativ nahe.

Einziges Opfer der Hitze dürfte der Rosé werden, der in unserem Sortiment aber ohnehin nur eine untergeordnete Bedeutung hat. Selbst in den kühleren Lagen und bei höherem Ertrag waren die blauen Trauben zu reif für einen leichten, erfrischenden Sommerwein in pink. Für die Roten hingegen sind sie nahezu perfekt, ohne übermäßig alkoholreiche Weine zu ergeben.

In den nächsten Tagen steht der restliche Blaufränkisch auf dem Programm und gleich im Anschluss der Cabernet Sauvignon. Dann bleibt nur noch ein wenig Traminer und ein Weißburgunder-Weingarten, von denen wir uns eine Auslese erhoffen.

Weil das aber noch dauern könnte, werden wir diese Trauben aber auf jeden Fall mit Netzen gegen die immer gefräßiger werdenden Stare schützen.

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Zwischenbilanz

Sonntag, 13. September 2015 | Autor:

Weinlese 2015 2

Die erste Lesewoche liegt hinter uns. Grüner Veltliner und Muskat Ottonel sind vollständig geerntet, Chardonnay und Zweigelt begonnen.

Wo unsere Lesehelfer auch hinkommen finden sie heuer im Gegensatz zum Vorjahr supergesunde Trauben vor. Die geschmackliche Reife ist ebenso äußerst erfreulich, die Säurewerte trockenheitsbedingt niedriger als 2014 aber ausreichend für gut balancierte Weine und die Zuckergrade (und damit später der Alkoholgehalt) ziemlich genau dort, wo wir sie für die jeweilige Sorte gerne haben wollen.

Anfang der Woche werden wir die restlichen Zweigelt-Trauben nach Hause holen, und uns dann den verbliebenen Weißweingärten widmen. Größere Regenschauer dürften uns dabei nicht in die Quere kommen, denn es naht – Überraschung! – erneut eine Hitzewelle mit Temperaturen bis 32°C.

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Es läuft

Mittwoch, 9. September 2015 | Autor:

Weinlese 2015

Gutes Wetter. Traumhaft gesunde Trauben. Passende Zuckergradationen. Nicht ganz so niedrige Säurewerte wie befürchtet. Vernünftige Erntemengen. Keine technischen oder sonstige Probleme. Und fleißige, motivierte Lesehelfer.

So darf es gerne weitergehen!

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Ruhe vor dem Sturm

Sonntag, 6. September 2015 | Autor:

Presshaus vor der Lese

Am letzten Tag vor der Weinlese herrscht eine besondere Stimmung. Nach den großen Vorbereitungen werden noch schnell die Lesescheren gepflegt, das Auto mit Getränken aufmagaziniert und andere Kleinigkeiten erledigt. Die eintreffenden Erntehelfer wollen auch begrüßt werden, denn noch bleibt Zeit für ein entspanntes Glas Wein.

Bei aller Gemütlichkeit liegt aber auch eine merkbare Spannung in der Luft. Ist der Lesetermin richtig gewählt? Wird das Wetter halten, was der Wetterbericht verspricht? Und die Weine später das, was die Trauben in Aussicht stellen?

Auch deshalb sind die nächsten Wochen die anstrengendsten des ganzen Weinjahres, in denen man mitunter an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gerät. Trotzdem ist heute für mich ein Tag der Freude:

Morgen beginnen wir mit der Lese 2015!

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Tag der Entscheidung

Montag, 31. August 2015 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Seit meiner Fehleinschätzung vor einer Woche („Selbst wenn uns die kommende Woche wieder Temperaturen an die 30 Grad bringen soll, die große Hitze, vor allem nachts, haben wir nicht mehr zu befürchten.“) hat die fünfte Hitzewelle dieses Sommers mit ihren 36° Celsius und heißem Südostwind uns und unsere Weingärten überrollt.

Regen und Hitze führten zu einem unglaublichen Reifesprung der Trauben. Allein in den letzten vier Tagen haben sie im Schnitt 1,5° KMW (d.h. rund 1,5% Zucker) zugelegt.

Nach einer ausgiebigen Reifekontrolle heute Vormittag haben wir deshalb alle Pläne, erst im Lauf der kommenden Woche und/oder nur mit kleiner Mannschaft langsam die Lese zu beginnen verworfen. Stattdessen starten wir gleich am Montag mit voller Besetzung.

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In letzter Minute

Sonntag, 23. August 2015 | Autor:

August 2015 10

Vergangene Woche hat es insgesamt über 40 Liter pro Quadratmeter geregnet. Spät, aber nicht zu spät für die Qualität und die Erntemenge des heurigen Jahrgangs.

Mit dem Regen hat es auch abgekühlt, und selbst wenn uns die kommende Woche wieder Temperaturen an die 30 Grad bringen soll, die große Hitze, vor allem nachts, haben wir nicht mehr zu befürchten.

Unsere ersten Reifemessungen zeigen das erwartete (und erhoffte) Bild: Die Trauben sind auf einem guten Weg, aber noch merkbar von der Erntereife entfernt. In den nächsten Wochen können sie sich unter wie es scheint durchaus vielversprechenden Bedingungen dorthin weiterentwickeln.

Im Moment sind wir also guter Dinge und rechnen mit einem Erntebeginn Mitte September oder ein paar Tage früher.

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