Kellerpartie

Sonntag, 16. November 2014 | Autor:

Vati mit Heber 1 komprimiert

Auch wenn wir heutzutage noch gelegentlich unsere Jungweine mit dem einen oder anderen Weinbauernkollegen verkosten, der alte Brauch der „Kellerpartie“ ist leider längst ausgestorben.

Bis in die 70er- und vielleicht auch 80er-Jahre war es üblich, im Spätherbst und Winter in Freundesgruppen gegenseitig die Weine des neuen Jahrgangs im Keller direkt aus dem Fass zu verkosten und zu diskutieren. Und je später der Abend, umso eher ging das Verkosten dann auch in ein geselliges Trinken über.

Aus diese Zeit stammt eine Mörbischer Anekdote, die, wenn sie sich nicht tatsächlich so zugetragen hat, zumindest gut erfunden wurde:

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Nummernsalat

Sonntag, 4. Mai 2014 | Autor:

Quelle: gis.bgld.gv.at

Wie hier und hier bereits beschrieben sind unsere Weingärten geprägt von der ungarischen Erbteilung, die uns innerhalb weniger Generationen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine Vielzahl kleiner und kleinster Parzellen beschert hat.

Jahrzehntelang haben sich meine Eltern bemüht, diese Strukturen überwiegend durch Tausch, gelegentlich aber auch durch Zu- oder Verkauf von Grundstücken zu verbessern. Dabei waren sie zumindest so oft erfolgreich, dass wir heute bei etwa gleichgebliebener Gesamtfläche statt über 60 nur noch weniger als 30 Weingärten bewirtschaften.

Während die Arbeit im Weingarten dadurch wesentlich einfacher geworden ist, hat sich der Verwaltungsaufwand aber kaum verändert. Grundstücksnummern bleiben Grundstücksnummern, egal ob sie nebeneinander liegen, oder weit voneinander entfernt.

Geht es zum Beispiel darum, die jährlichen Anträge für die kontrollierte integrierte Produktion zu stellen, brauche ich für unseren Weingarten in der Riede Mittlere Hofwiesörter 11 Zeilen, da es sich um ebensoviele nebeneinanderliegende Parzellen mit einer Gesamtfläche von (nur) ca. 6600 m2 handelt. Und gibt es Meldungen und Kontrollen beim Weinbaukataster darf ich für unseren größten Weingarten (der nicht ganz ein Hektar groß ist) mit 12 Grundstücksnummern jonglieren.

Wenn alles gut geht, habe ich die meisten dieser Nummern aber vor ein paar Tagen zum letzten Mal geschrieben. Mit einem Antrag auf Grundstückszusammenlegung am zuständigen Vermessungsamt sorgen wir jetzt nämlich dafür, dass der Strukturwandel endlich auch in der Bürokratie Einzug halten kann und lassen immerhin 67 Kleinparzellen verschwinden.

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Intervitis 2013

Freitag, 3. Mai 2013 | Autor:

Vergangene Woche war ich gemeinsam mit meinem Vater per Flugzeug für eineinhalb Tage in Stuttgart auf der Intervitis, einer der größten Weinbau- und Kellertechnikmessen Europas. Fast alle überregional tätigen Firmen der Branche präsentieren dort alle drei Jahre ihre neuen und bewährten Erzeugnisse.

Vieles davon ist natürlich für uns wenig relevant, denn weder die obige Erntemaschine noch ein Raupentraktor für Steillagen sind für unsere Betriebsgröße und unsere Geländeverhältnisse erforderlich.

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Ich kann es nicht mehr hören!

Freitag, 22. März 2013 | Autor:

Vor einigen Jahren durfte ich meine Weine bei einer Veranstaltung in Wien präsentieren und stellte angesichts der limitierten Anzahl ganz paritätisch je zwei trockene Weißweine, zwei Rote und einen Süßwein vor. Als eine Dame die Weißen erblickte, zeigte sie sie sich mehr als verwundert und fragte erstaunt: „Sie haben auch Weißweine im Burgenland?“. Ich bejahte das selbstverständlich (ebenso verwundert über ihre Frage), worauf sie ernsthaft meinte: „Seit wann?“

Natürlich ist so etwas selten und harmlos, weil „normale“ Weinkonsumenten nicht verpflichtet sind, sich (womöglich auch noch gegen den Medienmainstream) Weinkenntnisse anzueignen. Ärgerlich wird es allerdings, wenn Weininteressierte oder gar Berufskollegen aus anderen Regionen uns burgenländischen Weinbauern zwar nicht den Weißwein generell, aber relativ häufig die Rebsorte Grüner Veltliner absprechen wollen.

Der Grüne ist eine niederösterreichische Sorte tönt es gar nicht so selten. Er gehört nicht ins Burgenland und hat dort auch keinerlei Tradition. Und außerdem schmeckt er von dort nicht…

Ich kann es nicht mehr hören!

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Da baut noch jemand!

Freitag, 8. Februar 2013 | Autor:

Baustelle

Während unsere neuen Räumlichkeiten nach der gelegentlich auch nervenaufreibenden Bauphase im Vorjahr ihre Feuertaufe mit der Weinlese 2012 schon bestanden haben, steht Kollege Armin Kobler in Südtirol erst am Anfang.

Bei ihm geht es ab sofort in die Tiefe, denn ein neuer Keller soll seine beengten Verhältnisse entlasten. Wem meine Serie zum Bau unseres neuen Presshauses (samt Keller) verpaßt oder wem sie gut gefallen hat, der hat bei Armin jetzt eine neue Chance.

Teil 1 und Teil 2  sind schon online, und es geht sicher genauso lesenswert weiter…

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Lagenfragen

Freitag, 11. Januar 2013 | Autor:

Nach der Entwicklung und teilweisen Umsetzung des DAC-Konzeptes und der EU-Weinmarktordnung, die beide von der Idee der Herkunft als Qualitätsmerkmal beim Wein geprägt sind, nimmt sich die österreichische Weinbaupolitik jetzt die kleinste geographische Weinherkunft, die Lage oder Riede vor. Kaum ein Weinbautag, eine Weinbauverbandssitzung, bei der nicht darauf hingewiesen wird, wie wichtig eine klare Ordnung und Benennung in diesem Bereich wäre.

Aus burgenländischer Sicht ist das nicht immer nachvollziehbar (*), aber wie es scheint, ist in den anderen Bundesländern nicht immer wirklich klar definiert, wo eine bestimmte Weinbaulage beginnt, und wo sie aufhört.

Solange Riedenbezeichnungen auf den Etiketten eine Seltenheit waren und diese auch nur in wenigen Einzelfällen Auswirkungen auf den Weinpreis hatten, spielte das kaum eine Rolle. Mit der Verankerung solcher Herkunftsnamen als Qualitätsmerkmal in den Köpfen zahlungskräftiger Weinkonsumenten hat sich die Situation freilich geändert.

Klar definierte und benannte Lagen sind auch deshalb wichtig, weil das Weingesetz in konsequenter Umsetzung des Herkunftsgedankens ausdrücklich Phantasiebezeichnungen verbietet, die geeignet sind, fälschlich den Eindruck einer geografischen Herkunftsangabe zu erwecken, oder einen geografischen Hinweis enthalten. Was nicht als Lage, Großlage, Gemeinde, Weinbau- bzw. DAC-Gebiet oder Weinbauregion definiert ist, hat deshalb nichts auf Etiketten verloren.

Bei allen Bemühungen geht es den Verantwortlichen aber ausdrücklich NICHT um eine Klassifikation im Sinne einer Reihung nach ihrer Wertigkeit. Auch meiner Meinung nach wäre ein solches Vorhaben weder sinnvoll noch auch nur halbwegs nachvollziehbar umzusetzen.

 

(*) Dieser Unterschied liegt möglicherweise daran, dass die ungarischen Katasterbehörden (die bis zum Ende der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie 1918 für das Burgenland zuständig waren) wesentlich genauer und konsequenter gearbeitet haben, als die damaligen österreichischen.

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Historisches

Sonntag, 25. September 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

1869: Um dem Bedürfnis der Praxis zu entsprechen, eine Senkwaage zu haben mit der der Zuckergehalt des Mostes direkt angezeigt wird, konstruiert A. von BABO eine solche. Er geht dabei von der Annahme aus, dass im Most aus reifen Trauben der Gesamtextrakt zu etwa 85% aus Zucker und zu 15% aus Nichtzuckerstoffen besteht. Er teilt daher 20 Grade der Balling-Skala in 17 Grade Klosterneuburger Mostwaage.

Trotz gewisser Schwächen, selbst A. von BABO war in späteren Jahren (1878) skeptisch – „…ich halte es für einen großen Fehler, daß ich nicht bei der Oechsle´schen Wage geblieben und solcher auch in Oesterreich Eingang zu verschaffen versucht habe.“ -, und erfolgloser Verbesserungsvorschläge ist die Klosterneuburger Mostwaage (Babo-Waage) bis heute offizielles Maß für das Mostgewicht in Österreich.

Aus: „Geschichte und Direktoren des Lehr- und Forschungszentrums Klosterneuburg – 150 Jahre“ von Josef Weiss in „Festschrift und Almanach 100 Jahre Verband der Klosterneuburger Oenologen und Pomologen“

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Rituale

Sonntag, 14. August 2011 | Autor:

Zweigelt

Trotz aller meist wetterbedingten Unterschiede läuft jeder Weinjahrgang natürlich nach dem gleichen Muster ab. Dabei haben manche Arbeiten des Weinbauern einen besonders hohen Symbolcharakter, und weil sie oft auch nach vorgegebenen Regeln und formell ablaufen, kann man durchaus von Ritualen sprechen.

Das Einwintern und Verstauen von Laubschneider und Pflanzenschutzgerät in den letzten Tagen zählt zum Beispiel zweifellos dazu. Beide müssen dafür sorgfältig gereinigt und gewartet werden, und diese Prozedur signalisiert Jahr für Jahr das Ende des Triebwachstums und den Beginn der letzten Vegetationsphase im Weingarten, der Traubenreife.

Auch die Vorbereitung der Weinlese folgt natürlich einem Ritual. Ganz besonders kommt das für mich zum Ausdruck, wenn mein Vater (oft am Sonntag vor dem montäglichen Erntebeginn) die Lesescheren für unsere Erntehelfer auspackt und in Schuß bringt.

Das Ende der Weinlese hingegen hat seinen rituellen Charakter weitgehend verloren. Wurde früher meist durchgearbeitet bis alle Weingärten geerntet waren, gibt es heute zum Teil wochenlange Pausen. Am Ende der Lese ist deshalb der Großteil der Erntehelfer, mit denen früher richtig „Leikauf“ gefeiert wurde gar nicht mehr dabei, und die erstgelesenen Trauben sind längst schon zu Jungweinen vergoren.

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Roesler

Freitag, 5. August 2011 | Autor:

Roesler-Traube an der Hauswand am 3. Juli 2007Neben der von der Entstehungsgeschichte her vergleichbaren Sorte Rathay ist die Rotweinsorte Roesler der bislang letzte Zugang in der österreichischen Qualitätsweinsortenliste.

1970 als interspezifische (d.h. mit europäischen und amerikanischen Eltern- bzw. Großeltern) Sorte gezüchtet, verließ der nach einem früheren Direktor der Weinbauschule Klosterneuburg benannte Roesler vor rund 15 Jahren das Versuchsstadium und fand langsam seinen Weg in die Praxis.

Wie wahrscheinlich bei allen Züchtungen wurden damals große Hoffnungen in die neue Sorte gesetzt. Von Weinqualität und -stil wie beim Zweigelt war ebenso die Rede, wie von der enormen Frostresistenz und natürlich dem Hauptziel der Züchtung, der guten Widerstandskraft gegen die beiden Mehltauarten.

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Anno dazumal

Freitag, 17. Juni 2011 | Autor:

Jungreben vor der Pflanzung

Aus dem Preisverzeichnis der

„Johannes-Rebenanlage“

der  königl. Freistadt Oedenburg pro 1894 – 1895

Mosler (ung. Furmint); die allerbeste Weintraubensorte; die echte Hegyaljaer-Sorte, welche den König der Weine, den „Tokajer“ producirt;  mit etwas länglichen Beeren, mittelgrossen in der Vollreife goldgelben Trauben. (Wird auch Zapfner genannt).

Muskateller gelber;  eine im Oedenburger-Comitate zumeist verbreitete und unter dem Namen Weyra, auch Schmekende bekannte Sorte, welche wegen ihrer reichen Tragbarkeit im grossen Massstabe cultivirt wird; die Beere ist rund, weiss-gelb, braunfleckig, die Traube mittelgross, für Weinproduction und als Tafelfrucht von ersten Rang

Grüner Veltliner;  auch als grüner Muskateller in der Oedenburg-Pressburger-Weingegend sehr verbreitete, gelblich-grüne Trauben-Sorte, welche grosse Erträge und guten Wein giebt

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