Anno dazumal

Freitag, 17. Juni 2011 | Autor:

Jungreben vor der Pflanzung

Aus dem Preisverzeichnis der

„Johannes-Rebenanlage“

der  königl. Freistadt Oedenburg pro 1894 – 1895

Mosler (ung. Furmint); die allerbeste Weintraubensorte; die echte Hegyaljaer-Sorte, welche den König der Weine, den „Tokajer“ producirt;  mit etwas länglichen Beeren, mittelgrossen in der Vollreife goldgelben Trauben. (Wird auch Zapfner genannt).

Muskateller gelber;  eine im Oedenburger-Comitate zumeist verbreitete und unter dem Namen Weyra, auch Schmekende bekannte Sorte, welche wegen ihrer reichen Tragbarkeit im grossen Massstabe cultivirt wird; die Beere ist rund, weiss-gelb, braunfleckig, die Traube mittelgross, für Weinproduction und als Tafelfrucht von ersten Rang

Grüner Veltliner;  auch als grüner Muskateller in der Oedenburg-Pressburger-Weingegend sehr verbreitete, gelblich-grüne Trauben-Sorte, welche grosse Erträge und guten Wein giebt

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Es kommt nicht auf die Größe an

Samstag, 21. Mai 2011 | Autor:

Foto: Kassander der Minoer aus de.wikipedia

Foto: Kassander der Minoer aus de.wikipedia

Die österreichische Weinwirtschaft hat sich im Zuge des Strukturwandels seit den 1980er-Jahren stark verändert. Tausende kleine Nebenerwerbsbetriebe haben den Weinbau aufgegeben, und viele der etwas größeren Betriebe sind mehr oder weniger stark gewachsen.

War der großelterliche Weingartenbesitz von jeweils rund drei bis fünf Hektar in ihrer Zeit deutlich über dem Durchschnitt, und das daraus entstandene Weingut meiner Eltern mit knapp zehn Hektar bis in die 1990er hinein ein vergleichsweise großer Betrieb, so gilt man heute mit dieser Fläche unter den qualitätsweinproduzierenden Flaschenvermarktern schon eher als klein.

Nicht das sich unsere Rebfläche seit den 1960ern gar nicht verändert hätte. Immerhin haben meine Eltern seither die Zahl der Parzellen von rund 60 auf etwa 30 halbiert, auf die besten Lagen konzentriert und viele Weingärten in schwächeren Lagen in der Ebene aufgegeben.

Im Unterschied zu vielen anderen Betrieben, die ihre bewirtschaftete Fläche zum Teil um ein Vielfaches gesteigert haben, sind wir dabei aber praktisch nicht gewachsen. Dass das auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung und das Verhalten der Weinbauern hat, ist klar.

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Intervitis Vienna

Dienstag, 19. April 2011 | Autor:

Intervitis 1

Am vorletzten Wochenende ging der Wiener Ableger der Weinbau- und Kellertechnikmesse Intervitis über die Bühne.

Obwohl nur einen Bruchteil so groß wie das Stuttgarter Original  ist so eine Veranstaltung fast vor der Haustür für sehr viele österreichische Weinbauern natürlich ein Pflichttermin. Dem Sprachengewirr auf der Messe nach, nützten aber auch viele Kollegen aus den nord- bis südöstlichen Nachbarländern die Gelegenheit, sich zu informieren.

Während die Messe in Sachen Kellertechnologie einen guten Überblick bot, war der Weinbau heuer zumindest für mein Gefühl relativ schwach vertreten. So fehlten z.B. die meisten Traktorenhersteller bzw. -importeure, die normalerweise sehr viel Aufmerksamkeit nicht nur der jüngsten Messebesucher auf sich ziehen.

Da wir aber ohnehin gut motorisiert sind, richtete sich meine Aufmerksamkeit sowieso auf ganz andere Bereiche.

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Nicht ganz falsch

Freitag, 25. März 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Während der Jahrgang 2010 mancherorts schon sehr früh in Grund und Boden geschrieben wurde, war ich von Anfang an eigentlich recht zufrieden mit der Qualität der letzten Ernte. Langsam zeigt sich (mitunter an Kleinigkeiten), dass das wohl durchaus berechtigt ist.

So waren zum Beispiel vor ein paar Tagen zwei Weinhändler im Rahmen ihrer ausgiebigen Verkostungstour durch zahlreiche heimische Keller auch bei uns, und beide waren sowohl von den weißen wie auch den roten 2010ern sehr angetan.

Wie es scheint, ist der letzte Jahrgang in unserem Betrieb etwas besser ausgefallen, als bei dem einen oder anderen Kollegen. Und da wir im Keller (bis auf die eine oder andere eigentlich nur geringfügige Entsäuerung) kaum etwas anderes gemacht haben, als unser übliches Minimalprogramm, bleibt wohl nur der Weingarten als Ursache.

Interessanterweise haben wir aber 2010 auch dort keine jahrgangsbedingten Überstunden geleistet, sondern unseren Reben lediglich die gleiche sorgfältige Pflege angedeihen lassen wie immer.

Natürlich hat da und dort der natürliche Ausünnungseffekt durch den geringen Traubenansatz und die schlechte Blüte geholfen, aber mein Erklärungsansatz für unser Jahrgangsphänomen 2010 ist trotzdem ein anderer:

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Jahrgangsbetrachtungen

Sonntag, 13. März 2011 | Autor:

Haider 76 bearbeitet

Nach dem ohrenbetäubenden Schweigen zur Qualität des Jahrgangs 2010 im vergangenen Herbst gibt es mit dem Anlaufen der alljährlichen Weinpräsentationen jetzt auch offizielle Stellungnahmen mit Winzer-Statements zur letzten Ernte.

Diese fallen naturgemäß einigermaßen zurückhaltend aus, und es ist durchaus verständlich, wenn manche nach den regelmäßigen und mitunter überzogenen Jubelmeldungen der letzten Jahre darin zwischen den Zeilen einen miserablen Jahrgang zu erkennen glauben.

Trotzdem sollte man es sich nicht zu einfach machen, und den Jahrgang allein aufgrund der „Papierform“ in Gestalt von Wetterdaten und Analysenwerten schon von Beginn an in die unterste Schublade stecken.

Wie beim einzelnen Wein ist die Frage der Qualität nämlich auch für einen gesamten Jahrgang oft gar nicht eindeutig zu beurteilen.

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Es hat nicht sollen sein

Dienstag, 8. Februar 2011 | Autor:

Quelle: gis.bgld.gv.at

Die Mörbischer Weingärten sind extrem kleinstrukturiert und auf Parzellen von durchschnittlich (geschätzten) 1500 m2 aufgeteilt. Die allermeisten Grundstücke sind nur wenige Meter breit, dafür aber mitunter mehrere hundert Meter lang.

Als meine Eltern die Betriebe ihrer Eltern übernommen haben, waren die knapp 10 Hektar auf rund 60 Weingärten im Umkreis von etwa 4 km verteilt.

Diese besondere Situation hat mehrere Ursachen: Im Burgenland als Teil der ungarischen K.u.k.-Hälfte wurde der Besitz eines Verstorbenen gleichmäßig auf alle Nachkommen aufgeteilt, während im österreichischen Teil oft nur der älteste Sohn einen Bauernhof erben durfte, und die Geschwister mehr oder weniger finanziell abgefunden wurden.

Da Weingartenflächen immer schon begehrter waren, als Ackerflächen, wurden diese bei der Betriebsübergabe (der Länge nach) geteilt. Damit wurde der Gerechtigkeit genüge getan, und jedem ein Stück jeder Parzelle vermacht.

Und weil Mörbisch in den 100 Jahren nach der Bauernbefreiung Mitte des 19. Jahrhunderts einen enormen Bevölkerungszuwachs erlebt hat, gab es immer sehr viele Erben und dementsprechend viele (und immer kleiner werdende) Teilparzellen.

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Die Angst vor dem Markt

Samstag, 5. Februar 2011 | Autor:

Junge Reben am Goldberg

Neben den Auswirkungen auf die Weinbereitung und die grundlegende Reform des Bezeichnungsrechtes stand die ebenfalls mit der EU-Weinmarktordnung beschlossene Abschaffung der Pflanzrechte im Jahr 2015 bisher weitgehend im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung.

Während derzeit alle Weinbauflächen in manchen Südländern eher schlecht als recht eu-weit katalogisiert sind, und nur Grundstücke mit Reben bepflanzt werden dürfen, auf die ein Pflanzrecht eingetragen ist oder von anderer Stelle transferiert wurde, soll die Errichtung neuer Weingärten in wenigen Jahren keiner Beschränkung mehr unterliegen.

Diese Bestimmung wurde offenbar von liberalen Kräften bei den Verhandlungen zur Weinmarktreform durchgesetzt, während die konservative Gegenseite gleichzeitig ein groß angelegtes und finanziertes Rodungsprogramm zur Überschußbekämpfung in das Papier reklamiert hat.

Dass die geförderte Rodung durch eine Abschaffung der Flächenregulierung ein paar Jahre später wohl weitgehend wieder wettgemacht werden wird, und die Prämien deshalb hinausgeschmissenes Geld kaum längerfristig wirksam sein werden, fällt unter EU-Verhandlungslogik.

Vielleicht haben die Gegner der Liberalisierung damals aber auch schon spekuliert, die Rebflächenliberalisierung noch vor ihrem Inkrafttreten zu Fall bringen zu können. Auf jeden Fall haben sie rechtzeitig vor der geplanten Evaluierung der Weinmarktordnung im kommenden Jahr begonnen, mit allen Mitteln dagegen Stimmung zu machen.

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Musikalische Rebsortenliste

Montag, 17. Januar 2011 | Autor:

Auf welche Ideen manche angehende Masters-of-Wine kommen, um sich die Vielfalt der internationalen Rebsorten einzuprägen…

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Was ist ein Kultwein?

Samstag, 18. Dezember 2010 | Autor:

Chateau Mouton-Rothschild 1982

 Foto: Dale Cruse

Dieser und anderen Fragen gehen drei Studentinnen des Universitätslehrganges für Werbung und Verkauf an der Wirtschaftsuni Wien im Rahmen ihrer Studie „Marketingstrategie von Kultweinen und wie sie als Bindeglied in der Kommunikation fungieren“ nach.

Per E-Mail haben sie mich gebeten, an dieser Umfrage teilzunehmen, und sie auch in meinem Blog zu bewerben, um ein größeres Publikum zu erreichen. Wer also den drei Damen helfen möchte, und ein paar Minuten Zeit hat, möge diesem Link folgen.

Mir selbst hat der Online-Fragebogen die (zugegebenermaßen nicht ganz neue) Erkenntnis gebracht, dass es gar nicht so einfach ist, den Begriff Kultwein pauschal zu definieren. Folgt man einigen der in Frage zwei angebotenen Definitionsmöglichkeiten, so gibt es zu (fast) jedem Attribut ein Kultwein-Gegenbeispiel:

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WSET-Diploma

Montag, 15. November 2010 | Autor:

Verkostung ÖWM-Griesch komprimiert

Vergangenen Mittwoch startete in der Weinakademie Österreich ein neuer Jahrgang das Diplomseminar, und am Freitag erhielten 20 neue Weinakademiker nach zumindest zweijähriger Ausbildung ihre Diplome im Rahmen eines Festaktes im Schloß Esterhazy in Eisenstadt.

In beiden Fällen hatte ich die Ehre und das Vergnügen, dabei sein zu dürfen. Den ganzen Mittwoch lang versuchte ich als Lektor den Beginnern das Thema „Weinbau“ näherzubringen, und am Freitag sorgte ich gemeinsam mit anderen Winzern, die diese Ausbildung (so wie ich) abgeschlossen haben für die flüssige Verpflegung nach der Graduierung.

Die haben sich die frischgebackenen Weinakademiker auch redlich verdient, zählt das Diplomseminar doch zu den umfassendsten und schwierigsten Fortbildungsmöglichkeiten in Sachen Wein.

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