Der gläserne Wein (8)

Samstag, 28. Juni 2008 | Autor:

Wie im ersten Beitrag angekündigt, stelle ich in dieser Serie jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausführlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer „gläsernen“ Weine entsteht dabei nach und nach in der entsprechenden Beitragskategorie und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.

Bakterienkulturen für den biologischen Säureabbau

Alle unsere Rotweine und einzelne Weißweine (v.a. beim Ausbau in Barriques) absolvieren den biologischen Säureabbau. Bei dieser Art zweiter Gärung reduzieren Bakterien den Säuregehalt des Weines und wandeln die Äpfelsäure aus den Trauben in Milchsäure um.

Wie auch die Hefen für die „erste“, die alkoholische Gärung kommen auch die Bakterien für den Säureabbau von Natur aus auf den Trauben und damit auch im Wein vor. Und wie bei den Hefen kann man sich als Kellermeister entweder auf die spontane Bakterienpopulation verlassen, oder gezielt vorvermehrte Bakterienstämme einsetzen. Anders als die Reinzuchthefen werden Bakterienkulturen aber nur selten so heiß (und unsachlich) diskutiert. weiter…

Thema: Der gläserne Wein | 2 Kommentare

Ungewohnte Verhältnisse

Mittwoch, 25. Juni 2008 | Autor:

Regenmesser

Das es im Juni vor und nach der Schafskälte auch richtig hochsommerlich sein kann, ist in der pannonischen Klimazone nichts Ungewöhnliches.

Das es um diese Jahreszeit so ergiebig regnet, dass die Reben die voll gefüllten Wasserreserven in den tieferen Bodenschichten vorläufig gar nicht anzuzapfen brauchen aber schon.

Zum Glück sind wir bislang von Unwettern, wie sie anderswo in Österreich toben verschont geblieben und die Reben entwickeln sich unter den feucht-warmen Wetterbedingungen rasend schnell. Die gute Wasserversorgung läßt auf einen guten Jahrgang hoffen, weil wir selten so gut auf sehr wahrscheinliche sommerliche Trockenperioden vorbereitet waren. Der Behang der Stöcke scheint nicht extrem hoch zu sein, und der frühe Blütetermin deutet zumindest darauf hin, dass im Herbst keine echten Reifeprobleme auftreten werden.

Bis es aber soweit ist, gilt es noch einige Hürden zu meistern. Wie hier bereits geschrieben, begünstigt eine hohe Luftfeuchtigkeit auch die beiden Mehltauarten der Rebe, denen wir unter anderem auch mit einer besonders sorgfältigen Formierung der feuchtigkeitsbedingt sehr starkwüchsigen Sommertriebe entgegenwirken.

Thema: Dauerthema Wetter | Ein Kommentar

Die Neiddatenbank ist online

Montag, 23. Juni 2008 | Autor:

Endlich ist es soweit: Die heimischen Bezieher von EU-Agrarföderungen sind samt Förderhöhe seit heute 8.00 Uhr online abrufbar. Und weil es bei dieser Transparenzdatenbank (ja, das Ding heißt wirklich so) ja nur darum geht, für alle EU-Bürger die ordnungsgemäße Verwendung der Gemeinschaftsmittel zu dokumentieren, ist die Seite Radioberichten zufolge nach ein paar Stunden ob der hohen Zugriffszahlen gleich einmal abgestürzt.

Da sieht man erst, welches Interesse Herr und Frau Österreicher allen gegenteiligen Umfragen zum Trotz an der EU haben. Nur böse Agrarlobbyisten, kriminelle Förderungsbetrüger und sonstige Kleingeister können auf die Idee kommen, dass diese Zugriffszahlen von Neugier und Neid motiviert sind. Und dass die praktische Suchfunktion via Förderungshöhe vor allem dazu dient, die Suche nach denen zu erleichtern, die mehr kriegen, als man selbst.

Wen es interessiert, der kann hier nachlesen, was ich davon halte. Und was die in Sachen Agrarpolitik unverdächtige Österreichische Gesellschaft für Datenschutz hier darüber schreibt:

Die geplante Veröffentlichung von EU-Agrarförderdaten erweist sich somit als rechtlich überaus problematisch und ist eher als fragwürdige populistische Aktion zu verstehen. Die Ausgestaltung von Fördermaßnahmen ist letztendlich eine politische Entscheidung, warum es nötig sein soll, dass jeder Bürger konkret von jedem anderen wissen kann, wie viel dieser an Förderung bezieht, ist in keiner Weise nachvollziehbar.

Thema: Allgemeine Randnotizen | 5 Kommentare

Wacheln

Sonntag, 22. Juni 2008 | Autor:

In der (Mörbischer) Mundart bedeutet „Wacheln“ eigentlich „aufgeregt winken“ oder auch „flattern“. Seit den 1970er-Jahren wird der Begriff aber auch für die Arbeit mit dem Stockräumgerät verwendet, das dazu dient, einen etwa 60 bis 80 cm breiten Bodenstreifen unter den Rebstöcken weitgehend unkrautfrei zu halten.

Stockräumgerät

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Thema: Reben und ihre Pflege | 3 Kommentare

Von Erbsen und Schrotkörnern

Mittwoch, 18. Juni 2008 | Autor:

Muskat Ottonel 2008 schrotkorngroß

Nach der Blüte verlagert sich das Wachstum der Reben weg von den Triebspitzen und hin zu den Trauben. Im Moment befinden wir uns (je nach Sorte und Lage mehr oder weniger) im Entwicklungsstadium der sogenannten Schrotkorngröße. weiter…

Thema: Reben und ihre Pflege | Beitrag kommentieren

Chlorose

Montag, 16. Juni 2008 | Autor:

Chlorose

Zum Glück ist die Chlorose-Erkrankung der Rebe in Mörbisch sehr sehr selten, auch wenn manche auf den ersten Blick anderes vermuten, weil das einzige nennenswerte regelmäßige Auftreten jedes Jahr um diese Zeit direkt an der Bundesstraße bei der Ortseinfahrt zu finden ist. weiter…

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Ungestümes Wachstum

Donnerstag, 12. Juni 2008 | Autor:

Wüchsige Triebspitzen

Ein typisches Bild dieser Tage: Bedeckter Himmel, ständige Regenschauer und Gewitter, die für eine um diese Jahreszeit außergewöhnlich gute Wasserversorgung verantwortlich sind, und dementsprechend wuchskräftige Triebspitzen.

In dieser Situation arbeiten wir mit den Reben um die Wette, um sie rechtzeitig von Hand in den Drahtrahmen zu formieren und anschließend maschinell einzukürzen.

Aber nicht nur die Reben fühlen sich unter diesen Bedingungen wohl, das Unkraut die Beikräuter gedeihen ebenfalls prächtig und müssen unter Kontrolle gehalten werden. Und auch die Pilzkrankheiten haben es leider gerne feucht-mild, weshalb beim Pflanzenschutz Laissez-faire momentan nicht angebracht ist.

Gut, dass die Blüte bereits (wie es scheint ohne Probleme) gelaufen ist. Damit läßt das Wachstum nämlich langsam nach, weil der Rebstock mehr Energie in die Trauben steckt und weniger in Triebe und Blätter investiert.

Abgehende Blüte

Thema: Reben und ihre Pflege | 3 Kommentare

Weinrallye Nr. 12: In Gottes Namen

Dienstag, 10. Juni 2008 | Autor:

Weinrallye

Heute ist wieder Weinrallye-Tag. Bereits zum 12. Mal sind alle deutschsprachigen Genussblogs eingeladen, sich mit einem bestimmten Thema auseinanderzusetzen und heute darüber zu bloggen. Nach zahlreichen Etappen mit und ohne meine Beteiligung wurde diesmal das Thema wieder vom Weinrallye-Erfinder Thomas Lippert vorgegeben, der hier auch eine Zusammenfassung aller Beiträge veröffentlicht hat.

Seiner Vorstellung nach soll es darin um Weine gehen, die einen kirchlichen Background haben. Mir sind dazu nach der Veröffentlichung des Themas hier zwar schon spontan ein paar Gedanken gekommen, aber für einen Weinrallye-Beitrag erscheinen mir diese Geschichten doch etwa zu abwegig. (Auch wenn mir Thomas persönlich via Kommentar grünes Licht gegeben hätte.)

Schließlich soll bei der Weinrallye der Saft der Reben im Mittelpunkt stehen, und nicht die eine oder andere Geschichte drumherum. Um aber den kirchlichen Bezug des von mir für die Weinrallye ausgewählten Getränkes zu erklären, muß ich ein bißchen ausholen und einen kleinen kirchenhistorischen Exkurs wagen: weiter…

Thema: Weinrallye | 4 Kommentare

Tage der offenen Kellertür von 6. bis 8. Juni

Freitag, 6. Juni 2008 | Autor:

In den nächsten Tagen werde ich wohl nicht zum Bloggen kommen. Im Rahmen von „Mörbisch zur Weinblüte“ öffnen wir nämlich von heute bis Sonntag gemeinsam mit 12 Kollegen unsere Kellertüren für alle interessierten Besucher. Auch schnellentschlossene Blog-Leser sind natürlich herzlich willkommen.

Mörbisch zur Weinblüte

Freitag, 6. Juni ab 18 Uhr

Eröffnungsfest mit geselligem Beisammensein beim Weindenkmal
(Kosten je nach Konsumation)

Samstag, 7. Juni

11, 12 und 13 Uhr
Vom Einsteiger zum Weinkenner in 60 Minuten
Weinseminar mit Bernhard Fiedler im Weinarchiv

13 bis 20 Uhr
Offene Kellertür im Grenzhof
und bei 12 weiteren Mörbischer Weinbauern

Mörbischer Wein-EM:
Verkosten Sie in jedem Keller einen freundschaftlichen Wein-Länderkampf zwischen Österreich und einem weinproduzierenden EM-Teilnehmerland. Unter den besten Schiedsrichtern werden wertvolle Wein- und Urlaubspreise verlost.

Ausstellung und Verkauf von Kunsthandwerk der Förderwerkstätte Eisenstadt von „Rettet das Kind“ im Grenzhof und weitere Attraktionen im jedem Keller

13 bis 22 Uhr
Schwerpunktverkostung Prädikatswein in der Mörbischer Vinothek

Sonntag, 8. Juni

13 bis 18 Uhr
Offene Kellertür im Grenzhof
und bei 12 weiteren Mörbischer Weinbauern

Mörbischer Wein EM:
Verkosten Sie in jedem Keller einen freundschaftlichen Wein-Länderkampf zwischen Österreich und einem weinproduzierenden EM-Teilnehmerland. Unter den besten Schiedsrichtern werden wertvolle Wein- und Urlaubspreise verlost.

Ausstellung und Verkauf von Kunsthandwerk der Förderwerkstätte Eisenstadt von „Rettet das Kind“ im Grenzhof und weitere Attraktionen im jedem Keller

Eintritt € 25,- für Samstag und Sonntag inklusive Gutschein für einen Weineinkauf von € 10,-

Thema: Verkauf und Marketing | 3 Kommentare

Peronospora-Wetter

Mittwoch, 4. Juni 2008 | Autor:

Während viele Kollegen in Deutschland, Wien und dem Nordburgenland in den letzten Tagen von Hagelschlag betroffen waren, haben uns bisher gottseidank nur Ausläufer der Gewitterfronten erreicht. Trotzdem ist das derzeitige Wetter nicht ungefährlich, bietet es doch dem falschen (Peronospora) und unter Umständen auch dem echten Mehltau (Oidium) beste Bedingungen.

Die beiden Mehltauerkrankungen der Rebe zählen zu den größten Herausforderungen in Sachen Pflanzenschutz und können zu einem Totalverlust der Ernte führen. Da sie erst im 19. Jahrhundert aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurden, besitzen die europäischen Edelrebsorten de facto keinerlei Widerstandskraft dagegen und sind enorm anfällig.

Sowohl im Bioweinbau, als auch in der von uns praktizierten integrierten Produktion können (und müssen) sie vorbeugend bekämpft werden, weil es keine umweltverträglichen Behandlungsmittel mit heilender Wirkung gibt, mit denen man den Schaden im Nachhinein reparieren könnte. weiter…

Thema: Reben und ihre Pflege | Beitrag kommentieren