Traubenreife aktuell

Sonntag, 31. August 2008 | Autor:

Nach einem Kurzgastspiel bei unserem Vertriebspartner in Tirol war ich heute wieder in den Weingärten unterwegs und habe folgende Zuckerwerte ermittelt:

Grüner Veltliner Ried Birnheide: +14°KMW
kühle Lage, hoher Ertrag

Zweigelt Ried Haderwald: 16,5°KMW
kühle Lage, junger Weingarten

Pinot blanc Ried Haderwald: +14 bis -16°KMW
kühle Lage, Unterschiede in Alter, Rebmaterial, Erziehung und Ertrag

Zweigelt Ried Wieser: 17°KMW
frühe Lage, 10jährige Reben, ausgedünnt auf 8 Trauben pro Stock

Muskat Ottonel Ried Satzwiesörter: 15 bzw. 17°KMW
der höhere Wert stammt von einer Erstlese mit geringem Ertrag

Das sonnige Spätsommerwetter der letzten Tage zeigt also Wirkung und hat uns je nach Ertragsniveau rund ein Prozent Zuckerzuwachs (1°KMW) in knapp einer Woche beschert.

In den kommenden Tagen soll es sogar noch etwas wärmer, wenn auch unbeständiger werden. Größere Regenmengen scheinen aber zum Glück nicht vor der Tür zu stehen.

Demnächst werde ich auch die ersten Säure- und pH-Wert-Messungen durchführen, die neben dem Zuckergehalt und der Reife der Aromastoffe und Tannine in der Traube wesentlich den Lesetermin und die Qualität mitbestimmen.

Ganz so wichtig wie im trocken-heißen Vorjahr ist die regelmäßige Kontrolle des Säuregehaltes heuer aber nicht, weil der Ausgangssäuregehalt in den Trauben bei Reifebeginn in feucht-kühlen Jahren wesentlich höher ist, und die für unsere Verhältnisse ungewöhnlich kühlen Sommernächte die Abnahme der Säure während der Reife deutlich bremsen. (Infos darüber, was passiert, wenn die Trauben reif werden gibt es hier zu lesen.)

Diese Entwicklung deuten die regelmäßigen Reifemessungen der Weinbauschule Klosterneuburg ebenso an, wie die vor ein paar Tagen aufgenommenen Untersuchungen des Bundesamtes für Weinbau in Eisenstadt.

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Für die wenigen, die es noch nicht wissen…

Samstag, 30. August 2008 | Autor:

…stellt die aktuelle Werbeaussendung einer heimischen Weinhandelskette zur Sicherheit noch einmal ultimativ klar, dass in Sachen österreichischer Rotwein

…der Jahrgang 2006, … ja bekanntlich der beste seit 1999 ist.

Dafür bin ich wirklich dankbar, denn ich hatte bislang immer gedacht, 1999 wäre weit weg von der Spitze, und 2002 und 2004 wären beim Blaufränkisch sowie 2000 und 2003 beim Cabernet zumindest auf dem Niveau von 2006.

Das vollständige Zitat lautet übrigens:

Abgesehen davon treffen wie alljährlich im September die Top-Rotweine Österreichs ein – heuer der Jahrgang 2006, der ja bekanntlich der beste seit 1999 ist.

Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang zwischen Weinverkauf und Jahrgangseinschätzung sieht…

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Hoch(druckgebiets)stimmung

Dienstag, 26. August 2008 | Autor:

Cabernet Sauvignon Ende August 2008

Einige Tage mit schönem Spätsommerwetter liegt hinter uns, und die Wetterprognosen versprechen, dass das dafür verantwortliche Hochdruckgebiet auch bis in die nächste Woche hinein wetterbestimmend bleibt.

Temperaturen von gut 25°C und Sonnenschein sind genau das, was unsere Trauben jetzt brauchen. Es scheint fast so, als hätten sie auf die erste anhaltende Schönwetterperiode dieses Sommers gewartet, um das bisher Versäumte nachzuholen. weiter…

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Besonders anders

Samstag, 23. August 2008 | Autor:

Es gehört zu den schönsten, zugleich aber auch zu den schwierigsten Seiten meines Berufes, dass kein Jahrgang dem anderen gleicht.

Natürlich gibt es immer wieder gewisse Parallelen: 2003 wirkt wie eine Steigerungsform von 2000 und beide scheinen sich 1994, 1992, 1990 und 1983 zum Vorbild genommen zu haben. Und auch auf der feuchteren Seite läßt sich zwischen 2005, 2001, 1998, 1996, 1995, 1991 und 1981 eine gewisse Verwandtschaft erkennen.

Trotzdem hat jeder Jahrgang seine eigene (Vor)Geschichte, ist jeder Jahrgang anders. Und 2008 ist ganz besonders anders.

Nach diesem Sommer herrscht unter den Weinbauern drei, vier Wochen vor Lesebeginn eine Stimmung, wie ich sie in meinen immerhin auch schon 15 aktiven Weinlesejahren noch nie erlebt habe.

Normalerweise gibt es um diese Zeit eine weitgehende Übereinstimmung bei den Prognosen, die auch gerne geäußert und diskutiert werden.

Trifft man hingegen heuer auf Weinbauernkollegen, dann halten sich diese mit Prognosen entweder völlig zurück, oder die Prognosen gehen so weit auseinander wie noch nie. Es scheint, als ob der Jahrgang 2008 auch für weit erfahrenere, weil ältere Winzer nicht einmal grob einzuordnen wäre.

Auch die ersten Reifemessungen bringen da (noch) keine Klarheit. Vor ein paar Tagen habe ich bei unserem besten Zweigelt 16°KMW diagnostiziert, gestern bei unserem frühesten Muskat-Weingarten 14°KMW. Diese Werte helfen uns im Moment ebensowenig weiter, wie die wöchentlichen Reifeanalysen der Weinbauschule Klosterneuburg.

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Pedologische Sprachverwirrung (4)

Dienstag, 19. August 2008 | Autor:

Die Körnchengröße

Der Hauptbestandteil jedes Bodens sind Mineralkörnchen verschiedener Größenordnung. Unter 0,002 mm spricht man dabei von Ton, zwischen 0,002 und 0,063 mm von Schluff und zwischen 0,063 und 2 mm von Sand. (Darüber spricht man von Kies, Steinen, Geröll etc.)

Je nach Anteil der einzelnen Fraktionen bezeichnet man Böden nach ihrer Körnchengröße z.B. als sandigen Ton, als tonigen Sand, etc. aber auch als Lehm bzw. lehmigen Sand etc., wobei Lehm an sich eine Art Mittelstellung zwischen Sand, Ton und Schluff einnimmt.

In manchen Fällen gibt es einen relativ engen Zusammenhang zwischen Ausgangsmaterial, Entstehungsgeschichte und Körnchengröße (der schluffreiche Löss ergibt natürlich schluffige Böden). Meist ist die Größenverteilung der Mineralpartikel aber relativ unabhängig von den beiden anderen Bodencharakteristika und es gibt daher z.B. sehr sandige Schwarzerden ebenso wie stark lehmige oder gar tonhaltige.

Die Anteile der einzelnen Partikelgrößen und deren besondere Eigenarten (z.B. der Aufbau der Tonminerale) haben einen wesentlichen Einfluß auf die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit des Bodens und damit auf dessen Bearbeitbarkeit und auf Weinqualität -stil. Darüber hinaus ist die Körnchenverteilung für die Durchlüftung des Bodens enorm wichtig und damit indirekt auch für dessen Temperatur. weiter…

Thema: Reben und ihre Pflege | Ein Kommentar

Mal wieder Glück gehabt

Samstag, 16. August 2008 | Autor:

Eigentlich bereitet uns heuer schon jeder einzelne Regentropfen, der noch vor der Ernte fällt, große Sorgen. Aber in einem Sommer mit zwei- bis dreimal so viel Regen wie üblich, wird man als Weinbauer bescheiden und freut sich schon, wenn es einmal fünf oder sechs Tage hintereinander nicht regnet.

Und wenn es, wie in der vergangenen Nacht, statt der prognostizierten schweren Gewitter mit 50 bis 100 mm Regen nur rund 20 mm und ein paar vereinzelte Hagelkörner sind, ist das anno 2008 schon als echter Glücksfall zu bezeichnen.

Thema: Dauerthema Wetter | Beitrag kommentieren

Der gläserne Wein (9)

Donnerstag, 14. August 2008 | Autor:

In dieser Serie stelle ich, wie im ersten Beitrag angekündigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausführlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer „gläsernen“ Weine entsteht dabei nach und nach in der entsprechenden Beitragskategorie und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.

Schwefeldioxid (SO2)

Wie in Teil 3 bereits beschrieben, kommt bei uns bei Most und Maische SO2 nur fallweise in Form von Kaliumpyrosulfit als Oxidationsschutz zum Einsatz. Im fertigen Wein ist SO2 hingegen (für den von uns und den allerallerallermeisten Kellermeistern weltweit angestrebten Weinstil) ein unverzichtbarer Zusatzstoff.

Obwohl Kaliumpyrosulfit auch im Wein funktioniert, bevorzugen wir für die Weinschwefelung reines SO2, das unter Druck verflüssigt wurde und in speziellen Gasflaschen erhältlich ist.

Neben dem „natürlichen“ Wasser, (fallweise) der zu Alkohol vergorenen Saccharose und (fallweise) den aus dem Barrique gelösten Holzinhaltstoffen, ist SO2 de facto der einzige „künstliche“ Zusatzstoff, der in unseren „fertigen“ Weinen enthalten ist. Alle anderen in dieser Serie beschriebenen bei uns verwendeten Substanzen werden im Zuge des Ausbaues und der Filtration wieder aus dem Wein entfernt. weiter…

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Weinrallye Nr. 14

Dienstag, 12. August 2008 | Autor:

Weinrallye
Weine zum Grillabend

Passend zum Thema der 14. Etappe der Wein(blog)rallye, die vom SanoViaBlog betreut wird, haben wir am vergangenen Samstag gegrillt. Aus Zeitgründen muß ich mich leider auf einen Kurzbericht beschränken und kann auch nicht mit den gewünschten Fotos dienen.

weiter…

Thema: Weinrallye | Beitrag kommentieren

Tage wie dieser

Montag, 11. August 2008 | Autor:

Trocken, sonnig, 27°C Tag- und 20°C Nachttemperatur und leichter Wind! Sechs solche Wochen und der Jahrgang 2008 wäre perfekt.

Da Perfektion aber unnatürlich ist, nehmen wir das Wetter so abwechslungsreich wie es kommt. Und versuchen wie immer das Beste daraus zu machen.

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Eigenständig, anspruchsvoll und trinkfreudig

Mittwoch, 6. August 2008 | Autor:

Ich war noch nie ein besonderer Freund der Bewertung von Wein mit Punktesystemen. Das hat zwar nichts damit zu tun, dass unsere Weine in den Fachmedien des Öfteren wohlwollend beschrieben, aber nur sehr selten mit den ganz hohen Punktewerten versehen werden. Aber es erleichtert den Umgang mit dieser Zwiespältigkeit ungemein.

Was brauche ich Punktebewertungen, wenn mein Wein solcherart beschrieben wird, wie zum Beispiel in der aktuellen Ausgabe von Vinaria:

Blaufränkisch Reserve 2006

Feiner Duft nach Brombeeren, Hagebutten und Blutorange, Zimt und Anis, macht schön auf mit Luft; ausgereifter Fruchtbogen, griffiges Tannin und animierende Säureunterstützung, jugendliche Straffheit, salzige Note hintennach, eigenständig, anspruchsvoll und trinkfreudig gleichermaßen.

Besonders die letzten fünf Wörter haben es mir angetan: Besser kann man mein Idealbild von Wein im Allgemeinen und von Blaufränkisch im Besonderen gar nicht formulieren.

Auch unsere Cuvée erhielt in der gleichen Verkostung (Rotweine 2006 bis 12 Euro) eine schöne Beschreibung:

Rote Trilogie 2006

Dichte Nase nach Sommerkirschen, Brombeeren und hellem Nougat, Anis, edelsßer Paprika; satt und stoffig, weiche Fruchttextur, anregendes Säurespiel, ausgereiftes Tannin, recht kernig hintennach, zart rauchige Noten, balancierter Blend mit gutem Trinkanimo.

Ach ja, und Punkte gab´s natürlich auch. Wie meistens im oberen Mittelfeld: 16,0 für den Blaufränkisch Reserve und 15,6 für die Rote Trilogie. Bei Vinaria steht das für sehr gut, für Weine von überdurchschnittlicher Qualität mit Frucht, Substanz und Harmonie.

Thema: Wein-Medien-News | 3 Kommentare