Blaufränkisch-Schrecksekunde

Montag, 29. September 2008 | Autor:

Heute haben wir die mittlerweile vierte Lesewoche mit einem unserer beiden besten Blaufränkisch-Weingärten begonnen. Die letzte intensive Begutachtung der Trauben ist zwar schon einige Tage her, aber die geschmackliche und die Zuckerreife waren zu diesem Zeitpunkt bereits sehr vielversprechend.

Außerdem war anzunehmen, dass der (zu) hohe Säuregehalt seither ähnlich wie beim bereits gelesenen Chardonnay deutlich abgenommen hat. Ab Mitte der Woche droht zudem die nächste Schlechtwetterfront, und damit wir in der dafür anfälligen Lage Hader nicht wie im Vorjahr gefährlich in die Nähe der Überreife kommen, haben wir uns am Sonntag zur Lese entschlossen. weiter…

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Dicke Luft

Samstag, 27. September 2008 | Autor:

Neben Alkohol und Wärme entsteht bei der alkoholischen Gärung auch jede Menge CO2 (vulgo „Kohlensäure“) als Nebenprodukt. Dieses „Gärgas“ ist zwar nicht giftig, kann aber trotzdem tödlich sein, weil es im Extremfall jeglichen Sauerstoff aus dem Keller verdrängt.

An und für sich ist unser Keller in dieser Hinsicht relativ unproblematisch. Er liegt zwar tatsächlich unter der Erde, was den „natülichen“ Abzug des CO2 verhindert, weil dieses schwerer ist, als Luft und sich am Boden sammelt.

Aber er hat ein großes Einfahrtstor mit einer Rampe, das normalerweise gemeinsam mit mehreren Lüftungsschächten und den ständig laufenden Ventilatoren für ein vertretbares Arbeitsklima sorgt.

Heuer stößt unsere Entlüftung aber an ihre Grenzen. Das kühle Wetter und die große Erntemannschaft in der vergangenen Woche haben dazu geführt, das anders als sonst beinahe alle Tanks und Fässer gleichzeitig gären. Und damit man sich einmal vorstellen kann, was sich dabei so tut, habe ich folgende Rechnung angestellt:

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Das Highlight des Jahrgangs?

Freitag, 26. September 2008 | Autor:

Heute stand unser Chardonnay auf dem Programm, und die Trauben sind ein heißer Kandidat für den Titel „Highlight des Weinjahres“.

Mit perfekter Ausreifung, (gerade) noch so gut wie botrytisfrei, mit 19,5°KMW und einer knackigen Säurestruktur lassen sie auf ein tolles Endprodukt hoffen, wenn es der Kellermeister nicht verbockt.

Da muß sich morgen der (beste) Pinot blanc gehörig anstrengen. Und die Blaufränkischen und der Cabernet, die noch auf ein paar Sonnentage warten ebenso…

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Alles im Keller

Mittwoch, 24. September 2008 | Autor:

Noch sind nicht alle Trauben gelesen, aber der ungewöhnliche Verlauf der Lese und der Wettersturz von Sommer auf Winter hat dazu geführt, dass in unserem Keller im Moment alle Stadien der Weinwerdung nebeneinander zu finden sind.

Bei den Weißweinen wartet der heute gelesene Grüne Veltliner auf das morgige Entschleimen. Außerdem gibt es jede Menge gärender Moste, die vergangene Woche geerntet wurden und je nach Lesetermin und -temperatur gerade beginnen oder bereits mitten in der Gärung stecken.

Der Muskat Ottonel, mit dem wir die Lese vor zwei Wochen begonnen haben hat seinen Zucker hingegen schon seit vergangenen Samstag komplett in Alkohol umgewandelt und wird als „fertiger“ Wein voraussichtlich morgen erstmals geschwefelt, um einer Oxidation seiner empfindlichen Aromastoffe vorzubeugen.

Der beim Entschleimen dieses Muskat abgetrennte Trubanteil ist sogar noch einen Schritt weiter. Der Trubwein, den wir bald nach der Lese im Gebinde an den Großhandel verkaufen, wurde heute von seinem Bodensatz aus Hefezellen und Trubstoffen (dem Geläger) abgezogen.

Bei den Rotweinen ist die Bandbreite ähnlich groß: Während der Blaufränkisch von gestern noch nicht gärt und der von vorgestern gerade beginnt, ist der Zweigelt vom Mittwoch der vergangenen Woche schon in der Endphase.

Einer der beiden Zweigelt von der ersten Lesewoche wurde heute gepreßt und wartet darauf, morgen in die Barriques gefüllt zu werden. Und der zweite Zweigelt vom Lesebeginn liegt schon seit vergangener Woche gepreßt im Faß und ist vielleicht schon dabei, den biologischen Säureabbau zu beginnen.

Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten…

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Olfaktorische Metamorphose

Montag, 22. September 2008 | Autor:

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Für Menschen mit ausgeprägter olfaktorischer Wahrnehmung ist das Werden des Weines eine unglaublich spannende Metamorphose.

Wie aus den Trauben mit ihren mehr oder weniger erkennbaren Aromen innerhalb von relativ kurzer Zeit „fertige“ Weine werden und welche Vielfalt an aromatischen Zwischenstadien es dabei gibt, läßt sich nicht in Worte fassen.

Nur wer schon einmal den Geruch der Rotweinmaische verfolgt hat, wie sie sich vom süß-säuerlich-fruchtigen Ausgangsprodukt über Fruchtmarmelade, aber auch ganz eigenartige, nicht immer ausgesprochen attraktive Gerüche zum warmen, dunkelfruchtigen Bukett eines (jungen) Rotweines gewandelt hat, kann erahnen, was ich meine.

Und nur Menschen mit wachen Sinnen können die Veränderung z.B. eines Muskat Ottonel vom traubig-aromatischen Saft über den kaum als Muskat erkennbaren Sturm zum Jungwein, der innerhalb von wenigen Tagen die Gäraromen abstreift und den Charakter der Muskat-Beeren wieder freigibt als das erkennen, was es ist:

Ein Wunder der Natur!

Foto: Wein Burgenland/Lukan

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Es geht (wieder) aufwärts

Sonntag, 21. September 2008 | Autor:

Wieviele Zuckergrade haben die Trauben schon?

In den letzten Tagen mußte sich unser Refraktometer nicht sonderlich anstrengen. Nach dem bisherigen Höchstwert von 18,5°KMW bei einer Zweigelt-Charge lag der Zuckergehalt von Welschriesling und Grünem Veltliner aus den verschiedensten Rieden zwischen 15 und 17°KMW. Gerade richtig für leichte und erfrischende (Land)Weine mit einem Alkoholgehalt rund um 11 Prozent.

Was jetzt noch draußen hängt, spielt überwiegend in einer anderen Liga: Morgen steht der erste Blaufränkische auf dem Plan, bei dem ich heute 18°KMW gemessen habe. Und je nach Wetterlage folgen ihm im Lauf der Woche Pinot blanc und Chardonnay, der bei der heutigen Reifekontrolle die 20°KMW nur knapp verfehlt hat.

Foto: steve.haider.com

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Schlachtplan in der Spätschicht

Freitag, 19. September 2008 | Autor:

Nach einer Pause von 20.00 bis 22.00 Uhr war ich bis eben noch einmal eineinhalb Stunden im Keller, um unter anderem der letzten Preßcharge Bentonit zuzugeben (welches morgen im Zuge des Entschleimens gleich wieder aus dem Most entfernt wird).

Und während des zwanzigminütigen Umrührens habe ich versucht, einen Schlachtplan für den morgigen Vormittag auszutüfteln. All die vielen, durch die enormen Erntemengen der letzten Tage bedingten Chargen, die in den verschiedensten Tanks zwischengeparkt bzw. noch zu entschleimen sind, engen nämlich den Manipulationsspielraum des Kellermeisters enorm ein.

Aber es gibt eine Arbeitsreihenfolge, die ohne ein (unnötiges) zweimaliges Umpumpen einer Charge auskommt.

Glaube ich zumindest…

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Beinahe Halbzeit

Freitag, 19. September 2008 | Autor:

Nach Muskat Ottonel und Zweigelt haben wir gestern und heute überwiegend Welschriesling für unseren Landwein und Grünen Veltliner für den Land- und den Qualitätwein geerntet. Ein Teil des Pinot blanc ist auch schon im Keller, und wenn ich richtig gerechnet habe, sind damit schon etwa 40 Prozent unserer Rebfläche gelesen.

Die spannendsten Trauben sind aber noch draußen: Das Beste vom Pinot blanc, der gesamte Chardonnay, alle Blaufränkischen und der Cabernet Sauvignon. Schön reif sind sie zwar schon, aber das letzte Quentchen zur Spitzenqualität fehlt ihnen noch.

Mal sehen, ob es dazu noch kommt. So übergangslos wie der Spätsommer Ende August gekommen ist, so abrupt (und etwas zu früh) hat er vergangene Woche sein Ende gefunden.

Nach dem Regen zu Wochenbeginn soll auch das Wochenende und der kommende Montag und Dienstag wieder feucht werden. Dabei wird es auch wieder etwas wärmer, was sowohl die Reifeentwicklung als auch die Botrytis (wieder) in Gang bringen könnte.

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11.000 Kilo

Mittwoch, 17. September 2008 | Autor:

Diese Woche haben wir aus verschiedenen Gründen ungewöhnlich viele Lesehelfer, die noch dazu (Danke!) auch besonders fleißig sind.

Heute haben sie trotz zeitaufwendiger Selektion beim Zweigelt (und dank entsprechend sorgfältiger Weingarten(laub)arbeit seit dem Frühjahr) mehr als 11.000 kg Trauben von den Stöcken geschnitten. Das ist mehr als eine Tonne pro Kopf, rund 120 kg pro Stunde!

Bei solchen Mengen geht es natürlich auch im Preßhaus rund. Heute war es noch relativ einfach, weil wir überwiegend Rotwein gelesen haben, der „nur“ via Rebler kontinuierlich in die Gärtanks befördert werden muß.

Morgen steht aber vor allem Grüner Veltliner auf dem Programm: Großtraubig, reichtragend, gesund (was für eine hohe Erntegeschwindigkeit spricht) und mit fleischigen Beeren (was eine relativ lange Preßdauer bedeutet).

Bis da die letzte Pressung fertig ist, wird es wohl Mitternacht werden…

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Glück gehabt!

Mittwoch, 17. September 2008 | Autor:

Das hätte wirklich böse enden können: Heute kam meinem Vater auf einem schmalen Güterweg bergab ein mehr oder weniger ungebremster, unkontrollierter großer Traktor samt Anhänger entgegen.

Mein Vater hatte am Wegesrand an einer steilen Böschung angehalten, um das Gespann vorbeizulassen und war mehr als überrascht, dass der Lenker die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Der Weg verläuft an dieser Stelle ist nämlich gar nicht so steil bergab, und der große Traktor sollte eigentlich mit dem vergleichsweise kleinen und leichten Traubenwagen keine Mühe haben.

Zum Glück streifte das Gefährt unseren Traktor nur, anstatt ihn mitsamt meinem Vater die Böschung hinunterzubugsieren (und ihn womöglich auch noch unter sich zu begraben). So sind wir mit einer arg verbeulten Traktorkabine, kaputten Scheiben, ein paar Kratzern am Traubenwagen, einer völlig demolierten und drei mehr oder weniger stark beschädigten Traubengroßkisten davongekommen.

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