Blindverkoster sind auch nur Menschen (3)

Samstag, 28. Februar 2009 | Autor:

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Auf dem Holzweg

Vor drei oder vier Jahren entschloß sich ein gut befreundeter Kollege, einige seiner leichteren Weißweine nicht mehr in Kleinmengen reinsortig, sondern als mittelkräftige weiße Einsteiger-Cuvée abzufüllen.

Um den neuen Wein entsprechend in Szene zu setzen, reichte er ihn natürlich auch zur Verkostung für einen renomierten österreichischen Weinführer ein. Prompt erhielt er für diesen Weintyp ungewöhnlich viele Punkte und eine schöne Beschreibung, die besonders den gelungenen Holzeinsatz hervorhob.

Dumm nur, dass die Cuvée aus Welschriesling, Weißburgunder und Co. nie ein Faß von innen gesehen hatte. Und schon gar kein kleines neues Barrique.

Hier gehts zu Teil 1 mit Links zu allen Folgen.

Thema: Im Glas und drumherum | Beitrag kommentieren

Weinmarktordnung, die Zweite (1)

Mittwoch, 25. Februar 2009 | Autor:

Mit ihrer Weinmarktordnung regelt die EU die Rahmenbedingungen der Herstellung, Bezeichnung und Vermarktung von Wein und die Instrumente, mit denen diese umgesetzt werden. Da es dabei um nicht wenig (Förder-)Geld geht, sind die mitunter höchst unterschiedlichen Interessen der weinbautreibenden (zum Teil aber auch der anderen) Mitgliedsländer nur in langwierigen Verhandlungen unter einen Hut zu bringen.

Als ich das erste Mal über die Weinmarktreform für 2008 bis 2013 berichtet habe, waren die Diskussionen schon ein halbes Jahr in Gang. Und auch wenn der damalige Beitrag jetzt schon über zwei Jahre alt ist, bietet er immer noch einen (meiner Meinung nach guten) Überblick, worum es eigentlich geht. Und für die, denen das nicht genügt, habe ich hier ein halbes Jahr später versucht die Motive und Verhandlungsstrategien herauszuarbeiten.

Im Dezember 2007 war es dann schließlich soweit, und ich konnte hier die grundsätzliche Einigung der EU-Landwirtschaftsminister auf eine Weinmarktordnung bis 2013 verkünden.

Mit 1. August 2008 trat schließlich deren erste Etappe in Kraft, die sich überwiegend mit der Weinbereitung (u. a. der Reduzierung der maximalen Aufbesserung in unserer Weinbauzone um 20 Prozent), der Reduktion des europäischen Weinüberschusses (u.a. durch die geförderte Rodung von 175.000 ha Weingärten) und der Qualitätsverbesserung (u.a. durch Förderungen für Betriebe die in bessere Weingärten und Kellereiausstattung investieren) beschäftigt.

Der zweite Teil, der sich mit dem Bezeichnungsrecht befaßt und im Zug der heißen Diskussion über die geplante (aber nicht umgesetzte) Abschaffung der Aufbesserung vielleicht unterschätzt wurde, folgt am 1. August 2009. Seine Umsetzung im nationalen Weinrecht birgt noch einige Schwierigkeiten, die die zuständigen Gremien in der nächsten Zeit ziemlich beschäftigen werden. weiter…

Thema: Kunterbunte Weinwelt | 6 Kommentare

Begegnung im Weingarten

Dienstag, 24. Februar 2009 | Autor:

Gestern fiel meinem Vater beim Schneiden unserer Chardonnay-Reben ein Auto mit slowakischem Kennzeichen auf, das langsam durch die Gegend fuhr und schließlich bei unserem Weingarten anhielt.

Da das mitunter vorkommt, war seine erste Annahme, dass es sich wohl um arbeitssuchende Slowaken handelt, die sich erkundigen wollen, ob sie vielleicht beim Rebschnitt gebraucht werden. Und tatsächlich stieg ein Mann aus dem Auto, ging auf meinen Vater zu und sprach ihn in akzentfreiem Deutsch an.

Kein Wunder, denn es handelte sich um einen deutschen Winzerkollegen von der Mosel auf Urlaub in Bratislava/Preßburg, der mit einem Mietauto die Gegend erkundete. Und wie das bei Weinbauern halt so ist, galt sein Interesse auch im Urlaub den (in diesem Fall burgenländischen) Reben.

So ergab sich ein interessantes Gespräch mit Alfons Stoffel vom Riesling-Weingut Stoffel in Leiwen an der Mosel. Und falls wir (wieder) einmal in diese Ecke kommen, werden wir ihm und seinen Reben sicher einen Gegenbesuch abstatten.

Thema: Allgemeine Randnotizen | Beitrag kommentieren

Nicht alle Blog-Leser dürften wirklich lesen

Samstag, 21. Februar 2009 | Autor:

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine E-Mail, die mich einigermaßen ratlos gemacht hat. Eine Dame schrieb, sie wäre an meinen Zaunpfählen interessiert und bat um Informationen, Katalog und Preisliste.

Da es sich allem Anschein nach nicht um eine Spam-Nachricht handelte, habe ich nicht nur (naturgemäß mit einer Absage) geantwortet, sondern auch darüber nachgedacht, wie es wohl zu dieser Anfrage gekommen sein könnte.

Da die Nachricht nicht an unsere Betriebs-, sondern an die Blogadresse gemailt wurde, halte ich folgende Theorie für die wahrscheinlichste: Die Dame ist beim Suchen nach Pfählen auf diesen Blog-Eintrag gestoßen, hat ihn bzw. den Kontext meines Blogs aber gründlich mißverstanden.

Solche (wohl nicht Einzel-)Fälle relativieren die Aussagekraft der nackten Leserzahlen, die manchen Blogger-Kollegen wichtiger sind als mir doch ein wenig.

Thema: Allgemeine Randnotizen | Ein Kommentar

Es wird eng

Mittwoch, 18. Februar 2009 | Autor:

Während manche Kollegen schon seit Monaten die (Weiß-)Weine der Ernte 2008 vermarkten, ist bei uns immer noch kein Vertreter des letzten Jahrgangs in der Flasche. Nicht bei allen Sorten ist das absichtlich so, es fehlt uns einfach an den passenden Schraubverschlüssen.

Schon vor Weihnachten haben wir uns entschlossen, anstatt der bisher verwendeten Lagerware Schraubverschlüsse zu bestellen, die farblich auf unsere Etiketten abgestimmt sind. Leider hat das erste Muster nicht unseren Wünschen entsprochen und auch sonst dürfte einiges nicht ganz so gelaufen sein, wie es sollte.

Seit vergangener Woche scheint aber alles zu klappen, und ich gehe davon aus, dass wir die Lieferung Ende nächster Woche erhalten und dass unser Fülltermin am 3. März hält.

Bis dahin wird es in vielerlei Hinsicht eng: weiter…

Thema: In Presshaus und Keller | Ein Kommentar

Blindverkoster sind auch nur Menschen (2)

Montag, 16. Februar 2009 | Autor:

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Zweigelt und Blaufränkisch

Mitte der 1990er saß ich ein paar Jahre in der Jury der burgenländischen Weinprämierung. Dort wurden vor den eigentlichen Bewertungen für die wichtigsten Weinarten sogenannte „Pegelweine“ definiert, die meist im Grenzbereich zwischen Gold- und Silbermedaille lagen. War ein Juror unsicher, wie er werten soll, konnte er ihn als eine Art Maßstab heranziehen und den zu beurteilenden Wein direkt mit dem exakt definierten Pegel vergleichen.

Um die Einstufung der Pegelweine breit abzusichern, erfolgte diese nicht von einer normalen Jury-Gruppe mit fünf bis sieben Verkostern, sondern von der Gesamtheit aller Verkoster. Im konkreten Fall waren das mehr als 30 sensorisch geschulte und in vielen Fällen auch eine jahrzehntelange Praxis aufweisende Winzer. weiter…

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2,99 Millionen Hektoliter

Sonntag, 15. Februar 2009 | Autor:

Das amtliche Endergebnis der österreichischen Weinernte 2008 ist da. Und wie schon die letzte Schätzung im Oktober (wie hier vermutet und hier wenige Tage später berichtet) liegt auch die von den Winzern tatsächlich angemeldete Weinmenge noch einmal deutlich über allen vorherigen Annahmen.

Die Erntemenge von 2,99 Millionen Hektoliter bedeutet ein Plus von rund 14 Prozent gegenüber 2007 und knapp 20 Prozent mehr als der Durchschnitt der letzten 6 Jahre. 2008 erbrachte damit die größte Erntemenge seit 1991.

Beim Weißwein sind es +23% zu 2007 und +21% zum Durchschnitt, beim Roten hingegen gibt es kaum eine Veränderung gegenüber 2007 und plus 16 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (wobei hier auch die deutliche Rotweinflächenzunahme zu berücksichtigen ist).

In den einzelnen Regionen ist die Ernte sehr unterschiedlich ausgefallen. Im größten weinbautreibenden Bundesland Niederösterreich wurde um rund 23 Prozent mehr geerntet, als 2007 (WW +30%/RW +9%).

Im Burgenland ist die Gesamtmenge gegenüber 2007 hingegen kaum gestiegen, da den Zugewinnen an Weißwein (+13%) deutliche Mengenverluste beim Rotwein (-8%) gegenüberstehen.

In der Steiermark verhält es sich ähnlich (insgesamt -3%) und auch Wien konnte sein Niveau von 2007 etwa halten.

 

Anmerkung: Da es bislang nur diese spärliche Meldung über die Erntemenge 2008 gibt, habe ich die Abweichungen von den vorangegangenen Ernten nach den Angaben der Statistik Austria selbst errechnet. Rundungs- und sonstige Fehler sind bei dieser Datenlage durchaus möglich.

Thema: Wein-Medien-News | Ein Kommentar

Eine Woche Pause

Freitag, 6. Februar 2009 | Autor:

Wie jedes Jahr zieht es uns Flachländer auch heuer wieder für eine Woche zum Schifahren in die Berge. Daraus ergibt sich nicht nur ein wohltuender Abstand von Weingarten, Keller und Büro, sondern auch eine Blogpause.

Die ist sicherlich kein Fehler, gehen mir die Beiträge seit einigen Wochen doch eher schwer von der Hand. Vielleicht können ein paar internetfreie Tage ja etwas daran ändern, und die Texte fliegen mir ab Mitte Februar nur so zu, wer weiß.

Zur Überbrückung empfehle ich allen Blog-Lesern die 20. Etappe der Wein(blog)rallye, für die Hausmannskost ein schwieriges unkonventionelles Thema ausgegeben hat: „Wein zum Fisch, aber nicht weiß und trocken“.

Die hoffentlich zahlreichen Beiträge am Donnerstag, den 12. Februar lassen sich am besten über genussblogs.net oder möglicherweise auch über Updates von Hausmannskost verfolgen.

Weinrallye

P.S.: Damit ich mich nach meiner Rückkehr nicht mit Massen von Spam-Kommentaren herumschlagen muß, ist die Kommentarfunktion während meines Urlaubs deaktiviert. Ich bitte um Verständnis.

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Blindverkoster sind auch nur Menschen (1)

Mittwoch, 4. Februar 2009 | Autor:

Manche Leute scheinen Weinexperten geradezu übersinnliche Fähigkeiten zuzuschreiben. Das liegt wahrscheinlich sowohl an der mitunter überzogenen Selbstdarstellung einzelner Weinkenner, als auch an den immer wieder gerne strapazierten Klischees im Fernsehen.

Selbst- oder fremdverliehene Titel a la „Weinpapst“ und die nicht seltene TV-Darstellung von Weinverkostern, die dem Wein blind jedes Geheimnis bis hin zum Erntetermin und der Anzahl der Lesehelfer entlocken, hinterlassen offenbar einen bleibenden Eindruck.

Dabei sind auch die geübtesten (Blind-)Verkoster nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen: weiter…

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Chardonnay Barrique 1994

Sonntag, 1. Februar 2009 | Autor:

Schon ab der zweiten Chardonnay-Ernte in unserem Betrieb 1992 haben wir uns auch mit dem Ausbau dieser Sorte in Barriques beschäftigt. Bis 1997 gab es parallel je einen „klassischen“ Sortenvertreter (aus dem Stahltank oder dem altem Holzfaß) und einen aus dem Barrique auf unserer Weinkarte.

Seit 1998 verbinden wir diese beiden Stile zu unserem Chardonnay Duett, aber nach einigen Jahren Pause haben wir 2001 mit dem Mörbisch Weiß wieder begonnen, einen mehr oder weniger „reinen“ Barrique-Weißwein zu vinifizieren.

Damals wie heute ist es uns ein Anliegen, die Aromatik des Eichenholzes als Bereicherung einzusetzen, und nicht als dominierendes Stilmittel. Heute verwenden wir deshalb überwiegend nicht ganz neue Fässer und lagern einen Teil des Weines überhaupt nicht im Barrique. In den 1990ern hingegen war es vor allem die Vermeidung des biologischen Säureabbaus, der von den allermeisten Lehrmeinungen für Barrique-Weißweine empfohlen wird. weiter…

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