Alltäglicher Hochgenuss

Sonntag, 29. März 2009 | Autor:

Unser Grüner Veltliner ist zweifellos kein großer Wein. Dafür fehlt es ihm an aromatischer Vielschichtigkeit und dem entsprechenden Nachdruck am Gaumen.

Beim aktuellen 2008er kommt noch dazu, dass er eine jahrgangstypisch (und aus diesem Grund bewußt von uns belassene) rassige Säurestruktur aufweist, die manche Weinliebhaber wohl an der Harmonie des Weines zweifeln läßt.

Trotzdem mag ich gerade diesen Grünen Veltliner sehr sehr gern. Nicht zuletzt deshalb, weil auch er in Situationen wie dieser weit über sich hinauswachsen kann:

Es ist Samstag, und weil am Abend groß für Gäste aufgekocht werden soll, fällt das Mittagessen eher bescheiden aus. Resteverwertung ist angesagt: Eine Knackwurst, drei Eiklar (deren Dotter anderwertig gebraucht wurden), ein Schluck Schlagobers und die letzten Stummel von Schnittlauch im Topf.

Gemeinsam mit einem ganzen Ei, Salz und Pfeffer und einer gerade griffbereiten Teigwaren-Sorte entsteht daraus in wenigen Minuten ein simples Alltagsessen für die ganze Familie.

Zusammen mit einem Glas unseres Alltagsweines war es aber viel viel mehr…

Thema: Im Glas und drumherum | 2 Kommentare

The Wine Media´s Influence on Winemaking

Donnerstag, 26. März 2009 | Autor:

Via Blog-Leser und Blogger Franz Schneider bin ich heute eher zufällig auf dieses Video gestoßen, das sich mit einem spannenden Thema beschäftigt.


Robert Parker’s Bitch from Josh Hermsmeyer on Vimeo.

Der Titel „Robert Parker´s Bitch“ (der offenbar von einem ironisch gemeinten T-Shirt-Aufdruck eines der interviewten Winemaker übernommen wurde, der auch der Macher des Films ist, wenn ich das richtig durchschaut habe) ist mir zwar etwas zu personifiziert und plakativ, einige Aussagen decken sich aber durchaus mit meinen Beobachtungen (die bei weitem nicht nur auf Kalifornien beschränkt sind).

Der kalifornische Winzerkollege Randy Dunn meint in dem Film z.B. sinngemäß, dass die vielen Argumente, die als Begründung dafür angegeben werden, warum die Weine immer üppiger und alkoholischer werden, letztlich nur Marketing-Ausreden sind.

Hauptschuld am Trend zu mehr Alkohol etc. seien weder neue Unterlagsreben, noch die Sorten oder die Qualitätsbestrebungen etc. Schuld sei der Wille der Produzenten solche Weine machen zu wollen, um größere Chancen auf hohe Bewertungen (bei manchen Verkostern) zu haben.

Auch seine Antwort auf einen Kollegen gefällt mir gut, der sagte, bei ihm würden die Cabernet-Trauben erst mit einem natürlichen Zuckergehalt für 15 Prozent Alkohol richtig reif schmecken. Dunn meinte, er sollte wohl besser etwas anderes produzieren, als Cabernet, wenn dem so wäre.

Mit der Auswahl der Interviewpartner gibt das Video natürlich die Richtung vor, und die Gegenseite kommt nur am am Rande in Form der eher vorsichtig formulierenden Dame vom Culinary Institute of America vor.

Der durchaus witzige Schluß des Videos zeigt auch, dass es den Machern nicht unbedingt um journalistische Objektivität geht. Absolut sehenswert sind die 26 Minuten aber meiner Meinung nach trotzdem.

Thema: Wein-Medien-News | Beitrag kommentieren

Der gläserne Wein (13)

Dienstag, 24. März 2009 | Autor:

In dieser Serie stelle ich, wie im ersten Beitrag angekündigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausführlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer „gläsernen“ Weine entsteht dabei nach und nach in der entsprechenden Beitragskategorie und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.

Kieselgur und Zellulose

Auf dem Weg von der Traube in die Flasche werden die allermeisten Weine irgendwann mittels mechanischer Filter von Trubstoffen befreit. Wie und warum man das macht, habe ich hier schon einmal beschrieben.

Die dabei verwendeten Hilfsstoffe fallen zwar nur bei einer äußerst weit greifenden Auslegung in die Kategorie „Weinbehandlungsmittel“ (und gehören definitiv nicht zu den „Zusatzstoffen“), sollen hier aber trotzdem kurz erwähnt werden. Schließlich werden sie ja bei der Anschwemmfiltration tatsächlich für kurze Zeit dem Wein zugegeben. weiter…

Thema: Der gläserne Wein | 4 Kommentare

2009 läßt sich Zeit

Sonntag, 22. März 2009 | Autor:

Mandelblüte am 12. Februar 2007

 

Angesichts der winterlichen Temperaturen beginnen die Mandelblüten heuer nur zaghaft, sich zu öffnen. Im Vergleich zu 2007 ist das eine Verspätung von mehr als fünf Wochen und auch gegenüber 2008 sind wir fast einen Monat später dran.

Über den heurigen Jahrgang sagt das allerdings noch überhaupt nichts aus. Es ist uns durchaus recht, wenn die Vegetation spät, aber dafür umso rasanter beginnt. Das bedeutet zwar mehr Streß bei der Arbeit im Weingarten, aber ein deutlich geringeres Risiko für Spätfrost (und Kräuselmilben, die an den jungen Trieben saugen).

Die Reben haben den Winter gut überstanden, die Wasserspeicher im Unterboden sind bestens gefüllt, und der Rebschnitt ist so gut wie abgeschlossen. Jetzt warten wir geduldig auf den Startschuß der Natur.

Thema: Dauerthema Wetter | 3 Kommentare

Blindverkoster sind auch nur Menschen (5)

Freitag, 20. März 2009 | Autor:

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Fehler oder wahre Größe?

Vor etwa 15 Jahren waren wir noch an einer Mörbischer Gemeinschaftsweinmarke beteiligt. Bei der Präsentation des neuen Jahrgangs standen damals unter anderem an die 20 Blaufränkisch des Jahrgangs 1992 zur Verkostung, die alle von verschiedenen Weinbauern nach den gleichen Richtlinien gekeltert wurden.

Zwei dieser Weine fielen damals deutlich aus der Reihe, der eines Kollegen und unserer. Beide waren deutlich von Aromen geprägt, die an Leder und Pferdeschweiß erinnern und die im Zuge des Weinausbaues von Brettanomyces-Hefen gebildet werden können. (Zum Glück hatten wir davon nur eine kleine Menge und seither keine nennenswerten Schwierigkeiten mit diesen Hefen mehr.) weiter…

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Wortmalerei

Dienstag, 17. März 2009 | Autor:

Das Beschreiben von Wein ist doppelt subjektiv. Erstens weil Aroma und Geschmack von jedem Menschen unterschiedlich wahrgenommen werden. Und zweitens, weil jeder Verkoster einen anderen Zugang zur Sprache an sich und zur Bedeutung einzelner Vergleichswörter hat. Dementsprechend subjektiv fallen dann auch die Weinbeschreibungen aus.

Je nach Anlaß und Zweck gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie man das zu Papier (oder auf den Bildschirm) bringen kann, was einen Wein ausmacht. Um zumindest einen kleinen Ausschnitt davon darzustellen, habe ich in meinen Archiven gekramt und bin auf folgende Beschreibungen unseres Muskat Ottonel gestoßen. weiter…

Thema: Verkauf und Marketing | Ein Kommentar

Der gläserne Wein (12)

Samstag, 14. März 2009 | Autor:

In dieser Serie stelle ich, wie im ersten Beitrag angekündigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausführlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer „gläsernen“ Weine entsteht dabei nach und nach in der entsprechenden Beitragskategorie und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.

Eichenholzaromen und -tannine

Auch wenn „Barriqueausbau“ oder „Reifung im kleinen neuen Eichenfaß“ schöner klingt, handelt es sich bei der Verwendung von nicht geschmacksneutralen Fässern letztlich um eine Aromatisierung von Wein. Schließlich gibt das bei der Faßherstellung erhitzte Holz eine Vielzahl von riech- und schmeckbaren Substanzen an den Wein ab.

Würde es dem Kellermeister ausschließlich um die Bereitstellung von Sauerstoff für die bessere Reifung des Weines gehen, könnte er diese Aromatisierung leicht vermeiden, indem er gleich große aber weingrün gemachte Fässer verwendet. weiter…

Thema: Der gläserne Wein | 2 Kommentare

Weinrallye aktuell

Mittwoch, 11. März 2009 | Autor:

Die letzten beiden Etappen der Wein(blog)rallye der deutschsprachigen Genussblogs sind leider ohne meine Beteiligung über die Bühne gegangen. Auch wenn ich nicht in Urlaub gewesen wäre, wäre mir kaum ein Beitrag zur 20. Etappe eingefallen.

Andere taten sich aber offenbar leichter, sonst wäre zum Thema „Wein zum Fisch, aber nicht weiß und trocken“ von Hausmannskost nicht eine solche Serie an interessanten Beiträgen zusammengekommen.

Um die (nicht urlaubs- sondern arbeitsbedingt) verpaßte 21. Etappe tut es mir wirklich leid. Schon beim Lesen des Themas von Schreiberswein hatte ich den passenden Wein aus meinem Keller im Kopf.

Ein Deutscher Riesling aus einer Spitzenlage war gefragt. Da hätte eine Riesling Auslese 1990 aus der Lage Ayler Kupp an der Saar sicher gut gepaßt. Aber es sollte nicht sein, und jetzt muß mein Beutestück von unserer großen Weinbauschulexkursion weiter auf eine passende Gelegenheit warten. Wenig überraschend gibt es aber auch ohne meine Nachbarschaftshilfe viele spannende Beiträge zum Thema Deutscher Spitzenriesling zu lesen.

Mittlerweile hat Weinrallye-Erfinder und Winzerblogger Thomas Lippert schon die 22. Etappe für den 14. April ausgerufen. Das Thema seiner Wahl sind trinkbare regionale Spezialitäten aus den Heimatregionen der teilnehmenden Blogger.

Das sollte zu schaffen sein, auch wenn Thomas Selbstgemachtes (also auch unsere eigenen Weine?) nur als Zugabe  gelten lassen will.

Thema: Weinrallye | Ein Kommentar

Die Post bringt allen was?

Mittwoch, 11. März 2009 | Autor:

In der Originalversion der Werbestrategen der Österreichischen Post AG steht hinter diesem Slogan natürlich kein Fragezeichen. Nach meinen Erfahrungen der letzten Tage sind allerdings durchaus Zweifel angebracht, ob die Post wirklich allen was bringt. Und wenn sie das doch tut, wann.

Mit einigem Aufwand haben wir es vor zwei Wochen geschafft, unseren Print-Newsletter „Die Weinpresse“ trotz Abfüll- und sonstigem Streß versandfertig zu machen, damit er rechtzeitig vor der Weinpräsentation in Wien am Montag dieser Woche und vor der Lieferung nach Tirol morgen Donnerstag und Freitag bei  unseren Kunden ankommt.

Am Montag, den 2. März ging also unsere Hauszeitung als vorsortierte Massensendung zur Post, aber wie wir von einigen Telefonaten mit unseren Kunden in Tirol wissen, ist sie bis gestern längst nicht bei allen Adressaten angekommen.

Offenbar ist unsere Post nicht in der Lage, Briefsendungen innerhalb von acht Tagen (inkl. Wochenende) innerhalb Östereichs zuverlässig zuzustellen. Und das trotz Vorsortierung nach Postleitzahlbereichen.

In Bezug auf die aktuelle Diskussion um die geplante Schließung von Postämtern stellt sich für mich die Frage: Was hilft mir ein Postamt im Ort, wenn ich mich nicht darauf verlassen kann, das meine Sendungen auch in einem annehmbaren Zeitrahmen ankommen?

Es hat wohl doch eine tiefere Bedeutung, dass man in Österreich einen Brief „aufgibt“ und nicht „verschickt“, wenn man ihn zum Postamt bringt…

Thema: Allgemeine Randnotizen | Ein Kommentar

Blindverkoster sind auch nur Menschen (4)

Sonntag, 8. März 2009 | Autor:

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Sowas muß man mit Humor nehmen

Unseren Erfahrungen nach hat die von der Landwirtschaftskammer veranstaltete burgenländische Landesweinprämierung ihre eigenen Gesetze. Und da die Verkostungstermine für unsere Weine ohnehin meist zu früh sind, unser Weinstil von der Jury offenbar nicht unbedingt honoriert wird, und die zu erringenden Goldmedaillen ohnehin nur eine sehr beschränkte Marktrelevanz haben, nehmen wir seit Jahren nur noch sporadisch oder gar nicht daran teil.

Leider ist sie (beinahe) die einzige Möglichkeit, sich für den heimischen Weinsalon zu qualifizieren, der einen gewissen Werbewert bietet. Deshalb entschloß ich mich nach längerer Pause im Jahr 2005 mit unserem Cabernet Sauvignon 2003 wieder einmal mein Glück zu versuchen.

Alle Voraussetzungen schienen günstig: Der Wein kam einige Monate vor der Verkostung in die Flasche und war deshalb in guter Form. Trotz seiner Jugend war er jahrgangsbedingt relativ zugänglich und seine Tanninstruktur alles andere als hart und abweisend.

Außerdem ist der Cabernet jener Wein auf unserer Karte, der den deutlichsten Holz- und vor allem Toastingeinfluß zeigt und der deshalb gerade in Blindverkostungen einiges hermacht. Das der Wein selbst meiner Meinung nach von sehr sehr guter Qualität war (und ist), versteht sich von selbst und wurde später mehrfach bei anderen Verkostungen von diversen Fachmedien immer wieder bestätigt.

Die Blindverkoster der Landesweinprämierung sahen das aber anders. Unser Cabernet Sauvignon 2003 wurde mit einem lächerlich niedrigen Punktewert abgefertigt.

Über eine Silbermedaille, die so etwas wie einen Trostpreis darstellt, den praktisch jeder halbwegs trinkbare Wein erhält,  hätte ich mich richtig geärgert. Aber darüber, dass es nicht einmal dafür gereicht hatte, konnte ich nur noch laut loslachen.

Hier gehts zu Teil 1 mit Links zu allen Folgen.

Thema: Im Glas und drumherum | Beitrag kommentieren