Maischestandzeit

Mittwoch, 16. September 2009 | Autor:

 Chardonnay-Maische 2009

Normalerweise verarbeiten wir unsere Weißweintrauben möglichst zügig und pressen sie ungerebelt mit den Stielen. Das reduziert nicht nur den Anteil an Trubstoffen im Most (die nach dem Pressen entfernt werden müssen), sondern führt auch zu tendenziell zarteren, eleganteren Weinen mit einem etwas höheren Säuregehalt (was in unserem Klima meist einen Vorteil darstellt).

Wenn es paßt, ist unser Preßhaus aber auch flexibel genug, um die Weißweintrauben zu rebeln und anschließend eine sogenannte Maischestandzeit durchzuführen. Beim Chardonnay 2009 war es heute wieder einmal soweit.

Die Trauben waren frei von Fäulnis, physiologisch reif (was man auf dem Foto an den reifen braunen Kernen erkennen kann) und hatten dank der guten Wasserversorgung während des Sommers einen relativ hohen Säuregehalt.

Deshalb habe ich der Chardonnay-Maische bis zur Pressung ein paar Stunden Zeit gelassen, in der der Saft Aroma- und Mineralstoffe aus den Schalen aufnehmen konnte.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Die Maischestandzeit schiebt den ganzen Tagesablauf nach hinten und damit natürlich auch den Feierabend des Kellermeisters.

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Leithaberg DAC (3)

Dienstag, 15. September 2009 | Autor:

Das neue Herkunftsweingebiet „Leithaberg DAC“ unterscheidet sich nicht nur in Sachen Grenzziehung deutlich von den bestehenden DAC-Regionen, sondern auch bei den Weinen selbst:

Rot- und Weißwein

Mit Leithaberg DAC wird es erstmals in einem österrreichischen Weinbaugebiet Weiß- und Rotweine unter einer gemeinsamen Herkunfts-Flagge geben. Damit trägt die DAC-Bezeichnung der Weinvielfalt am Westufer des Neusiedlersees Rechnung (wobei genaugenommen auch eine Süßweinkategorie dazugehören würde).

Die roten Herkunftsweine werden aus der traditionsreichsten und qualitativ spannendsten Sorte der Gegend, dem  Blaufränkisch gekeltert. Nicht zuletzt aus kellerpraktischen Notwendigkeiten hat man allerdings die 15-Prozent-Fremdsorten-Regel des Weingesetzes auch für die DAC-Weine übernommen, diesen Anteil aber beschränkt auf die Sorten Zweigelt, St. Laurent und Pinot Noir.

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Erfreuliches Jahrgangsphänomen

Montag, 14. September 2009 | Autor:

Trubdepot komprimiert

Neben dem ungewöhnlichen Reifeverlauf der verschiedenen Sorten (über den ich hier und hier schon berichtet habe), zeigt der Jahrgang 2009 bislang auch noch eine weitere Besonderheit:

Die frisch gepreßten weißen Moste sind auffallend arm an Trubstoffen, wie sich beim Entschleimen der verschiedenen Chargen immer wieder herausstellt.

Und nachdem wir die Art der Traubenverarbeitung in den letzten Jahren nur geringfügig verändert haben, muß es wohl am Jahrgang liegen. Ich vermute ein gutes Zusammenspiel von Gesundheitszustand und Reifegrad der Trauben.

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Wie weiter?

Sonntag, 13. September 2009 | Autor:

 Zweigelt 2000

Wenn nicht gerade ein hoher Fäulnisdruck alle Erntepläne über den Haufen wirft und höchste Eile angesagt ist, gibt es während jeder Weinlese eine Phase der Unsicherheit über den richtigen Zeitpunkt. Im Jahr 2009 ist es an diesem Wochenende soweit.

Die besten Trauben von Zweigelt, Pinot blanc und Chardonnay sind der idealen Reife mittlerweile recht nahe gekommen. In diesem Bereich läßt sich kaum noch beurteilen, ob und wenn ja wie viele Milli- oder Mikrometer noch fehlen.

Noch weniger kann man über das als wechselhaft prognostizierte Wetter der nächsten Tage sagen. Und darüber, wie weit sich die Trauben nach einem möglichen Regen wieder vom Idealzustand entfernen werden.

Angesichts derart vieler Variablen läßt sich die Richtigkeit des gewählten Erntetermins bestenfalls im Nachhinein erahnen. Wirklich wissen wird man es aber nie.

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Der erste Rote

Samstag, 12. September 2009 | Autor:

Überfluten der gärenden Rotweinmaische

Die meisten unserer Zweigelt-Trauben haben noch ein paar hoffentlich sonnige Tage Zeit, bevor sie gelesen werden. Ein Weingarten war aber nicht zuletzt aus logistischen Gründen schon am Donnerstag dran, und gärt dank der milden Temperaturen bereits munter vor sich hin.

In dieser Phase ist es wichtig, die vom entstehenden CO2 nach oben gedrückten Schalen laufend mit gärendem Saft zu befeuchten, damit dieser möglichst viele Farbstoffe aus den Beerenschalen lösen kann. Auf diese Weise wird aus dem blaßrosa Saft innerhalb weniger Tage ein tiefdunkler Rotwein.

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Traubenreife aktuell

Freitag, 11. September 2009 | Autor:

Zweigelt am 11. September 2009

Zweigelt, Pinot blanc und Chardonnay sind der physiologischen Reife meinem Gefühl nach schon recht nahe. Und auch an den Trieben und Blättern merkt man schön langsam, dass sich die Vegetationsperiode ihrem Ende nähert.

Zweigelt Ried Wasser: 18°KMW

Zweigelt Ried Goldberg 8 Trauben/Stock: 17,5°KMW

Zweigelt Ried Goldberg 6 Trauben/Stock: -18°KMW

Chardonnay Ried Hofwiesörter: +19°KMW

Pinot blanc Ried Wieser (jüngere Reben): +17°KMW

Blaufränkisch Ried Goldberg 6 Trauben/Stock: -18°KMW

Im Vergleich zu dieser Beobachtung vor einer Woche hat der Zweigelt punkto geschmacklicher Reife zwar deutlich aufgeholt, seine Zuckergehalte sind aber z.B. in Relation zum normalerweise deutlich späteren Blaufränkisch weiterhin auffallend niedrig.

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Wie gezeichnet

Donnerstag, 10. September 2009 | Autor:

Pinot blanc 2009

Von einem kleinen Muskat-Weingarten mit Wespenfraß abgesehen bot sich uns bei der Weinlese bisher überall das gleiche Bild: Die Trauben sind so gesund und optisch reif wie selten. Fast zu schön um echt zu sein.

Wie gezeichnet, sagt man in der Mundart.

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Leithaberg DAC (2)

Mittwoch, 9. September 2009 | Autor:

Wie hier berichtet hat Österreich seit dem 30. Juli ein weiteres Weinbaugebiet in dem das Konzept der herkunftsbezeichneten DAC-Weine umgesetzt wird. Bei näherer Betrachtung der Fakten fällt auf, dass sich Leithaberg DAC in einigen Punkten gravierend von den bereits bestehenden Herkunftsweintypen unterscheidet.

Grenzüberschreitend

Während sich alle bisherigen DAC-Definitionen penibel an die bestehenden (und mitunter eher verwaltungstechnisch als önologisch begründeten) Weinbaugebietsgrenzen gehalten haben, definiert Leithaberg DAC eine neue, bisher in dieser Form nicht existierende Herkunft.

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Aus dem Archiv: Wann sind die Trauben reif?

Sonntag, 6. September 2009 | Autor:

In den drei Jahren meiner Bloggerei haben sich hier zahlreiche Beiträge angesammelt, die nicht aktuelle, sondern grundsätzliche Themen aus der Welt des Weines behandeln.

Manche davon sind über die Einteilung in Kategorien (hier rechts in der Menüleiste) noch halbwegs leicht auffindbar, andere verstauben gut versteckt im Archiv.

Viele Artikel haben das zweifellos auch verdient, aber weil es meiner Meinung um den einen oder anderen doch schade wäre, habe ich mir vorgenomen, von Zeit zu Zeit auf solche Texte zu verweisen.

Aus aktuellem Anlaß geht es diesmal um folgenden Beitrag, der genau drei Jahre alt ist:

Wann sind die Trauben reif?

Eine beliebte Fangfrage von mir in Weinseminaren zum Thema Weinbau und Kellerwirtschaft für Nicht-Winzer lautet: Wann würden Sie die Trauben ernten? Üblicherweise folgt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: Wenn sie reif sind! Worauf ich kontere: Und wann sind die Trauben reif?

Darauf folgt fast immer ein betretenes Schweigen. Das ist wenig verwunderlich, denn selbst viele Winzer haben kaum eine Ahnung von den komplexen Vorgängen in den Trauben während des Reifeprozesses.

Weiterlesen kann man hier im Originalbeitrag vom 6. September 2006.

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Nur nicht ungeduldig werden

Samstag, 5. September 2009 | Autor:

Zweigelt fast reif

Obwohl wir erst am Beginn der Weinlese stehen, läßt sich eine Besonderheit des Jahrganges 2008 bereits ausmachen: Selten war die (geschmackliche) Reife der Traubensorten so weit gestreut, wie heuer.

Während nämlich Muskat Ottonel und Grüner Veltliner nicht nur schöne Zuckergradationen aufweisen, sondern auch reif schmecken (und deshalb auch bereits geerntet wurden bzw. nächste Woche werden), kann beim Zweigelt davon noch keine Rede sein.

Normalerweise kommt diese frühreife Rotweinsorte unmittelbar nach dem Muskat, wie man auch meinen Ernteaufzeichnungen 2006, 2007 und 2008 entnehmen kann. Heuer werden aber wohl zehn Tage oder gar zwei Wochen vergehen, bis wir die Zweigelt-Trauben lesen können.

Auch Weißburgunder und Chardonnay weisen zwar bereits gute Zuckerwerte auf, sind aber noch deutlich zu sauer, um als reif zu gelten.

Möglicherweise liegen diese Differenzen an der wetterbedingt sehr verzettelten Blüte im Juni und/oder den dadurch verursachten untypischen Ertragsunterschieden in den Weingärten. Wie auch immer, es heißt jetzt trotz allgemeiner Weinlesestimmung Ruhe bewahren und nicht ungeduldig werden.

Der Regen am vergangenen Samstag und gestern hat zwar das Fäulnisrisiko erhöht, aber noch können wir warten und der Wetterbericht für die kommende Woche klingt nicht schlecht…

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