Erst verschmäht, jetzt heiß begehrt

Sonntag, 29. November 2009 | Autor:

Geiztriebtraube im November

Manche Seitentriebe der Reben bilden im Sommer, lange nach der Blüte der „richtigen“ Trauben, kleine Träubchen aus, die sogenannten Geiz(trieb)trauben. Weil diese aber einen deutlichen Entwicklungsrückstand haben, werden sie bei der Handlese normalerweise nicht geerntet, sondern bleiben an den Reben hängen.

Bis in den Winter hinein sind sie verschiedenen Vogelarten eine willkommene Bereicherung ihres Speiseplanes. Und die eine oder andere bringt auch dem Weinbauern eine angenehme Erfrischung  bei den wenigen Herbstarbeiten im Weingarten.

Im heurigen Herbst haben die vielen Geiztrauben in einem unserer Zweigelt-Weingärten zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Schon vor einigen Wochen rief ein Spaziergänger an und erkundigte sich höflich, was es denn mit den vielen vergessenen Trauben auf sich habe. Und ob er ein paar davon mitnehmen dürfe, er würde sie später auch bezahlen kommen. (Wenn nur alle so gute Manieren hätten, die von unseren Trauben angezogen werden. Natürlich haben wir kein Geld genommen.)

Und vor ein paar Tagen erkundigte sich ein älterer Herr aus dem Ort, ob er denn die verbliebenen Geiztrauben ernten dürfe, um damit den offenbar nicht besonders gelungenen Hauswein aus den Trauben seiner Gartenlaube zu strecken.

Als Dankeschön brachte er kurz darauf einen Korb frisch gepflückter Parasol-Pilze vorbei, die offenbar dank des milden Novemberwetters immer noch im Mörbischer Wald zu finden sind.

Ein (wie immer) besonders schönes Foto von solchen Trauben gibt es übrigens aktuell hier bei Schreiberswein.

Und alle, die sich für eine Zeitungsente aus dem Jahr 2007 zum Thema Geiztrauben interessieren, und die wissen wollen, wer darauf reingefallen ist, können hier weiterlesen.

Thema: Reben und ihre Pflege | Beitrag kommentieren

Lückenschluß

Donnerstag, 26. November 2009 | Autor:

Die im ungarischen Teil der Doppelmonarchie praktizierte Erbteilung und das starke Bevölkerungswachstum in Mörbisch Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts haben zu sehr zersplitterten Besitzverhältnissen in unseren Rieden geführt.

Über Generationen hat nämlich im Gegensatz zu anderen Regionen nicht nur der älteste Sohn den Grundbesitz geerbt, sondern alle Geschwister. Und damit auch wirklich fair geteilt wurde, erhielt jedes Kind einen gleich großen Teil von jedem Grundstück.

Als meine Eltern die Weingärten von ihren Eltern übernommen haben, waren es am Ende dieser Entwicklung rund 60 Parzellen, was bei knapp 10 Hektar Gesamtfläche im Durchschnitt nur etwa 1600 m2 pro Weingarten entspricht.

Für Mörbischer Verhältnisse war das sogar noch relativ viel, weil es vor allem unter den Vorfahren meiner Mutter durch eine Ansammlung von (für sich allein in dieser Zeit nicht seltenen) tragischen Ereignissen in mehreren Generationen nur eine Erbin gab.

Seit mittlerweile fast 40 Jahren bemüht sich mein Vater, die Struktur unserer Rebflächen zu verbessern weil die Kleinheit der Parzellen ihre Bewirtschaftung ziemlich erschwert. Dabei war nicht jeder Versuch erfolgreich, aber immerhin verteilen sich unsere 10 Hektar heute nur noch auf knapp 30 Weingärten und der Anteil der besten Lagen ist wesentlich gestiegen.

Der Großteil dieser Umstrukturierung erfolgte kapitalsparend in Form von Tauschgeschäften. Um aber auf diesem Weg eine Nachbarparzelle erwerben zu können, mußte mein Vater deren Besitzer natürlich auch einen Vorteil bieten. Also z.B. ein größeres Grundstück, einen wertvolleren Rebbestand, eine bessere Lage oder über Zwischengeschäfte ein Parzelle neben seiner eigenen.

Wie fast jedes Jahr ist ihm in den letzten Tagen auch heuer wieder eine derartige Transaktion geglückt. Beim aktuellen Grundstückstausch handelt es sich sogar um einen regelrechten Lückenschluß.

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Thema: Kunterbunte Weinwelt | Beitrag kommentieren

Blindverkoster sind auch nur Menschen (8)

Montag, 23. November 2009 | Autor:

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Um Haus und Hof

Als Winzer hat man natürlich eine ganz besondere Beziehung zu seinen Weinen. Während ihrer Jugend verkostet man sie fast täglich, um all ihre Facetten kennenzulernen. Deshalb ist es auch nicht ungewöhnlich, dass man sie in Blindproben wiedererkennt.

Der Mörbischer Weinbauverein veranstaltet seit vielen Jahren Jungweinproben, bei denen die Weine des neuen Jahrgangs im Kollegenkreis blind verkostet werden. In diesem Kontext kann man nicht nur die konkrete Qualität der eigenen Weine besser einschätzen, sondern lernt mit der Zeit auch die eigene Handschrift im Vergleich zu den stilistischen Vorlieben der Kollegen kennen.

Trotzdem sollte man auch bei solchen Blindverkostungen niemals Haus und Hof verwetten wie das mein Vater vor Jahren spaßhalber getan hat. Er wollte damit ausdrücken, wie sehr er davon überzeugt war, einen unserer Weine identifiziert zu haben. Und hätte damals prompt unseren Grenzhof verloren…

Thema: Im Glas und drumherum | Beitrag kommentieren

Trübe Ansichten

Samstag, 21. November 2009 | Autor:

Foto: ÖWM / M. Stelzhammer

Noch ist der neue Jahrgang keine drei Monate alt, aber schon vor Wochen hat der Reinlichkeitsfimmel wieder einmal weite Teile der Weinbauernschaft erfaßt. Landauf landab summen die Kieselgur- und sonstigen Filter auf Hochtouren, um auch das letzte Trubteilchen aus dem Jungwein zu holen und ihn auf Hochglanz zu bringen.

Waren die Hefezellen während der Fermentation noch gern gesehene Gäste (oder für manche zumindest notwendiges Übel), betrachten sie viele Kellermeister nach dem letzten Glucksen der Gärung als Schmutz, der so schnell wie möglich aus dem Wein geholt werden muß. Koste es was es wolle.

Zugegeben: In manchen Fällen ist eine rasche Klärung besser für den Wein, und hin und wieder erzwingen auch kommerzielle Notwendigkeiten eine frühe Filtration. Außerdem darf und soll natürlich jeder Kellermeister tun und lassen was er für richtig hält.

Aber wenn man nicht wenigstens bei Weinsegnungen und ähnlichen Veranstaltungen in der Lage und/oder Willens ist, einen naturtrüben Wein als symbolischen Vertreter des neuen, unfertigen Jahrgangs zu präsentieren, hat man meiner Meinung nach entweder kein Gespür für die Materie oder ein gestörtes Verhältnis zum Thema Feinhefe.

Thema: In Presshaus und Keller | 2 Kommentare

Fehler behoben

Donnerstag, 19. November 2009 | Autor:

Fertig für die zweite Pflanzung

Wie hier bereits berichtet, haben sich in unsere Junganlage am Goldberg zahlreiche Kuckucksreben eingeschlichen. Durch einen Fehler bei der Pflanzung waren einige Chardonnay-Reben in den Muskat-Reihen gelandet, und vermutlich wegen einer Verwechslung beim Veredeln entpuppten sich zahlreiche Muskat-Reben als Gutedel.

Während des Sommers haben wir bei jedem Bearbeitungsdurchgang auch darauf geachtet, und die falschen Stöcke markiert. Und um dieses Problem so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen, haben wir diese Pflanzen gestern ausgegraben und die richtige Sorte nachgepflanzt.

Mit den gerodeten Chardonnay-Reben haben wir gleich die Fehlstellen im Chardonnay-Teil der Junganlage aufgefüllt. Wie immer sind nämlich einzelne Pflanzen nicht oder kaum gewachsen, und wie hier berichtet wurden unmittelbar nach der Pflanzung ja auch sieben Stück gestohlen.

Für die zahlreichen Gutedel-Reben haben wir keine Verwendung, da unser Bedarf an Tafeltrauben gedeckt ist. Die meisten landeten deshalb auf dem Boden und werden im Frühjahr mit dem Schnittholz zerkleinert.

Einige wenige haben wir schließlich aber doch nach Hause gebracht und für eine neuerliche Pflanzung in Wachs getaucht (Foto). Vielleicht haben ja ein paar Kollegen Verwendung dafür.

Thema: Ein Weingarten entsteht | Beitrag kommentieren

Erste Annäherung

Montag, 16. November 2009 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Heute habe ich mir zum ersten Mal konkrete Gedanken über die Zusammenstellung der gehaltvolleren Rotweine des Jahrgangs 2008 gemacht. Während die leichteren Vertreter von Zweigelt und Blaufränkisch bereits seit dem Sommer in der Flasche sind, reifen die besten Chargen der bodenständigen Sorten und der Cabernet Sauvignon nämlich nach wie vor in den Fässern.

In den nächsten Wochen gilt es, die bestmögliche Zusammenstellung für den Blaufränkisch Reserve, die Rote Trilogie, den Cabernet Sauvignon und unseren Mörbisch Rot (bzw. vielleicht doch einen Leithaberg DAC 😮 ) zu finden.

Dabei wird zuerst die Sorten- und Mengenfrage geklärt. Also z.B. wieviel Blaufränkisch in unsere Cuvée und wieviel davon reinsortig zur mittelkräftigen Reserve und zum Spitzenwein Mörbisch Rot werden soll/darf/muß.

Anschließend kommt die Feinarbeit, bei der wir überlegen, welche Charge am besten wohin paßt. Nach einem Jahr in größeren und kleineren, neuen und älteren Fässern, zum Teil immer noch getrennt in Seih- und Preßwein gibt es nämlich große Unterschiede, auch wenn es sich ursprünglich nur um zwei verschiedene Blaufränkisch-Weine und je einen Zweigelt und Cabernet gehandelt hat.

In zahlreichen Verkostungen verschiedener Versuchscuvées wird mein Bild von den Weinen schließlich immer schärfer, bis ich mir meiner Sache ganz sicher bin. Erst dann werden die Weine auch tatsächlich gemischt, und der Countdown zur Abfüllung beginnt.

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Aus dem Archiv: Was macht der Kellermeister nach der Lese?

Samstag, 14. November 2009 | Autor:

Wie in den letzten Wochen ausführlich dargestellt, sind die ersten Stunden und Tage im Weinkeller die allerwichtigsten für die spätere Qalität eines Weines. Was während der Lesezeit verabsäumt wird, läßt sich nie mehr (ganz) nachholen.

Sind die Weichen bis zur Gärung hingegen richtig gestellt, entwickeln sich die meisten Weine weitgehend von selbst so, wie sie sollen.

Ganz arbeitslos ist der Kellermeister freilich auch um diese Jahreszeit nicht. Was nach der Lese zu tun ist, habe ich Anfang Oktober 2007 in diesem Beitrag zusammengefaßt.

Während damals allerdings der Abzug von der Hefe bei den Weißweinen und der biologische Säureabbau bei den Roten meist noch bevorstand, ist heute – Mitte November – beides bereits abgeschlossen.

Thema: Allgemeine Randnotizen | 2 Kommentare

Dominanter Traminer

Mittwoch, 11. November 2009 | Autor:

Foto: ÖWM / Lukan

Nachdem unsere „Süße Auslese“ aus dem Jahrgang 2006 zur Neige geht, war klar, dass wir bei der heurigen Ernte einen Nachfolger anstreben werden.

Wie schon 2006 haben wir schließlich beim Traminer und einem Weißburgunder-Weingarten auf die Überreife spekuliert. Der Traminer, der sich sehr gut für solche Prädikatsweine eignet, hätte nämlich besonders heuer für sich allein eine zu geringe Menge erbracht.

Außerdem ist es bei dieser dickschaligen Sorte nicht immer leicht, die für einen hohen Zuckergehalt notwendige Schrumpfung mit oder ohne Edelfäule zu erhalten. Beim dünnschaligen Weißburgunder ist die Überreife zwar auch nicht garantiert, die Chancen stehen aber erfahrungsgemäß deutlich besser.

Auch heuer ging unsere Rechnung aber am Ende bei beiden Sorten auf. Der Traminer erreichte dank extremer Traubenreife ohne Edelfäule und Schrumpfung 22,5°KMW und der Weißburgunder mit deutlichem Edelfäulebefall fast 24°KMW. Damit haben wir die Mindestgradation für Auslese von 21°KMW wie erhofft deutlich überschritten.

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Thema: In Presshaus und Keller | Beitrag kommentieren

Von der Traube zum Weißwein, Teil 11

Montag, 9. November 2009 | Autor:

Weißwein in Barriques

Während sich Gärung und Ausbau von Weißweinen in Edelstahltanks und traditionellen (eher größeren) Holzfässern nur im Detail unterscheiden, läuft die Vinifikation von Weißen in Barriques deutlich anders ab.

Voraussetzung für hochwertige „Barrique-Weine“ sind besonders reife Trauben, die genügend eigenen Charakter mitbringen, um dem massiven Einfluß des Holzes etwas entgegensetzen zu können.

Traubenverarbeitung, Pressung und das Entschleimen laufen ähnlich ab, wie beim „normalen“ Ausbau. Wo es bei den einzelnen Maßnahmen aber die Wahl zwischen Feinheit und Eleganz auf der einen Seite und Kraft und Ausdrucksstärke auf der anderen gibt, wird man bei einem beabsichtigten Barrique-Ausbau aber tendenziell eher letzteres anstreben.

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Thema: Von Traube zu Weißwein | Ein Kommentar

Bundesweintaufe und Bacchuspreisverleihung

Freitag, 6. November 2009 | Autor:

Foto: ÖWM / Anna Stöcker

Vorgestern war ich bei der Bundesweintaufe und der Verleihung der Bacchuspreise 2009 im niederösterreichischen Langenlois. Mit dieser Veranstaltung feiert das offizielle Wein-Österreich traditionell einmal im Jahr sich selbst und den neuen Jahrgang.

Auch wenn mir solche Events grundsätzlich nicht besonders zusagen, muß ich nach meiner ersten Teilnahme an der Weintaufe anerkennen, dass es sich dabei um eine hochprofessionell durchgeführte und bei aller Länge nicht langatmige Veranstaltung handelt.

Die Statements der Politiker hatten ein vertretbares Ausmaß und waren in Interviews mit der angenehmen Moderatorin des Abends verpackt. Und auch wenn die Vorstellung des Jahrgangs 2009 nur sehr allgemein ausfiel, wurde sie zumindest launig vorgetragen.

Ein Laudator vermochte mich mit seiner Rhetorik sogar positiv zu überraschen, und der von ihm beschriebene prominente Preisträger verblüffte mich mit seinem knochentrockenen Humor.

Das anschließende Menü und die Weine waren in Anbetracht der rund 600 zu verpflegenden Gäste durchaus in Ordnung. Warum aber von den Veranstaltern (heuer offenbar erstmals) eine Tischordnung und damit in der Regel eine einander weitgehend unbekannte Tischgesellschaft vorgegeben wurde, ist mir ein Rätsel.

Thema: Kunterbunte Weinwelt | Beitrag kommentieren