UNRRA

Montag, 30. Mai 2011 | Autor:

UNRRA-Anhänger aus US-Militärbeständen

Kein Fahrzeug war so lange (und ist bis heute) in Mörbisch so präsent, wie der 15er-Steyr. Während die Erfolgsgeschichte dieses legendären Traktors jedoch weitgehend bekannt und dokumentiert ist, wird die nicht minder interessante Historie seines häufigsten Kompagnons wohl bald in Vergessenheit geraten.

Selbst von denjenigen, die sie bis heute in Verwendung haben, wissen nämlich nur (noch) wenige, wie die bei uns im Ort weit verbreiteten sogenannten „UNRRA-Anhänger“ zu ihrem Namen gekommen sind.

Dabei sieht man dem einen oder anderen gut erhaltenen Exemplar dank immer noch sichtbarem Stern bis heute an, dass es ursprünglich aus US-Militärbeständen stammt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Anhänger im Rahmen der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (kurz: UNRRA) verteilt oder verkauft und von den Mörbischer Weinbauern offenbar gerne angenommen.

Im Lauf der Jahrzehnte erwiesen sie sich als vielseitig einsetzbar und unverwüstlich, weshalb die allermeisten von ihnen auch weiter in Verwendung geblieben sind, als neuere Traktormodelle den 15er als Zugfahrzeug abgelöst haben.

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Bodenständige Betrachtungen (3)

Donnerstag, 26. Mai 2011 | Autor:

Begrünungsmischung mit Inkarnatklee

Wie in Teil 2 erklärt, sind unsere Weingartenböden seit Mitte der 1990er mehr oder weniger durchgehend von einer Naturbegrünung bedeckt.

Theoretisch setzt sich diese aus besonders für den jeweiligen Standort typischen Pflanzen zusammen, weil man der Natur freien Lauf läßt. In der Praxis zeigt sich aber, dass ohne Bodenbearbeitung mit häufigem, kurzen Mähen der Pflanzen schon nach kurzer Zeit ein, zwei Gräserarten den Bestand dominieren, weil die anderen Pflanzen diese Bewirtschaftung nicht vertragen.

Damit kann man zwar auch die allermeisten Vorteile der Begrünung gegenüber offenem Boden lukrieren, aber wie ich erst in den letzten Jahren dazulernen durfte, kann es trotzdem sinnvoll sein, über eine gezielte Einsaat von bestimmten Begrünungspflanzen nachzudenken.

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Weinblüte

Montag, 23. Mai 2011 | Autor:

Weinblüte

Wer hätte das nach dem langen Winter und diesem wechselhaften Frühjahr für möglich gehalten: Heute, am 23. Mai haben wir die ersten geöffneten Weinblüten gefunden.

Noch muß man sie ein wenig suchen, aber wenn die ganze Woche wie prognostiziert Temperaturen an die 30°C bringt, sind die frühen Sorten bis zum nächsten Wochenende wohl schon über dem Höhepunkt.

Damit reiht sich 2011 unter die vielen frühen Jahre der letzten Zeit, und eine besonders späte, wegen der Stare, dem Nebel und drohender Fäulnis oft schwierige Ernte ist einigermaßen unwahrscheinlich.

Eine nicht minder herausfordernde Hochsommerlese Ende August wie 2003 liegt da schon eher im Bereich des Möglichen, aber entscheiden wird das erst das Wetter im Juni, Juli und August.

Nachdem schon das Frühjahr sehr trocken war, wäre uns freilich ein ganz normaler Sommer mit heißen Tagen, die aber immer wieder von kühleren Wetterphasen mit ausreichend Regen unterbrochen werden und so zu einem ganz normalen Erntetermin rund um den 20. September führen am liebsten.

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Es kommt nicht auf die Größe an

Samstag, 21. Mai 2011 | Autor:

Foto: Kassander der Minoer aus de.wikipedia

Foto: Kassander der Minoer aus de.wikipedia

Die österreichische Weinwirtschaft hat sich im Zuge des Strukturwandels seit den 1980er-Jahren stark verändert. Tausende kleine Nebenerwerbsbetriebe haben den Weinbau aufgegeben, und viele der etwas größeren Betriebe sind mehr oder weniger stark gewachsen.

War der großelterliche Weingartenbesitz von jeweils rund drei bis fünf Hektar in ihrer Zeit deutlich über dem Durchschnitt, und das daraus entstandene Weingut meiner Eltern mit knapp zehn Hektar bis in die 1990er hinein ein vergleichsweise großer Betrieb, so gilt man heute mit dieser Fläche unter den qualitätsweinproduzierenden Flaschenvermarktern schon eher als klein.

Nicht das sich unsere Rebfläche seit den 1960ern gar nicht verändert hätte. Immerhin haben meine Eltern seither die Zahl der Parzellen von rund 60 auf etwa 30 halbiert, auf die besten Lagen konzentriert und viele Weingärten in schwächeren Lagen in der Ebene aufgegeben.

Im Unterschied zu vielen anderen Betrieben, die ihre bewirtschaftete Fläche zum Teil um ein Vielfaches gesteigert haben, sind wir dabei aber praktisch nicht gewachsen. Dass das auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung und das Verhalten der Weinbauern hat, ist klar.

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Thema: Kunterbunte Weinwelt | Beitrag kommentieren

Zweiter Platz!

Mittwoch, 18. Mai 2011 | Autor:

Born Digital Wine Awards

Wie hier berichtet, fand heuer unter dem Namen Born Digital Wine Awards erstmals eine internationale Bewertung von Online-Weinpublikationen statt.

Über 200 Beiträge aus 16 Ländern wurden eingereicht, und nach der Veröffentlichung der Finalisten Anfang Mai (wie hier berichtet) wurden heute die Sieger bekanntgegeben.

Dabei reichte meine Serie „Alkoholzunahmi“ in der Kategorie „Winery Self Produced Content“ für den zweiten Platz hinter Randall Grahm.

Nähere Infos zu den Gewinnern aller Kategorien gibt es hier.

Thema: Wein-Medien-News | 4 Kommentare

Blindverkoster sind auch nur Menschen (12)

Montag, 16. Mai 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

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Thema: Im Glas und drumherum | Beitrag kommentieren

Touristenattraktion

Freitag, 13. Mai 2011 | Autor:

Inkarnatklee

Seit ein paar Tagen blüht der Inkarnatklee in der Begrünungsmischung, die wir vergangenen August in jeder zweiten Reihe unserer Junganlage am Goldberg gesät haben.

Dieser prachtvolle Anblick zieht nicht nur die Bienen und andere Insekten an, sondern offenbar auch jede Menge Touristen, die am Radweg rund um den Neusiedlersee direkt an unserem Weingarten vorbeikommen.

Innerhalb weniger Tage haben mein Vater und ich unabhängig voneinander zahlreiche Urlauber getroffen, die dieses Naturschauspiel ausgiebig bewundert und zum Teil mit großem Aufwand fotografiert haben.

Inkarnatklee

Thema: Ein Weingarten entsteht | 8 Kommentare

Spätfrost: Grenzwertige Statements

Dienstag, 10. Mai 2011 | Autor:

Spätfrost11 bearbeitet

Nach einer mehrtägigen Schrecksekunde ist der Spätfrost der vergangenen Woche mittlerweile auch zum Medienthema geworden. ORF Burgenland berichtet über die am stärksten betroffen burgenländischen Gemeinden, und Falstaff hat einen ausführlichen Artikel über alle heimischen Weinbaugebiete ins Netz gestellt.

Das Branchenblatt „Der Winzer“ erwähnte schon am 5. Mai in einem Beitrag über die Situation in Deutschland auch Schäden in Österreich und hat mittlerweile eine weitere Kurzmeldung nachgereicht.

Der vollständige Titel des ersten Winzer-Textes lautet übrigens „Frost im Mai läßt Weinstöcke (er-)frieren – Klima spielt weiter verrückt“ und ist ein wunderbares Beispiel von Klima(wandel)hysterie. Schließlich ist es seit vielen Generationen bekannt, dass in unseren Breiten bis Mitte Mai die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen können.

Wem all die alten Bauernregeln rund um die viel und gern zitierten Eismänner  nicht reichen, kann gerne mit älteren Weinbauern reden, und wird von jeder Generation über zumindest ein Jahr wie 2011 hören. Das aktuelle Ereignis hat deshalb sehr viel mit Wahrscheinlichkeiten, aber gar nichts mit Klimaverrücktheit zu tun.

Spätfrostschäden sind ein Berufsrisiko des Weinbauern, was natürlich nichts daran ändert, dass sie betroffen machen und in manchen Fällen auch zu ernstzunehmenden wirtschaftlichen Problemen führen können.

Häme oder Verachtung ist deshalb auch nicht angebracht, wenn von erfrorenen Reben die Rede ist. Beides liegt aber in (außerdem falschen) Statements a la „es sind ohnehin nur schlechte Lagen betroffen, in denen man keine Reben pflanzen sollte und deshalb ist es auch nicht schade drum„, wie sie in den letzten Tagen auch durchs Internet geistern.

Richtig ärgerlich ist es, wenn selbst Weinbauern (die diesmal nicht oder kaum betroffen sind) so argumentieren, und damit letztlich versuchen, sich auf Kosten der Frostgeschädigten zu profilieren.

Thema: Wein-Medien-News | Beitrag kommentieren

So kann man sich täuschen. Leider!

Samstag, 7. Mai 2011 | Autor:

Spätfrost1 bearbeitet

Während ich gestern noch an diesem Beitrag geschrieben und darin Frostschäden in unseren Weingärten ausgeschlossen habe, hat meim Vater auch noch jene Weingärten inspiziert, dich ich noch nicht kontrolliert hatte.

Dabei erlebte er eine böse Überraschung, denn wie es scheint, liegt einer unserer Grüner-Veltliner-Weingärten in jener kleinen Zone, in der es auch in Mörbisch massiven Spätfrost gegeben hat.

Dabei folgen die Symptome aber keinem wirklich nachvollziehbaren Muster. Mitunter sind bodennahe Triebe gesund, und höherstehende erfroren. Und nicht selten sind einzelne Triebe sind völlig unversehrt, und der nahezu idente Nachbar ist schon am vertrocknen, wie man auf diesem Foto sehen kann:

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Thema: Dauerthema Wetter | 3 Kommentare

Verfrühte Eismänner

Freitag, 6. Mai 2011 | Autor:

Glück gehabt!

In den letzten Nächten ist es ziemlich kalt geworden, womit sich die alte Bauernweisheit bewahrheitet, dass man erst nach den Eismännern Mitte Mai wirklich vor Spätfrösten gefeit ist.

Wie hier beschrieben, reichen nach dem Austrieb der Reben schon Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, um das frische Grün zu zerstören.

Bei uns in Mörbisch sind solche Schäden zum Glück äußerst selten, da der Neusiedlersee auch schon im Frühjahr nachts fast immer genügend Wärme abgibt, um die Temperaturen positiv zu halten. Wenn es aber doch einmal zu kalt wird, sind die Schäden bei uns in der Regel besonders groß, weil der Austrieb meist weiter fortgeschritten ist, als in größerer Entfernung vom See.

Die aktuelle Kälteperiode hat unseren Reben nichts ausgemacht, aber schon auf der seeabgewandten Seite unseres Hügellandes findet man vereinzelt erforene Triebe und auch anderswo in Österreich scheint es punktuelle Schäden zu geben.

Besonders schlimm hat es die Kollegen in Deutschland erwischt. Harald Steffens berichtet hier von kleineren Schäden an der Mosel, Dirk Würz schreibt in seinem Blog über Totalausfälle in Rheinhessen und in dieser Diskussion im Weinforum ist von mehreren tausend Hektar in Rheinhessen, Pfalz und Franken die Rede.

Thema: Dauerthema Wetter | 2 Kommentare