Analytisches Desaster

Freitag, 28. Oktober 2011 | Autor:

pH-Wert des Neuburgermostes 2009

Neben der Verkostung ist die analytische Kontrolle die zweite Entscheidungsgrundlage für den Umgang mit Trauben, Most und Wein. Nicht umsonst messe ich nicht nur vor der Ernte sondern auch gleich nach der Pressung den Zuckergehalt (in Form des Mostgewichtes), die Säure und den pH-Wert.

Später kommt dann noch die regelmäßige Analyse des SO2-Gehaltes und die Säureabbaukontrolle dazu. Alle anderen Daten (wie z.B. den Alkoholgehalt) leite ich bei Bedarf fast immer von diesen Messungen ab, falls ich sie vor der obligatorischen Prüfnummernuntersuchung bei der Abfüllung benötige.

Während viele Kollegen im Lauf der Faßreife hunderte Euros in diverse Laboruntersuchungen ihrer Weine investieren, vertraue ich meistens lieber auf meine Schätzrechnungen. Zahlreiche Erfahrungen im weinanalytischen Entwicklungsland Österreich haben nämlich gezeigt, dass diese fast immer genauer sind.

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Zweigelt: Wein und Wahrheit

Montag, 24. Oktober 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Jeder auch nur halbwegs am österreichischen Wein Interessierte kennt die Sorte Zweigelt. Kaum jemand weiß aber Näheres über ihren Züchter und Namensgeber.

Eine gestern vom ORF spätabends erstmals ausgestrahlte einstündige Dokumentation beleuchtete das Leben von Dr. Fritz Zweigelt mit all seinen fachlich positiven wie politisch negativen Seiten.

Bis Sonntag, den 30. Oktober kann man die Sendung hier auch noch online anschauen.

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Dünnhäutig

Sonntag, 23. Oktober 2011 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Noch sehen die Trauben, auf die wir heuer unsere Süßweinhoffnungen setzen nicht so aus, wie der Neuburger 2008 auf dem Foto, aber seit ein paar Tagen merkt man doch, dass sich etwas tut.

Vor allem beim Weißburgunder hat die knackig-feste Schale kleine braune Flecken bekommen, und wenn man die Beeren zusammendrückt, platzt ihre Haut an diesen Stellen leicht auf. In unserer Mundart spricht man davon, dass die Trauben jetzt langsam „gliewert“ werden, eine Voraussetzung für eine weitere Steigerung des Zuckergehaltes durch Wasserverdunstung.

Weil dieser Prozess von Beere zu Beere in unterschiedlichem Tempo abläuft, variiert der Zuckergehalt der einzelnen Trauben zum jetzigen Zeitpunkt recht stark, was Reifekontrollen mittels kleiner Stichproben sehr sehr schwer macht.

Die gemessenen 24° KMW beim Traminer und 22° KMW beim Weißburgunder sind deshalb mit Vorsicht zu genießen und wir werden für die Festlegung des Erntetermines wohl auch noch eine kleine Probelese von zwei, drei Kübeln Trauben durchführen.

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Telekommunikative Bankrotterklärung

Dienstag, 18. Oktober 2011 | Autor:

Foto: Wikipedia/Porsche 997 Carrera

Vor einigen Wochen erhielt ich einen Brief der Post Telekom A1-Telekom-Austria, in dem mir mitgeteilt wurde, dass unsere kleine Telefonanlage wegen einer technischen Umstellung ab Jänner 2012 nicht mehr wie gewohnt funktionieren wird. Zusätzlich wurde mir dieser Umstand einige Tage später auch noch telefonisch mitgeteilt und mir der Besuch eines Technikers zur Umstellung der Anlage angeboten.

Der konnte zwar (ohne eine nicht wirklich sinnvolle Aufrüstung des bestehenden Gerätes) nichts machen, sagte mir aber immerhin freundlich zu, unseren Bedarf an einer neuen Anlage an den Verkauf weiterzuleiten.

Bald darauf erhielt ich einen Anruf von einer Dame der Residential & Small Business Sales (was auch immer das bedeuten mag), die sich mein Problem schildern ließ, und freundlich ein passendes Angebot für mich per Mail ankündigte.

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Malolaktisches Mirakel

Samstag, 15. Oktober 2011 | Autor:

Rotweinabzug

Der biologische Säureabbau, auch Malolaktik genannt, ist heutzutage auch in unseren Breiten Standard beim Rotwein und gelegentlich benütztes Stilmittel bei den Weißen. In einer Art Gärung reduzieren dabei Bakterien den Säuregehalt des Weines und ändern seine Zusammensetzung, in dem sie die Äpfelsäure abbauen und daraus rund halb so viel Milchsäure produzieren.

Diese Bakterien kommen zwar von Natur aus im Wein vor, aber trotzdem war der biologische Säureabbau in Österreich bis vor rund 25 Jahren kein Thema in den Weinkellern. Da und dort passierte er wahrscheinlich vereinzelt zufällig, ohne allerdings wirklich bewußt wahrgenommen zu werden.

Mit den Qualitätsbestrebungen der 80er-Jahre (die zwar bereits vor 1985 begannen, danach allerdings deutlich an Bedeutung gewonnen haben) rückte der Säure- und Strukturunterschied zwischen internationalen Rotweinen von guter Qualität und den heimischen überwiegend lediglich roten Weinen allerdings rasch in den Mittelpunkt der Betrachtungen zahlreicher Weinbauern.

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Warten

Dienstag, 11. Oktober 2011 | Autor:

Vogelnetz

Während im Keller alle Weißweine mittlerweile durchgegoren sind, und die ersten Roten schon den biologischen Säureabbau hinter sich haben, warten draußen immer noch zwei Weingärten darauf gelesen zu werden.

Wie hier berichtet streben wir beim Traminer und einer Weißburgunder-Lage eine Auslese an, die ohne nennenswerten Edelfäulebefall nicht zu erreichen ist. Die letzten Tage haben zwar ein wenig Regen gebracht, aber noch zeichnet sich keinerlei Botrytisinfektion ab.

Dabei ist es normalerweise eher umgekehrt: Wir hoffen auf gesunde Trauben für trockene Qualitätsweine und kämpfen bei längerem Zuwarten gegen die Fäulnis. Der trockene heurige Spätsommer hat aber nicht nur die Entwicklung von kleinen Botrytisherden (z.B. in verletzten Beeren) weitgehend verhindert, die bei passender Wetterlage rasch um sich greifen können. Das Wetter hat auch für besonders dicke Beerenschalen gesorgt, die jegliche Infektion enorm erschweren.

Da sich unser Süßweinverkauf in Grenzen hält, und wir meist besonders günstige Jahrgänge nützen, um unseren Bedarf für mehrere Jahre zu decken, stören uns Ausnahmefälle wie der heurige üblicherweise nicht. Schon einmal gab es allerdings einen dringenden Prädikatsweinbedarf in einem Jahr ohne Edelfäule:

2003 wollten wir eine Beerenauslese, und trotz Zuwarten bis nach dem ersten Schneefall Anfang November hat es nur für eine hochgradige Auslese gereicht.

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Bomben und Granaten

Samstag, 8. Oktober 2011 | Autor:

Bomben und Granaten

Ein Wetterverlauf wie im heurigen Spätsommer bietet durchaus die Gelegenheit, sehr gute Weine zu keltern. Noch viel mehr allerdings macht er es möglich, Alkoholbomben und Üppigkeitsgranaten in Faß und Flasche zu bringen.

Die frühe Blüte und der Vegetationsvorsprung der Reben haben heuer eine (in Relation zur Traubenreife) späte Ernte ohne all zu großes Risiko erlaubt. Das ab Mitte August bis Ende September anhaltende (Hoch-)Sommerwetter trieb die Zuckergradationen nach oben. Und die warmen Nächte in Verbindung mit der nicht übermäßigen Wasserversorgung der Reben die Säurewerte nach unten.

Dieses Phänomen ist natürlich nicht neu, sondern in unserer Klimazone immer wieder mehr oder weniger ausgeprägt zu beobachten: 2009, 2007, 2003, 2000, 1997, 1994, 1992, 1990, 1983,…

Was sich allerdings ändert, ist der weinmodische Kontext, in dem diese Jahrgänge stehen.

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Erwachsen

Dienstag, 4. Oktober 2011 | Autor:

Chardonnay-Trauben

Mit der ersten Ernte reiht sich unsere Junganlage am Goldberg in die Ertragsweingärten ein und die Serie „Ein Weingarten entsteht“ findet ihr Ende.

Zur Erinnerung hier noch einmal die letzten drei Jahre im Schnelldurchlauf:

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