MO 11 11/11

Mittwoch, 30. November 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Normalerweise füllen wir unsere Weißweine zwischen Februar und Mai des auf die Ernte folgenden Jahres. Das macht es sowohl den Weinen wie auch uns möglich, recht entspannt an die Sache heranzugehen.

Alle paar Jahre kommt es jedoch vor, dass wir uns gezwungen sehen, einen Wein noch im Jahr seiner Ernte in die Flasche zu bringen. Meist sind es kleine Erntemengen, manchmal aber auch ein ungewöhnlich guter Absatz einer Sorte, die uns dazu veranlassen.

Wirklich sinnvoll ist das freilich nur, wenn es sich um leichte, eher jung zu trinkende Weißweine handelt, bei denen im Gegensatz zu den gehaltvolleren keine negativen Auswirkungen auf das Qualitätspotential zu befürchten ist.

Und wenn es bei der Weinknappheit um Einzelfälle geht, die vom nächsten Jahrgang wieder ausgeglichen werden. Wenn man ohnehin jedes Jahr zu wenig Wein hat, kann man ja gleich bis zum normalen Fülltermin warten, anstatt die weinlose Zeit durch Frühabfüllungen lediglich vom Winter auf den Herbst zu verschieben.

Nach der kleinen Ernte im Vorjahr (und angesichts der normalen bis guten Menge des Jahrgangs 2011) ist es heuer wieder einmal soweit. Heute Vormittag haben wir eine kleine Teilmenge des Muskat Ottonel 2011 gefüllt, weil sein Vorgänger mitten im Weihnachtsgeschäft am ausgehen ist.

Unsere übliche Palettenkennzeichnung im Flaschenlager aus Sorte, Jahrgang, Abfüllmonat und -jahr ergibt in diesem Fall eine nicht unlustige Kombination: MO 11 11/11

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Weinfehler: Oxidation

Sonntag, 27. November 2011 | Autor:

Rotweinbelüftung während der Gärung

Oxidation ist die chemische Reaktion von Weinbestandteilen mit Sauerstoff (d.h. de facto mit Luft). In gewissem Umfang ist sie für die Entwicklung fast jedes Weinstils notwendig. Dort wo es jedoch um fruchtbetonte Weine geht, deren Aromatik von den Eigenschaften der Trauben geprägt ist, zählt die Kontrolle und das Verhindern von Oxidationsprozessen zu den wichtigsten Aufgaben des Kellermeisters.

Welche dieser Prozesse nämlich für die Qualität eines fruchtbetonten Weines positiv sein können, und welche beim Überschreiten eines gewissen Schwellenwertes als Weinfehler zu werten sind, hängt von Zeitpunkt, Intensität und Dauer des Luftkontaktes ab.

Darüber hinaus spielt auch der Gesundheitszustand der Trauben eine Rolle, weil Schimmelpilze (wie z.B. auch die sogenannte Edelfäule bei Prädikatsweinen) mit ihren Enzymen die Oxidation deutlich beschleunigen können. Und ihr (von Sorte, Klima und Jahrgang geprägter) Säuregehalt, da z.B. in Weinen mit niedrigerem pH-Wert SO2 besser wirksam ist.

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Aus dem Archiv: Gestoppt

Donnerstag, 24. November 2011 | Autor:

Vorher - Nachher

Da wir im Moment sehr viel zu tun haben, komme ich seit einigen Wochen kaum zum Bloggen. Eine Teilmenge des Muskat Ottonel will auf die baldige Abfüllung vorbereitet, das Verkaufslager mit den etikettierten Flaschen dringend aufmagaziniert, ein großes Projekt für 2012 gründlich geplant, die morgige Präsentations- und Liefertour in den Westen organisiert und einige ehrenamtliche Vereinstätigkeiten erledigt werden.

Der Großteil unserer Vogelschutznetze wartet auch noch darauf, abgenommen und eingepackt zu werden. Seit dem Leseende vor knapp drei Wochen war es wegen des Dauernebels fast immer zu naß dafür.

Währenddessen nähert sich die damals geerntete Auslese langsam aber sicher dem idealen Gleichgewicht zwischen Alkoholgehalt und Restzucker, nachdem ihre Gärung vor einer Woche richtig in Schwung gekommen ist. Wie bei ihrer Vorgängerin im Jahr 2009 geht es jetzt darum, den richtigen Zeitpunkt für das Abstoppen der Gärung zu finden.

Wie das bei uns vor sich geht, kann man in diesem Beitrag vom Oktober 2009 nachlesen.

Thema: In Presshaus und Keller | Beitrag kommentieren

In Schwung

Sonntag, 20. November 2011 | Autor:

Foto: steve.haider.com

Anders als bei den „normalen“ Weinen der Haupternte hat es bei unserer süßen Auslese eineinhalb Wochen von der Lese an gedauert, bis die Gärung dieser Tage richtig in Schwung gekommen ist. Das allerdings auch erst, seit ich mit einem Mostwärmer nachgeholfen und die Temperatur des Mostes auf einen hefeverträglicheren Wert gebracht habe.

Obwohl es gar nicht um eine stärker wärmeabstrahlende Kleinmenge geht, hatte die Hefe keinerlei Chance, sich mit der bei der Gärung freiwerdenden Energie selbst einzuheizen. Zu niedrig war die Ausgangstemperatur (rund 12°C), zu kalt mittlerweile der Keller (unter 10°C) und zu gering die Hefekeimzahl.

Um nämlich die später für den Erhalt des gewünschten Restzuckers notwendige Gärungsunterbrechung zu erleichtern, haben wir einerseits den Most stark entschleimt (und mit den Trubstoffen auch viele Hefezellen entfernt) und andererseits auf die Zugabe von Reinzuchthefe verzichtet.

Unserer Erfahrung nach führt das zu langsameren Gärungen, bei denen das Zeitfenster mit einem optimalen Verhältnis zwischen Alkohol und Restsüße für die Gärungsunterbrechung größer ist (was die Koordination mit dem dafür notwendigen Lohnunternehmer einfacher macht). Und zu einer besseren Filtrierbarkeit (was den Streß für den Wein beim Abstoppen mindert).

Thema: Lese 2011 | Beitrag kommentieren

Telekom: Es geht noch weiter!

Donnerstag, 17. November 2011 | Autor:

Foto: Augensound.de/Phönix

Wie hier berichtet, war meine telekommunikative Suche nach Infos über eine neue kleine Telefonanlage in den offenbar unendlichen Weiten der A1 Telekom Austria ebenso mühsam wie erfolglos.

Deshalb habe ich, von den zahlreichen Rückschlägen immer noch nicht restlos entmutigt, vor ein paar Tagen den realen anstatt des virtuellen Weges angetreten.

Wie auf der Website und per Mail von einer Telekom-Mitarbeiterin empfohlen, ging ich in den A1-Shop in Eisenstadt um dort nach dem Preis der online beworbenen, aber offenbar nur offline greifbaren Telefonanlage zu fragen. Und diese gegebenenfalls einzukaufen.

Gleich nach dem Betreten des Shops stellte sich jedoch heraus, dass es bei der Telekom wohl nicht nur an der Tele- sondern auch sonst an der Kommunikation hapert.

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Thema: Allgemeine Randnotizen | Beitrag kommentieren

Weinfehler

Sonntag, 13. November 2011 | Autor:

Süßweingläser ÖWM Eva Kelety komprimiert

Auch wenn sorgfältige Weingartenarbeit und Lese, ordentliche Kellerhygiene und beseres Know-How ihr Auftreten in den letzten Jahrzehnten deutlich reduziert haben, sind die meisten Weinfehler bis heute nicht ausgestorben.

Dabei ist es gar nicht so einfach wie es wahrscheinlich scheint, einen Weinfehler als solchen zu definieren. In sehr vielen Fällen ist die Grenze zwischen positiver oder zumindest tolerierbarer Bereicherung von Aroma und Geschmack und negativer Wahrnehmung nämlich fließend und von Verkoster zu Verkoster unterschiedlich.

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Thema: Weinfehler | 2 Kommentare

Geschafft

Dienstag, 8. November 2011 | Autor:

Lesebuschen

Nach langem Warten haben wir gestern und heute unsere letzten Trauben geerntet. Und ganz traditionsgemäß wurde dabei der allerletzte Wagen auch mit einem Buschen aus Rebtrieben gekennzeichnet (wie auf dem Foto aus einem der Vorjahre).

Auch wenn wir trotz der Warterei unsere Idealmarke von gut 23°KMW nicht ganz erreicht haben, bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Nach einem sehr frühen Beginn hat die Weinlese 2011 damit ein ungewohnt spätes Ende gefunden.

Thema: Lese 2011 | 3 Kommentare

Blindverkoster sind auch nur Menschen (13)

Freitag, 4. November 2011 | Autor:

 Foto: ÖWM-Griesch komprimiert

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Verschwimmende Koordinaten

Die Geschmacksvorlieben der heimischen Meinungsmacher in Sachen Wein befinden sich, wie z.B. hier für die Sorte Blaufränkisch beschrieben, stark im Wandel. Anders als noch vor zwei, drei Jahren singen heutzutage die allermeisten Weinmedien das hohe Lied der Eleganz und Feinheit (auch wenn dann nicht selten trotzdem die dicken Brummer auf den Podestplätzen der einschlägigen Verkostungen landen).

Wie es scheint, führt diese Entwicklung aber nicht nur zu einer Verschiebung der Stilbewertungskriterien in den Weinmedien, sondern vermehrt auch zu Fällen der völligen Auflösung des bisherigen Koordinatensystems der Weinbewertung.

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Thema: Im Glas und drumherum | 5 Kommentare

Weiterwarten

Dienstag, 1. November 2011 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Obwohl zahlreiche Beeren mittlerweile sehr dünnhäutig geworden sind, heißt es für unsere süße Auslese weiter warten. Abgesehen von den letzten beiden Tagen haben wir und unsere Trauben seit Wochen dank des beständigen und für unsere tief gelegene Region typischen Hochnebels keine Sonne gesehen.

Das ist zwar gut für die Auflösung der Beerenhaut und die Edelfäuleinfektion, verhindert jedoch die danach notwendige Wasserverdunstung. Deshalb steigt der Zuckergehalt bei den derzeitigen niedrigen Temperaturen und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit nur sehr, sehr langsam an.

Beim Traminer liegen wir zwar bereits deutlich im Bereich der Auslese, beim Weißburgunder könnte es aber noch etwas (zu) knapp sein. Weil beide gemeinsam einen Wein ergeben sollen, und das Handling im Keller bei einer gemeinsamen Lese einfacher ist, werden wir also frühestens nächste Woche ernten.

Natürlich wäre es auch möglich, die zahlreichen frischen, nicht geschrumpften Trauben separat zu lesen, um mit dem überreifen Material die Wunschgradation leichter zu erreichen. Die Fruchtigkeit und Frische, die wir neben der Süße auch gerne in unserer Auslese hätten, würde dann aber wohl vom Honigaroma der Botrytis übertönt werden.

Thema: Lese 2011 | Ein Kommentar