Weinbezeichnungsgedöns

Mittwoch, 28. März 2012 | Autor:

 Vinocamp Deutschland
Wie hier bereits ausführlich erklärt, haben Deutschland und Österreich bei allen Unterschieden auch sehr viele Gemeinsamkeiten in Sachen Wein. Grund Genug für eine Session beim Vinocamp 2012.

Angesichts des straffen Zeitplanes habe ich mich dabei auf die Weinbezeichnungssysteme beider Länder konzentriert, und dafür prompt den Session-Titel „Weinbezeichnungsgedöns“ verliehen bekommen. Hier nun der Versuch einer kurzen Zusammenfassung:

Germanisches Weinrecht,…

Im Unterschied zu Frankreich, Italien und Spanien wird in Deutschland und Österreich die Weinqualität weniger über die Herkunft der Trauben, als über ihre Reife definiert. Wenn der Most einen gewissen Zuckergehalt erreicht (und einige andere Dinge erfüllt sind), gilt der daraus gewonnene Wein als Qualitätswein, Kabinett, Spätlese, etc. – (beinahe) egal, wo die Trauben gewachsen sind.

Anders als im romanischen Weinrecht gibt es dabei auch kaum Einschränkungen hinsichtlich des Weinstils, was eine bunte Vielfalt an Rebsorten und Geschmacksrichtungen zur Folge hat. Süße Qualitätsweine ebenso, wie trockene Spätlesen und umgekehrt. Leichte Kabinette mit vergleichsweise wenig Alkohol und solche mit 13,5 Prozent.

Während das für die einen gewachsene Weinkultur und eine große Auswahlmöglichkeit für den Konsumenten darstellt, ist dieses System für die anderen längst nicht mehr zeitgemäß und macht den Weineinkauf für Otto Normalweintrinker unnötig kompliziert.

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Multifunktional

Sonntag, 25. März 2012 | Autor:

Traubensortiermaschine

Auch wenn sich das Grundprinzip der Traubenverarbeitung seit vielen Jahren kaum verändert hat, halten doch immer wieder technische Neuerungen Einzug in die Verarbeitungsräume. Bessere Rebler, Pumpen und Presssysteme ebenso wie zunehmend auch maschinelle Sortiergeräte, die ungeeignete Beeren und Stielteile abtrennen.

Weil aber der Platz den diese Technologien vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren benötigen beim Bau eines Presshauses nicht genau abschätzbar ist, sollte man Neubauten entsprechend multifunktional planen.

Im Idealfall sind die Räumlichkeiten dann auch nicht nur für die Traubenverarbeitung nutzbar, sondern können während der restlichen zehn Monate des Jahres als Lager-, Abfüll-, Verpackungs- oder sonstiger Arbeitsraum verwendet werden.

Bis zum Baubeginn unseres neuen Presshauses versuche ich in loser Folge zu erklären, welche Anforderungen ein solches Gebäude heutzutage erfüllen muß. Alle Beiträge zum Thema findet man in dieser Kategorie.

Thema: Ein neues Presshaus | Beitrag kommentieren

Trocken

Donnerstag, 22. März 2012 | Autor:

Trockenes Frühjahr

Bis auf den sehr kalten Februar war der heurige Winter relativ mild und vor allem sehr trocken. In Wirklichkeit hat es seit diesen beiden Gewittern Anfang August 2011 keinen ernstzunehmenden größeren Niederschlag mehr gegeben, der nicht binnen kürzester Zeit wieder verdunstet wäre.

Den Reben ist das zwar im Moment noch egal, aber unsere Begrünungspflanzen würden sich besonders angesichts  der beinahe schon sommerlichen Temperaturen der letzten Tage über einen ergiebigen Regen sehr freuen.

Gut wäre es auch, wenn die Wasserspeicher in den tieferen Bodenschichten aufgefüllt wären, bevor die eigentliche Trockenzeit im Juli und August kommt.

Thema: Dauerthema Wetter | Beitrag kommentieren

Mein erstes Vinocamp

Montag, 19. März 2012 | Autor:

Foto: Andreas Baldauf

Matthias Düsi, Harald Steffens und meine Wenigkeit (v.r.n.l.)

Foto: Andreas Baldauf

Vergangenenes Wochenende fand in den Räumlichkeiten der FH Geisenheim das zweite deutsche Vinocamp statt. Winzerblogger Thomas Lippert und Dirk Würtz riefen (mit Unterstützung zahlreicher Helfer und Sponsoren), und weit über hundert Weinblogger und an Wein wie Internet Interessierte kamen in den Rheingau.

Abgesehen von einigen wenigen Fixpunkten wie einer Fehlerweinprobe mit Prof. Jung von der FH Geisenheim gestalteten die Teilnehmer ihr Konferenzprogramm selbst. Jeder konnte eine einstündige Session zu einem beliebigen Thema anbieten, die dann mit allen anderen Vorschlägen neben- und hintereinander in das vorgesehene Zeitschema eingepaßt wurde.

Und jeder, der nicht gerade selbst ein Thema vortrug bzw. moderierte konnte sich aus dem großen Angebot seinen Tagesablauf individuell zusammenstellen.

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Thema: Wein-Medien-News | 6 Kommentare

Frühlingsstatistik

Donnerstag, 15. März 2012 | Autor:

Mandelblüte

Da die Reben relativ lange Winterschlaf halten und ziemlich spät austreiben, sagt der Frühlingsbeginn so gut wie nichts über den Verlauf und die spätere Qualität eines Jahrgangs aus.

Interessant ist der Frühlingsvergleich der letzten Jahre freilich trotzdem, und am einfachsten läßt er sich anhand meiner traditionellen Blog-Postings zur gerade jetzt wieder beginnenden Blüte der Mandelbäume anstellen. An den Erntedaten daneben kann man schön sehen, dass es kaum eine Korrelation gibt:

2012: 15. März

2011: 27. März (Lesebeginn 6. September)

2010: 27. März (Lesebeginn 14. September)

2009: 22. März (Lesebeginn 1. September)

2008: 26. Februar (Lesebeginn 9. September)

2007: 13. Februar (Lesebeginn 25. August)

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Hygienisch

Montag, 12. März 2012 | Autor:

Foto: Ronn International

Sauberkeit ist in allen Stadien der Weinbereitung oberstes Gebot. Die Traubenverarbeitung im Presshaus ist dabei besonders heikel, weil der Most jede Menge Zucker, aber (noch) keinen Alkohol enthält. Zahlreiche Mikroorganismen fühlen sich unter diesen Bedingungen pudelwohl, und eingetrocknete Mostreste ergeben binnen kürzester Zeit einen klebrigen Belag, der nur noch sehr schwer zu entfernen ist.

Aus diesen Gründen verbringt der Kellermeister während  der Lese die meiste Zeit mit dem Reinigen von Behältern, Geräten, Schläuchen und deren Umgebung. Und weil Zeit während der hektischen Erntewochen besonders kostbar ist, achtet man bei der Anschaffung von Geräten ebenso auf einfache Reinigungsmöglichkeiten wie bei der Planung eines neuen Presshauses.

Leicht sauber zu haltende Böden und Wände, ausreichend dimensionierte Schmutzwasserabläufe in möglichst kurzer Entfernung zu den neuralgischen Punkten und jede Menge Wasseranschlüsse sind heutzutage unverzichtbar.

Bis zum Baubeginn unseres neuen Presshauses versuche ich in loser Folge zu erklären, welche Anforderungen ein solches Gebäude heutzutage erfüllen muß. Alle Beiträge zum Thema findet man in dieser Kategorie.

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Deutschland und Österreich

Dienstag, 6. März 2012 | Autor:

Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Sachen Wein

Vinocamp Deutschland

Deutschland und Österreich haben nicht nur, aber auch was den Wein betrifft vieles gemeinsam. Beide sind klassische Weißweinländer mit einem kleinen, durchaus traditionellen Rotweinanteil, der in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist.

Beide werden sehr stark mit einer (allerdings nicht der gleichen) Rebsorte assoziiert, in beiden Ländern überwiegen regionaltypische Sorten abseits von Cabernet und Co. und manche davon findet man am Rhein ebenso wie an der Donau.

Unter anderem deshalb gibt es auch große Ähnlichkeiten in vielen Bereichen der Vinifikation, und nachdem die Urfassung des österreichischen Weingesetzes vom deutschen abgeschrieben wurde, beschränken sich die Gemeinsamkeiten der Etiketten nicht nur auf die Sprache.

Anders als z.B. in Frankreich, Italien und Spanien stellt das germanische Weinrecht die Reife der Trauben (in Form ihres Zuckergehaltes) als Qualitätsmerkmal über die Herkunft und begünstigt die Vielfalt und Bekanntheit der Rebsorten.

Weil die Vielfalt dieses Bezeichnungssystems jedoch auch seine Tücken hat, gibt es seit einigen Jahren in beiden Ländern zahlreiche mehr oder weniger erfolgreiche private wie staatliche Verbesserungsversuche. Während in Deutschland dieser Tage heiß über die Großen Gewächse des Verbandes der Prädikatsweingüter diskutiert wird, feiert in Österreich – bis heute nicht unumstritten – das DAC-System seinen zehnten Geburtstag.

Betrachtet man die Sache freilich etwas genauer, werden die Unterschiede zwischen den beiden Nachbarn nicht nur bei diesem Thema deutlich. Verschiedene Konsumgewohnheiten und Mentalitäten, die in vielen Teilbereichen völlig anders verlaufene Weinbaugeschichte und zahlreiche andere Faktoren machen den Vergleich spannender, als er vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Spannend genug, wie ich finde, für eine Session beim Vinocamp Deutschland 2012, das in 10 Tagen in Geisenheim stattfindet. Ich würde mich freuen, mit deutscher Co-Moderation und zahlreichen Campteilnehmern über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu diskutieren.

Nicht, um Sieger und Besiegte zu bestimmen, sondern um Verbindendes und Trennendes klarer zu sehen und besser zu verstehen. Und vielleicht sogar ein wenig voneinander zu lernen.

Thema: Allgemeine Randnotizen | Ein Kommentar

Weinfehler: Brettanomyces

Freitag, 2. März 2012 | Autor:

Rotweinabzug

Der manchmal auch „Brett“ genannte Fehlgeruch und -geschmack von Wein nach Leder, Pferdeschweiß und Stall ist nach seinen Verursachern, den Brettanomyces-Hefen benannt.

Diese kommen von Natur aus in geringer Zahl auf Trauben und in Weinkellern vor und verhalten sich in den meisten Fällen unauffällig, weil sie sich während der alkoholischen Gärung normalerweise nicht gegen die echte Weinhefe durchsetzen. Sind die Bedingungen jedoch günstig, können sich die Brettanomyces-Hefen im Zuge der (Faß-)Reife nach der Gärung stark vermehren und aus Wein- und Holzinhaltsstoffen „animalische“ Aromen bilden.

Bei geringer Intensität wirken diese eher süßlich und erinnern an Rauch, Teer und Leder, weshalb sie von manchen Verkostern als tolerierbar oder sogar als positiver Beitrag zur Komplexität eines Weines gesehen werden. Übersteigt die Konzentration von Ethylguaiacol und Co. jedoch einen gewissen Schwellenwert, werden die Brett-Aromen eher als scharf und dominant wahrgenommen und häufig mit Pferdeschweiß, Stall, Jod und Medizin assoziiert.

Während zahlreiche Produzenten in verschiedenen internationalen Rotweingebieten das noch vor wenigen Jahren den Meinungsbildnern und Konsumenten recht erfolgreich als besonderen Ausdruck ihres Terroirs verkauft haben, ist man diesbezüglich heutzutage wesentlich kritischer.

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Thema: Weinfehler | Ein Kommentar