Weinrallye #56 – Gemischter Satz

Freitag, 26. Oktober 2012 | Autor:

Weinrallye56

Heute ist wieder einmal Weinrallye-Tag, und nach langer Pause bin ich endlich wieder einmal dabei. Alle deutschsprachigen Genussblogger die Lust dazu haben beschäftigen sich heute auf Vorschlag von Baccantus mit dem Thema Gemischter Satz.

Gemeint sind damit Weine die aus Weingärten stammen, in denen verschiedene Rebsorten mehr oder weniger kunterbunt nebeneinander wachsen und deren Trauben gemeinsam geerntet, gepreßt und vergoren werden.

Diese Auspflanzungsform von Weingärten war bis in die Nachkriegszeit nicht nur bei uns in der Gegend so weit verbreitet, dass reinsortige Weine damals die Ausnahme waren. Einerseits wohl, um das Risiko von Ertragsausfällen zu reduzieren (da die verschiedenen Sorten nicht alle gleich empfindlich auf Frost, Trockenheit und Krankheiten reagieren). Andererseits aber sicherlich auch, weil die Qualität und der Stil des Endproduktes nicht ganz die Bedeutung hatten wie heute.

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Thema: Weinrallye | 2 Kommentare

Nationalstolz

Freitag, 26. Oktober 2012 | Autor:

Gspritzter: Sujet Österreich
Plakatwerbung bei der Fußball-Heim-EM 2008, Quelle: ÖWM

Laut dieser Umfrage, die im Auftrag der Tageszeitung „Der Standard“ anlässlich des heutigen Nationalfeiertages durchgeführt wurde, sind die Österreicher durchaus stolz auf ihr Heimatland.

Angesichts der aktuellen politischen Lage könnte einem das durchaus bemerkenswert erscheinen, aber mir als Weinbauern sticht ein anderes Ergebnis noch vielmehr ins Auge. Auf die Frage

„Es gibt ja bei jedem Land Berufgruppen, die man besonders stark als imagebildend für das Land betrachtet, so ist Frankreich international für seine Köche bekannt oder die USA für die Schauspieler. Welche Berufsgruppen sind für Österreich wichtig, welche prägen Österreichs guten Ruf?“

nannten 56 Prozent der Befragten die Weinbauern und reihten meinen Berufsstand damit an die erste Stelle, knapp vor den Ärzten und Sportlern.

Wer hätte das vor 27 Jahren gedacht…

Thema: Wein-Medien-News | Ein Kommentar

Sehr verschieden

Dienstag, 23. Oktober 2012 | Autor:

Geiztriebtraube

Während man sich über die gute Qualität des Jahrgangs 2012 österreichweit recht einig zu sein scheint, geht die Zufriedenheit mit der Erntemenge in den einzelnen Weinbaugebieten weit auseinander.

Bei uns in der Region, aber auch im Mittelburgenland, in der Steiermark und einigen Teilgebieten Niederösterreichs, wo Winter- und Spätfrost, Hagel und Trockenheit die Ernte nicht (all zu sehr) dezimiert haben, sind die Keller durchschnittlich oder hin und wieder sogar ein wenig mehr als sonst gefüllt.

Aus dem sogenannten Seewinkel (dem Weinbaugebiet „Neusiedlersee“ also), dem niederösterreichischen Weinviertel, dem Kamptal und anderen Gegenden wird hingegen von leicht unterdurchschnittlichen bis hin zu sehr sehr kleinen Mengen berichtet.

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Thema: Lese 2012 | Ein Kommentar

Kalt-warm

Mittwoch, 17. Oktober 2012 | Autor:

Thermometer

Die Zeit der Weinlese ist im Keller immer auch ein Spiel mit Wärme und Kälte. Schließlich hat die Temperatur einen enormen Einfluß auf den Stil und die Qualität des Weines und läßt sich im Gegensatz zu anderen Eingriffen vergleichsweise einfach und schonend beeinflußen.

Nicht selten kommt es dabei vor, dass man mit zwei nebeneinanderliegenden Behältern völlig unterschiedlich umgehen muß. So kann es zum Beispiel sein, dass die Maische von warm geernteten Rotweintrauben schon vor Gärbeginn gekühlt werden muß, damit die Gärung nicht zu stürmisch und zu heiß (d.h. über 32°C) wird. Im Tank daneben kann aber ein Rotwein gären, der – vielleicht früh morgens oder an einem kühleren Tag davor oder danach gelesen – zu kalt ist, um richtig in Schwung zu kommen, und der sich aufgrund der geringen Menge auch nicht durch die Gärwärme selbst ausreichend erwärmt.

Im Keller kann es sein, dass man die Türen gerne offenhalten würde, um die durchgegorenen Weißweine rascher auskühlen zu lassen. Das bewahrt mehr Frische und Gärungskohlensäure und macht unerwünschte mikrobiologische Entwicklungen ziemlich unwahrscheinlich. Für Fässer und Tanks, die aber noch am Gären sind und dem Kellermeister ohnehin schon Sorgen bereiten, weil zu befürchten ist, dass sie nicht so trocken werden, wie sie sollen, ist eine Absenkung der Temperatur jedoch eher problematisch. Und ebenso für Rotweine, die noch den biologischen Säureabbau vor sich haben.

Vor allem wenn man eine gewisse Vielfalt an Weinstilen im Keller hat, ist also ein gehöriges Maß an Flexibilität in Sachen Temperatur notwendig. Entweder durch High-Tech-Kühlaggregate, die Behälter und Räume punktgenau dorthinbringen, wohin man sie programmiert hat. Oder durch vorausschauendes Handeln, einfache Hilfsmittel und das Spiel mit offenen und geschlossenen Kellertüren.

Thema: In Presshaus und Keller | 4 Kommentare

Auf und Ab

Dienstag, 9. Oktober 2012 | Autor:

Rotweinbelüftung

Aus hochwertigen Trauben entstehen bei sorgfältiger Arbeit im Keller in den allermeisten Fällen zumindest gute, nicht selten sogar sehr gute Weine. Auf dem Weg dorthin gibt es allerdings immer wieder echte und vermeintliche Probleme und schwierige Phasen, die zumindest bei mir jedes Jahr aufs Neue ein emotionales Auf und Ab auslösen.

Ein Muskat Ottonel und ein Grüner Veltliner zum Beispiel haben mir heuer in der Endphase der Gärung ausnehmend gut gefallen, wirkten wenige Tage später aber sehr verschlossen und beinahe dumpf. Das ist weder neu, noch ungewöhnlich werden Berufskollegen zu Recht einwenden.

Die Frage ist allerdings, ob und wenn ja wie man darauf im jeweiligen Einzelfall reagieren sollte: Die Jungweinschwefelung ein paar Tage vorziehen und die Dosis etwas erhöhen, oder auf die „öffnende“ Wirkung des Sauerstoffs vertrauen? Die oft heilende Wirkung der Hefe nützen und diese aufrühren, oder den Wein so schnell wie möglich vom Geläger abziehen?

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Thema: Lese 2012 | 3 Kommentare

Daumen mal Pi

Mittwoch, 3. Oktober 2012 | Autor:

Rotweinmaische

Nach der Messung des Zuckergehaltes ist die Mengenfeststellung die zweitwichtigste Bestimmung, die man als Kellermeister durchzuführen hat. Die Literzahl bestimmt nicht nur den Gärbehälter, sondern auch jede weitere Behandlung von Most und Wein.

Normalerweise reicht es bei unseren Chargengrößen im ein- oder zweistelligen Hektoliterbereich (bei denen es nicht auf 50 oder 100 Liter annkommt) die Füllhöhe unserer zylinderförmigen Edelstahltanks mit deren Grundfläche zu multiplizieren.

Beim Rotwein allerdings ist die Sache etwas komplizierter, da in der Maische ja auch jede Menge Feststoffe in Form von Schalen und Kernen herumschwimmen, die das Ergebnis verfälschen würden. Während deshalb viele Kollegen auf die Pressung eine oder mehrere Wochen nach der Ernte warten, versuche ich immer noch am Tag der Lese zu berechnen, wieviel Wein ich erhalten werde.

Fast immer liege ich dabei so gut wie heute: Ein Gärtank vom Blaufränkisch ergab beim Pressen exakt die berechneten 5200 Liter und der andere 4400 Liter statt der vorhergesagten 4500.

Thema: Lese 2012 | Beitrag kommentieren