Der Regen bringt die Ernte

Mittwoch, 28. August 2013 | Autor:

 

Gestern und heute sind insgesamt rund 35 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Selten hat das geflügelte Weinbauernwort vom Regen, der die Ernte bringt besser gepaßt. Manchmal ist es ja das niederschlagsbedingt hohe Fäulnisrisiko, das zur Lese zwingt. Meistens aber meint man mit dem Spruch die Beschleunigung der Reife, die nach längerer Trockenheit mit dem Niederschlag einsetzt.

Unsere Trauben stehen quasi vor dem drei-, vierwöchigen Reife-Endspurt und der spürbare, aber nicht übertriebene Wassernachschub hat sozusagen den Startschuß dazu gegeben. Sie sind gesund, bei überwiegend moderatem Ertrag gut entwickelt, und die allerersten Zuckermessungen scheinen vielversprechend.

Allerdings sind die Reifeunterschiede zwischen den einzelnen Trauben noch sehr groß und von der sogenannten physiologischen Reife kann noch keine Rede sein. Die markante Abkühlung seit vergangener Woche schafft aber für den Erhalt der Säure in den Trauben und die Entwicklung der Aromastoffe beste Bedingungen und wenn es ab morgen wieder trocken und sonnig wird, werden auch die Zuckergrade steigen.

2013 könnte ein recht interessanter Jahrgang werden. Mal sehen…

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Theorie und Praxis

Mittwoch, 21. August 2013 | Autor:

Sämaschine

Theoretisch wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, um möglichst vielfältige Weingartenbegrünungen anzulegen. Die Rebzeilen müssen nach Abschluß der Laub-, Boden- und Pflanzenschutzarbeiten bis zur Lese nicht mehr befahren werden. Die Begrünung könnte überschüssige Nährstoffe aufnehmen und damit eine Auswaschung oder ein zu starkes, fäulnisförderndes Traubenwachstum bremsen. Und die keimende Saat hätte weniger Konkurrenz durch schnellwachsende Unkräuter, deren Saison sich dem Ende zuneigt.

In der Praxis allerdings ist der Boden mangels Feuchtigkeit nicht vernünftig für eine Aussaat vorzubereiten und das Ausbringen teuren Saatgutes auf einen ausgedörrten und/oder grobscholligen Boden reine Geldverschwendung. Je später allerdings der Anbau erfolgt, ums knapper wird die Zeit bis zur Lese und umso empfindlicher sind die Pflänzchen, wenn sie erntebedingt unweigerlich niedergetrampelt werden. Darüber hinaus ist die Trockenheit immer noch so deutlich spürbar, dass wir aus derzeitiger Sicht (inklusive Wetterprognose der nächsten Tage) jeden Tropfen Wasser bis zur Ernte für die Reben sparen müssen.

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27 Millimeter

Montag, 12. August 2013 | Autor:

Umfärbung

In der Nacht von vergangenem Freitag auf Samstag hat uns der Ausläufer eines Gewitters immerhin 27 Liter Regen pro Quadratmeter beschert. Nicht genug um das massive Wasserdefizit auszugleichen, aber ausreichend, um die Hoffnung auf einen guten Jahrgang am Leben zu halten.

Der Großteil des Regens fiel vergleichsweise langsam und konnte so gut in den Boden eindringen, dass wir die wenigen Hagenkörner leicht verschmerzen können.

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Ich jammere nicht!

Sonntag, 4. August 2013 | Autor:

Die anhaltende Trockenheit hat die Landwirtschaft zum Gegenstand ungewöhnlich vieler Medienberichte und Unterhaltungen gemacht. Leider wird dabei nicht selten auch das alte Vorurteil gepflegt, wir Bauern würden ständig (vor allem über das Wetter) jammern, nicht zuletzt, um Stimmung für finanzielle Unterstützungen zu machen.

Ich für meinen Teil möchte deshalb Folgendes klarstellen: Ich jammere nicht! Wenn ich über die derzeitig schwierige Situation in unseren Weingärten berichte, ist das kein weinerliches und trauriges Beschweren, kein Wehklagen. Und ich bin mir sicher, bei den meisten Landwirten ist das ebenso.

Wer mit und von der Natur lebt, muß damit umgehen können, dass diese nicht berechenbar ist, sonst hat er seinen Beruf verfehlt. Er weiß, dass es manchmal besser läuft, und manchmal schlechter. Und hin und wieder ganz mies. Dass er sich nicht auf ein über Jahre gleichmäßiges Einkommen verlassen kann. Und dass es besser ist, wenn möglich Reserven für schlechtere Ernten anzulegen.

Wenn ich berichte, dass unsere Reben dringen Wasser bräuchten, dann nicht, weil ich persönliche Existenzsorgen hätte und Mitleid erhalten möchte. Sondern weil ich Mitleid mit meinen Reben habe, und dieses mit allen teilen will, die Interesse an unseren Weinen und der Entstehung ihrer liebsten Tropfen haben.

Genau so wie ich auch meine Freude weitergebe, wenn es den Pflanzen gutgeht.

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