Da wiehert der Amtsschimmel (1)

Sonntag, 22. Februar 2015 | Autor:

Katasterplan

Angesichts der zunehmenden (Agrar-)Bürokratie und zahlreicher Doppel-, Drei- und Viergleisigkeiten in der Verwaltung spiele ich schon länger mit dem Gendanken, hier im Blog eine kleine Serie über deren Sinnlosighaftigkeit zu starten.

Als Vorgeschmack darauf empfiehlt sich dieser Artikel in der Tageszeitung „Die Presse“ über die aktuell laufende Hauptfeststellung der landwirtschaftlichen Einheitswerte. Von diesen mühsam ermittelten, aber trotzdem natürlich zwangsläufig fiktiven pauschalen Ertragswerten werden auch im 21. Jahrhundert immer noch sehr viele Steuern und Abgaben landwirtschaftlicher Betriebe berechnet.

„Das Rückgrat (der Einheitsbewertung, Anm.) bildet die Betriebszahl zwischen eins und hundert, die es für jeden Bauernhof (der 167.000, Anm.) zu ermittelt gilt – mit Abschlägen von einem Hauptvergleichsbetrieb mit Betriebszahl 100, also besten Bedingungen. Er existiert als ideeller Betrieb nur in den Köpfen der Beamten. …

Besonders liebevoll durchdacht ist etwa die Entfernung zum lokalen zentralen Ort, also der nächsten Stadt. Da von der Bürokratie geknechtete Bauern oft bei Behörden vorsprechen müssen, ist zu hinterfragen, ob es im lokalen zentralen Ort zumindest eine Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft gibt. Sonst ist ein Mittelwert mit dem nächsten entsprechenden Ort zu bilden, „sofern auch teilweise agrarische Belange bearbeitet werden“. …

Abschläge bei der Betriebszahl gibt es auch für die „Überquerung stark befahrener Straßen“ oder besondere Gefährdung durch Hagel – wofür Daten der Versicherung und der Zentralanstalt für Meteorologie zu konsultieren sind.“

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Chefsache

Sonntag, 15. Februar 2015 | Autor:

Rebschnitt aufgehellt und komprimiert

Während viele Betriebe den Rebschnitt von ungelernten Hilfsarbeitern ausführen lassen oder sogar an Fremdfirmen „outgesourct“ haben, ist die erste Arbeit im Weinjahr (so wie die allermeisten folgenden) bei uns immer noch Chefsache.

Zum Glück schaffen wir (d.h. derzeit überwiegend mein Vater) es, alle unsere Reben selbst zu schneiden. Denn auch wenn es für den Laien nicht so aussehen mag, trägt handwerkliches Know-How und Genauigkeit beim Rebschnitt wesentlich bessere Früchte.

Sauber geschnittene (und danach gebundene) Reben treiben im Frühjahr gleichmäßiger aus. Die jungen Triebe (und später auch ihre Trauben) sind besser verteilt, erhalten mehr Sonne und trocknen nach Regen rascher ab.

Nimmt man beim Schneiden auf den Boden, die Sorte und die Entwicklung eines Weingartens im Vorjahr Rücksicht, findet man die beste Balance zwischen Wachstum und Ertrag. Solcherart ausgeglichene Reben können besser mit Wetterextremen umgehen.

Ein individueller Schnitt, der die besondere Situation der einzelnen Stöcke berücksichtigt, bewahrt geschwächte Pflanzen vor Überlastung und sorgt damit für eine gleichmäßigere Traubenreife und -qualität im gesamten Weingarten.

Kompetente Arbeiter erkennen die Schwarzholzkrankheit oder Esca beim Schneiden und versuchen mit oft gutem Erfolg die Rebstöcke zu verjüngen, bevor sie daran absterben.

Und schließlich beeinflußt der Schnitt natürlich maßgeblich die Lebensdauer eines Weingartens. Ohne sogfältige Arbeit büßen die Reben schon nach zwei, drei Jahrzehnten ihre Vitalität ein, anstatt gerade dann die besten Trauben zu liefern.

Thema: Reben und ihre Pflege | Beitrag kommentieren