Auslesewetter

Freitag, 30. Oktober 2015 | Autor:

Botrytis beim Neuburger 2008

Mitte Oktober hat es in einer guten Woche mehr geregnet, als im Juli, August und September zusammen. Wie für unseren Süßwein erhofft, hat das die Ausbreitung des Edelfäulepilzes Botrytis cinerea in den beiden noch nicht gelesenen Weingärten sehr begünstigt.

Die meisten Beerenschalen von Weißburgunder und Traminer sind jetzt braun und mürbe. Ein wenig Wasser ist schon durch die porösen Schalen verdunstet und der Zuckergehalt in den Beeren dadurch um zwei, drei Grad angestiegen.

In den nächsten Tagen sollte sich dieser Prozess deutlich beschleunigen, denn die Wetterprognosen versprechen sonniges, weitgehend nebelfreies Wetter mit mildem Südostwind.

Damit es keine unbeabsichtigte Beerenauslese wird wie 1996, werden wir die Trauben also wohl in der kommenden Woche ernten.

Archivbild von 2008

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Jahrgangsbeobachtungen (9)

Sonntag, 18. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 9

Geduldsprobe

Dass alle paar Jahre ein Tank oder Fass auffallend langsam gärt, kommt immer wieder vor. Wenn es aber gleich sechs verschiedene Chargen in einem Jahr sind, kann man durchaus von einem Jahrgangsphänomen sprechen. Zumindest in unserem Keller.

Mittlerweile sind sie zum Glück alle durchgegoren, aber in zwischendurch war ich schon etwas nervös ob der ungewohnt langsamen Zuckerabnahme bei meinen täglichen Messungen.

Schließlich ist der Markt für halbtrockene bis liebliche Chardonnays und Weißburgunder wohl nicht besonders groß und wir stehen seit Jahren gerade nicht für diesen Weinstil. Außerdem hätte der Wein dann ja gefehlt, um die Wünsche unserer Kunden nach trockenen Weinen zu befriedigen.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (8)

Sonntag, 11. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 8

Mehr Druck, weniger Trub

Unsere Weinpresse mußte sich in diesem Jahr ein klein wenig mehr anstrengen, um den Most aus den Beeren zu holen. Auf Extrembedingungen wie im heurigen Sommer reagiert die Weinrebe nämlich mit einer dickeren Traubenschale, der der Saft etwas schwerer abzuringen ist. Und weil auch keinerlei Fäulnis die Schale angegriffen hat, war es notwendig, das Pressprogramm dementsprechend zu adaptieren.

Der Saft enthielt dafür dann allerdings deutlich weniger Trubstoffe als z.B. 2014, was weniger Verlust bei der Vorklärung der Weißweinmoste über Nacht (dem sogenannten Entschleimen) bedeutete.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (7)

Samstag, 10. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 7

Beschränktes Staraufgebot

Obwohl die  Stare heuer schon recht früh in ungewohnt stattlicher Anzahl präsent waren, hält sich der Fraßschaden insgesamt anders als in anderen Jahren in verschmerzbaren Grenzen.

Als wir Ende Juli bemerkten, dass die Vögel schon zur Umfärbung die ersten rosaroten Zweigelt-Beeren aus den noch überwiegend grünen Trauben picken, haben wir die beiden gefährdetsten Weingärten mit Netzen geschützt. Während der Reifephase waren dann (natürlich auch dank der gemeinsam organisierten Vertreibungsaktion) kaum größere Schwärme in unseren Weingärten präsent. Und wenn, führte die zunehmende Reife aller Traubensorten dazu, dass der Schaden verteilt und dadurch meist nicht nennenswert ausfiel.

Nach Abschluss der Hauptlese haben wir dann sofort die Netze in jene beiden Weingärten transferiert, die noch auf die Ernte warten. Dort ist auch nach Ende der Starehut bis jetzt kein nennenswerter Starefraß zu beobachten. Hoffentlich bleibt es so, denn auch die Netze können keinen hundertprozentigen Schutz bieten.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (6)

Freitag, 9. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 6

Säureentwarnung

Wenig überraschend sind die heurigen Weine nicht sehr säurereich. Trockenheit im Juli bremst die Einlagerung von Säure in die Trauben und Hitze im August führt zu einer beschleunigten Säureabnahme während der Reife.

Trotz der extremen Wetterbedingungen sind die 2015er aber weit nicht so säurearm wie zu befürchten war und weisen genügend Frische und Lebendigkeit auf.

Mußten wir 2014 beim Säuregehalt der meisten Weinen korrigierend (nach unten) eingreifen, gab es heuer nur sehr vereinzelt Handlungsbedarf (in Form von geringfügiger Weinsäurezugabe zum Most vor der Gärung).

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (5)

Donnerstag, 8. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 5

Zuckerschock

Wie hier bereits angedeutet stiegen die Zuckerwerte der Trauben in den Tagen vor Lesebeginn und in der ersten Woche extrem schnell an. 1,5°KMW in vier Tagen ist absolut rekordverdächtig und trotz promptem Lesebeginn mit voller Mannschaft hatten wir anfangs die Befürchtung, der Zucker (und damit der spätere Alkoholgehalt im Wein) könnte uns bei der einen oder anderen Sorte davongaloppieren.

Zum Glück ging die Lese aber heuer wegen der außergewöhnlich gesunden und gleichmäßig reifen Trauben (ganz anders als 2014) sehr schnell von statten und wir dürften alle Trauben (mit Ausnahme des Rosé) ziemlich im richtigen Moment erwischt haben. Nicht zuletzt, weil wir vom leichten Grünen Veltliner am 7. September bis zum Cabernet Sauvignon am 22. September nur die beiden Sonntage pausiert haben, was schon lange nicht mehr vorgekommen ist.

Von 11 oder 11,5 Prozent beim Veltliner und beim Muskat Ottonel über 12 bis 13 Prozent beim Pinot blanc und 13,5 Prozent beim Chardonnay und den verschiedenen Roten bis zu gewollten 14 Prozent bei unserem speziellen Traminer „Ober dem Mühlweg“ findet sich auch heuer alles im Keller.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (4)

Mittwoch, 7. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 4

Hitzewelle um Hitzewelle

Obwohl ich nach einer Abkühlung am 23. August eine weitere Hitzewelle ausgeschlossen hatte, stieg die Quecksilbersäule in den letzten Augusttagen erneut auf 36°C. Während der Hauptlese herrschten dann zwar überwiegend normale Temperaturen, aber am 17. und 18. September bescherte uns ein Fönsturm erneut extrem ermüdende Werte über 30°C.

An der gärgasbedingt offenen Kellertür schlug einem der heiße Wind unerträglich stickig entgegen und trieb die Lufttemperatur im Keller über Nacht auf 25 Grad. Nach zwei Tagen war der Spuk zum Glück wieder vorbei.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (3)

Dienstag, 6. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 3

Das Jahr der Kerne

Noch nie sind mir die Kerne der Weintrauben so aufgefallen wie heuer: Außergewöhnlich viele und schon sehr früh vor der Lese ausgereift und braun.

Ersteres ist wohl ein Resultat des guten Blütewetters, das eine optimale Befruchtung und damit wahrscheinlich eine gute Entwicklung aller Erbanlagen begünstigt hat (während normalerweise einer oder mehrere im Geschein angelegte Kerne verkümmern, statt über den Sommer zu wachsen).

Und letzteres ist ein klares Indiz dafür, dass im August – anders als in anderen Hitzejahren – nicht nur der Zuckergehalt in den Beeren gestiegen ist, sondern auch alle anderen Reifeprozesse in der Beere ungebremst von Hitze und Trockenheit abgelaufen sind.

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (2)

Montag, 5. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 2

Höchstleistung der Reben

Der heurige Sommer war über einen sehr sehr langen Zeitraum außergewöhnlich heiß und extrem trocken. Trotzdem konnten wir bei den allermeisten unserer Rebstöcke keinerlei Mangelsymptome feststellen. Im Gegenteil, sie lieferten qualitative Höchstleistungen in angemessener Quantität.

Eigentlich ist das nicht zu erklären, denn zum Wetter kommen für unsere Reben noch erschwerend die zwar humusfördernde, aber wasserverbrauchende Begrünung des Bodens und die hohe, ebenfalls feuchtigkeitszehrende Laubwand.

Es scheint so, als ob sich die Wasserspeicherfähigkeit unserer Böden in den letzten 20 Jahren durch diese Bewirtschaftung deutlich verbessert hätte, und unsere Rebstöcke gelernt haben, damit umzugehen. Im trocken-heißen Sommer 1990 litten sie zum Beispiel noch unter der Begrünung (wie ich hier am Rande erwähnt habe).

Foto: Erich Hamader

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Jahrgangsbeobachtungen (1)

Sonntag, 4. Oktober 2015 | Autor:

Hamader 1

Bis auf die noch erhoffte süße Auslese ist die Weinernte 2015 seit vergangenem Dienstag abgeschlossen. Der ganz große Stress im Keller ist auch schon vorbei und es ist Zeit für ein paar Beobachtungen zur heurigen Lese.

Davor möchte ich mich aber ganz herzlich bei allen unseren fleißigen Helfern bedanken, insbesondere bei der Verstärkung aus Oberösterreich, der wir auch einige tolle Fotos verdanken, die diese kleine Serie illustrieren werden.

Foto: Erich Hamader

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