Kassenchaos

Sonntag, 27. Dezember 2015 | Autor:

Antique_cash_registerAb 1. Jänner sind alle österreichischen Betriebe, die eine gewisse, relativ niedrig angesetzte Umsatzgrenze überschreiten verpflichtet, ihre Bareinnahmen über eine elektronisches Kassensystem zu registrieren. Und ab 1. Jänner 2017 müssen die Kassenbuchungen und -belege mit einer zertifizierten elektronischen Signatur versehen sein. Damit soll Steuerhinterziehung unmöglich gemacht oder zumindest deutlich erschwert werden.

Dieses Ziel ist durchaus nachvollziehbar, obwohl man natürlich auch den Zusammenhang zwischen extrem hoher Abgabenquote in unserem Land, nicht vorhandener Bereitschaft der Politik zum Sparen und Steuervermeidung nicht übersehen sollte.

Für uns Weinbauern ist die neue Regelung aus verschiedenen Gründen eine ziemliche Herausforderung:

Anders als in klassischen Handelsgeschäften gibt es beim Ab-Hof-Verkauf keine relativ gleichmäßige Kundenfrequenz. Tage und Wochen ohne Kunden wechseln mit extremen Stoßzeiten bei Veranstaltungen wie Tagen der offenen Kellertür. Ein zweiter Rechnungsblock ist da schnell aufgelegt, eine zweite Registrierkasse, die den Rest des Jahres nur im Regal verstaubt aber wohl kaum wirtschaftlich.

Sehr viele Weinbauern erzielen nicht nur ab Hof Bareinnahmen, sondern auch beim Liefern ihrer Weine. Dafür muß das Kassensystem entweder mobil sein (wobei sich die Frage stellt, wie man es organisiert, wenn gleichzeitig auch zu Hause verkauft wird) oder die beim Liefern zulässigen handgeschriebenen Rechnungen müssen nachträglich mit zusätzlichem Aufwand in die Kassa eingegeben werden.

Viele Weinbauern führen ihre Betriebe – oft durchaus wirtschaftlich erfolgreich – ohne jegliche Computerkenntnisse. Und dort wo der Betriebsführer in solchen Dingen fit ist, helfen weniger computerkundige Eltern und Schwiegereltern oft im Verkauf mit. Sie sind eher anwesend, wenn Zufallskunden läuten und kennen die Stammkunden zum Teil seit Jahrzehnten. Ohne digitale Grundkenntnisse ist aber kein Kassensystem vernünftig zu bedienen.

Während Dienstleistungsbetriebe de facto keine und Handelsfirmen vergleichsweise einfache Lagerbuchhaltungen haben, schreibt uns Weinbauern das Weingesetz in Form des Kellerbuches eine relativ komplizierte Lagerverwaltung vor. Verschiedene Qualitätsstufen müssen strikt getrennt, unterschiedliche Mehrwertsteuersätze angewendet und Grenzen für Eigenverbrauch und Schwund eingehalten werden. Die Übernahme der Verkaufsdaten aus der Registrierkasse in dieses System muß rechtlich einwandfrei und ohne all zu großen Aufwand möglich sein.

Und schließlich gibt es – anders als im „normalen“ Geschäft um die Ecke – neben den Bareinnahmen auch einen relativ hohen Anteil an Rechnungsbeträgen, die überwiesen werden. Diese müssen zwar nicht zwangsläufig über die Registrierkasse laufen (und manche Systeme können das auch gar nicht), aber wenn sie es nicht tun, braucht es dafür eigene Rechnungsblöcke und ein eigenes Verbuchungssystem.

Die Entscheidung, welches Kassensystem am ehesten zu den eigenen Betriebsabläufen paßt, ist also keine einfache. Und meist auch keine billige. Deshalb habe ich mich in den letzten Tagen intensiv damit beschäftigt, zahlreiche Angebote recherchiert und einige von ihnen auch ausprobiert.

Wer Details dazu wissen möchte, liest hier einfach weiter:

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Weinbeziehung

Mittwoch, 23. Dezember 2015 | Autor:

Foto: Armin Bardel

Foto: Armin Bardel

Frau F. wohnt in Wien. Sie trinkt nicht viel, aber gerne Wein und manchmal auch Traubensaft. Seit vielen Jahren dürfen wir ihr bei unserer Weihnachtslieferung etwas mitbringen und bei der Gelegenheit ein paar Minuten mit ihr plaudern. Schließlich gibt es immer wieder Neues zu berichten.

Vor zwei Jahren kam ich kurz nach einem größeren Wasserschaden in ihrer Altbauwohnung, der nicht nur den Keller, in dem ich den Wein abgestellt habe, sondern auch die Küche verwüstet hat. Trotz vieler Scherereien mit Handwerkern und Versicherung war Frau F. guter Dinge und zeigte mir im Jahr darauf stolz die neue Kochecke.

Heuer berichtete die alte Dame voll Freude von den Weihnachtsbräuchen ihrer Kinder und Enkel, aber auch sorgenvoll von ihrem hohen Blutdruck und den Mühen, die damit verbunden sind. Und fast so, als ob ich zur Familie gehören würde, gab sie mir etwas zum Naschen auf meine weitere Tour mit.

Familie S. aus Oberösterreich kennen wir ebenfalls schon sehr lange. Zwei- oder dreimal im Jahr liefern wir Wein, plaudern mit dem Hausherrn darüber, wo er als Tischler auf Montage überall hingekommen ist, und mit Frau S. über ihre Sammelleidenschaften. Und wenn wir nicht in der Früh kommen und zum Frühstück eingeladen werden, gibt es immer reichlich Trinkgeld, damit wir uns unterwegs eine Jause kaufen können.

Bei Familie L. am Attersee gab es ebenfalls immer ein Frühstück für uns. Jahrzehntelang war sie uns außerdem bei der Weinlese behilflich und Franz unterhielt die ganze Mannschaft mit seinen Fernfahrerabenteuern, die er in aller Welt erlebt hatte. Leider ist seine Frau heuer verstorben und kann uns kein Frühstück mehr servieren, aber auch Franz ist sehr gastfreundlich, wenn er nicht gerade, obwohl längst in Pension, als Aushilfsfahrer mit dem LKW unterwegs ist…

Viele, sehr viele unserer Kunden kennen und schätzen unsere Weine seit vielen Jahren. Und bei nicht wenigen von ihnen durften nicht nur die Weine, sondern auch wir fast ein Teil der  Familie werden.

Auch wenn beim Verkosten in unserem Keller oder beim Liefern vor Ort nicht viel Zeit für Persönliches bleibt, ein paar Worte sind es doch jedes Mal. Und über die Jahre leben unsere Stammkunden mit uns und wir mit ihnen.

Immer wieder gibt es Schönes zu zeigen oder zu berichten: Hochzeiten, Kinder und Enkelkinder (für die wir manchmal sogar Hochzeits- oder Taufweine liefern dürfen), neu gebaute Häuser, berufliche Erfolge, Reisen, ehrenamtliche Tätigkeiten. Aber natürlich auch die Schattenseiten des Lebens: Krankheiten, Scheidungen, Mißerfolge und den Tod.

Trotzdem ist es eine wunderbare Erfahrung, fremden Menschen über die Jahre so nahe kommen zu dürfen. Das hat nichts von anonymer Kunden-Lieferanten-Beziehung, und schon gar nichts vom gläsernen Kunden, dessen Daten kalt zur Umsatzmaximierung benutzt werden.

Es ist schlicht ein Ehre und ein Privileg unseres Berufes und unserer Betriebsgröße. Herzlichen Dank dafür allen unseren Wein-Freunden.

Frohe Weihnachten!

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