Blütebeginn

Samstag, 23. Mai 2020 | Autor:

In meinen Anfangsjahren als Weinbauer vor mittlerweile gut 25 Jahren war der 10. Juni ein wichtiger Stichtag für die Blüte der Weinstöcke. In den meisten Jahren begann sie rund um dieses Datum und in den vereinzelten frühen Jahrgängen war sie bereits voll in Gang. Im besonders späten 1991 dauerte sie hingegen bei den späten Sorten bis in die ersten Juli-Tage.

Davon ist schon lange keine Rede mehr und es ist normal geworden, dass sich die Blüten noch im Mai öffnen. Ganz so zeitig wie vor zwei Jahren sind wir heuer zum Glück nicht, aber seit gestern lassen sich die ersten Weinblüten entdecken. Sollte die Trockenheit oder ein extrem kalter, verregneter Sommer die Reben nicht stark in ihrer Entwicklung bremsen wird der Großteil der Weinlese heuer wohl wieder bereits Mitte September erledigt sein (müssen).

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Tage der offenen Kellertür

Sonntag, 17. Mai 2020 | Autor:

Normalerweise hätten wir am Freitag unseren Keller im Rahmen von „Mörbisch zur Weinblüte“ für das ganze Wochenende geöffnet. Da das coronabedingt nicht möglich ist, haben wir gemeinsam mit den Kollegen diese Aktion gestartet.

Leider wurde unser Keller am Freitag Abend trotzdem geöffnet, gewaltsam von zig Kubikmetern Wasser, die beim Bruch einer Hauptleitung einen Meter außerhalb des Kellers ausgetreten sind. Zum Glück im Unglück ist es nicht der Betriebskeller, sondern ein rund 150 Jahre alter Gewölbekeller unter meinem Wohnhaus, der derzeit kaum genützt wird und fast leer steht.

Das Wasser hat die komplette Sandstein-Vorderwand in den Keller gedrückt und unzählige Kubikmeter Schotter und Erde des Straßenunterbaus mit dazu. Innerhalb von 30 Minuten stand es fast zwei Meter hoch bis die Leitung vom Betreiber endlich abgedreht wurde und die Feuerwehr mit dem Abpumpen begann. Im nachhinein erinnert mich die Situation ein wenig an die legendäre Bootsfahrt meines Kollegen Harald Steffens in seinem hochwasserüberfluteten Weinkeller.

Zum weiteren Glück im Unglück liegt der als Heiz- und Abstellraum und Waschküche genützte Teil des Kellers durch die bauliche Situation deutlich höher und wir konnten mit viel Improvisation und Helfern den Wasserstand dort bei wenigen Zentimetern halten. Der Schaden am Wohnraum ist also relativ gering und das Haus ist trotz fehlender Kellerwand statisch stabil. Der Schaden am Keller und der Aufwand, ihn wieder herzustellen ist aber natürlich beträchtlich.

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Ehrenamt

Freitag, 15. Mai 2020 | Autor:

Seit Generationen hat es in unserer Familie Tradition, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dabei reicht(e) das Betätigungsfeld in den vergangenen 100 Jahren von der evangelischen Pfarrgemeinde über die freiwillige Feuerwehr, politische Ämter, den Männergesangsverein, die Urbarialgemeinde, die unseren Gemeinschaftswald verwaltet bis zur Interessensvertretung im örtlichen und in verschiedenen regionalen Weinbauverbänden.

Auch ich versuche seit vielen Jahren einen Beitrag zu unserem Gemeinwesen zu leisten, nicht nur aber vor allem auch im Mörbischer Weinbauverein. Als langjährigen Obmann (und seit Jänner nur noch einfaches Vorstandsmitglied) freut es mich besonders, dass uns unter der Führung meines Nachfolgers die im Video oben beschriebene Aktion gelungen ist.

Ein Verkostungspaket als Ersatz für abgesagte Tage der offenen Kellertür mag vielleicht nicht sehr spektakulär und in Coronazeiten auch nicht besonders innovativ klingen. Man sollte aber die Arbeit, die dahintersteckt, die Koordination zwischen jenen, die sie geleistet haben und den Willen zur Zusammenarbeit aller Beteiligten nicht unterschätzen.

Wer die teilnehmenden Weinbauern kennenlernen möchte findet auf www.weinausmoerbisch.at die Langversion des Vorstellungsvideos. Gleich darunter gibt es Infos zu den Paketen und eine Möglichkeit zu bestellen…

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Beinahe Normalität

Mittwoch, 13. Mai 2020 | Autor:

Nach einer kurzen Verschnaufpause nach Rebschnitt und Binden der Fruchtruten beginnt jetzt die arbeitsreichste Zeit im Weingarten. Wir brechen alle Triebe am Stamm weg, da sie dort keine Funktion haben und die Luftzirkulation behindern. Bei einzelnen Sorten entfernen wir auch Triebe an den Fruchtruten die zu dicht stehen, weil es die Natur zu gut mit uns meint.

Diese Arbeit, die überwiegend gebückt verrichtet wird geht schon bald nahtlos in das „Einstricken“, also das Formieren der Triebe in den Drahtrahmen über. Erst wenn der Rebstock seine Kraft nach der Blüte vor allem in die Trauben investiert und das Triebwachstum Anfang Juli nachlässt können wir wieder ein bisschen aufatmen.

Manchmal kommt bei all der Arbeit fast so etwas wie Normalität auf. Im Freien brauchen wir keine Masken, der Sicherheitsabstand ist durch den Abstand unserer Rebzeilen garantiert und alles fühlt sich so an wie immer.

Wären da nicht die Gedanken an den schwieriger gewordenen Kontakt mit unseren Privatkunden, den fehlenden Umsatz in der Gastronomie und – an den Reben zum Glück noch nicht ersichtlich, aber mit Aussicht auf den kommenden Sommer sehr bedrohlich – die extreme Trockenheit.

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