Es bleibt spannend!

Freitag, 21. Mai 2021 | Autor:

Mai 2021 (Symbolfoto)

Nicht nur der heurige April, sondern der ganze Frühling 2021 ist geprägt von deutlich unterdurchschnittlichen Temperaturen. Ähnlich kalt war es in dieser Jahreszeit zuletzt 1996 und 1991, noch deutlich kälter war es 1987.

Alle drei sind keine Jahrgänge, die uns Weinbauern unbedingt Mut machen, zählen sie doch zu den schwächsten der letzten Jahrzehnte. Zumindest 1991 und 1996 waren daran allerdings weniger die niedrigen Frühjahrstemperaturen schuld, als ein verregneter Herbst. Bei trockenem Wetter hätte man die Traubenreife halbwegs abwarten können, aber massive Fäulnis zwang uns zu vorzeitiger Lese. 1987 war zwar trockener, aber die Reife war ob des noch deutlich kälteren Frühlings auch eher bescheiden. Trotzdem war das größte Problem des Jahrgangs nicht die Qualität, sondern die nach den massiven Frostschäden fehlende Quantität.

Der heurige Vegetationsrückstand ist natürlich bemerkenswert. Ob es ein, zwei, oder drei Wochen sind, hängt davon ab, womit man ihn ihn vergleicht und ist eigentlich egal. Schließlich stehen die Weingärten nach den (nicht gerade üppigen, aber vorläufig ausreichenden) Regenfällen der letzten Zeit sehr schön da.

Außerdem wissen wir, wie wir mit Laubarbeit, Ertragsniveau und Erntezeitpunkt auf die Situation reagieren können (auch wenn wir dieses Wissen schon länger nicht mehr nützen mussten). Und gerade für unseren auf Feinheit und Eleganz ausgelegten Weinstil sind nicht ganz so hohe Alkohol- und etwas höhere Säurewerte im Fall des Falles nicht unbedingt ein Nachteil.

Ein mittelmäßiger Sommer mit einem trockenen Herbst kann uns deshalb noch immer einen guten Jahrgang bescheren. Und ein schöner Sommer auch einen ausgezeichneten.

Es bleibt also spannend, und bemerkenswert wird der 2020er auf jeden Fall!

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Spritzermania

Freitag, 14. Mai 2021 | Autor:

Vielleicht wäre die ganze Sache ja auch ohne Corona gekommen. Die Pandemie hat aber sicherlich einen großen Anteil an der aktuell grassierenden Spritzermania der österreichischen Weinwirtschaft. Man könnte meinen, fast jeder Weinbauer füllt mittlerweile trinkfertig gemischten Spritzer in kleine Flaschen für den unkomplizierten Genuss zwischendurch.

Natürlich ist es kein Zufall, dass die Welle gerade jetzt, in Zeiten geschlossener Wirtshäuser durchs Land rollt. Auch vor der Pandemie waren die Weinkeller da und dort ja schon recht voll, und da schadet es nicht, den Konsum mit neuen Ideen anzukurbeln oder zumindest zu versuchen, den Verlust von Weinfesten und Gastronomie auszugleichen.

Daran ist nichts Verwerfliches, und wenn sich die Chance ergibt, werde ich sicherlich auch einmal ein Flascherl G´spritzten trinken. Selber abfüllen (lassen) werde ich sowas aber nicht, dazu ist mein Verhältnis zum Mischgetränk aus Wein und Wasser nicht innig genug. Dementprechend gering wäre meine Glaubwürdigkeit potentiellen Kunden gegenüber.

Dass ich relativ selten Spritzer trinke, hat keine qualitativen oder gar moralischen Gründe. Wenn der Anlass passt, schmeckt er mir sogar richtig gut und ich empfehle unseren Grünen Veltliner ja auch gerne pur oder gespritzt. Erfolgt die Mischung erst im Glas, wird sie aber für meinen Geschmack dem Wein eher gerecht, als das banale Fix&Fertig-Getränk, das man vielleicht auch noch direkt aus der Flasche trinkt.

Am liebsten genieße ich Wasser und Wein überhaupt nebeneinander. Je nach Stimmung sitze ich manchmal noch immer beim ersten Achterl und schenke schon zum dritten Mal Wasser nach. Oder ich trinke das dritte Glas Wein und habe immer noch das erste Wasser daneben.

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Haarscharf

Sonntag, 2. Mai 2021 | Autor:

In den kalten Nächten Anfang April hatte ich wegen dem stark verzögerten Vegetationsbeginn heuer kaum Angst vor Spätfrostschäden. Seither war es zwar weiterhin kühl, aber die Temperaturen fielen nicht mehr unter den Gefrierpunkt und das Thema Frost rückte mehr und mehr aus unserem Bewußtsein.

Zu Unrecht, wie sich vergangenen Dienstag gezeigt hat. Es hatte in den frühen Morgenstunden zwar nur ganz knapp unter null Grad, aber weil die ersten Blätter bereits aus der schützenden Knospenwolle ragen, sind sie viel empfindlicher als noch vor ein paar Wochen.

In der Ebene zum See, wo sich die kalte Luft sammelt, sind bei frühen Sorten die Spitzen der äußeren Blätter leicht vom Frost versengt. Die inneren Blätter und die Trauben sind aber zum Glück großteils unversehrt, sodass in ein paar Wochen vom jetzt schon nur schwer zu erkennenden Schaden wohl nichts mehr zu sehen sein wird.

Wir hatten also großes Glück und hoffen, dass es uns auch bei den Eismännern, die ja erst kommen, treu bleibt.

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