Blindverkoster sind auch nur Menschen (7)

Donnerstag, 2. Juli 2009 |  Autor:

Das Verkosten von Wein und das genussvolle Trinken waren immer schon zwei Paar Schuhe. Die kaum zu vermeidende Bevorzugung sättigender Üppigkeit gegenüber belebender Eleganz dürfte aber bei der heurigen  Finalverkostung der Salonweine besonders groß ausgefallen sein.

Anders ist es nämlich kaum zu erklären, dass sich ÖWM-Chef und Salon-Veranstalter Willi Klinger in der aktuellen Printausgabe von News öffentlich unzufrieden zeigt und eine neue Degustationsphilosophie für Rotweine fordert, weg von unnötiger Schwärze, Schokoladigkeit und Üppigkeit hin zu gebietstypischer Eleganz. Und von einem Abkratzen des Make-up spricht.

Ursache für Klingers Unzufriedenheit mit den Ergebnissen sind aber nicht primär die Verkoster, denen er attestiert, dass gut gekostet wurde. Das Problem ist seiner Meinung nach vielmehr, dass die Kriterien nicht in jeder Kategorie zeitgemäß sind.

Diese Analyse scheinen die Verantwortlichen für die burgenländische Landesweinprämierung, nach deren Ergebnissen die burgenländischen Weine für die Salonausscheidung nominiert werden, nicht zu teilen.

Wie Blogger-Kollege Franz Schneider in seiner aktuellen BOKU-Masterarbeit erläutert, sieht man Schwachpunkte allenfalls im PR-Bereich. Allerdings klaffen das Selbstbild der Prämierungsveranstalter und die Wahrnehmung von Weinbauern, Gastronomen und Journalisten doch deutlich auseinander.

Besonders auffallend sind folgende Aspekte, die ich der Presseaussendung von Franz Schneider entnommen habe:

Die Veranstalter sehen die Prämierung eindeutig als „aktiv“, eher „modern“, eher „einflußreich“ und klar als „bedeutend“. Die Weinbauern hingegen nehmen die gleiche Veranstaltung als eher „passiv“, eindeutig „traditionell“, klar „einflußlos“ und eher „unbedeutend“ wahr.

Mich verwundert diese Diskrepanz nicht, sehrwohl aber die Tatsache, dass angesichts dieser Einschätzung noch immer Jahr für Jahr deutlich mehr als 1000 Weine eingereicht werden.

Wir sind nach der Entwicklung der letzten Jahre, die ihren Höhepunkt mit dieser Geschichte erreicht hat auf jeden Fall nicht mehr dabei.

Hier gehts übrigens zu Teil 1 dieser Serie mit Links zu allen Folgen.

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Thema: Wein-Medien-News

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Ein Kommentar

  1. 1
    erwin 

    Die zitierte „unnötige Schwärze und Schokoladigkeit“ bei manchen schweren Rotweinen (ein Freund spricht oft von sogenannten „Granaten“) wirft schon ein interessantes Licht auf die Suggestibilität und Betrugsanfälligkeit unserer Sinne – wenn wir bedenken, dass es sich da um Effekte des verkohlten Eichenholzes handelt…. Aber manche Menschen essen auch mit besonderer Vorliebe verkohlte Toasts oder Grillkotletts – vielleicht ein Relikt aus der Zeit, wo der Urmensch noch das Mammut im offenen Feuer garte. Mir persönlich sind da die rein herausgearbeiteten Fruchtaromen der verschiedenen Traubensorten wesentlich lieber….
    Herzliche Grüße: Erwin

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