Vereinsmeierei (Teil 3)

Mittwoch, 31. Januar 2007 |  Autor:

Der Ortsweinbauverein, ein Klassiker

Praktisch jede Weinbaugemeinde hat auch Ihren Ortsweinbauverein. Wie die Vereinsgeschichte des Weinbauvereines Mörbisch (im Menü Wein aus Mörbisch – Organisationen – Weinbauverein) zeigt, hat sich die Bedeutung und die Tätigkeit dieser Vereine in den letzten Jahren deutlich gewandelt.

In den 70er- und 80er-Jahren stand die Weiterbildung und die gemeinsame Nutzung von Weinbau- und Kellereigeräten sowie Weinlabors im Vordergrund sowie die Veranstaltung „klassischer“ Weinkostveranstaltungen. Vor allem in den ersten Jahren nach dem Weinskandal von 1985 war in der allgemeinen Verunsicherung der Weinbauernschaft ein relativ starkes Engagement in den Weinbauvereinen zu spüren.

Mit der zunehmenden Konsolidierung der Weinbranche drifteten die Interessen der Winzerschaft deutlich auseinander. So resignieren heute viele kleinere Nebenerwerbswinzer ob der niedrigen Trauben- und Faßweinpreise. Und erfolgreiche Haupterwerbswinzer sind weniger an der gemeinsamen Nutzung von Gerätschaften interessiert als an einem gemeinsamen Werbeauftritt. Und nehmen sich oft nicht die Zeit bzw. sind nicht bereit, sich in der Gemeinschaft auch für Kollegen zu engagieren.

Je nachdem wie es ein Weinbauverein schafft mit diesen Problemfeldern umzugehen, reicht die Bandbreite der burgenländischen Weinbauvereinen von innovativ und extrem aktiv über den berühmten „Dienst nach Vorschrift“ bis zur reinen Pro-Forma-Existenz auf dem Papier.

Klassische Betätigungsfelder sind dabei

  • die Organisation von Weinveranstaltungen („Tage der offenen Kellertür“) und die gemeinsame Teilnahme an Messen
  • Werbeinitiativen für den Weinbauort (sehr oft in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tourismusverband)
  • das Betreiben einer Website über den jeweiligen Weinbauort
  • die gemeinsame Nutzung von Geräten und der gemeinsame Einkauf diverser Materialien
  • die Schädlingsbeobachtung und Erstellung oder Weitergabe von Pflanzenschutzempfehlungen
  • die Durchführung von internen Weinverkostungen zu Schulungszwecken
  • die Organisation von Exkursionen und Veranstaltungen zur Weiterbildung
  • die Vertretung der Weinbauernschaft in überregionalen Gremien und die Weitergabe von Informationen
  • die Tätigkeit als Winzer-Ansprechpartner für die politische Gemeinde

Das unbekannte Wesen „Gebietsweinbauverein“

Alle Ortsvereine eines Weinbaugebietes sind in einem Gebietsweinbauverein gebündelt. Während die Gebietsvertretung des Mittelburgenlandes mit der Initiative „Blaufränkischland“ und seit kurzem auch mit der Umsetzung des DAC-Konzeptes sehr aktiv ist, treten die Vereine von Neusiedlersee, Neusiedlersee-Hügelland und Südburgenland vergleichsweise wenig in Erscheinung.

Intern gibt es aber auch in diesen Gebieten gelegentlich etwas zu beraten. So zum Beispiel die Festlegung jener Weinstile, die das Gebiet für sich als „typisch“ ansieht und für den Österreichischen Weinsalon nominiert. Außerdem nominieren die Gebietsweinbauvereine die Vertreter für den Landesweinbauverband und das Interprofessionelle Komittee. Was sich dahinter verbirgt, berichte ich demnächst.

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Thema: Kunterbunte Weinwelt

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