Die unendliche Geschichte (4)

Samstag, 25. Juli 2009 |  Autor:

Nach dem Einrichten von neuen Weinbaugebieten und neuen Gremien stand der Umsetzung des DAC-Konzeptes in der Praxis ab 2002 nichts mehr im Wege. Die jahrelangen Diskussionen um die herkunftsbetonte Weinbezeichnung in Österreich verstummten damit freilich nicht, sondern verlagerten sich höchstens auf eine andere Ebene.

Die Gunst der ersten Stunde…

Das erste Weinbaugebiet, das die neuen Möglichkeiten des Weingesetzes zur Etablierung eines DAC-Weines nützte, war wenig überraschend das Weinviertel. Die Vertreter des Gebietes wollten jene (mediale) Aufmerksamkeit nützen, die dem Ersten zu Teil wird, um das Image des größten österreichischen Weinbaugebietes zu heben.

Dass einige DAC-Verfechter in den heimischen Weingremien aus dem Weinviertel stammen und dass das Gebiet mit dem Grünen Veltliner eine eindeutige Hauptsorte hat, hat die rasche Umsetzung zweifellos erleichtert. Am 1. März 2003 war es schließlich soweit, und  die ersten Weinviertel-DAC-Weine (des Jahrgangs 2002) wurden präsentiert.

Weinviertel DAC wurde definiert als Grüner Veltliner mit mindestens 12 Prozent Alkohol und maximal 6 g/l Restzucker der keinen Holz- oder Botrytiston aufweist und von einer würzig-pfeffrigen Aromatik geprägt ist.

…und die zögerliche Nachahmung

Bis zum Jahrgang 2005 hatte das Weinviertel die DAC-Bühne ganz für sich alleine. In vielen anderen Weinbaugebieten war es weit schwieriger, die Winzerschaft von der Sinnhaftigkeit des Projektes zu überzeugen und einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Schließlich folgte ab dem Jahr 2006 das Mittelburgenland, das wie das Weinviertel eine recht eindeutige Hauptsorte – den Blaufränkisch – hat. Anders als im Weinviertel (und sicherlich auch von den dortigen Erfahrungen beeinflußt) etablierte man gleich drei DAC-Kategorien um möglichst den allermeisten Weinen des Gebietes eine DAC-Bezeichnung zukommen zu lassen.

Zwei Jahre später starteten das kleine Traisental und das benachbarte Kremstal mit ihren DAC-Weinen, je zwei Qualitätskategorien aus Grünem Veltliner und Riesling, also insgesamt vier Traisental DAC und vier Kremstal DAC.

Heuer folgte schließlich das Kamptal mit dem Weinjahrgang 2008, ebenfalls mit je zwei DAC-Kategorien beim Grünen Veltliner und beim Riesling.

Von 16 österreichischen Weinbaugebieten nützen bislang also fünf die neuen bezeichnungsrechtlichen Möglichkeiten. Bei uns im Neusiedlersee-Hügelland ist die Umsetzung bereits beschlossen (dazu später mehr) und in zwei oder drei weiteren Regionen wird meines Wissens recht konkret diskutiert.

Rund die Hälfte der heimischen Weinbaugebiete ist aber auch 13 Jahre nach der Erfindung des DAC-Konzeptes und sieben Jahre nach dem ersten DAC-Jahrgang im Weinviertel noch weit von der Umsetzung einer herkunftsbetonten Weinbezeichnung entfernt.

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Thema: Verkauf und Marketing

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Ein Kommentar

  1. […] 1. August 2009 |  Autor: bf Seit der praktischen Umsetzung der neuen Möglichkeiten des Weingesetzes, herkunftsbezeichnete DAC-Weine zu etablieren in bislang […]

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