Die Zweigelt-Geiztriebe geizen nicht

Freitag, 4. August 2006 |  Autor:

Geiztriebe sind Seitentriebe, die aus den Blattachseln der Haupttriebe der Reben wachsen. Obwohl sie schon vom Austrieb im Frühjahr an sichtbar sind, wachsen sie erst richtig, nachdem die Triebspitze des Haupttriebes beim sogenannten „Wipfeln“ abgeschnitten wird. Das „Wipfeln“ oder „Abgipfeln“ dient dazu, den Trieb vor Windbruch zu bewahren und Schattenbildung durch zu lange und durch das Gewicht herunterhängende Triebe zu verhindern.

Anders als früher werden Geiztriebe heute durchaus positiv gesehen. Sie bringen zusätzliche Blattfläche, die dem Rebstock zugute kommt. Ein Rebblatt ist etwa sechs Wochen nach seiner Entfaltung am leistungsfähigsten. Die unteren Blätter am Haupttrieb sind also schon ziemlich „verbraucht“, wenn die Traubenreife beginnt, während die oberen Blätter und vor allem die noch später gewachsenen Geiztriebblätter während der Traubenreife besonders viel Zucker produzieren können.

Leider können an den Geiztrieben auch kleine Trauben hängen, die wegen ihres Entwicklungsrückstands gegenüber den Haupttrauben nicht bis zur Ernte ausreifen und daher bei der Handlese nicht mitgeerntet werden. In der Regel spielen die Geiztrauben mengenmäßig keine Rolle und werden daher auch beim Ausdünnen vernachlässigt. Anders als die Haupttrauben sind sie schwer zu finden, da sie klein und über den ganzen Rebstock bzw. alle Geiztriebe verteilt sind.

In den letzten Jahren hat sich der Zweigelt leider als ganz besonders fleißiger Geiztraubenträger gezeigt. Speziell in unserem Weingarten in der Lage Goldberg findet man an praktisch jedem Geiztrieb eine Traube, oft sogar zwei und, wie heute beim Ausdünnen festgestellt, manchmal auch drei. Diese Geiztriebtrauben sind zudem ungewöhnlich groß und würden bei vielen Stöcken mehr Wein ergeben, als die sechs bis 8 Haupttrauben, die wir bei der Ertragsreduzierung an den Stöcken belassen.

Da die Reife der Geiztriebtrauben dem Stock natürlich auch Kraft kostet, müssen sie mühsamst entfernt werden, wenn sie so massenhaft auftreten. Das reduziert die Arbeitsgeschwindigkeit dramatisch und man hat bei der Arbeit ein Gefühl, als ob die Rebreihe gar kein Ende nehmen möchte.

 

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Thema: Reben und ihre Pflege

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2 Kommentare

  1. 1
    Istvan Akos 

    Danke für den interessanten Beitrag. Was meinen Sie: Können die Trauben an Geiztrieben bei gutem Wetter im Herbst noch ausreifen? Macht es Sinn, diese noch zu lesen?

  2. 2
    bf 

    In einem späten Jahr wie heuer werden die Geiztrauben ganz sicher nicht so reif, wie sie für einen wirklich guten Wein sein sollten. Als willkommene Abwechslung zum Essen bei späten Weingartenarbeiten sind sie aber natürlich schon denkbar. Wenn die Stare etwas übrig lassen.

    Davon abgesehen rechnet sich die Lese der Geiztrauben wohl auch nur in ganz ganz seltenen Fällen. Sie sind klein und über den ganzen Stock verstreut, und deshalb braucht man viel Zeit für einen letztlich auch quantitativ eher bescheidenen Ertrag.

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