Flavescence dorée erreicht die Steiermark

Freitag, 4. Dezember 2009 |  Autor:

Wie die Zeitschrift „Der Winzer“ meldet, ist die gefährliche Rebkrankheit Flavescence dorée heuer erstmals auch in Österreich aufgetreten.

Die Erkrankung wird von zellwandlosen Bakterien, sogenannten Phytoplasmen, hervorgerufen und führt zu einer goldgelben Vergilbung (so lautet der deutsche Name) der Blätter und später zum Absterben der Rebstöcke.

Ähnlich wie der Feuerbrand im Obstbau kann sich Flavescence dorée epidemieartig ausbreiten und ist daher als meldepflichtige Quarantäne-Krankheit eingestuft. Einer der betroffenen Winzerkollegen mußte nicht nur die erkrankten Stöcke, sondern seinen gesamten Weingarten roden.

Der Schlüssel zur Bekämpfung der goldgelben Vergilbung ist nicht ihr Erreger selbst, sondern sein Überträger. Die Phytoplasmen werden nämlich ausschließlich von der amerikanischen Rebzikade beim Saugen an den Rebblättern in den Saftstrom der Pflanzen injiziert.

Diese Zikadenart wurde in den 1950er-Jahren nach Europa eingeschleppt, und näherte sich seither von Süden und Osten der österreichischen Grenze. Schon in den vergangenen Jahren wurden immer wieder einzelne Zikaden entdeckt, die aber bisher keine Flavescence-dorée-Erreger in sich trugen.

Da sich die amerikanische Rebzikade im Unterschied zu den Überträgern einer anderen, nicht ganz so gefährlichen Phytoplasmen-Erkrankung ausschließlich vom Pflanzensaft der Weinreben ernährt, ist sie vergleichsweise gut zu bekämpfen.

Dort wo die goldgelbe Vergilbung schon länger ein Thema ist, wird mit gutem Erfolg versucht, sie durch koordinierte Insektizid-Behandlungen gegen die amerikanische Rebzikade in einem beherrschbaren Ausmaß zu halten.

Tags »   

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Wein-Medien-News

Diesen Beitrag kommentieren.

3 Kommentare

  1. 1
    Iris 

    bei roten Rebsorten ist die Verfärbung übrigens blutrot – die Krankheit gibt es hier in Südfrankreich schon länger und die Spritzungen im Juli mit Insektenvertilgungsmittel gegen den Vektor sind in vielen Gegenden seit mindestens 15 Jahren obligatorisch…das wird von den Behörden (Prefekturen) überwacht, zur Not kann auch gegen den Willen eines Winzers gespritzt und ausgerissen werden.

    Im biologischen Anbau wird mit Rhotenone haltigen Produkten gespritzt.

    Meines Wissens nach sind alle Spritzmittel unselektiv, d.h., sie töten gleichmäßig Schädlinge und Nützlinge, was dann wieder zu anderen Ungleichgewichten und Krankheiten im Weinberg führen kann.

    Was wird bei Euch in Österreich verwendet, hat man da ein spezifisches Spritzmittel gefunden, das nur die Zikade angreift?

  2. 2
    Rudi 

    Soviel ich weiß sind in Österreich, zumindest für das ÖPUL Programm „intergriete Produktion Wein“ nur 3 Mittel bzw Wirkstoffe zur Zikadenbekämpfung zugelassen. Dabei handelt es sich um eher unspezifische Wirkstoffe die vorwiegend gegen Milben und Wickler eingesetzt werden. Eine spezielle Bekämpfungsempfehlung gegen Zikaden wurde seitens öffentlicher Stellen, meines Wissens noch nicht ausgegeben. Die Thematik wurde aus meiner Sicht immer etwas verharmlost und als mehr oder weniger weit entferntes Zukunftsszenario abgetan. Und dies obwohl die Vektoren bereits seit einigen Jahren in Österreich nachgewiesen werden.

    Das Rotenon im Bio-Weinbau zugelassen ist verwundert mich auch sehr, ich keine den Wirkstoff leider nicht so genau. Mir schlummerd aber im Hinterkopf dass dieses Rotenon doch ziemlich toxisch ist und als Insektizid im Weinbau sowohl in Österreich und Deutschland keine Zulassung bekommen hat.

  3. 3
    mhr 

    http://en.wikipedia.org/wiki/Rotenone

    Pflanzliches Gift – steht in „Verdacht“ Parkinson auszulösen obwohl es sich nach 6 Tagen abbaut. Glaube eher gezieltes Pharmalobbying dahinter…

Kommentar abgeben