Blindverkoster sind auch nur Menschen (9)

Sonntag, 2. Mai 2010 |  Autor:

Foto: steve.haider.com

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Kombinationsgabe

Vor ein paar Jahren war ich bei einem Kollegen zu einer Verkostung eingeladen, bei der es mir gelang einen Wein blind zu erkennen erraten, den ich noch nie zuvor verkostet hatte.

Eigentlich hatte die Veranstaltung keinen richtigen Titel, aber nach und nach wurde allen Teilnehmern klar, dass es wohl um reifere Weine, möglicherweise aus ein und demselben Jahrgang ging.

Wein für Wein wurden die abgegebenen Tipps mutiger und konkreter, bis wir uns schließlich gemeinsam immerhin auf die Jahrgänge 1985 oder 1986 festzulegen wagten. Auch bei der österreichischen Herkunft der Weine waren wir uns recht sicher, bis gegen Ende ein Wein unsere Spekulationen ziemlich durcheinanderbrachte.

Dieser Weißwein konnte trotz deutlicher Reife nicht den geschmacklichen Einfluß von Eichenholzaromen verleugnen, was für das geschätzte Alter und die vermutete Herkunft Österreich eigentlich kaum möglich sein konnte.

Entweder war der vermutete Zusammenhang falsch und die Weine generell jünger bzw. unterschiedlich alt oder doch nicht ausschließlich aus Österreich.

Oder, so schoss es mir damals durch den Kopf, es handelte sich um den einzigen heimischen Weißwein von dem ich (aus Medienberichten, nicht durch eigene Verkostungserfahrung) wußte, dass er bereits Mitte der 1980er in Barriques ausgebaut wurde.

Um die Blamage in Grenzen zu halten warf ich den Namen dieses Weines möglichst beiläufig in die Diskussion. Zuerst löste ich damit ein ungläubiges Staunen unter den Teilnehmern aus, das aber nach Bestätigung der Richtigkeit meines Tipps durch den Gastgeber ziemlich schnell in ehrliche Anerkennung umschlug.

Angesichts der Entstehungsgeschichte meines Zufallstreffers beziehe ich diese Anerkennung aber bis heute weniger auf meine Fähigkeiten als Verkoster, denn auf jene Kombinationsgabe, die es braucht, um bei solchen Ratespielchen zumindest hin und wieder einen Treffer zu landen.

Hier gehts zu Teil 1 mit Links zu allen Folgen.

Tags »   

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Im Glas und drumherum

Diesen Beitrag kommentieren.

2 Kommentare

  1. 1
    Michael Pronay 

    Jetzt spann uns bitte nicht auf die Folter — welcher Wein war das?

  2. 2
    bf 

    Chardonnay Bründlmayer 1986 (wenn mich meine Erinnerung nicht trügt).

Kommentar abgeben

*

code