WSET-Diploma

Montag, 15. November 2010 |  Autor:

Verkostung ÖWM-Griesch komprimiert

Vergangenen Mittwoch startete in der Weinakademie Österreich ein neuer Jahrgang das Diplomseminar, und am Freitag erhielten 20 neue Weinakademiker nach zumindest zweijähriger Ausbildung ihre Diplome im Rahmen eines Festaktes im Schloß Esterhazy in Eisenstadt.

In beiden Fällen hatte ich die Ehre und das Vergnügen, dabei sein zu dürfen. Den ganzen Mittwoch lang versuchte ich als Lektor den Beginnern das Thema „Weinbau“ näherzubringen, und am Freitag sorgte ich gemeinsam mit anderen Winzern, die diese Ausbildung (so wie ich) abgeschlossen haben für die flüssige Verpflegung nach der Graduierung.

Die haben sich die frischgebackenen Weinakademiker auch redlich verdient, zählt das Diplomseminar doch zu den umfassendsten und schwierigsten Fortbildungsmöglichkeiten in Sachen Wein.

WSET und Weinakademie Österreich

Der Ursprung dieser Ausbildung liegt im englischen Weinhandel, der die Kompetenz seiner Mitarbeiter steigern wollte und über die Institution des Wine and Spirit Education Trust seit Jahrzehnten ein umfangreiches Seminarprogramm anbietet.

Nicht zuletzt um die eigenen Qualifikationsmöglichkeiten international zu verankern, ging die Weinakademie Österreich Mitte der 1990er-Jahre eine Kooperation mit dem WSET ein, und bietet seither das Diplomseminar als einzige Institution in anderer Sprache als Englisch, nämlich in Deutsch an.

Dafür werden bei der Prüfung die gleichen (nur übersetzten) Prüfungsfragen und die gleichen Weine zur gleichen Zeit verwendet, wie in London, und nach dem gleichen Schema korrigiert. Bei einem positiven Abschluß erhält jeder Teilnehmer das international be- und anerkannte Diploma des WSET und – quasi als Zeichen, dass er die Ausbildung über die Weinakademie absolviert hat – den Titel „Weinakademiker“.

Bis es aber soweit ist, gibt es zahlreiche Hürden zu meistern:

Theorie und Praxis

Das Themenspektrum umfaßt nicht nur alle nennenswerten Weinbaugebiete der Welt mit den geschmacklichen Eigenheiten ihrer Produkte, sondern auch deren Herstellung und Vermarktung. Außerdem gibt es eigene Ausbildungs- und Prüfungseinheiten zu den aufgespriteten Weinen, zu Schaumweinen und Spirituosen.

In verschiedenen Teilprüfungen müssen die Kandidaten ihr Wissen auf unterschiedlichste Weise unter Beweis stellen. Während die Weinherstellung mittels (ziemlich gefinkelter) Multiple-Choice-Tests geprüft wird, lauern bei den Theoriefragen zu den Weinbaugebieten auch schon mal ganz verzwickte Fragestellungen.

Nicht selten sind nämlich neben dem schlichten Aufzählen von Faktenwissen auch Aufsätze zu Themen wie „Was hat zum Erfolg von Chile als Weinproduzent und Weinexporteur geführt?“ oder „Diskutieren Sie die Bedeutung von Markenweinen für die südafrikanische Weinwirtschaft“ gefordert.

Als praktischen Teil gibt es Verkostungen von 12 Weinen und je drei aufgespriteten Produkten, Schaumweinen und Spirituosen. Dabei kommt es zwar nur am Rande auf das Erraten von Sorten, Herkünften und Jahrgängen an, dafür ist aber eine umfangreiche Beschreibung und eine detailierte Qualitätseinschätzung gefragt.

Seminar- und Diploma-Arbeit

Um die Fähigkeiten zur Recherche und die Kenntnisse des internationalen Wein- und Spirituosenmarktes der Kandidaten zu kontrollieren, wird (neben einem weiteren Theorieprüfungsteil) außerdem eine Seminararbeit verlangt.

Diese muß 2500 bis 3000 Wörter lang sein, und eines der vorgegebenen Themen behandeln. Momentan aktuell sind die Fragen „Die „Premiumisierung“ von weißen Spirituosen“ (pdf) und „Vermittler, Importeure und Großhändler“ (pdf).

Zum Abschluß des Prüfungsreigens gilt es dann noch, eine umfassende „Diploma-Arbeit“ zu einem selbst gewählten Thema zu verfassen.

Dabei reicht das Spektrum der bisher erfolgreichen Arbeiten von „Bioversität im Rebberg und ihr Anspruch in Bio-Richtlinien“ über „Die Blue Chips des Weininvestments – Eine Kapitalanlage mit Zukunftsperspektive?“ und „Spanien – ein aufstrebender Stern am Weißweinhimmel?“ bis zu „Sensorik und Sprache: rhetorische Figuren als Grundlage für Weinbeschreibungen“.

Über die Weinakademie Österreich und ihre Kooperationspartner in Deutschland und der Schweiz haben seit 1994 rund 500 Teilnehmer das Diplomseminar erfolgreich absolviert und den Titel „Weinakademiker“ verliehen bekommen.

Hier geht es zur Liste mit allen Namen, und hier gibt es Fotos, Kurzbiografien und die Themen der Diploma-Arbeiten der letzten Jahrgänge in Deutschland, der Schweiz und Österreich (Ganz nach unten scrollen!).

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Thema: Kunterbunte Weinwelt

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2 Kommentare

  1. 1
    Anton Gerhard Klocker 

    hallo bernhard,

    du hast recht die flüssige nahrung hernach war wichtig…*g*

    danke nochmals für die verkostung und auch deinen interessanten und praxisnahen vortag im zuge der diploma ausbildung.

    lg

    tony

  1. […] am Faßweinmarkt. Neben meiner Arbeit im Weinkeller hatte ich außerdem wieder die Ehre, beim WSET-Diploma vortragen zu dürfen, und auch ein Beitrag zur Weinrallye #39: Wein & Humor ging sich […]

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