Es hat nicht sollen sein

Dienstag, 8. Februar 2011 |  Autor:

Quelle: gis.bgld.gv.at

Die Mörbischer Weingärten sind extrem kleinstrukturiert und auf Parzellen von durchschnittlich (geschätzten) 1500 m2 aufgeteilt. Die allermeisten Grundstücke sind nur wenige Meter breit, dafür aber mitunter mehrere hundert Meter lang.

Als meine Eltern die Betriebe ihrer Eltern übernommen haben, waren die knapp 10 Hektar auf rund 60 Weingärten im Umkreis von etwa 4 km verteilt.

Diese besondere Situation hat mehrere Ursachen: Im Burgenland als Teil der ungarischen K.u.k.-Hälfte wurde der Besitz eines Verstorbenen gleichmäßig auf alle Nachkommen aufgeteilt, während im österreichischen Teil oft nur der älteste Sohn einen Bauernhof erben durfte, und die Geschwister mehr oder weniger finanziell abgefunden wurden.

Da Weingartenflächen immer schon begehrter waren, als Ackerflächen, wurden diese bei der Betriebsübergabe (der Länge nach) geteilt. Damit wurde der Gerechtigkeit genüge getan, und jedem ein Stück jeder Parzelle vermacht.

Und weil Mörbisch in den 100 Jahren nach der Bauernbefreiung Mitte des 19. Jahrhunderts einen enormen Bevölkerungszuwachs erlebt hat, gab es immer sehr viele Erben und dementsprechend viele (und immer kleiner werdende) Teilparzellen.

Erst ab den 1960er-Jahren fand diese besondere Form der Erbteilung ein Ende. Spätestens dann, als dank steigender (Über-)Produktionsmengen der Wert von Wein und Weingärten und damit auch das Interesse der Erben deutlich abnahm.

Der Schaden war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon entstanden, denn abgesehen von einer gewissen Risikostreuung bei Hagel oder Frost bietet eine derart zersplitterte Weingartenfläche für ein modernes Weingut nur Nachteile.

Die Wegzeiten zwischen den Parzellen, die hohe Zahl an Leerfahrten, die sich aus der Bewirtschaftung von Randreihen ergibt, die Schwierigkeit, einen Überblick über Gesundheitszustand und Reifeverlauf aller Weingärten zu bewahren, und, und, und.

Trotzdem gibt es kaum Bestrebungen, die Parzellenstruktur zu verbessern. Flurbereinigungen im großen Stil, wie sie bei Ackerflächen und in Deutschland auch in Weinrieden gang und gäbe sind, wurden (zum Glück, wenn man deren negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild kennt) nie angedacht. Zu unterschiedlich waren wohl die Interessen der Besitzer (z.B. von jungen und alten Weingärten), zu wenig vergleichbar die Qualität der Bodenstrukturen einzelner (Teil-)Parzellen.

Aber auch auf privater Ebene tat und tut sich wenig. Nur mein Vater ist seit 40 Jahren aktiv und hat vorwiegend durch den Tausch von Grundstücken Jahr für Jahr unsere durchschnittliche Parzellengröße bis heute verdoppelt: Die 10 Hektar verteilen sich derzeit nur noch auf 29 Weingärten.

Um die Zustimmung der Tauschpartner (und damit eine benachbarte Parzelle) zu erhalten, bietet er ihnen entweder ein etwas größeres Grundstück an, eine etwas bessere oder verkehrsgünstiger gelegene Lage oder einen jüngeren Weingarten in besserem Zustand.

In den 80er-Jahren hat er einmal sogar ein neu bepflanztes Grundstück vertauscht, unmittelbar nach den arbeits- und kostenintensiven ersten beiden Jahren, aber noch vor der Jungfernernte. Da wir auf diese Weise eine Lücke zwischen zwei unserer Weingärten schließen konnten, war es die Sache trotzdem wert.

Trotz guter Angebote hatte mein Vater aber nicht immer Glück. Manche Grundstücksbesitzer handeln nicht wirklich rational (was natürlich ihr gutes Recht ist) und verzichten z.B. für emotionale Werte („Erbteil von Tante Sowieso“) auf einen finanziellen Gewinn.

So sind auch in den letzten Tagen wieder einmal ein Tauschprojekt und der Zukauf einer winzigen Nachbarparzelle mißlungen. Es hat nicht sollen sein, kann man sich da nur sagen.

Aber zumindest im ortsinternen Vergleich sind wir ohnehin schon recht gut aufgestellt, und außerdem gibt es da schon wieder eine neue Idee…

Tags »   

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Kunterbunte Weinwelt

Diesen Beitrag kommentieren.

2 Kommentare

  1. 1
    Thomas 

    Aber trotzdem gut das Winzer noch miteindander sprechen, mancherorten ist das vor lauter Konkurenzdenken nicht mehr möglich

  2. 2
    KJ 

    an der mosel das gleiche. nur hier ist der beweggrund parzellen nicht abzugeben der das der kollege ja nen vorteil haben könnte. teilweise wird sogar ein wirtschaftlicher schaden in kauf genommen wenn man jemand anderen blockieren kann.

Kommentar abgeben

*

code