Kalium

Montag, 12. November 2007 |  Autor:

Einer der wichtigsten Nährstoffe für den Rebstock ist das Kalium. Im Verhältnis zu anderen Nutzpflanzen nimmt die Weinrebe deutlich mehr davon auf, benötigt aber dafür z.B. vergleichsweise wenig Phosphor, neben Stickstoff der dritte Hauptnährstoff den die Pflanzen aus dem Boden aufnehmen.

Ausreichend mit Kali versorgte Reben sind weniger frostanfällig, verblühen besser und können mit Hitze und Trockenheit besser umgehen. Auch in Trauben und Wein erfüllt Kalium wichtige Aufgaben. Es zählt zum Extraktgehalt, ist damit am spürbaren Körper des Weines beteiligt und kann allzu hohe Säuregehalte abpuffern, weil es mit der Weinsäure reagieren kann.

Geringer Nährstoffbedarf

Im Vergleich zu Getreide, Mais und Zuckerrüben ist der Nährstoffbedarf der Weinrebe sehr gering. Das liegt vor allem daran, daß wir Weinbauern eigentlich nur den Saft der Trauben nützen, der überwiegend aus Wasser und Zucker besteht. (Zucker enthält „nur“ CO2 aus der Luft und Wasser und entzieht daher dem Boden keine Nährstoffe.)

Blätter und Rebholz verbleiben nach dem Rebschnitt im Weingarten, Trester (ausgepreßte Traubenschalen und Stiele) und Geläger (abgestorbene Hefezellen nach der Gärung) kommen nach der Ernte wieder zurück und geben die darin enthaltenen Närhstoffe beim Verrotten wieder frei.

Düngung im Weinbau

Aus diesem Grund ist die Düngung im Weingarten kein so wichtiges Thema, wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft. Trotzdem geht es auch im Weinbau nicht ohne, denn anders als im Ackerbau gibt es im Weingarten keine echte Fruchtfolge.

Die ältesten (und zumeist besten) Lagen sind Jahrhunderten ohne nennenswerte Unterbrechungen mit Reben bepflanzt. Auch wenn die jährliche Kali-Entnahme sehr gering ist, kann die Abnahme des Kaligehaltes im Boden mit der Zeit zu einem echten Problem werden.

Fast alle Böden liefern nämlich weit weniger Kalium durch die laufend fortschreitende Verwitterung des Muttergesteines nach, als die Rebe benötigt. Und obwohl Kalium anders als z.B. Stickstoff im Boden nicht sehr beweglich ist, wird ein kleiner Teil davon durch den Regen immer wieder oberflächlich oder ins Grundwasser ausgespült.

Von Zeit zu Zeit ist es daher auch für uns Winzer ratsam, mittels Bodenanalyse den Kalium-, Phosphor- und Magnesiumgehalt unserer Böden zu kontrollieren und gegebenenfalls zu ergänzen.

Zu wenig und zu viel

Im allgemeinen Trend der Zeit und aufgrund der wesentlich höheren Erntemengen wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren weit mehr gedüngt als heute. Die Düngemittel waren damals vergleichsweise billig, das Wissen über die Bedürfnisse der Reben nicht immer vorhanden und die Problematik von Überdüngung und Nährstoffauswaschung unbekannt.

Die seit Jahrhunderten ausgelaugten Böden konnten die hohen jährlichen Nährstoffgaben anfangs gut aufnehmen, aber irgendwann war auch das größte Nährstoffdefizit behoben. In manchen Fällen geriet man binnen weniger Jahre von einem Extrem ins andere, von der Unterversorgung in den Nährstoffüberschuß.

Zu hohe Nährstoffgehalte im Boden fördern das Triebwachstum und den Ertrag (was für hochwertige Qualitäten zum Problem werden kann) und begünstigen damit auch das Auftreten von Pilzkrankheiten. Ist der Boden mit einem einzelnen Nährstoff überproportional gut versorgt, kann dieser die Aufnahme der anderen Nährstoffe blockieren und den Rebstock aus seinem Gleichgewicht bringen.

Als Gegenreaktion auf diese Entwicklung wurde die Weingartendüngung in Österreich in den 1990er-Jahren weitgehend eingestellt. Die Weinqualität rückte mehr und mehr in den Vordergrund und die zurückgenommenen Erträge schienen eine Düngung obsolet zu machen. Außerdem wurden die Düngemittel deutlich teurer, während der Preis für einfache Weinqualitäten aus möglichst hohen Erträgen verfiel.

Jahrelang ging alles gut. Schließlich gab es ein enormes Nährstoffdepot aus den 1970ern im Boden, von dem die Reben zehren konnten. Aber auch dieses Depot hielt nicht ewig und Mitte der 1990er kehrten die Nährstoffmangel-Krankheiten zurück.

Die Traubenwelke, nach der Sorte bei der sie am häufigsten auftritt anfangs auch „Zweigeltkrankheit“ genannt, wurde mehr und mehr zum Problem. Nach einiger Ratlosigkeit konnte die Hauptursache schließlich doch identifiziert werden: Eine Unterversorgung mit Kalium bei gleichzeitig hohem (meist natürlich bedingtem) Magnesiumgehalt im Boden.

In den Jahren des Rotwein- und damit auch des Zweigeltbooms verursachte die Traubenwelke enorme wirtschaftliche Schäden und platzierte damit die Dünung wieder auf der Tagesordnung der Winzer. Man wird sehen, ob die Weinbauernschaft aus den Erfahrungen der 1970er-Jahre gelernt hat, oder (wieder) überreagiert und in ein paar Jahren statt mit Kalimangel mit Kaliüberschuß zu kämpfen hat.

Herbstdüngung

Nach drei Jahren Pause haben wir heuer wieder eine Herbstdüngung mit Kalium durchgeführt. Angepaßt an den (seit den 1970ern wissenschaftlich erforschten) jährlichen Bedarf der Reben und den im Boden vorhandenen Kaliumgehalt haben wir vor zwei Wochen Kaliumsulfat gestreut.

Mittlerweile ist es mit dem Regen der letzten Zeit oberflächlich in den Boden eingesickert. Ein hoffentlich feuchter Winter würde das im Boden schwer bewegliche Kalium rechtzeitig bis zum nächsten Frühjahr in den Hauptwurzelbereich der Reben bringen.

In ein paar Jahren werden wir erneut Bodenproben analysieren lassen, um die Wirksamkeit dieser Düngung zu überprüfen und das weitere Vorgehen planen zu können. Bis dahin haben wir selbstverständlich auch ein Auge auf unsere Reben, die uns mit ihrer Vitalität natürlich auch darüber Auskunft geben, ob sie ausgewogen mit Nährstoffen versorgt sind.

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Thema: Reben und ihre Pflege

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2 Kommentare

  1. 1
    erwin 

    Da ich mich unlängst ins Buch „Weinbau“ vom Agrarverlag eingelesen habe, steht nun das Lebewesen „Weinrebe“ durchaus respektvoll vor meinem inneren Auge – einfach toll, wie die Natur (oder wer auch immer es war) für diese selbstorganisierenden Austauschprozesse gesorgt hat. Und umso beeindruckender, wie im Zuge der Monokultur dieser Pflanze der Mensch (als Winzer) diese Prozesse mit Bedacht auf Nachhaltigkeit moduliert. Allerdings muss ich auch mit Sorge daran denken, was bei der kleinteiligen Parzellierung in Mörbisch wohl passieren mag, wenn der unmittelbare Grundstücksnachbar nicht den nötigen Kunstverstand besitzt. Das sowohl mit (zuviel) Nähr- als auch Schadstoffen belastete Grundwasser wird sich leider nicht an die Grundgrenzen halten…..
    LG: Erwin

  2. 2
    bf 

    Hallo Erwin!

    In Sachen Grundwasserbelastung ist Kalium, da relativ schwer beweglich, kein wirkliches Problem. Gefährlicher ist da schon der Stickstoff („Nitrat“), aber der wird im Weinbau wenn überhaupt nur in sehr geringen Mengen ausgebracht. Schließlich fördert er primär das Triebwachstum und den Ertrag.

    Davon abgesehen kannst du davon ausgehen, daß die meisten der wenigen, die nicht den nötigen „Kunstverstand“ besitzen heutzutage allein aus Kostengründen nicht (mehr) düngen.

    Schließlich produzieren die primär einfachste Qualitäten und in diesem (Preis)Segment lohnt sich eine Düngung heutzutage kaum noch.

    Im Vergleich zu Mais und Getreide ist der Weinbau in Sachen Düngung und Herbizideinsatz völlig harmlos, auch wenn es natürlich auch in diesen Sparten kontrollierte Grenzwerte gibt.

    Grüße

    Bernhard

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