Bezeichnungschaos

Mittwoch, 20. Juli 2011 |  Autor:

Prowein 2008

Die österreichischen Weinetiketten gelten – nach oder gemeinsam mit den deutschen – als die kompliziertesten der Welt. Theoretisch liefern sie sehr viele Informationen, die aber in der Praxis mangels Kenntnis der Bestimmungen z.B für bestimmte Prädikatsstufen oder Herkünfte bei den allerwenigsten Konsumenten wirklich ankommen.

Aus diesem Grund sind sehr viele heimische Weinbauern in den letzten Jahren dazu übergegangen, im Rahmen des weingesetzlich Möglichen auf all zu verwirrende Angaben zu verzichten.

So wird z. B.  die Qualitätsstufe „Kabinett“ heute kaum noch verwendet und die allermeisten nicht süßen Weine werden als „Qualitätswein“ etikettiert. Die Prädikatsweinstufen „Spätlese“ und „Auslese“, die auch trocken ausgebaut werden können, findet man heutzutage hingegen der Erwartungshaltung der meisten Weintrinker folgend praktisch nur noch bei süßen Weinen.

Bei den Herkunftsbezeichnungen verzichten speziell im Burgenland viele Weinbauern seit Jahren auf die zum Teil wenig profilierten Gebietsnamen wie „Neusiedlersee-Hügelland“ und schreiben stattdessen „Burgenland“ aufs Etikett. Und anders als in Deutschland fällt den Winzern auch der Verzicht auf Lagenangaben bei einfacheren Qualitäten nicht wirklich schwer.

Auf diese Weise lassen sich recht klar strukturierte und dennoch aussagekräftige Weinbezeichnungen zimmern. Mit Produzent, Rebsorte, Jahrgang und Gebiet stehen meist (nur) vier Elemente klar im Vordergrund, und wer nähere Infos darüber haben möchte, wie der Wein einzustufen ist, erhält diese im Kleingedruckten (z.B. via Alkoholgehalt und Restzuckerangabe) oder über den Preis.

DAC in Theorie und Praxis

Entsprechende Aufklärungsarbeit vorausgesetzt, könnten klar definierte Herkunfts-DAC-Weine die heimischen Etiketten sogar noch leichter verständlich machen, ohne dass diese an Informationsgehalt einbüßen würden. Sind bei diesen Weinen doch Herkunft, Weinsorte(n) und Stil in den Namen des Gebietes verpackt.

Bis dahin ist es aber wohl noch ein sehr weiter Weg, wenn anno 2011 nicht nur private Weintrinker, sonder auch professionelle Weinautoren und die Weinbauern selbst nicht in der Lage sind, die Bezeichnung (und damit den Sinn) von DAC-Weinen korrekt wiederzugeben.

Immer wieder finden sich Angaben wie z.B. Blaufränkisch LB 2008, denen man nur über den Umweg ins Kleingedruckte entnehmen kann, dass „LB“ für „Leithaberg DAC“ und damit für einen ziemlich genau definierten Stil-, Qualitäts- und Preisbereich steht. Vom Anspruch dieser Weine, die Typizität der Region zur Haupt- und die Rebsorte zur Nebensache zu machen, gar nicht zu reden…

Manchmal wird bei den Herkunftsweinen immer noch der wichtigste Bestandteil ihrer Bezeichnung – das Herkunftsgebiet – nicht nur bis zur Unkenntlichkeit abgekürzt, sondern sogar überhaupt weggelassen und das Kürzel „DAC“ völlig sinnentleert an die Sortenbezeichnung gehängt.

Weinbezeichnungsungetümsmonstrosität

Aber nicht nur gekappte Weinnamen sind schwer zu interpretieren, sondern auch bis zur Unkenntlichkeit aufgeblasene Bezeichnungsmonster, wie sie in manchen heimischen Regionen mittlerweile Usus sind.

Als ob die ohnehin schon relativ umfangreichen gesetzlichen (DAC) Bezeichnungsvorschriften in diesen Gebieten nicht schon verwirrend genug wären, druckt man gerne auch noch mehrere zusätzliche Weinbezeichnungen auf Etiketten und/oder in Weinpublikationen.

Dabei helfen Otto Normalweintrinker die zahlreichen Fachwörter kaum weiter, und für den Weinfreak würden sie es wohl auch (wenn überhaupt) im Kleingedruckten tun. Oder halten Sie folgende Weinbezeichnung wirklich für sinnvoll?

Kamptal DAC Reserve Riesling Zöbinger Heiligenstein Alte Reben Erste ÖTW Lage

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Thema: Verkauf und Marketing

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