Rituale

Sonntag, 14. August 2011 |  Autor:

Zweigelt

Trotz aller meist wetterbedingten Unterschiede läuft jeder Weinjahrgang natürlich nach dem gleichen Muster ab. Dabei haben manche Arbeiten des Weinbauern einen besonders hohen Symbolcharakter, und weil sie oft auch nach vorgegebenen Regeln und formell ablaufen, kann man durchaus von Ritualen sprechen.

Das Einwintern und Verstauen von Laubschneider und Pflanzenschutzgerät in den letzten Tagen zählt zum Beispiel zweifellos dazu. Beide müssen dafür sorgfältig gereinigt und gewartet werden, und diese Prozedur signalisiert Jahr für Jahr das Ende des Triebwachstums und den Beginn der letzten Vegetationsphase im Weingarten, der Traubenreife.

Auch die Vorbereitung der Weinlese folgt natürlich einem Ritual. Ganz besonders kommt das für mich zum Ausdruck, wenn mein Vater (oft am Sonntag vor dem montäglichen Erntebeginn) die Lesescheren für unsere Erntehelfer auspackt und in Schuß bringt.

Das Ende der Weinlese hingegen hat seinen rituellen Charakter weitgehend verloren. Wurde früher meist durchgearbeitet bis alle Weingärten geerntet waren, gibt es heute zum Teil wochenlange Pausen. Am Ende der Lese ist deshalb der Großteil der Erntehelfer, mit denen früher richtig „Leikauf“ gefeiert wurde gar nicht mehr dabei, und die erstgelesenen Trauben sind längst schon zu Jungweinen vergoren.

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Thema: Kunterbunte Weinwelt

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