Winterzeit ist Weiterbildungszeit (2)

Sonntag, 27. Januar 2008 |  Autor:

V. Weinakademie-Winzerkonferenz

Die Marke? Die Rebsorte? Die Herkunft?
Weinmarketing im 21. Jahrhundert

Nach der ÖWM wendet sich auch deren Tochtergesellschaft, die Weinakademie Österreich, mit einer Weiterbildungsveranstaltung an die Weinbauernschaft. Für ihre „Winzerkonferenz“ nützt sie ihre guten Kontakte zur internationalen Weinszene und greift aktuelle Themen der Weinwirtschaft auf.

Nach der Bedeutung von Sortenverschnitten und den Themen „Terroir“, „Weinverschlüsse“ und „Biologisch(-dynamisch)er Weinbau“ drehte sich heuer alles um Weinvermarktungs- bzw. -bezeichnungsstrategien.

Nach einer Einleitung zum Thema von Joana Locke, der Vorsitzenden des Institute of Masters of Wine präsentierte Marian Kopp (hier als 1,19 MB-pdf), mit welchen Methoden sein Arbeitgeber, die große deutsche Weinhandelsfirma Racke für die Einführung der neuen Weinmarke „Espiritu de Chile“ das Weinland Chile als Marke positioneren möchte.

Dabei wird nichts dem Zufall überlassen, um den Supermarktweinkunden der Welt eine (mir zu) perfekte Illusion von Chile zu präsentieren und zu verkaufen.

Anschließend informierte Wolfgang Banovits von der australischen Weinwerbung (hier als 1 MB-pdf) über die neuen Marketing-Strategien der australischen Weinwirtschaft. Die sind unter anderem davon geprägt, dass man mittelfristig eher mit einem (australischen) Weinmangel rechnet und nicht mit einem Überschuß wie noch vor wenigen Jahren. Mit einer stärkeren Bewerbung der einzelnen australischen Herkunftsgebiete will man diesen mehr Profil geben und die ambitionierteren Weinkonsumenten zum Kauf höherpreisiger Herkunfts-Weine verführen.

Nach Australia folgte Austria mit einem Vortrag von ÖWM-Chef Willi Klinger über seine Sicht der Dinge. Wie schon auf dem Marketingtag der ÖWM plädierte Klinger für eine stärkere Rolle der Herkunft bei der Vermarktung des österreichischen Weines. Anders als seine Vorgänger in der ÖWM hält er diese Stärkung auch ohne die Einführung von DAC-Weinen in allen Weinbaugebieten für grundsätzlich möglich. Deshalb beobachtet und begleitet er die verschiedenen Initiativen und Diskussionen in den einzelnen Weinbaugebieten eher, als dass er versucht, von „oben“ Druck auszuüben.

Liz Stich von Cumulus Wines aus Australien brach dagegen eine Lanze für das Rebsortenmarketing und Norbert Reinisch von Braida im Piemont unterstützte ihren herkunftsmarketing-kritischen Vortrag damit, dass er Insider-Infos über die typisch italienische Handhabung der DOC-Bestimmungen im Piemont zum besten gab.

Nach diesen und einigen weiteren Referaten gab es eine Podiumsdiskussion mit einigen interessanten Wortspenden, aber keinen bahnbrechend neuen Erkenntnissen:

Regionaltypische Rebsorten haben in der Vermarktung ihre Tücken, aber auch ihre Vorteile. Internationale Sorten wie Cabernet und Chardonnay ebenso. Herkünfte sind als Aufhänger für die Weinvermarktung im Gegensatz zu den Rebsorten zwar unverwechselbar, aber in vielen Fällen auch schwieriger zu transportieren und für viele Konsumenten zu kompliziert. Kleine Weingüter/Regionen/Länder haben andere Chancen/Probleme als große. Im Supermarkt zählen andere Kriterien als in der (Spitzen)Gastronomie. Eine große Weinvielfalt ist kompliziert und mühsam zu bewerben, kann aber für bestimmte Märkte und Konsumentengruppen ein großer Gewinn sein…

Wie bei der Weinbereitung gibt es also offenbar auch bei der Vermarktung kein allgemeingültiges Rezept 😉

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Thema: Kunterbunte Weinwelt

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4 Kommentare

  1. 1
    aNdi 

    hallo bernhard !

    War diese Veranstaltung nur für Weinbauern, in der Weinbranche tätige Personen od. besteht auch die Möglichkeit sagen wir mal so als „sehr privat interessierte Weinliebhaber“ daran teilzunehmen.

    Sind das Vortbildungsseminare die von der Landesregierung, OEWM subventioniert werden ?!?!
    Danke für jede Info im Voraus

    aNdi

  2. 2
    bf 

    Hallo Andi!

    Auch wenn sie primär für „Profis“ gedacht ist (und aus diesem Grund auch in dem einen oder anderen Fall etwas mehr Klartext gesprochen wird), handelt es sich bei der Winzerkonferenz meines Wissens nicht grundsätzlich um eine „geschlossene“ Veranstaltung.

    So sind z.B. auch alle Weinakademiker dazu eingeladen worden, und da sind gar nicht so wenige „sehr privat interessierte Weinliebhaber“ darunter. Und von denen waren heuer auffallend viele bei der Konferenz dabei.

    Soweit ich weiß, ist (war) die Veranstaltung nicht grundsätzlich subventioniert, sondern mit 150 Euro inkl. Mittagessen durchaus kostendeckend bepreist (wie fast alle Veranstaltungen der Weinakademie).

    Weinakademiker erhalten aber einen kleinen Rabatt, und je nach Bundesland gibt es für Winzer Möglichkeiten sich individuell die Teilnahme fördern zu lassen. Die Weinakademie weist zwar darauf hin, um die Förderabwicklung muß sich aber jeder selbst kümmern.

    Bei ernsthaftem Interesse würde ich dir empfehlen, im November oder Dezember mit der Weinakademie Kontakt aufzunehmen, ob eine Teilnahme für dich möglich ist und um welches Thema es überhaupt 2009 gehen wird.

    Grüße

    Bernhard

  3. 3
    aNdi 

    Ok, danke für die Info.
    Zur Info: Am 4. Feber ist auch eine Konferenz soweit ich weiß in Groß Wiesendorf bzw. Groß Weikersdorf – hab ich auf der Uni gesehen. Referenten sind Eder, Steidl, Kromp-Kolb, Klinger, Redl und ich glaub ein Prof. aus Geissenheim. (Die üblichen Verdächten halt 🙂 ), aber davon weißt du sicher auch schon bescheid.

  4. 4
    bf 

    Hallo Andi!

    Du meinst sicher den Großriedenthaler Weinbautag, einer schon traditionellen, durchaus gut gemachten überregionalen Veranstaltung eines einzelnen Ortsweinbauvereines.

    Wie du richtig schreibst, tragen dort die üblichen Verdächtigen vor, und zwar in den meisten Fällen das übliche Verdächtige 😮 . Allein der Vortrag DER heimischen Klimaforscherin Kromp-Kolb wäre zweifellos trotzdem eine Reise wert, aber unser Beratungs-Verein Vinology hat sie bzw. einen ihrer Kollegen bereits vor knapp einem Jahr für einen Vortrag zum selben Thema engagiert.

    Der damalige Vortrag war wahrscheinlich burgenlandspezifischer und so viel Neues hat sich seither wohl auch nicht zugetragen, dass sich der weite Weg nach Großriedenthal lohnen würde.

    Grüße

    Bernhard

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