Blindverkoster sind auch nur Menschen (14)

Mittwoch, 12. Dezember 2012 |  Autor:

Foto: steve.haider.com

Auch die geübtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewußt, dass irren zum Menschsein dazugehört und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleingültige Meinung geben kann.

Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, und Artikel, die darüber berichten zählen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:

Nicht neu, aber immer wieder spannend – und selten so pointiert formuliert – ist die Erkenntnis, dass überbordende, in geradezu absurde Details gehende Aromabeschreibungen relativ wenig mit aussagekräftiger, nachvollziehbarer Weinsprache zu tun haben.

Coco Krumme hat hier (in Englisch) sogar einen Zusammenhang zwischen dem Weinpreis und der weitgehend sinnlosen Detailverliebtheit vieler journalistischer Weinbeschreibungen gefunden. Teure Weine, so schreibt er, werden eher mit „dunklen“ Wörtern wie „intensiv“, „samtig“ oder „rauchig“ versehen und eher mit einzelnen Aromen wie „Tabak“ oder „Schokolade“ beschrieben anstatt nur als „fruchtig“ oder „sauber“ wie billigere Weine.

Für höherpreisige Tropfen werden außerdem gerne exklusiv klingende Wörter verwendet, anstatt einfach beschreibende Ausdrücke. Also „elegant“ oder „Cuvée“ statt „erfrischend“ oder „Genuss“. Und sie werden in den Degustationsnotizen auch nicht zu „Pizza“ oder „Hühnchen“ empfohlen, sondern zu „Meeresfrüchten“ und anderen exklusiven Gerichten.

Am Ende heißt es: „Critics have gone too far, leaving us with a bag of adjectives that say a lot about price, and almost nothing about flavor.“ (Gefunden dank Geralds Hinweis im Weinforum.)

Obwohl Schnutentunker Felix aufgrund anderer Beobachtungen zum Schluß kommt, dass die Weinkritik an Bedeutung verliert, passen viele seiner Gedanken auch dazu.

Jene, die meinen, Qualität sei meßbar und sie hätten die sensorischen Fähigkeiten dazu verlieren an Bedeutung, schreibt er. Und er hofft in seinem lesenswerten Beitrag, dass künftig verstärkt derjenige gehört wird, der auf ansteckende Art und Weise Gründe für seine Begeisterung liefert und nicht, wer am schneidigsten Verkosterfähigkeiten proklamiert oder Deutungshoheit beansprucht.

Wäre schön, wenn er recht behalten würde.

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Thema: Wein-Medien-News

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