Ich kann es nicht mehr hören!

Freitag, 22. März 2013 |  Autor:

Vor einigen Jahren durfte ich meine Weine bei einer Veranstaltung in Wien präsentieren und stellte angesichts der limitierten Anzahl ganz paritätisch je zwei trockene Weißweine, zwei Rote und einen Süßwein vor. Als eine Dame die Weißen erblickte, zeigte sie sie sich mehr als verwundert und fragte erstaunt: „Sie haben auch Weißweine im Burgenland?“. Ich bejahte das selbstverständlich (ebenso verwundert über ihre Frage), worauf sie ernsthaft meinte: „Seit wann?“

Natürlich ist so etwas selten und harmlos, weil „normale“ Weinkonsumenten nicht verpflichtet sind, sich (womöglich auch noch gegen den Medienmainstream) Weinkenntnisse anzueignen. Ärgerlich wird es allerdings, wenn Weininteressierte oder gar Berufskollegen aus anderen Regionen uns burgenländischen Weinbauern zwar nicht den Weißwein generell, aber relativ häufig die Rebsorte Grüner Veltliner absprechen wollen.

Der Grüne ist eine niederösterreichische Sorte tönt es gar nicht so selten. Er gehört nicht ins Burgenland und hat dort auch keinerlei Tradition. Und außerdem schmeckt er von dort nicht…

Ich kann es nicht mehr hören!

Trotz deutlichem Flächenrückgang war der Grüne Veltliner 2009 (jüngere Zahlen stehen mir leider nicht zur Verfügung, aber dem allgemeinen Trend folgend dürfte sich die Fläche halbwegs stabilisiert haben) immer noch die meistangepflanzte burgenländische Weißweinsorte. Mit fast 1500 Hektar (d.h. 11% der Gesamtfläche) gibt es bei uns rund 3,5 Mal soviel Veltliner wie im Traisental, doppelt so viel wie in der Wachau, mehr als im Kremstal oder am Wagram und nicht sehr viel weniger als im Kamptal.

Dabei ist er (bei aller Flächenzunahme in den 1960ern und 70ern, wie übrigens auch in Niederösterreich) keineswegs neu, sondern schon in hundertjährigen und älteren Aufzeichnungen – mitunter unter dem Mundart-Synonym Grüner Muskateller – zu finden. Und sein für ausgestorben gehaltener zweiter Elternteil wurde vor ein paar Jahren ausgerechnet bei Eisenstadt wiederentdeckt.

Natürlich landet der Grüne Veltliner im Burgenland häufig in einfachsten Alltagsweinen, im G´spritzen oder er findet gar als Traubensaft Verwendung. Als klassisches Arbeitspferd unter den Rebsorten tut er das aber in fast allen anderen Weinbaugebieten auch.

Jener kleine Teil aber, der als burgenländischer Qualitätswein in der Bouteille landet, kann sich häufig durchaus sehen lassen. Meist als leichter, dabei aber nicht unreif wirkender Sommerwein, gelegentlich, dort wo die Lage paßt, aber auch als ausdrucksstarker Lagerwein.

Selbst diese Weine werden aber mitunter niedergemacht, und wenn sich schon ihre Qualität nicht bestreiten läßt, dann zumindest als „untypisch“ abqualifiziert. Dabei wäre es doch eigentlich schlimm, wenn Veltliner trotz aller Klima- und Bodenunterschiede im Burgenland genauso schmecken würde wie in Niederösterreich.

Zumal das Aroma mancher von solchen Leuten als „typisch“ angesehener Weine mehr mit Sauvignon blanc oder Scheurebe zu tun hat, als mit Grünem Veltliner…

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Thema: Kunterbunte Weinwelt

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3 Kommentare

  1. 1
    Gerald 

    Hallo Bernhard,
    ich kann deinen Unmut schon verstehen. Nur für den „normalen“ (auch durchaus ambitionierten) Weinfreund definiert sich eine Region doch vor allem durch seine Spitzen. Und die liegen im Burgenland vermutlich eher bei Rot- und Prädikatsweinen. Und wenn weiß, dann bekommen die Chardonnays wohl die meiste Aufmerksamkeit, oder? In Niederösterreich hingegen wären es eben Veltliner und Riesling.
    Im übrigen könnte doch gerade eure Region dem Veltliner als „typisch burgenländischer“ Rebsorte zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, wenn z.B. ein Leithaberg DAC weiß reinsortig daraus produziert würde. Das machen aber nur sehr wenige Weingüter, oder?
    Grüße,
    Gerald

  2. 2
    bf 

    Hallo Gerald,

    es ist mir schon klar, dass interessierte Konsumenten vorwiegend den niederösterreichischen Veltliner wahrnehmen. Das ist auch in Ordnung so. Was man allerdings immer wieder, auch und gerade von Leuten, die es besser wissen müßten pauschal über den burgenländischen Weißen und speziell den Veltliner zu hören bekommt geht weit darüber hinaus.

    Das hat in etwa die Qualität von „In Niederösterreich hat der Rote, der Zweigelt keine Tradition und er gehört dort auch gar nicht hin. Es ist dort einfach zu kalt für Rotwein, der Boden paßt nicht, die Winzer haben keine Ahnung davon, der schmeckt gar nicht nach Zweigelt, die sollen nur brav ihren Weißwein machen, aber vom Roten die Finger lassen,…“

    Ich denke, du kennst durchaus brauchbare Gegenbeispiele, und von der Rotweintradition des Pulkautales, der Thermenregion, etc. wollen wir gar nicht reden.

    Was den Veltliner als eine der Sorten für Leithaberg Weiß betrifft, so sind es tatsächlich nur wenige. Ein ganz klein wenig hat das sicher auch damit zu tun, dass man es sich bei einem ohnehin schon etwas „komplizierteren“ Weintyp vielleicht auf dem Markt nicht noch schwieriger machen möchte. Leithaberg Weiß ist kein GV Smaragd und will und soll das auch gar nicht sein. Verglichen wird er allerdings trotzdem damit…

    Grüße

    Bernhard

  1. […] verstehe ich gut den Unmut von Bernhard Fiedler, der einen sehr netten Artikel über einen Zwischenfall bei einer Weinverkostung schreibt. Ich […]

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