Dicke Luft

Samstag, 27. September 2008 |  Autor:

Neben Alkohol und Wärme entsteht bei der alkoholischen Gärung auch jede Menge CO2 (vulgo „Kohlensäure“) als Nebenprodukt. Dieses „Gärgas“ ist zwar nicht giftig, kann aber trotzdem tödlich sein, weil es im Extremfall jeglichen Sauerstoff aus dem Keller verdrängt.

An und für sich ist unser Keller in dieser Hinsicht relativ unproblematisch. Er liegt zwar tatsächlich unter der Erde, was den „natülichen“ Abzug des CO2 verhindert, weil dieses schwerer ist, als Luft und sich am Boden sammelt.

Aber er hat ein großes Einfahrtstor mit einer Rampe, das normalerweise gemeinsam mit mehreren Lüftungsschächten und den ständig laufenden Ventilatoren für ein vertretbares Arbeitsklima sorgt.

Heuer stößt unsere Entlüftung aber an ihre Grenzen. Das kühle Wetter und die große Erntemannschaft in der vergangenen Woche haben dazu geführt, das anders als sonst beinahe alle Tanks und Fässer gleichzeitig gären. Und damit man sich einmal vorstellen kann, was sich dabei so tut, habe ich folgende Rechnung angestellt:

Im Moment befinden sich etwa 30.000 Liter Most in unserem Keller in der Hauptgärphase.

Pro Liter Most entstehen bei der Gärung (abhängig von Zuckergehalt) etwa 50 Liter (!) CO2, das macht insgesamt 1.500.000 Liter!

Eine Durchschnittliche (Haupt-)Gärung dauert etwa 10 Tage, sodass im Moment in unserem Keller pro Tag rund 150.000 Liter, pro Stunde etwa 6250 Liter bzw. pro Minute ca. 104 Liter CO2 oben aus Tanks und Fässern blubbern.

Hält man sich das einmal vor Augen – 1,7 Liter CO2-Gärgas pro Sekunde in einem mittelgroßen Weinkeller – kann man schon verstehen, warum es leider immer wieder Gärgasunfälle gibt.

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Thema: Lese 2008

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5 Kommentare

  1. 1
    winefine 

    Hallo ich glaube da ist ein kleiner Fehler im System:

    etwa 200g Zucker pro liter werden in ca. 96 g/l Alkohol umgewandelt. es werden also etwa 104 g/l dem Saft/Wein entzogen, ein kleiner Teil als organisches Material (Hefe) der große Teil als CO2. Sagen wir mal es könnten 80g/l CO2 sein. Bei etwa 42 Liter Gas pro Gramm sind das dann 3360 Liter Gas pro Liter Wein. Mal 30000 sind das dann um die 100 Millionen Liter CO2 insgeamt durch 10 Tage sind 10 Millionen Liter am Tag sind 7000 l pro Minute, sind 116 Liter pro Sekunde.

    Grüße

  2. 2
    bf 

    Die Stöchiometrie habe ich seit meiner Schulzeit schon ziemlich vergessen, aber wie auch immer man darauf kommt, die Zahl von rund 50 Liter CO2 pro Liter Most ist mir in Erinnerung geblieben.

    Auf die Schnelle habe ich auch diese Quelle ergoogelt, die meine Rechnung unterstützt. Darin heißt es u.a. dies bedeutet, dass aus 1000 Liter Most ( 80° Oechle) 45-50 m³ CO 2 entstehen wobei die 80°Oechsle (rund 16° KMW) relativ niedrig angesiedelt sind.

    Da 1000 Liter ein Kubikmeter sind, bedeutet diese Aussage, das bei der alkoholischen Gärung rund die 50fache Menge an CO2 entsteht.

    Grüße

    Bernhard Fiedler

  3. 3
    Iris 

    Egal, wieviel es genau sind, es ist auf jeden Fall eine Menge… und wie Du schon ausführst, eine gute Lüftung ist unabdingbar. Leider passieren ja auch immer wiede Unfälle (meist eben mit tödlichem Ausgang), weil ein Winzer, vor allem beim Leeren eines Tanks, hineinsteigt und die verbleibende Menge unterschätzt hat. Wir haben vor zwei Jahren wieder einen Kollegen in der Region dadurch verloren – und es sind nicht unbedingt die Berufsanfänger, denen das passiert….

  4. 4
    Michael Pronay 

    Jessas Bernhard, dass Du uns ja erhalten bleibst!

  5. 5
    Gerald 

    Bernhard hat schon recht.

    1 Mol Glucose (180 g) ergeben theoretisch 2 Mol Ethanol (88 g) und 2 Mol CO2 (92 g). Aus 200 g pro Liter Glucose entstehen also 2,2 Mol CO2, das sind bei 15 °C ca. 52,5 Liter. Multipliziert mit 30.000 (Litern) und dividiert durch 10*86400 (Sekunden pro 10 Tage) ergibt das ca. 1,82 Liter CO2 pro Sekunde.

    Grüße,
    Gerald

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