Lesespekulationen

Montag, 6. August 2018 |  Autor:

Wie immer um diese Jahreszeit gibt es unter den Weinbauern derzeit nur ein Thema: Wann beginnst du mit der Weinlese?

Sommerlochgeplagte Medien greifen das in einem rekordverdächtigen Jahr wie heuer besonders dankbar auf. Die früheste Weinlese aller Zeiten, hört und liest man. Mitte August geht es los, nicht nur für Sturm, auch für Qualitätsweine.

Mag sein, dass die Entwicklung der Trauben anderswo tatsächlich so rekordverdächtig ist, bei uns brauchen selbst die Frühsorten noch ein bisschen.

Für unseren feingliedrigen Weißweinstil ernte ich zwar gerne früh, aber wenn ich meine ersten Reifemessungen mit anderen Jahren vergleiche und die Entwicklung der nächsten Wochen hochrechne, werden wir wohl nicht vor dem 27. August beginnen. Das wäre immer noch sehr früh, allerdings kein Rekord, sondern vergleichbar mit 2007.

Sollte es am kommenden Wochenende nicht regnen, lesen wir vielleicht schon nächste Woche vorab die Trauben einer Junganlage, um die Stöcke zu entlasten. Bis zum Beginn der aktuellen Hitzewelle hatten wir zwar nicht besonders viel, aber genug Feuchtigkeit, doch jetzt zeigen die ganz jungen Reben erste Symptome von Trockenstress.

Den älteren Weingärten würde ein Regen auch gut tun, aber sie stehen immer noch sehr schön da und wir erwarten eine qualitativ und quantitativ gute Ernte. Wie gut verrate ich sobald die Trauben im Keller sind. Sollen andere jetzt schon darüber spekulieren.

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Thema: Reben und ihre Pflege

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2 Kommentare

  1. 1
    Mark 

    Wie immer, toller und informativer Artikel.
    Frage; wie erkennst du den Trockenstress an Reben?

  2. 2
    bf 

    Herzlichen Dank! Ich bitte um Entschuldigung fürs späte Antworten.

    Bei Trockenstress stellen die Reben zuerst das Trieb- und Traubenwachstum ein. Später wird das Laub heller, zuerst die älteren, untersten Blätter, später alle Blätter gelb und noch später beginnen die Blätter einzutrocknen.

    Die Trauben zeigen nur eine Notreife, d.h. sie werden zwar vielleicht noch weich, haben aber wenig Zucker, Säure und Aroma.

    Je mehr Blätter fehlen und je mehr Trauben Kraft aus dem Stock ziehen umso stärker leidet die Holzreife der Triebe, sie verholzen nicht, bleiben grün und vertrocknen/erfrieren im Winter. Damit leidet die Winterhärte und der Austrieb fürs nächste Jahr und der ganze Stock in seiner Lebensdauer.

    Herzliche Grüße

    Bernhard Fiedler

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