Nachlese

Samstag, 29. September 2018 |  Autor:

Gestern haben wir mit einer Spätlese vom Welschriesling und einer Auslese von Traminer und Welschriesling die Ernte 2018 beendet. Damit ist der Jahrgang komplett, vom leichten Veltliner der Vorlese am 16. August über mittelgewichtigen Muskat, gehaltvollen Pinot blanc, kräftigen Chardonnay, dichten Zweigelt, Blaufränkisch und Cabernet der Haupternte bis zum Süßwein.

Zeit für ein paar Gedanken zum Jahrgang:

2018 war vor allem geprägt von den überdurchschnittlichen Temperaturen ab April und der (bei uns zum Glück erst ab Ende Juli spürbaren) Trockenheit. Folge davon war eine sehr früh einsetzende Traubenreife und ein entsprechend früher Lesebeginn.

Diese Entwicklung ist zwar nicht das, was wir uns wünschen, aber nach den Erfahrungen der letzten 25 Jahre können wir damit eigentlich recht gut umgehen. So außergewöhnlich wie manche Berichte suggerierten ist eine Ernte im August in unseren Breiten (leider) nicht mehr.

Trotzdem war ich im heurigen Sommer so nervös wie selten. Hatten wir doch im winterlichen März, der auf einen normalen Jahrgangsverlauf hoffen ließ, einen Urlaub in der letzten Augustwoche gebucht. Erst die letzten Reifemessungen vor der Abreise, die auf eine etwas verlangsamte Endreife hindeuteten und eine kleine Vorlese am 16. August brachten etwas Entspannung, sodass es mir sogar gelang, den Urlaub zu genießen.

Ab 27. August ging es dann mit verstärkter Mannschaft los, und schon am ersten Tag war klar, dass es ein großer Jahrgang werden würde. Kaum jemand hatte nach dem Witterungsverlauf mit einer überdurchschnittlichen Erntemenge gerechnet, denn Trockenheit und Hitze füllen normalerweise nicht den Keller. Dementsprechend überrascht waren wir von der bemerkenswert hohen Menge an Trauben bei fast allen Sorten.

Dort wo wir Dichte und Kraft anstreben liegen die Erträge zum Glück aber auch heuer noch auf einem Niveau, das diesem Ziel nicht entgegen steht. Und dort wo es leicht und erfrischend sein soll, mindern große Erntemengen die Qualität nicht so schnell. Sie können sogar helfen, die Zuckereinlagerung in die Trauben ein wenig zu verzögern, damit man sie nicht zu früh, aromatisch unreif, ernten muss.

Qualitativ dürfte der Jahrgang (natürlich nicht wegen, eher schon trotz der großen Menge) ein sehr guter werden. Kein absolutes Spitzenjahr, insbesondere bei den Weißweinen, aber das war nach dem Sommer auch nicht zu erwarten. Erfahrungsgemäß haben die Roten in solchen Jahren die Nase vorne, wie gut sie werden, lässt sich aber auch von Jungweinprofis noch nicht seriös beurteilen.

Abgesehen von der besonders in einem Weingarten stark aufgetretenen Traubenwelke beim Zweigelt waren die Trauben sehr gesund. Erst nach dem Regen mitten in der Lese zeigten sich einzelne Fäulnisnester, die sich aber recht gut aussortieren ließen. Aroma, Geschmack und Tannin bei den Rotweinsorten sind ausgereift und vielversprechend.

Typisch für heiße Jahre war der Zuckergehalt der Trauben relativ hoch. Dank ausreichend früher Ernte trotz des Augusturlaubs (und ein wenig wohl auch wegen der Erntemenge) bewegen sich die Alkoholgehalte unserer 2018er aber in einem normalen, gut verträglichen Rahmen.

Die Säurewerte sind auf dem erwartet niedrigen Niveau, aber trotzdem wirken die meisten Weißweine nicht breit oder unharmonisch. Bei einigen wenigen Chargen habe ich von der für heuer zugelassenen Möglichkeit Gebrauch gemacht, dem Most Weinsäure zuzugeben. Das ist sozusagen das Pendant zur Aufbesserung mit Zucker und wie diese kein Wundermittel, aber ein Verfahren, dass in geringem Umfang helfen kann, wenn Aroma- und Säurereife witterungsbedingt zu weit auseinanderklaffen.

Durch den Klimawandel werden die Jahre, in denen die Trauben auch bei später Ernte und guter Aromareife (zu) wenig Zucker enthalten immer seltener. Die Aufbesserung, zu der ich bei allen Einschränkungen z.B. hier immer gestanden bin, verliert dadurch an Bedeutung. Dafür müssen wir aber immer öfter mit Hitzejahren wie 2018 umgehen und der geringfügige Zusatz von Weinsäure kann dabei manchmal helfen. Bei Gelegenheit werde ich auch meine Serie „Der gläserne Wein“ dementsprechend ergänzen.

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Thema: Lese 2018

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