Tänzelnde Leichtigkeit

Samstag, 6. Juni 2020

Foto: Sascha Radke/Eventpress

Es gibt unter den Weinfreaks im Internet viele, die alles besser wissen. Und manche, die es gerne besser wissen möchten. Letztere nehmen auch Erklärungen von der „falschen“ Seite an, setzen sich damit sachlich auseinander und sind bereit, ihr Weinweltbild zu erweitern. Die Besten besitzen außerdem eine Portion Selbstironie die sie davor bewahrt, ihre eigene Sichtweise zu ernst zu nehmen.

Felix Bodmann ist einer von diesen wenigen und ich kenne ihn schon seit der Zeit, als er noch als privater Weinfreund in diversen Weinforen unterwegs war. Mittlerweile ist er eine fixe Größe in der Weinwelt. Als „Schnutentunker“ bloggt er regelmäßig, er betreibt eine Web-Weinschule, schreibt für Weinmagazine, ist Juror bei Weinwettbewerben und macht einen Wein-Podcast mit dem Titel „Blindflug“.

In dessen aktueller Ausgabe beschreibt Felix recht schön wie und woher er sein Wissen über die Weinherstellung hat und dabei spielt mein Blog auch eine gewisse Rolle (ab 11.40):

Mindestens genauso wie über das Lob für meine Texte freue ich mich über die Einschätzung meines Cabernet Sauvignon 2005, den ich ihm ausgesucht habe, nachdem er mich um eine Flasche Cabernet für den Podcast gebeten hatte. „Gerne auch ein nicht aktueller Jahrgang“, hatte er geschrieben.

Besonders spannend finde ich die „tänzelnde Leichtigkeit“, die er darin findet – ausgerechnet in meinem kräftigsten, am stärksten vom Ausbau in Barriques beeinflussten Wein! Die meisten Weinbauern würden sich darüber wohl ärgern oder zumindest den Kopf schütteln ob dieser Missachtung der eigenen Anstrengungen, so viel wie möglich in die Flasche zu packen. Mich hingegen freut es sehr, dass mein Cabernet mit Leichtigkeit tänzelt.

Zugegeben, das war nicht immer so. In den Anfangsjahren meiner Kellermeistertätigkeit habe ich immer wieder versucht, unsere (Rot-)Weine wuchtiger, üppiger und spektakulärer zu vinifizieren.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Zweigelt-Charge die wir auf mein Drängen hin bewusst nahe an der Überreife gelesen haben und die einen dementsprechend hohen Alkoholgehalt hatte. Dazu kamen dann zusätzlich noch viele der bekannten Möglichkeiten um den Wein fetter zu machen: Saftabzug von der Maische vor der Gärung, hohe Gärtemperatur für besonders intensive Extraktion, neue Barriques aus der süßlicher wirkenden amerikanischen Eiche, Enzyme zur Extraktion von fülleverleihenden Mannoproteinen aus dem Hefedepot, niedriger Säuregehalt, relativ oxidative Reifung.

Am Ende war der Wein dann nicht schlecht, vielleicht ein bisschen üppiger als die anderen Chargen. Die beabsichtigte fette Wuchtbrumme war er aber bei weitem nicht. Und weil das kein Einzelfall war, habe ich über die Jahre lernen müssen, damit umzugehen, dass ich offensichtlich kein Talent für dicke Dinger habe. Dass meine Weine meist schlanker wirken, als die vieler Kollegen.

Leicht war das nicht, denn bis heute landen selbst die besten Weine dieses Stils bei Blindverkostungen, Wettbewerben und in Weinmedien meistens in der Liga „sehr gut, aber für die absolute Spitze fehlt der letzte Druck“. Für ehrgeizige, aber nicht besonders selbstbewusste und deshalb nach medialer Bestätigung suchende Nachwuchsweinbauern nicht gerade erbaulich.

Schließlich habe ich aber festgestellt, dass gar nicht so wenige Leute gibt, die beim Wein die Eleganz bevorzugen. Denen es mit den üppigen Hochprozentern so geht wie mir und wie es mein Vater gerne beschreibt: „Zweifellos ein Spitzenwein, aber zu zweit an einem Abend mit dieser Flasche ist man ein armer Hund.“ (Weil man nach einem Glas satt ist, die Flasche nicht leer wird und man sich nach einem leichten Weißwein, einem Gespritzten oder gar einem Bier sehnt.)

Natürlich liegt der Verdacht nahe, dass ich hier argumentiere wie der Fuchs mit den Trauben. Zumindest dass es mir nicht liegt, fette Weine zu keltern ist immerhin empirisch erwiesen.

Wahrscheinlich spielen Boden und Klima eine gewisse Rolle. Die meisten unserer Lagen haben keinen besonders hohen Lehmanteil und in Verbindung mit der Dauerbegrünung führt das wohl zu etwas niedrigeren Extraktwerten. Auch an den Sorten kann es liegen, insbesondere daran, dass ich Merlot nicht mag, mit dem sogar ich ziemlich sicher mehr Schmalz in unsere Weine bringen würde. Indiz dafür ist ein merlotbetonter Wein, den ich vor ein paar Jahren einem Kollegen aus einem anderen Weinbaugebiet aus seinen Trauben vinifiziert habe. Der war so ganz anders als unsere Sorten obwohl ich vom Presshaus an nichts anders gemacht hatte.

Den größten Anteil hat aber wohl meine über die Jahre gewachsene Weigerung dem Talent unserer Trauben für zarte Weine im Keller entgegenzuarbeiten. Ich vermeide all zu späte Lese mit Überreife, fahre bewusst die Säurewerte nicht tief nach unten, peppe nicht mit Gummi arabicum auf, verwende keinen besonders großen Anteil an neuen Barriques und arbeite reduktiv genug, um Oxidation zu vermeiden, die zwar Weichheit und Fülle bringen kann, aber immer Fruchtaromen kostet.

Am Ende steht dann im besten Fall ein Cabernet, der obwohl aus einem höchstens durchschnittlichen Jahrgang, nach 15 Jahren mit tänzelnder Leichtigkeit dazu animiert, sich selbst bei einer Podcast-Aufnahme schnell noch ein zweites Glas einzuschenken.

Anders als der Fuchs in der Fabel bleibe ich mit dieser Art von Kompliment nicht nur aus Verlegenheit am Boden, sondern überlasse die hoch hängenden Wein-Kraftprotze gerne anderen.

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Blütebeginn

Samstag, 23. Mai 2020

In meinen Anfangsjahren als Weinbauer vor mittlerweile gut 25 Jahren war der 10. Juni ein wichtiger Stichtag für die Blüte der Weinstöcke. In den meisten Jahren begann sie rund um dieses Datum und in den vereinzelten frühen Jahrgängen war sie bereits voll in Gang. Im besonders späten 1991 dauerte sie hingegen bei den späten Sorten bis in die ersten Juli-Tage.

Davon ist schon lange keine Rede mehr und es ist normal geworden, dass sich die Blüten noch im Mai öffnen. Ganz so zeitig wie vor zwei Jahren sind wir heuer zum Glück nicht, aber seit gestern lassen sich die ersten Weinblüten entdecken. Sollte die Trockenheit oder ein extrem kalter, verregneter Sommer die Reben nicht stark in ihrer Entwicklung bremsen wird der Großteil der Weinlese heuer wohl wieder bereits Mitte September erledigt sein (müssen).

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Tage der offenen Kellertür

Sonntag, 17. Mai 2020

Normalerweise hätten wir am Freitag unseren Keller im Rahmen von „Mörbisch zur Weinblüte“ für das ganze Wochenende geöffnet. Da das coronabedingt nicht möglich ist, haben wir gemeinsam mit den Kollegen diese Aktion gestartet.

Leider wurde unser Keller am Freitag Abend trotzdem geöffnet, gewaltsam von zig Kubikmetern Wasser, die beim Bruch einer Hauptleitung einen Meter außerhalb des Kellers ausgetreten sind. Zum Glück im Unglück ist es nicht der Betriebskeller, sondern ein rund 150 Jahre alter Gewölbekeller unter meinem Wohnhaus, der derzeit kaum genützt wird und fast leer steht.

Das Wasser hat die komplette Sandstein-Vorderwand in den Keller gedrückt und unzählige Kubikmeter Schotter und Erde des Straßenunterbaus mit dazu. Innerhalb von 30 Minuten stand es fast zwei Meter hoch bis die Leitung vom Betreiber endlich abgedreht wurde und die Feuerwehr mit dem Abpumpen begann. Im nachhinein erinnert mich die Situation ein wenig an die legendäre Bootsfahrt meines Kollegen Harald Steffens in seinem hochwasserüberfluteten Weinkeller.

Zum weiteren Glück im Unglück liegt der als Heiz- und Abstellraum und Waschküche genützte Teil des Kellers durch die bauliche Situation deutlich höher und wir konnten mit viel Improvisation und Helfern den Wasserstand dort bei wenigen Zentimetern halten. Der Schaden am Wohnraum ist also relativ gering und das Haus ist trotz fehlender Kellerwand statisch stabil. Der Schaden am Keller und der Aufwand, ihn wieder herzustellen ist aber natürlich beträchtlich.

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Ehrenamt

Freitag, 15. Mai 2020

Seit Generationen hat es in unserer Familie Tradition, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dabei reicht(e) das Betätigungsfeld in den vergangenen 100 Jahren von der evangelischen Pfarrgemeinde über die freiwillige Feuerwehr, politische Ämter, den Männergesangsverein, die Urbarialgemeinde, die unseren Gemeinschaftswald verwaltet bis zur Interessensvertretung im örtlichen und in verschiedenen regionalen Weinbauverbänden.

Auch ich versuche seit vielen Jahren einen Beitrag zu unserem Gemeinwesen zu leisten, nicht nur aber vor allem auch im Mörbischer Weinbauverein. Als langjährigen Obmann (und seit Jänner nur noch einfaches Vorstandsmitglied) freut es mich besonders, dass uns unter der Führung meines Nachfolgers die im Video oben beschriebene Aktion gelungen ist.

Ein Verkostungspaket als Ersatz für abgesagte Tage der offenen Kellertür mag vielleicht nicht sehr spektakulär und in Coronazeiten auch nicht besonders innovativ klingen. Man sollte aber die Arbeit, die dahintersteckt, die Koordination zwischen jenen, die sie geleistet haben und den Willen zur Zusammenarbeit aller Beteiligten nicht unterschätzen.

Wer die teilnehmenden Weinbauern kennenlernen möchte findet auf www.weinausmoerbisch.at die Langversion des Vorstellungsvideos. Gleich darunter gibt es Infos zu den Paketen und eine Möglichkeit zu bestellen…

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Beinahe Normalität

Mittwoch, 13. Mai 2020

Nach einer kurzen Verschnaufpause nach Rebschnitt und Binden der Fruchtruten beginnt jetzt die arbeitsreichste Zeit im Weingarten. Wir brechen alle Triebe am Stamm weg, da sie dort keine Funktion haben und die Luftzirkulation behindern. Bei einzelnen Sorten entfernen wir auch Triebe an den Fruchtruten die zu dicht stehen, weil es die Natur zu gut mit uns meint.

Diese Arbeit, die überwiegend gebückt verrichtet wird geht schon bald nahtlos in das „Einstricken“, also das Formieren der Triebe in den Drahtrahmen über. Erst wenn der Rebstock seine Kraft nach der Blüte vor allem in die Trauben investiert und das Triebwachstum Anfang Juli nachlässt können wir wieder ein bisschen aufatmen.

Manchmal kommt bei all der Arbeit fast so etwas wie Normalität auf. Im Freien brauchen wir keine Masken, der Sicherheitsabstand ist durch den Abstand unserer Rebzeilen garantiert und alles fühlt sich so an wie immer.

Wären da nicht die Gedanken an den schwieriger gewordenen Kontakt mit unseren Privatkunden, den fehlenden Umsatz in der Gastronomie und – an den Reben zum Glück noch nicht ersichtlich, aber mit Aussicht auf den kommenden Sommer sehr bedrohlich – die extreme Trockenheit.

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Für die Zukunft

Freitag, 10. April 2020

Das schöne Wetter der letzten Tage haben wir genützt, um in unseren Weingärten Reben nachzupflanzen.

Schon vom ersten Jahr an sterben immer wieder Stöcke krankheitsbedingt, aber auch durch Beschädigungen bei der maschinellen Bearbeitung ab. Und damit über die Jahre nicht mehr Reben fehlen, als noch da stehen, pflanzt man von Zeit zu Zeit nach. Zumindest so lange man annehmen kann, dass der Weingarten noch mindestens weitere 10 Jahre steht, damit die Jungreben die Mühe wenigstens mit ein paar Ernten belohnen können.

Mit Haue, Spaten, Jungreben, Pflanzstäben, Wildschutzgittern und Wasser wandert man dabei die Rebzeilen entlang auf der Suche nach einer Lücke, die aufgefüllt werden muss. Und erledigt nebenbei auch gleich die eine oder andere kleine Reparatur.

Gestern war ich beim Blaufränkisch am Goldberg, mittlerweile auch schon 27 Jahre alt und noch immer erstaunlich vollzählig. Gute Voraussetzungen also, dass die Reben dort noch viele Jahre tolle Trauben liefern werden.

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Licht am Ende des Tunnels

Dienstag, 7. April 2020

In Corona-Zeiten wie diesen – und gerade auch zu Ostern – wird gerne die Metapher vom Licht am Ende des Tunnels verwendet. Daran musste ich denken, als ich heute in der „Reia“ zwischen unserem Stadl und dem des Nachbarn gearbeitet habe.

weiter…

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Minusgrade

Donnerstag, 2. April 2020

Die beiden vergangenen Nächte haben uns Temperaturen um die vier Grad unter Null beschert und die kommende soll ähnlich kalt werden.

Wenn die Knospen der Reben „in der Wolle“ (so der Fachbegriff) sind, so wie derzeit beim Großteil der Stöcke, sollten sie leichte Fröste eigentlich gut überstehen können. Ob die Widerstandskraft auch bis vier Grad reicht, ist aber fraglich.

Frostschäden sind in diesem Stadium und so unmittelbar nach dem Frost nur sehr schwer zu erkennen, einzelne Knospen sind mir aber beim Binden der Blaufränkisch-Fruchtruten am Altenberg heute etwas komisch vorgekommen.

In ein paar Tagen wissen wir mehr.

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Heimgenuss

Sonntag, 29. März 2020

Leider ist die Gastronomie ja derzeit geschlossen und wir wünschen unseren Freunden und Kunden aus diesem Bereich alles Gute. Bis wir uns wieder an den servierten Genüssen erfreuen können, bemühen wir uns zu Hause unsere Geschmacksknospen zufrieden zu stellen.

Meine Eltern plündern zu diesem Zweck gerade unsere Privatvinothek und haben ein Pinot-blanc-Vertikale gestartet, bei der sie aktuell beim Jahrgang 2008 angelangt sein müssten.

Ich habe heute meinen Wok ausgegraben und dazu ein reifes Fläschchen aus der Steiermark gefunden, eine tolle Kombination.

Bleiben Sie gesund. Prost!

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Interessante Zeiten

Sonntag, 22. März 2020

Auch wenn ich bin nicht der Meinung bin, dass das Corona-Virus ein schief gegangenes Experiment  der Chinesen ist, beschreibt der sogenannte chinesische Fluch von den interessanten Zeiten, die man erleben möge die derzeitige Situation doch recht treffend.

Was gerade weltweit passiert brauche ich nicht zu beschreiben. Niemand kommt an dem Thema vorbei, niemand hätte vor ein paar Tagen gedacht, was da kommen wird, und niemand mit Sicherheit sagen wann und wie wir da wieder herauskommen.

Der Frühling in unseren Weingärten macht mir aber Hoffnung, dass es in der Natur immer weitergeht, immer einen Neubeginn gibt.

Bleiben Sie gesund, bleiben Sie zu Hause, und halten Sie Ihre Lebensfreude mit einem Glas Wein aufrecht. Die Zeit zum gemeinsamen Anstoßen wird auch wieder kommen!

 

 

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Wieder früh

Samstag, 22. Februar 2020

Seit ein paar Tagen blüht der erste Mandelbaum vor unserer Haustür. Bienen wie auf diesem Archivbild habe ich zwar noch nicht beobachtet, aber wenn es so weitergeht, wird es wohl nicht mehr lange dauern.

Das ist zwar nicht ganz so früh, wie laut meiner Statistik 2007, aber immer noch zu früh früh genug. Wenn der März nicht langsam und nachhaltig kühler wird und das Erwachen der Reben aus dem Winterschlaf bremst, dürfte es wieder ein langes Zittern bis zum Ende der Spätfrostphase Mitte Mai werden.

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Nebel sei Dank

Mittwoch, 22. Januar 2020

Beständiger Nebel, der sich wochenlang kaum lichtet, ist bei uns am Neusiedlersee im Spätherbst und Winter nichts Ungewöhnliches. Obwohl sich der damit verbundene Mangel an Sonnenlicht sehr aufs Gemüt schlagen kann und der Raureif auf den Reben etwas lästig beim Schneiden ist, bin ich besonders heuer trotzdem sehr froh über die dicke Nebelsuppe.

Sie hält die Temperaturen in diesem – erneut – viel zu milden Winter bei uns im Burgenland wenigstens in der Nähe des Gefrierpunktes und gibt so unseren Reben zumindest ein bisschen das Gefühl von Winter. Außerhalb der Nebelzonen im Flachland werden seit Wochen immer wieder 5 bis 10°C gemessen, die den Vegetationsrhytmus der Natur ziemlich durcheinander wirbeln.

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Ruhe im Keller

Samstag, 21. Dezember 2019

Foto: Armin Bardel

Lang ist es her seit meinem letzten Beitrag Ende Oktober, und die damaligen Zweifel an Tank 18 haben sich Gott sei dank in Wohlgefallen aufgelöst. Ein kleiner Teil dieses Grünen Veltliners ist (mit einem kleinen Anteil von Tank 2) sogar bereits in der Flasche.

Nachdem der biologische Säureabbau schon länger abgeschlossen ist, habe ich vor zwei Wochen auch unsere Rotweine von der Hefe abgezogen. Damit ist die Arbeit mit den Jungweinen abgeschlossen und sie reifen jetzt in Ruhe vor sich hin.

Während in vielen Kellern im November und Dezember große Hektik herrscht, um die Weine der neuen Ernte möglichst bald in die Flasche zu bringen, sind Abfüllungen vor Weihnachten wie die heurige beim Grünen Veltliner bei uns die große Ausnahme (und betreffen im Fall des Falles immer nur kleine Teilmengen der jeweiligen Sorten).

Die Zeit auf der Voll- oder Feinhefe gibt unseren Weinen Fülle, Stabilität und aromatische Harmonie und verschiebt die für die Abfüllung notwendigen Weinbewegungen in die (auch im Keller) kalte Jahreszeit. Je niedriger die Weintemperatur beim Filtrieren, umso weniger weniger Aromastoffe gehen dabei verloren. Und umso mehr natürliche Kohlensäure bleibt den Weißweinen bis in die Flasche erhalten.

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Zweifel

Sonntag, 27. Oktober 2019

Foto: Armin Bardel

Langsam kehrt Ruhe ein im Keller. Alle Weine haben ihre Gärung beendet, die Roten sind gepresst und viele von ihnen haben auch schon den biologischen Säureabbau hinter sich.

Das (beinahe) tägliche Verkosten lässt langsam das Bild eines sehr, sehr guten Jahrgangs entstehen. Die Weißweine deutlich frischer als es Hitze und Trockenheit erwarten haben lassen. Und die Roten genauso dicht und ausgereift, wie man hoffen durfte. Die zwei, drei kleinen Experimente bringen spannende Erkenntnisse und alles in allem gibt es keine echten Sorgenkinder im Keller

Nur Tank 18 lässt mich hin und wieder beim Verkosten ratlos zurück. Nicht immer, manchmal schmeckt mir der Grüne Veltliner, der eigentlich für unseren leichten Qualitätswein von dieser Sorte vorgesehen wäre richtig gut.

Manchmal allerdings erscheint er mir ein wenig ausdruckslos, fast müde und lässt mich darüber nachdenken, ob ich etwas und was ich unternehmen sollte. Umziehen, um auch die feinere Hefe zu entfernen und ihm dabei ein wenig Luft zu gönnen? Das Gegenteil anstreben, die geringe SO2-Dosis, die er bekommen hat ergänzen, um ihn vor weiterem Lufteinfluss zu schützen? Oder einfach nur abwarten?

Weil er mir zwischendurch immer wieder auch gut gefällt, habe ich mich bisher fürs Abwarten entschieden. Ich bin mir keiner Fehler in Weingarten und bisheriger Kellerarbeit bewusst und wirklich schlecht schmeckt er auch in den unsicheren Phasen nicht. Außerdem gibt es auch noch Grünen Veltliner Tank 2 aus einer nicht ganz so guten Lage, der heuer ungewöhnlich gut und fein ausgefallen ist…

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Fertig

Dienstag, 1. Oktober 2019

Ein Monat (bzw. 17 echte Lesetage) nach Beginn haben wir gestern Montag die Weinlese 2019 abgeschlossen. Süßwein stand heuer nicht auf dem Programm, deshalb war der Cabernet Sauvignon der letzte und es gibt kein Warten auf Edelfäule für Auslese und Co.

Geht man nach den Trauben und den ersten bereits durchgegorenen Jungweinen, dürfte die Ernte qualitativ sehr gut, bei den Rotweinen vielleicht sogar ausgezeichnet ausgefallen sein. Die Weißen haben etwas mehr Säure als ihre Vorgänger von 2018 und weiß wie rot profitieren vom deutlich niedrigeren Ertrag.

Insgesamt ist der Jahrgang mengenmäßig zwar nur leicht unterdurchschnittlich, bei einigen Sorten sind wir aber sehr nah an der wirtschaftlichen Schmerzgrenze. Beim Zweigelt hat uns – wie hier berichtet – die Welke mehr als ein Drittel der Menge gekostet, beim Chardonnay war der Traubenbehang von Haus aus äußerst gering und beim Blaufränkisch waren auch deutlich weniger und deutlich kleinere Trauben da, als wir gewohnt sind.

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Auf und ab

Sonntag, 15. September 2019

Die zweite Lesewoche brachte viel Gutes, leider aber auch negative Überraschungen. Am Montag hat es nicht nur in der Früh, sondern entgegen dem Wetterbericht auch am Nachmittag nochmal geregnet und unseren Anlauf zur Lese nach zwei Stunden wieder beentet. Dafür hat das Wetter dann den Rest der Woche gehalten.

So konnten wir diese Woche den verbliebenen Grünen Veltliner, den Chardonnay, einiges an Weißburgunder und die ersten Zweigelt-Weingärten lesen.

Einer ziemlich jungen Veltliner-Anlage hat der Regen der letzten Wochen erfreulicherweise sichtlich in Menge und Qualität geholfen. Insgesamt sind die Veltliner sehr vielversprechend, was in Trockenjahren nicht selbstverständlich ist. Gleich neben dem jungen Veltliner hat der Regen aber auch einiges an Schaden angerichtet. Beim Weißburgunder sind viele Beeren feuchtigkeitsbedingt aufgeplatzt und etliche faule Trauben(teile) waren auszusortieren.

Dank unserer großartigen Erntemannschaft ist das gut gelungen und die Erntemenge ist trotz des Ausfalls immer noch zufriedenstellend. Vom Chardonnay kann man das hingegen nicht behaupten. Die Trauben waren nahezu perfekt, es war keine Fäulnis auszusortieren (und das bisschen Oidium vom Sommer fiel mengenmäßig kaum ins Gewicht), aber es waren einfach zu wenige Trauben da, die noch dazu besonders klein geblieben sind.

Noch schlimmer hat es uns im Zweigelt-Weingarten am Goldberg erwischt. Hier wären die Trauben für eine gute Normalernte da gewesen, aber wir konnten etwa die Hälfte davon nicht ernten, weil die Traubenwelke (vulgo „Zweigeltkrankheit“) extrem zugeschlagen hat.

Immer wieder haben wir besonders in diesem Weingarten Probleme mit den kurz nach Reifebeginn schlaff werdenden Trauben, die nicht weiterreifen. 2008 war es schlimm, und auch im Vorjahr haben wir etwa ein Drittel der Trauben verloren. So arg wie heuer war es aber noch nie.

Leider gibt es keine klar definierte Ursache dafür, die man einfach beheben könnte, denn z.B. beim Zweigelt in der Ried Haderwald hatten wir kaum Welke zu beklagen. Dabei gibt es dort einige Risikofaktoren genauso wie am Goldberg oder sogar stärker.

Hoffen wir, dass es uns in den restlichen Zweigelt-Anlagen so geht wie im Haderwald, wenn wir sie am Montag ernten.

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Ein Anfang ist gemacht

Sonntag, 8. September 2019

Die erste Lesewoche – mit regenbedingt allerdings nur dreieinhalb Erntetagen – liegt hinter uns. Der frühreife Muskat Ottonel ist zur Gänze im Keller und vom Grünen Veltliner und Chardonnay jeweils ein (kleiner) Teil.

Wie erwartet sind die Trauben sehr gesund und haben die richtige Reife für den jeweils angestrebten Weinstil erreicht. Muskat Ottonel liegt zwischen gut 17 und knapp 18°KMW, der Grüne Veltiner bei 17°KMW und der gelesene Chardonnay von einer Junganlage bei knapp 18°. Den werden die noch deutlich reiferen Trauben von den älteren Weingärten gut ergänzen. Der Säuregehalt der Trauben ist wie in Trockenjahren üblich eher niedrig, allerdings höher als 2018.

Nicht ganz so gut ist das aktuelle Wetter. Nachdem es schon den Montag verregnet hat, zieht seit Freitag Nachmittag (und laut Prognosen bis inklusive morgen Montag) eine Schlechtwetterfront durch und bringt uns neuerlich Regen. Die relativ geringe Menge ist dabei nicht das Problem, die stunden- oder gar tagelangen Wassertropfen auf den Trauben hingegen schon.

Vollreife Trauben reagieren darauf nämlich sehr empfindlich und beginnen leicht zu „gliebern“ und zu faulen. Zuerst werden die Schalen dünn, platzen teilweise auf, und dann beginnen Botrytis cinerea und andere Fäulnispilze zu wachsen.

Zum Glück ist es relativ kühl geworden, was diese Entwicklung deutlich verlangsamt. Heute Sonntag weht auch endlich wieder der Wind, der die Trauben trocknet, und vielleicht halten sich die weiteren Regenschauer in Grenzen. Sehr oft kommen die angekündigten Wetterfronten ja gar nicht oder nur extrem abgeschwächt bis zu uns in den äußersten Osten.

Im Vorjahr hat es mitten in der Lese deutlich mehr geregnet, und trotzdem konnten wir einen guten Jahrgang einbringen. Damals habe ich mich an das Jahr 2007 erinnert, in dem wir auch mit einem blauen Auge davon gekommen sind.

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Morgen geht´s los. Oder doch nicht?

Sonntag, 1. September 2019

Wie es scheint, könnte und die durchziehende Wetterfront einen Strich durch die Rechnung machen, morgen Montag mit der heurigen Weinernte zu beginnen. Sowohl in der Nacht als auch tagsüber sind Regenschauer prognostiziert.

Vielleicht haben wir aber auch Glück und können zumindest ein paar Stunden lesen. Und auf jeden Fall bin ich froh über die deutlich niedrigeren Temperaturen, die danach auf uns warten.

Die nächsten Wochen sind die anstrengendsten des ganzen Weinjahres, in denen man mitunter an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gerät. Trotzdem ist heute für mich ein Tag der Freude:

Morgen beginnen wir mit der Lese 2019!

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Wir haben einen Plan

Samstag, 24. August 2019

Der Termin der Weinlese prägt den zukünftigen Wein stärker als die meisten anderen Entscheidungen, die wir Weinbauern zu treffen haben. Und weil dabei viele Aspekte zu berücksichtigen sind, fällt es nicht immer leicht, das richtige Erntedatum zu finden.

Zucker- und Säuregehalt sind gemeinsam mit der geschmacklichen Reife der Trauben natürlich am Wichtigsten. Dazu kommt aber auch der aktuelle und bis zur Lese zu erwartende/befürchtende Gesundheitszustand der Trauben, die zu erwartende Witterung bis zur und bei der Lese, Risiken wie Vogelfraß, logistische Überlegungen für die Verarbeitung, die Verfügbarkeit der Erntehelfer, mögliche gesetzliche Einschränkungen (z.B. bei Prädikatsweinen) und bei extremer Trockenheit bei Junganlagen die Entlastung der Rebstöcke durch vorgezogene Ernte.

Sollte sich im nachhinein herausstellen, dass man ein paar Tage zu früh oder zu spät dran war, ist das in den allermeisten Fällen zum Glück auch kein Weltuntergang. Aber natürlich Ansporn, es im nächsten Jahr besser zu machen.

Mit diesem Ehrgeiz gehen wir in die heurige Lese, nachdem wir im Vorjahr ein paar Tage später dran waren, als mir lieb gewesen wäre. Nach ausführlichen Reifemessungen heute Vormittag haben wir deshalb beschlossen, die Ernte schon am 2. September zu beginnen.

Die Frühsorten sind bereits beinahe dort, wo sie sein sollten, alle Trauben sind gesund und vielversprechend und auch wenn ein oder zwei ordentliche Regen im August gut getan hätten, stehen fast alle Weingärten schön da. Es könnte also eine gute Ernte werden und ich freue mich schon darauf!

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Im Plan

Dienstag, 16. Juli 2019

Vier rekordverdächtig heiße Juni- und zwei ebenso außergewöhnlich kühle Juliwochen waren wir seit dem letzten Beitrag damit beschäftigt, die Triebe unserer Reben dorthin zu bringen, wo  wir sie  haben wollen. Mittlerweile geht die Kraft der Weinstöcke vor allem in die Trauben und das Triebwachstum verlangsamt sich, nicht zuletzt auch wegen der Trockenheit.

In den Weingärten beginnt jetzt der „Feinschliff“. Vor allem bei den Rotweinsorten werden Blätter entfernt, um den Trauben mehr Luft (aber nicht unbedingt direkte Sonnenbestrahlung) zu verschaffen, und dort wo notwendig haben wir auch schon mit dem Ausdünnen des Traubenbehanges begonnen.

Dabei habe ich heute beim Zweigelt in der Ried Haderwald auch die allerersten blauen, besser gesagt rosaroten Beeren gefunden. Damit liegen wir trotz späterer Blüte als in diesen Jahren etwa gleichauf mit 2002, 2008, 2009, 2011, 2014 und 2017, also zwei Wochen später als der Rekordhalter 2018.

Ein Weinlesebeginn in der ersten, allerspätestens zweiten Septemberwoche ist statistisch sehr wahrscheinlich, auch wenn in denn kommenden zwei Monaten natürlich noch viel passieren kann.

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Alles wächst

Samstag, 1. Juni 2019

Viel hat sich getan seit meinem letzten Eintrag Mitte April. Viel Gutes vor allem!

Der Mai hat uns zwar ungewöhnlich kaltes Wetter beschert, aber es gab keinen Frost. Und die niedrigen Temperaturen haben die Vegetation deutlich verzögert, sodass wir mittlerweile trotz frühem Austrieb nicht mehr von einer Hitze-Weinlese im August ausgehen. 2018 haben die Reben Mitte Mai zu blühen begonnen, heuer wird es voraussichtlich erst in einer Woche soweit sein.

Außerdem hat es im Mai – endlich – ergiebig geregnet, genug für den aktuellen Bedarf und für ein wenig Reserve für die nächsten Wochen. Traut man den Wettervorhersagen dürfte es jetzt, pünktlich zur Blüte, warm und stabiler werden.

Im Weingarten wächst jetzt buchstäblich alles. Die Reben, die Begrünung und wohl auch die Gefahr von Pilzerkrankungen, die es ja auch gerne feucht und warm haben. Dementsprechend arbeitsreich werden die nächsten Wochen mit Laubarbeit, Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz werden. Das ist aber nicht weiter ungewöhnlich, denn schon in einem sehr alten Weinbauernspruch heißt es:

Wan die wüld´n Ros´n bliahn, kaun I voa lauta Schlof nit gian.

(Wenn die wilden Rosen blühen kann ich vor Müdigkeit nicht einmal gähnen.)

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Warten und bangen

Freitag, 19. April 2019

Auch heuer sind die Reben wieder früh aus dem Winterschlaf erwacht. Mittlerweile muss man dabei aber wohl eher von der Normalität als vom Außergewöhnlichen ausgehen. Jetzt heißt es warten und bangen.

Warten auf die nächsten Arbeiten nach Rebschnitt und Binden der Fruchtruten. Das Wegbrechen von unerwünschten Trieben, das Einstricken der verbliebenen in den Drahtrahmen. Und bangen, ob die Temperatur bis Mitte Mai nicht doch vielleicht noch einmal unter den Gefrierpunkt sinkt.

Dienstag dieser Woche war es beinahe soweit, aber zum Glück waren es dann doch plus zwei Grad und die Reben sind jetzt auch noch klein genug, um leichte Minusgrade auszuhalten. Mit jedem schönen Frühlingstag, der die Reben weiter aus ihren Knospen lockt steigt aber die Gefahr.

Bis die jungen Triebe groß genug für die ersten Laubarbeiten sind kümmern wir uns um den Boden. Unter den Stöcken wird die Erde, die wir dort im Herbst angehäuft haben entfernt, und zwischen den Reihen lockern wir die Begrünung auf, ohne sie allerdings umzubrechen.

sdfgs

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Verkostungsbedarf

Freitag, 22. März 2019

Während die leichteren Weißweine bereits seit Anfang Februar in der Flasche sind, durften die kräftigeren 2018er noch auf der (Fein-)Hefe weiterreifen. Kommenden Dienstag ist es aber auch für Pinot blanc, Chardonnay Duett und die süße Auslese soweit.

Die Auslese ist ja schon seit der Gärungsunterbrechung im November weitgehend „fertig“, bei den anderen beiden gab es allerdings in den letzten Wochen intensiven Verkostungsbedarf. Chardonnay und Pinot blanc zählen nämlich zu unseren wichtigsten Sorten, und dementsprechend viele Einzelchargen gibt es insbesondere in einem auch mengenmäßig guten Jahr wie 2018.

Früh gelesen mit wenig Alkohol und lebendiger Säure, spät gelesen mit reifer Frucht und cremiger Fülle, kühle Lage, frühe Lage, alte Reben und junge Stöcke, tankvergoren, spontan und mit Reinzuchthefe, altes Fass, (fast) neues großes Fass und Barriques von neu bis alt boten eine Menge an Kombinationsmöglichkeiten für den Endverschnitt.

Entstehen sollten daraus ein klassischer Pinot blanc, der jetzt gefüllt wird, und ein lagenreiner Sortenvertreter von den alten Reben in der Riede Wieser, der als Leithaberg DAC im Juli oder August in die Flasche kommt. Außerdem unser Chardonnay Duett, der den Ausbau in Stahl und Holz verbindet und ebenfalls am Dienstag abgefüllt wird sowie später ein Lagenchardonnay vom Goldberg, den wir 2017 erstmals gefüllt haben. Und für ein vage andiskutiertes Projekt mit einem unserer Vertriebspartner sollten auch noch passende Chargen im Tank verbleiben.

Nach etlichen Etappen, gelegentlichen Zweifeln und dem Härtetest der Muster als Speisenbegleiter und im Alltag bin ich mir jetzt ziemlich sicher, eine gute Lösung gefunden zu haben. Einen schönen Kompromiss im besten Sinn des Wortes.

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Schlechtes Wetter

Dienstag, 12. März 2019

Eigentlich müsste ich es besser wissen, ist der Bezug der meisten Menschen zur Natur doch sehr gering geworden und sind doch nur mehr weniger als fünf Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig. Trotzdem verwundert es mich immer wieder, wenn sich jemand über 20°C im Februar freut, und auch nach Wochen ausgeprägter Trockenheit über ein paar Regentropfen ärgert.

Fassungslos bemerke ich dann jedes Mal aufs Neue, wie ich-bezogen die meisten Menschen beim Wetter sind, wie wenige Gedanken sie sich über die natürlichen Zusammenhänge machen. Und wie wenige über uns Bauern, die wir von und mit der Natur auch für sie Brot, Wein und mehr liefern.

Das ist übrigens kein Jammern über die aktuelle Trockenheit und den sich andeutenden (zu) frühen Austrieb, denn ich jammere nicht. Es ist lediglich der Versuch darauf hinzuweisen, dass Sommertemperaturen von März bis November und andauernder Sonnenschein ohne einen Tropfen Regen kein gutes Wetter sind.

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Der gläserne Wein (15)

Donnerstag, 21. Februar 2019

In dieser Serie stelle ich, wie im ersten Beitrag angekündigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausführlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer „gläsernen“ Weine entsteht dabei nach und nach in der entsprechenden Beitragskategorie und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.

Weinsäure und andere

Auch bei bester Arbeit im Weingarten, eingehenden Reifeanalysen vor der Ernte und hoher Flexibilität bei der Wahl des Lesetermines landen immer wieder Trauben im Presshaus, bei denen Aromareife, Zucker- und Säuregehalt nicht ganz im Einklang stehen.

In kühleren Jahren werden die Trauben zwar oft aromatisch reif, erreichen aber nicht immer einen Zuckergehalt, der später als Alkohol im Wein dem Potential und den Erwartungen an die Qualität der Trauben entspricht. Dafür nützen wir fallweise wie in Teil 7 beschrieben die Möglichkeit mit Saccharose geringfügig aufbessern zu dürfen.

Klimawandelbedingt gibt es immer seltener solche Jahrgänge, dafür werden die frühreifen, heißen und trockenen Jahre häufiger. Diese Wetterbedingungen führen zu niedrigen Säurewerten in den Trauben, denen man nicht immer durch eine vorgezogene Lese entgegenwirken kann. Zu frühes Ernten würde nämlich zwar mehr Säure, aber auch unreife, wenig attraktive und haltbare Aromen bedeuten.

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Kontrolliertes Nichtstun

Montag, 7. Januar 2019

Foto: Armin Bardel

Nach der Hektik der Weinlesezeit ist es seit Mitte November sehr ruhig geworden in unserem Keller. Der biologische Säureabbau der Roten ist abgeschlossen, die meisten Weine sind von der groben Hefe abgezogen und die Intervalle zwischen den laufenden Verkostungen sind jetzt deutlich länger als im Oktober.

Da wir – im Gegensatz zum weit verbreiteten Jüngstweinkult – versuchen, frühe Abfüllungen zu vermeiden, wurden die meisten unserer Weine seit der Gärung nur einmal bewegt. Manche aber auch noch gar nicht.

Der Zucker der Trauben ist vergoren zu Alkohol, die Äpfelsäure dort wo gewünscht abgebaut zu Milchsäure, Aroma und Farbe mit einer ersten geringen Jungweinschwefelung stabilisiert und der Großteil der Trubstoffe durch die Wirkung der Schwerkraft abgetrennt.

Bei gutem Traubenmaterial und sorgfältiger Erntearbeit in Weingarten und Keller sind die meisten Weine damit eigentlich „fertig“.  Was jetzt noch kommt, sind  kleine Anpassungen des Säuregehaltes (heuer witterungsbedingt erlaubterweise eher nach oben) einiger weniger Chargen, eine Filtration möglichst knapp vor der Abfüllung um die Feinhefe zu entfernen, die sich nicht von selbst absetzt und das Einstellen eines stabilen SO2-Spiegels für die Füllung.

Wichtiger als diese Maßnahmen ist aber die Zeit, die wir unseren Weinen lassen. Sie spart einiges an Stabilisierungsmaßnahmen und trägt wesentlich zur inneren Balance der Weine bei.

Das Schlagwort dafür lautet „kontrolliertes Nichtstun“, wobei die Betonung auf der Kontrolle liegt, nicht auf der Faulheit. Wenn die Verkostung eines Jungweines zeigt, dass Nichtstun ein Fehler wäre, wird natürlich gehandelt. Und wenn es ökonomisch notwendig erscheint, füllen wir auch schon mal eine kleine Teilmenge eines Weines vor Weihnachten.

Trotz aller Liebe zu klaren Grundsätzen halte ich nämlich Kompromisslosigkeit eher für das Problem als die Lösung.

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Der Verlust der Mitte

Montag, 19. November 2018

Das ist ein Artikel, den ich schon längere Zeit, eigentlich schon Jahre vor mir herschiebe. Er ist lang, sehr lang, wahrscheinlich nicht immer nachvollziehbar strukturiert und persönlich. Sehr persönlich.

Aber es geht um Wein, immerhin. Würde ich zum Plakativen neigen, wäre die Überschrift wohl „Orange“. Oder „Naturwein“. Dabei dreht er sich eigentlich um viel mehr.

Die Weinwelt im Fluss

Auch wenn sich die Weinwelt gerne konservativ und traditionell gibt, so war sie doch immer im Wandel. Neue Anbautechniken, neue Sorten, neue Krankheiten und Schädlinge, neue Verarbeitungstechniken und Weinstile hat es immer gegeben. Selbst Traditionshochburgen wie Bordeaux oder Burgund, von denen man meinen könnte, sie stehen seit Jahrhunderten für den gleichen Stil, die gleiche Machart von Wein haben sich immer verändert.

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Nachlese

Samstag, 29. September 2018

Gestern haben wir mit einer Spätlese vom Welschriesling und einer Auslese von Traminer und Welschriesling die Ernte 2018 beendet. Damit ist der Jahrgang komplett, vom leichten Veltliner der Vorlese am 16. August über mittelgewichtigen Muskat, gehaltvollen Pinot blanc, kräftigen Chardonnay, dichten Zweigelt, Blaufränkisch und Cabernet der Haupternte bis zum Süßwein.

Zeit für ein paar Gedanken zum Jahrgang:

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Fast fertig

Freitag, 21. September 2018

Nach vier Wochen Lese – davon allerdings nur eine durchgehend von Montag bis Freitag – haben wir den Jahrgang 2018 beinahe vollständig im Keller. Zwei Lesetage trennen uns noch vom „Leikauf“, unserem Mundart-Begriff für das Ende der Ernte.

Einen Traminer-Weingarten haben wir am Dienstag bereits in Auslese-Qualität (knapp 22°KMW) geerntet, beim anderen und einem Welschriesling warten noch den Wetterumschwung an diesem Wochenende ab.

Vor dem Traminer war am Montag dieser Woche der letzte Blaufränkisch und gleich im Anschluss unser Cabernet Sauvignon an der Reihe. Beide wie nach dem heißen, trockenen Sommer zu erwarten sehr reif und sehr vielversprechend.

Im Keller haben einige Weine bereits ihre Gärung beendet und lassen erste Charakterzüge erkennen. Das tägliche Verkosten ist jetzt die wichtigste Arbeit des Kellermeisters.

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Feierabend

Mittwoch, 12. September 2018

Gestern und heute haben wir Blaufränkisch gelesen, und weil es beim Rotwein am Tag der Ernte nichts zu pressen gibt, hatte ich heute etwas früher Feierabend.

Bis auf den Traminer und einen Welschriesling, bei denen wir auf Spät- und Auslese hoffen sind jetzt alle Weißweine zu Hause. Von den Roten fehlt noch der Blaufränkisch vom Goldberg (voraussichtlich Montag) und der Cabernet Sauvignon (vielleicht auch schon nächste Woche).

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