Viele Hände, schnelles Ende

Mittwoch, 24. November 2021 | Autor:

Für uns Weinbauern ist die Lese der Höhepunkt des Weinjahres. Gilt es doch die Früchte der Arbeit von Jänner bis September zum richtigen Zeitpunkt in bestmöglicher Qualität nach Hause zu bringen. Diese Aufgabe überlassen wir in unserem Weingut keiner Maschine, sondern legen sie vertrauensvoll in die Hände unserer fleißigen Erntemannschaft, der wir auch heuer wieder zu großem Dank für ihren unermüdlichen Einsatz verpflichtet sind:

Laci aus der ungarischen Nachbarschaft schneidet nicht nur Trauben von den Reben, sondern fährt auch mit dem Traktor. Seine Frau Andrea und er unterstützen uns das ganze Jahr über bei der Weingartenpflege und dementsprechend gut kennen sie die Besonderheiten unserer Rieden.

Auch Sorin ist schon lange Zeit mit dabei. Er arbeitet in Rumänien bei der Bahn und kommt seit vielen Jahren für die Ernte und als Chef an der Roabá (rumänisch), der Talicska (ungarisch) bzw. der Scheibtruhe zu uns. Abwechselnd mit Laci leert er die Trauben in die Großkisten auf dem Wagen.

Ebenfalls lang gediente treue Erntehelfer und mittlerweile auch liebe Freunde sind Toni und Angela aus der Steiermark. Als sie noch berufstätig waren, haben sie sich für unsere Lese Urlaub genommen. Jetzt in der Pension sind sie selbst bei kurzfristigen wetterbedingten Verschiebungen immer zur Stelle.

Elisabeth und ihre Tochter Judit waren nach 2020 heuer zum zweiten Mal dabei. Sie kommen aus unserer ungarischen Nachbargemeinde Fertörakos bzw. Kroisbach und pendeln jeden Tag mit dem Fahrrad über die Grenze. Die zweite Lese war es auch für Erik aus der Slowakei. Voriges Jahr haben wir ihn über die gleiche Bekannte wie Elisabeth und Judit kennen- und schätzen gelernt. Wenn nicht gerade Lockdown ist, arbeitet er als Bühnentechniker in der Oper in Bratislava.

Ebenfalls heuer bereits zum zweiten Mal für zwei Tage mitgeholfen hat Bettina, die Frau eines deutschen Pfarrers, der als Urlauberseelsorger in Mörbisch immer wieder Arbeit mit Urlaub verbindet und vor zwei Jahren selbst auch schon Weinleseluft geschnuppert hat.

Eine große Hilfe sind natürlich meine Schwiegereltern Greti und Gerhard, sowie Tante Maria. Besonders wichtig war ihre Unterstützung heuer bei der süßen Auslese. Drei Wochen nach der Haupternte konnte uns der Großteil des Teams nämlich wegen der weiten Anreise verständlicherweise nicht mehr helfen. Gut, dass für solche Fälle Nachbarin Ella und unsere liebe Freundin Ilse parat stehen, beide erfahrene Weinleserinnen.

Auch unsere Kinder Anna und Viktoria waren bei der Auslese mit dabei, wie auch schon während der Haupternte, wenn Studium und Schule es zugelassen haben. Und meine Frau Birgit ist natürlich ebenfalls Teil der Crew.

Mein Vater Gerhard hat die Mannschaft und Logistik im Blick, erntet aber auch selbst den ganzen langen Tag, während sich meine Mutter Elfi um die um Unterbringung und vor allem die tägliche Verpflegung des großen Teams kümmert und Büro und Weinverkauf am laufen hält. Dabei kommt sie natürlich genausowenig zum Lesen wie ich, denn ich habe alle Hände voll zu tun, um die von den vielen Helfern sorgfältig geernteten Trauben genau so sorgfältig in Presshaus und Keller zu verarbeiten.

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Sterne, Punkte und ein Lächeln

Montag, 15. November 2021 | Autor:

Wettbewerbe und Bewertungen sind ein wichtiger Teil des Weinzirkus. Sie sind gut fürs Image der Branche, weil sie den öffentlichen Fokus auf die Qualität richten, halten das Thema Wein im Gespräch und fördern durch permanente Vergleiche das Niveau. Außerdem sind sie natürlich gut fürs Ego der Produzenten und wirken damit (nicht nur) auf junge Weinbauern motivierend.

Manche Betriebe bauen sogar ihre gesamte Vermarktungsstrategie auf der Werbewirkung hoher Bewertungen auf. Und passen ihren Weinstil an die Vorlieben der Meinungsbildner an, um von diesen regelmäßig ganz vorne platziert zu werden. Mit einem Außenseitersieg alle paar Jahre wäre ihr Geschäftsmodell schließlich nicht aufrecht zu erhalten.

Daran ist absolut nichts Verwerfliches, und ich schätze manche dieser Kollegen und Weine sehr. Allerdings ist meine Vorstellung unseres Berufs eine ganz andere und unsere Betriebsstruktur erlaubt mir, diese auch auszuleben. Wir keltern unsere Weine in erster Linie so, wie wir sie selber gerne trinken und suchen danach Kunden mit ähnlichen Vorlieben.

Trotzdem sind mir Bewertungen natürlich nicht egal. Wir nützen sie einerseits, um uns selbst auf die Probe zu stellen und andererseits natürlich auch auch, um auf uns und unsere Weine aufmerksam zu machen.

Für beide Zwecke sollte man Prämierungen aber nicht zu ernst nehmen, denn auch die besten Verkoster sind keine objektiven Degustationsmaschinen. So sehr ich mich zum Beispiel über den Platz unseres Leithaberg weiß 2019 mit dreieinhalb Sternen im Spitzenfeld der Vinaria-Verkostung „Französisch im Burgenland“ gefreut habe, so wenig haben mich die eineinhalb Sterne samt mäßiger Beschreibung („schon sehr gereift, limohaft, ziemlich schlank, eher kurz“) für den Chardonnay Reserve 2019 bei der selben Verkostung zum Verzweifeln gebracht. Nicht zuletzt, weil der gleiche Wein im Weinguide des gleichen Magazins vier Sterne bekommen hatte, von Falstaff 92 und von A la Carte 93 Punkte.

In die Versuchung, Spitzenplätze überzubewerten komme ich ohnehin relativ selten, denn bei den meisten Verkostungen liegen unsere Weine punktemäßig im soliden oberen Mittelfeld. Das liegt wohl daran, dass mein eher auf Feinheit und Eleganz als auf aufdringliche Aromen und Power abzielender Weinstil in der Verkostungssituation nicht genug heraussticht. Dass unsere Weine aber trotzdem (oder wahrscheinlich sogar genau deshalb) sehr viel Trinkvergnügen bereiten, kann man an den Notizen neben den Punkten ablesen. Die Weinbeschreibungen sind nämlich bei jenen Kostern, die sich die Mühe machen, nicht nur Textbausteine aneinander zu reihen, fast immer deutlich freundlicher als die nackten, aber halt viel plakativeren Punkte.

Ein schönes Beispiel dafür ist auch Marcus Hofschuster von wein.plus, der im obigen Video einen Einblick in das Entstehen seiner Verkostungsnotiz unseres Leithaberg Rot 2019 bietet. Seine 91 Punkte sind zwar viel höher einzuschätzen, als die 92 von Falstaff, die Wortwahl „das gefällt mir“, „schöne Tiefe“, „das ist schon sehr, sehr gut“, „das ist sauguter Wein“, „das macht richtig Laune“, „da will ich sofort etwas dazu essen“ und „sehr, sehr schön“ klingt aber zumindest für mich eigentlich nach noch mehr.

Früher hat mich diese Diskrepanz oft geärgert, und ich wäre gerne auch bzw. öfter ganz oben auf dem Podest gestanden. Mittlerweile weiß ich aber, dass mir diese Rolle im ständigen Rampenlicht und alles was damit verbunden ist gar nicht liegt. Und dass ein Kompliment von einem privaten Weinliebhaber oder auch das ehrliche, zufriedene Lächeln von Otto-Normalwein-Trinker mindestens genauso wertvoll ist.

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Leikauf

Samstag, 30. Oktober 2021 | Autor:

Heute vor einer Woche, am 23. Oktober, konnten wir die Weinlese 2021 mit einer Auslese vom Traminer und Chardonnay abschließen. Wir hatten also „Leikauf“, wie das Mörbischer Dialektwort für den Abschluss von einzelnen Arbeiten, insbesondere der Weinlese lautet und haben den allerletzten Wagen in Anlehnung an alte Traditionen ein klein wenig geschmückt.

Gut drei Wochen hat es seit dem Ende der Hauptlese also gedauert, bis die Trauben den Bereich der Vollreife übersprungen haben, bei dem die Rebe die Zuckereinlagerung in die Trauben stoppt und stattdessen Reservestoffe in Stamm und Wurzeln einlagert.

Um über den Wert von 20 bis 22°KMW (d.h. etwa ebensoviel Prozent Zucker) zu kommen, müssen die Trauben schrumpfen, damit ihr Wassergehalt sinkt und der prozentuelle Zuckergehalt steigt. Das gelingt in unserem Klima am Neusiedlersee durch die Edelfäule (Botrytis cinerea), die die Beerenschalen weich und durchlässig macht.

Weil aber auch bei uns nicht jedes Jahr ideale Bedingungen für die Edelfäule herrschen (und wir auch nicht jedes Jahr Prädikatsweine anstreben), ist 2021 für uns ein besonderer Jahrgang. Hat er uns doch die ganze Bandbreite unserer Region in hoher Qualität beschert. Nur selten stehen Weiß-, Rot- und Süßweine eines Jahrgangs auf diesem Niveau auf Augenhöhe.

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Die Ruhe nach dem Sturm

Samstag, 9. Oktober 2021 | Autor:

Die Hauptlese liegt hinter uns, aber auch für einen Verfechter der zurückhaltenden Kellerwirtschaft wie mich gibt es in diesen Tagen viel zu tun im Weinkeller.

Anders als während der Ernte, wo nebenbei auch noch die laufend im Presshaus eintreffenden Trauben verarbeitet werden wollen, gestaltet sich die Kellerroutine jetzt aber vergleichsweise ruhig und entspannt. Ein Grund, warum ich diese Phase so gerne mag insbesondere bei guten Jahrgängen wie dem heurigen.

„Fertige“ Weiße

Einige Weißweine sind bereits durchgegoren. Sobald sie kein CO2 mehr entwickeln, muss der für die Gärung im Tank belassene Steigraum aufgefüllt werden, damit der Jungwein an der großen Kontaktfläche mit Luft(sauerstoff) keinen Schaden nimmt. Dafür braucht man natürlich einen möglichst ähnlichen Wein, deshalb habe ich einen Tank auch schon in einen kleineren Behälter umgezogen und mit der verbleibenden Menge andere vollgemacht.

Mit diesem Umziehen, das den Wein von der zu Boden gesunkenen Hefe, dem sogenannten Geläger trennt, warte ich bei den meisten Fässern und Tanks gerne einige Wochen zu, weil die Hefe auch nach der Gärung dem Wein noch viel mitgeben kann. Beginnt ein Jungwein aber sich zu verschließen und entwickelt sich nicht wie gewünscht, wirkt ein vorgezogener Abstich oft Wunder.

Um rechtzeitig reagieren zu können, ist das tägliche Verkosten natürlich die wichtigste (und zugegeben, auch schönste) Arbeit. In den ersten Wochen entwickeln sich die Jungweine nämlich rasend schnell, und nur durch das laufende Probieren entsteht ein Gefühl für ihre Stärken, Schwächen und Bedürfnisse.

Fast alle Entscheidungen der ersten Wochen beruhen auf der geschmacklichen Entwicklung der jungen Weine. So auch der Zeitpunkt und die Höhe der SO2-Zugabe, um die Balance zwischen dem Schutz der Aromen vor Oxidation einerseits, und dem Belassen von genügend Freiraum zur Entwicklung andererseits zu halten.

…gärende Stürme…

Einige Tanks und Fässer sind aber noch lange nicht so weit, sondern gären noch mehr oder weniger munter vor sich hin. Vor allem die zuletzt geernteten, aber auch ein Nachzügler aus der ersten Lesewoche. Und weil der auch trocken durchgären soll, bekommen seine Hefezellen ein besonderes Wohlfühlpaket: Temperierte 20 Grad und eine tägliche Massage in Form eines Aufrührens.

Zum Glück messe ich täglich bei allen gärenden Chargen die Dichte und zeichne daraus ein Gärdiagramm. Das kostet mich zur Hauptgärphase zwar auch eine gute halbe Stunde pro Tag, macht solche Entwicklungen aber frühzeitig erkennbar.

…und Rote in allen Stadien

Ein Zweigelt, zwei Blaufränkische und der Cabernet stehen noch im Presshaus auf der Maische. Sie müssen zwar nicht mehr so oft wie während der Gärung rundgepumpt werden, alle paar Tage benetze ich den oben schwimmenden Tresterkuchen aber mit frischem Wein von unten, damit er nicht austrocknet.

Am Montag werde ich den Zweigelt und den Cabernet pressen, und damit dann die Fässer gut vorbereitet sind, habe ich sie gestern schon mit Wasser befüllt. Es beseitigt allfällige kleine Undichtheiten durch Quellen des Holzes und löst Schmutzpartikel, die dann leicht abgespült werden können.

Die beiden Blaufränkischen bleiben noch eine Woche auf der Maische. Und weil bei höheren Temperaturen die Auslaugung von Farbe, Geschmack und Tannin aus den Schalen besser funktioniert, halte ich ihre Temperatur im mittlerweile ausgekühlten Presshaus mit einer Tankheizung auf etwa 25 Grad.

Die bereits gepressten Roten in den Fässern temperiere ich auf etwa 20° Celsius, damit sich die Bakterien, die den biologischen Säureabbau durchführen wohl fühlen. In den nächsten Wochen reduzieren sie den Säuregehalt der Rotweine und bauen die Äpfelsäure von Blaufränkisch, Zweigelt und Cabernet in Milchsäure um. Aktiv habe ich dabei wenig zu tun, aber „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ gilt natürlich auch bei den Bakterien.

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Vorläufig fertig

Donnerstag, 30. September 2021 | Autor:

Gestern Mittag konnten wir gerade noch rechtzeitig vor einem kräftigen Regenguss die Weinlese 2021 vorläufig abschließen. Beim Großteil des Traminers und einem kleinen Rest Chardonnay warten wir noch bis zum Erreichen der Auslese-Qualität, deshalb ist die Ernte noch nicht ganz vorbei.

Weil der für Prädikatsweine notwendige Schrumpfungsprozess der Trauben je nach Wetter auch noch einige Wochen dauern kann, sind wir jetzt damit beschäftigt, diese Trauben mit Netzen vor den gefräßigen Staren zu schützen.

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Denkwürdig

Montag, 27. September 2021 | Autor:

Heute habe ich am Geburtstag meines Vaters ein Fass befüllt, das so alt ist, wie er. Zweigelt 2021, gestern gepresst und über Nacht im Tank, bevor er heute seinen Aufenthaltsort für die nächsten Monate beziehen durfte.

Traditionelle Fässer spielen in unserem Keller eine große Rolle. Hier habe ich schon einmal beschrieben, worüber man beim Betrachten der stummen Zeitzeugen nachdenken könnte. Und hier, wie ich das erste von mittlerweile drei Fässern aus dem Keller meiner Schwiegereltern bekommen habe.

Das letzte der drei hat erst heuer, eine Woche vor Lesebeginn seinen Weg zu uns gefunden. Und es erinnert an die Silberne Hochzeit der Großeltern meiner Frau vor 50 Jahren:

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Vom Rebstock bis zur Presse

Mittwoch, 22. September 2021 | Autor:

Heute legen wir eine regenbedingte Lesepause ein. Zeit für ein paar Fotos vom Chardonnay vergangene Woche:

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Es läuft

Sonntag, 19. September 2021 | Autor:

Die erste Lesewoche liegt hinter uns, und es gibt viele Gründe, sehr zufrieden zu sein. Wunderschöne Trauben, motivierte Lesehelfer, keinerlei gröberen Probleme und bis auf drei Stunden am Freitag früh nach dem Regen in der Nacht kein wetterbedingter Zeitverlust.

Das ist auch wichtig, denn der Reifefortschritt ist enorm und einige Weißweinsorten stehen bzw. standen kurz vor zu hohen Zuckergradationen. Eine flotte Lese von Grünem Veltliner, Muskat Ottonel, aber auch zumindest eines Großteil des Chardonnay war deshalb angesagt, um zu hohe Alkoholwerte in den Weinen zu vermeiden. Den Analysen zufolge dürfte uns das gelungen sein, und darüber hinaus werden die nach dem kühlen August hohen Säurewerte den Weinen zusätzlich eine sehr gute Balance verleihen.

Die zweite Woche sollte etwas entspannter ablaufen. Beim restlichen Muskat, dem Zweigelt und demWeißburgunder, die uns die nächsten Tage beschäftigen werden, ist die Reife ebenfalls sehr gut, aber nicht ganz an der oberen Grenze. Außerdem ist es kühler geworden, und das nimmt etwas Tempo aus dem Reifeverlauf.

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Es geht los!

Sonntag, 12. September 2021 | Autor:

Nach dem kühlen August hat der Sommer in den letzten Wochen nocheinmal ordentlich Gas gegeben und die Traubenreife enorm beschleunigt. Mittlerweile sind fast alle Sorten dort, wo wir sie haben wollen, oder zumindest knapp davor. Der Weinlesebeginn morgen Montag ist deshalb genau richtig.

Der vorläufige Plan für die erste Lesewoche steht, Presshaus und Keller sind ebenso vorbereitet wie die Fahrzeuge und unser improvisierter Speisesaal für Frühstück, Mittag- und Abendessen. Die weiter gereisten Lesehelfer sind bereits eingetroffen, die Tagespendler organisiert und der Bürokram für ihre Anmeldung erledigt.

Die nächsten Wochen sind die anstrengendsten des ganzen Weinjahres, in denen man mitunter an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gerät. Trotzdem ist heute für mich ein Tag der Freude:

Morgen beginnen wir mit der Lese 2021!

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Eine neue Website!

Donnerstag, 9. September 2021 | Autor:

Rechtzeitig vor der Weinlese ist unsere neue Weinguts-Website fertig geworden. Aktuell waren unsere Internet-Infos ja schon immer, aber ab sofort bietet www.grenzhof-fiedler.at mehr Übersichtlichkeit und vor allem eine gute Lesbarkeit auch auf mobilen Geräten.

Darüber hinaus gibt es eine bessere Verknüpfung mit meinem Blog und drei aktuelle Blog-Beiträge werden direkt auf der Titelseite präsentiert.

Nach langem Überlegen habe ich mich gegen eine komplette Integration des Blogs in die Website entschieden. Marketing- und Kostengründe hätten zwar dafür gesprochen, aber obwohl ich diesen Blog natürlich auch nutze, um unsere Weine bekannter zu machen, war und ist ist er (zumindest für mich) kein klassisches Werbe-Werkzeug.

Die neue Weinguts-Website hat an diesem Selbstverständnis nichts geändert. Deshalb bleibt der Blog auch weiterhin als eigenständige Seite erhalten und wird nach der Lese ebenfalls fit für mobile Geräte gemacht.

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Perfektes Reifewetter

Montag, 6. September 2021 | Autor:

Nachdem uns die kühle und oft bedeckte zweite Augusthälfte etwas nachdenklich gemacht hat, beruhigt uns der September derzeit mit Reifewetter vom feinsten.

Dementsprechend rasch schreitet die Traubenreife voran, und wir werden unseren eigentlich für den 20. September fixierten Lesebeginn um eine Woche vorverlegen. Herzlichen Dank an unsere Lesehelfer Laci, Andrea, Sorin, Erik, Judit, Elisabeth, Toni und Angela für ihre Flexibilität. Und für ihre Treue und die gute Arbeit sowieso!

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Traubenreife 2021

Montag, 30. August 2021 | Autor:

Die Lese rückt näher, aber noch ist Geduld gefragt, weil die Reife beim derzeit ungewöhnlich kühlen Wetter nur langsam fortschreitet. Für die Aromatik und Struktur der 2021er-Weine sind das gute Nachrichten, denn wir haben noch alle Zeit der Welt, um die Reife abzuwarten und die Trauben sind gesund und stabil genug, das auch zuzulassen.

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Wie früher

Montag, 23. August 2021 | Autor:

Während wir in den letzten Jahren meist von den letzten Weingartenarbeiten nahtlos in die Lesevorbereitungen gestolpert sind, beschert und 2021 eine kleine Verschnaufpause vor der Ernte. Wie früher, als Traubenreife und Lesebeginn meist im September stattgefunden haben, bleiben auch heuer ein, zwei Wochen Zeit zur Erholung.

Die Reife hat natürlich schon begonnen, aber noch sind die gemessenen Zuckergrade zu niedrig und ungenau, um eine gute Aussagekraft zu haben. Aus heutiger Sicht werden wir die Lese wahrscheinlich am 13. September starten, es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass es erst am 20. losgeht.

Wer den Reifeverlauf der Trauben in ganz Österreich wöchentlich verfolgen möchte, kann das hier bei der Weinbauschule Klosterneuburg und hier beim Bundesamt für Weinbau tun.

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Boden-Bildung

Montag, 16. August 2021 | Autor:

Als Weinbauer lernt man sein Leben lang nicht aus. Jeder Jahrgang ist anders, bei jeder Arbeit in Weingarten und Keller entdecken offene Augen etwas Neues und auch die Wissenschaft liefert laufend bislang unbekannte Erkenntnisse.

Sehr viel kann man auch im Erfahrungsaustausch mit offenen Kollegen lernen. Und noch mehr, wenn dieser Austausch von einer ebenso kompetenten wie kommunikativen Beraterin moderiert und ergänzt wird, wie ich das vor ein paar Wochen zum Thema „Weingartenbegrünung“ erleben durfte.

Besonders spannend war für mich zu sehen, wie sehr sich das Verständnis sehr vieler Weinbauern für den Boden in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Die ideale Bodenbewirtschaftung (die es ohnehin nicht gibt) hat keiner, aber alle im Seminar (und viele darüber hinaus) verbindet die Einsicht, dass ein dauerhaft offener (d.h. bewuchsfrei gehaltener) Boden keine sinnvolle Option darstellt. Und das Bestreben, dem Boden mit Begrünungen etwas Gutes zu tun.

Bewachsener Boden ermöglicht ein Bodenleben, dass den Reben zugute kommt. Er fördert den Humusaufbau, speichert CO2, verhindert Erosion und damit Wasser- und Nährstoffverluste. Außerdem ist begrünter Boden besser befahrbar, kühler und fördert auch die oberirdische Artenvielfalt.

Darüber wie das passiert, und über viele weitere Aspekte der Themen „Boden“ und „Begrünung“ habe ich nicht zuletzt durch spannende praxisnahe Versuche bei dem Seminar einiges dazulernen dürfen.

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Weinpflege

Samstag, 7. August 2021 | Autor:

Sobald die allermeisten Weißweine der letzten Ernte abgefüllt sind, bin ich nur mehr selten im Fasskeller. Umso wichtiger ist es, die dort nach wie vor reifenden (Rot)weine im Stress der Weingartenpflege nicht zu vergessen.

Ein Regentag wie der vergangene Donnerstag kommt da gerade recht. Bei perfekter Rotwein-Trinktemperatur (im Winter müssen wir die Roten fürs Verkosten aufwärmen) habe ich alle Fässer durchprobiert und dabei auch gleich deren SO2-Gehalt gemessen und gegebenenfalls ergänzt.

Beides dient nicht nur der normalen Qualitätskontrolle und Weinpflege, sondern ist für einige Chargen auch schon die wichtigste Vorarbeit für die in zwei Wochen geplante Abfüllung unserer leichteren Roten.

Die Fässer der noch im Keller verbleibenden Weine werden dann bei dieser Gelegenheit gestiftet, d.h. der durch Verdunstung und Verkostung entstandene Schwund wird ergänzt. So vermeidet man ein größeres, der Weinqualität nicht zuträgliches Luftvolumen in den Fässern.

Auch die leeren Fässer wollen übrigens gut gepflegt werden. Alle paar Wochen verbrennt man in ihrem Inneren Schwefelstreifen, damit das dabei entstehende SO2 die Entwicklung von Schimmelpilzen hemmt. Vor der nächsten Ernte werden sie mit Wasser befüllt, einige Tage so belassen und danach gründlich ausgespült.

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Der letzte Feinschliff vor der Reife

Montag, 26. Juli 2021 | Autor:

Ausdünnen 2021 from Grenzhof Fiedler on Vimeo.

Seit einigen Tagen sind wir mit dem Ausdünnen, also dem Regulieren des Ertrages beschäftigt. Wie im Video erklärt, ist das vor allem bei jüngeren Weingärten und/oder reichtragenden Sorten ein Thema. Mehr Infos gibt es in diesem Artikel von mir aus dem Jahr 2007

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Umfärbungsbeginn

Freitag, 23. Juli 2021 | Autor:

Vorgestern haben wir die ersten blauen Beeren beim Zweigelt gefunden. Das ist nicht ganz so spät wie z.B. 2010, aber doch erwartungsgemäß etwas später als der Durchschnitt der letzten Jahre. Dementsprechend rechnen wir mit einem Erntebeginn Mitte September, wobei das Wetter der kommenden Wochen diesen Termin auch noch etwas nach vor oder zurück verschieben kann.

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SolidAHRität

Mittwoch, 21. Juli 2021 | Autor:

Wie wohl die meisten mitbekommen haben, gibt es große Hochwasserschäden im Westen Deutschlands. Besonders betroffen ist das Ahrtal, ein kleines, aber umso spannenderes Weinbaugebiet. Viele Kollegen dort haben schlimme Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und Maschinen zu beklagen und große Teile der letzten Ernte(n) in Form von Flaschen- und Fasswein verloren.

Die Vorzeichen für die heurige Ernte stehen leider auch nicht besonders gut. Laubarbeiten sind derzeit dringend erforderlich, der von der Feuchtigkeit begünstigte Mehltau droht und gleichzeitig fehlen Zeit und Maschinen, um sich darum zu kümmern und/oder die Weingärten sind wegen des Regens noch längere Zeit nicht befahrbar.

All das hat eine beispiellose Solidaritätswelle unter Weinbauern über die Grenzen Deutschlands hinaus ausgelöst. Kollegen in der Nähe helfen mit Arbeitskraft, verleihen Geräte oder übernehmen unentgeltlich dringende Arbeiten mit ihren Maschinen. Viele spenden auch direkt Geld an einen Fonds, der gezielt Berufskollegen unterstützt. Und noch mehr spenden Wein, dessen Verkaufserlös ebenfalls diesem Fonds zu gute kommt.

Blogger- und Winzerkollege Dirk Würtz hat die Aktion auf die Beine gestellt, bei der man um 65 Euro ein Überraschungspaket mit sechs verschiedenen gespendeten Weinen aus Deutschland, Österreich und Italien bestellen und damit die Ahr-Winzer finanziell unterstützen kann.

Für mich ist es natürlich Ehrensache mit dabei zu sein, und deshalb gehen in den nächsten Tagen 60 Flaschen Blaufränkisch zum österreichischen Sammelpunkt und von dort weiter zur Logistik nach Deutschland.

Bestellen kann man die Pakete in Österreich hier und in Deutschland hier. Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere Leser diese Chance nützen würde, etwas gutes zu tun und damit auch noch spannende unbekannte Weine zu entdecken.

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Erstaunlich schön

Dienstag, 13. Juli 2021 | Autor:

2021 ist viel zu trocken, nicht zuletzt nach dem überdurchschnittlich heißen, aber völlig niederschlagslosen Juni. Trotzdem stehen unsere Weingärten erstaunlich schön da und lassen uns auf eine gute Ernte hoffen, sofern es in absehbarer Zeit doch einmal ordentlich regnet.

Für das Video bin ich am Mörbischer Altenberg, hier zu sehen in der digitalen Riedenkarte der ÖWM.

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West Side Story

Freitag, 9. Juli 2021 | Autor:

Gestern Abend hatte die „West Side Story“ Premiere auf unserer Seebühne in Mörbisch. Eines der bekanntesten Musicals erstmals bei den Operettenfestspielen am Neusiedlersee.

Ich durfte die Vorstellung schon am Dienstag bei der Generalprobe sehen und bin bis heute begeistert. Soweit ich weiß, läuft der Kartenverkauf sehr gut, aber ein paar gibt es noch auf www.seefestspiele.at.

Thema: Allgemeine Randnotizen | Beitrag kommentieren

Zeitlos

Freitag, 2. Juli 2021 | Autor:

Reife Weine, besonders trockene weiße, sind ein Minderheitenprogramm. Die Aromenwelt des Alters erschließt sich in den seltensten Fällen spontan, sondern verlangt dem Verkoster ein gewisses Maß an Offenheit ab.

Dabei ist natürlich nicht alles, was alt schmeckt automatisch gut, aber es gibt eben doch gar nicht so wenige Weine, denen die Reife eine spannende neue, andere Dimension verleihen kann.

Welche Weine das sind, ist nicht so einfach zu sagen. Natürlich gibt es grobe Erfahrungswerte, zum Beispiel, dass kräftigere Weine meist besser altern als leichtere. Oder dass höhere Extraktwerte, etwas Restzucker und/oder Säure dem Wein besser über die Zeit helfen.

Es gibt aber auch immer wieder grandios gereifte Weine, die diesen Regeln komplett widersprechen. Hier habe ich schon mal über einen solchen geschrieben, und unlängst hat uns unser Neuburger 1990 überrascht.

Gut 30 Jahre alt, ein nicht unproblematischer Jahrgang, knochentrocken, neuburgertypisch milde Säure und jahrgangsbedingt extrem niedriger Extraktgehalt. Alles andere, als gute Voraussetzungen also, und doch ist er immer noch ein äußerst spannendes Glas Wein, wenn man sich auf reife Weine einlassen mag.

Zeitlos ist wohl der beste Begriff, um ihn zu beschreiben, denn seit damals vor zwölf Jahren hat er sich praktisch nicht verändert.

Thema: Im Glas und drumherum | Beitrag kommentieren

Riedenkarten.at

Montag, 21. Juni 2021 | Autor:

Die Herkunft war beim Wein immer schon wichtig. Spielte sich die Frage, woher ein Wein stammt bei uns früher aber vor allem auf der Ebene der Bundesländer oder Orte ab, wird in den letzten Jahren die Frage nach der genauen Riede (Lage) immer wichtiger.

Diesem Trend folgend, hat die österreichische Weinwirtschaft die vor allem in Niederösterreich nicht immer genau definierten Lagen exakt fixiert, und diese Gelegenheit da und dort auch für kleinere Anpassungen und Vereinfachungen genützt. Die ÖWM, unsere Weinwerbung, hat jetzt auf Basis dieser Daten einen digitalen Weinatlas erstellt, der unter www.riedenkarten.at erreichbar ist.

Für Landkarten-Fetischisten wie mich unter den Weinfreaks ist das ein unverzichtbares Tool, aber auch Otto-Normalweintrinker können dort nützliche Informationen finden. Selbst dann, wenn die Rieden wie bei uns nur auf einzelnen Weinetiketten aufscheinen, weil unsere zersplitterte Parzellenstruktur einen lagenreinen Ausbau nur in wenigen Fällen sinnvoll erscheinen lässt.

Aus welchen Rieden unsere Weine stammen lässt sich ja über unsere Weinsteckbriefe auf der Website trotzdem feststellen. Zum Beispiel hier.

Thema: Wein-Medien-News | Beitrag kommentieren

Blütebeginn

Mittwoch, 9. Juni 2021 | Autor:

Gestern habe ich beim Chardonnay in der Ried Wieser die ersten geöffneten Blüten gefunden. Das ist wie erwartet spät, aber nicht ganz so spät, wie noch vor ein paar Wochen befürchtet. Das warme Wetter der letzten Zeit hat gute Arbeit geleistet.

Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 20 Jahre beträgt der Rückstand wohl etwa zwei Wochen, aber selbst in diesem Zeitraum gab es einzelne durchaus vergleichbare Jahre. Und davor auch deutlich spätere.

Je nach Sommerwetter können wir wohl mit einem Erntebeginn in der zweiten Septemberhälfte rechnen. Ist es in den nächsten Wochen warm und nicht zu trocken wird es eher Mitte des Monats werden. Wenn uns ein nasser Spätsommer mit hohem Fäulnisdruck zur Ernte zwingt, ebenso. Und wenn der Sommer kühl ausfällt, dann rückt die Lese vielleicht sogar in den Oktober.

Das fühlt sich angesichts immer häufigerer August-Ernten ungewohnt an, ist aber auch kein Beinbruch. 2004 haben wir den Cabernet Sauvignon am 25. Oktober gelesen und sind damit Sortensieger bei Falstaff geworden…

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Gemeinsam statt einsam

Sonntag, 6. Juni 2021 | Autor:

Gelegentlich werde ich gefragt, wie das denn so ist mit der Konkurrenz unter uns Weinbauern. Und natürlich ist diesbezüglich nicht immer alles eitel Wonne. Manche Kollegen findet man sympathischer als andere und der Weinstil einiger Weinbauern (nicht notwendigerweise der sympathischeren) sagt einem eher zu. Mit einigen wenigen verbindet mich sogar eine echte Freundschaft, andererseits habe ich aber auch schon recht ausgeprägtes Konkurrenzverhalten in unserer Branche erlebt.

Bei allen Differenzen sitzen wir aber letztlich alle im gleichen Boot, und es freut mich, dass diese Einsicht immer mehr Anhänger gewinnt. Ein schönes Beispiel dafür sind gemeinsam veranstaltete Tage der offenen Kellertür, die allen Weinbauern mehr Besucher bringen, als jeder einzelne mobilisieren könnte. Das liegt nicht nur am gebündelten Werbebudget, sondern natürlich auch am Mehrwehrt für die Gäste, die in geballter Form die ganze Bandbreite an Winzerpersönlichkeiten und deren Weinstilen kennenlernen und vergleichen können.

Weil unsere Tage der offenen Kellertür zur Weinblüte leider nicht stattfinden können, haben wir uns gemeinsam auch heuer wieder ein Weinpaket überlegt, mit dem man die Mörbischer Weinvielfalt zu Hause erleben kann.

Mehr Infos gibt´s oben im Video und auf www.weinausmoerbisch.at.

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Es bleibt spannend!

Freitag, 21. Mai 2021 | Autor:

Mai 2021 (Symbolfoto)

Nicht nur der heurige April, sondern der ganze Frühling 2021 ist geprägt von deutlich unterdurchschnittlichen Temperaturen. Ähnlich kalt war es in dieser Jahreszeit zuletzt 1996 und 1991, noch deutlich kälter war es 1987.

Alle drei sind keine Jahrgänge, die uns Weinbauern unbedingt Mut machen, zählen sie doch zu den schwächsten der letzten Jahrzehnte. Zumindest 1991 und 1996 waren daran allerdings weniger die niedrigen Frühjahrstemperaturen schuld, als ein verregneter Herbst. Bei trockenem Wetter hätte man die Traubenreife halbwegs abwarten können, aber massive Fäulnis zwang uns zu vorzeitiger Lese. 1987 war zwar trockener, aber die Reife war ob des noch deutlich kälteren Frühlings auch eher bescheiden. Trotzdem war das größte Problem des Jahrgangs nicht die Qualität, sondern die nach den massiven Frostschäden fehlende Quantität.

Der heurige Vegetationsrückstand ist natürlich bemerkenswert. Ob es ein, zwei, oder drei Wochen sind, hängt davon ab, womit man ihn ihn vergleicht und ist eigentlich egal. Schließlich stehen die Weingärten nach den (nicht gerade üppigen, aber vorläufig ausreichenden) Regenfällen der letzten Zeit sehr schön da.

Außerdem wissen wir, wie wir mit Laubarbeit, Ertragsniveau und Erntezeitpunkt auf die Situation reagieren können (auch wenn wir dieses Wissen schon länger nicht mehr nützen mussten). Und gerade für unseren auf Feinheit und Eleganz ausgelegten Weinstil sind nicht ganz so hohe Alkohol- und etwas höhere Säurewerte im Fall des Falles nicht unbedingt ein Nachteil.

Ein mittelmäßiger Sommer mit einem trockenen Herbst kann uns deshalb noch immer einen guten Jahrgang bescheren. Und ein schöner Sommer auch einen ausgezeichneten.

Es bleibt also spannend, und bemerkenswert wird der 2020er auf jeden Fall!

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Spritzermania

Freitag, 14. Mai 2021 | Autor:

Vielleicht wäre die ganze Sache ja auch ohne Corona gekommen. Die Pandemie hat aber sicherlich einen großen Anteil an der aktuell grassierenden Spritzermania der österreichischen Weinwirtschaft. Man könnte meinen, fast jeder Weinbauer füllt mittlerweile trinkfertig gemischten Spritzer in kleine Flaschen für den unkomplizierten Genuss zwischendurch.

Natürlich ist es kein Zufall, dass die Welle gerade jetzt, in Zeiten geschlossener Wirtshäuser durchs Land rollt. Auch vor der Pandemie waren die Weinkeller da und dort ja schon recht voll, und da schadet es nicht, den Konsum mit neuen Ideen anzukurbeln oder zumindest zu versuchen, den Verlust von Weinfesten und Gastronomie auszugleichen.

Daran ist nichts Verwerfliches, und wenn sich die Chance ergibt, werde ich sicherlich auch einmal ein Flascherl G´spritzten trinken. Selber abfüllen (lassen) werde ich sowas aber nicht, dazu ist mein Verhältnis zum Mischgetränk aus Wein und Wasser nicht innig genug. Dementprechend gering wäre meine Glaubwürdigkeit potentiellen Kunden gegenüber.

Dass ich relativ selten Spritzer trinke, hat keine qualitativen oder gar moralischen Gründe. Wenn der Anlass passt, schmeckt er mir sogar richtig gut und ich empfehle unseren Grünen Veltliner ja auch gerne pur oder gespritzt. Erfolgt die Mischung erst im Glas, wird sie aber für meinen Geschmack dem Wein eher gerecht, als das banale Fix&Fertig-Getränk, das man vielleicht auch noch direkt aus der Flasche trinkt.

Am liebsten genieße ich Wasser und Wein überhaupt nebeneinander. Je nach Stimmung sitze ich manchmal noch immer beim ersten Achterl und schenke schon zum dritten Mal Wasser nach. Oder ich trinke das dritte Glas Wein und habe immer noch das erste Wasser daneben.

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Haarscharf

Sonntag, 2. Mai 2021 | Autor:

In den kalten Nächten Anfang April hatte ich wegen dem stark verzögerten Vegetationsbeginn heuer kaum Angst vor Spätfrostschäden. Seither war es zwar weiterhin kühl, aber die Temperaturen fielen nicht mehr unter den Gefrierpunkt und das Thema Frost rückte mehr und mehr aus unserem Bewußtsein.

Zu Unrecht, wie sich vergangenen Dienstag gezeigt hat. Es hatte in den frühen Morgenstunden zwar nur ganz knapp unter null Grad, aber weil die ersten Blätter bereits aus der schützenden Knospenwolle ragen, sind sie viel empfindlicher als noch vor ein paar Wochen.

In der Ebene zum See, wo sich die kalte Luft sammelt, sind bei frühen Sorten die Spitzen der äußeren Blätter leicht vom Frost versengt. Die inneren Blätter und die Trauben sind aber zum Glück großteils unversehrt, sodass in ein paar Wochen vom jetzt schon nur schwer zu erkennenden Schaden wohl nichts mehr zu sehen sein wird.

Wir hatten also großes Glück und hoffen, dass es uns auch bei den Eismännern, die ja erst kommen, treu bleibt.

Thema: Dauerthema Wetter | Beitrag kommentieren

100 Jahre Burgenland

Dienstag, 27. April 2021 | Autor:

Auch wenn wir heuer 100 Jahre Burgenland feiern, ist die Entstehung unseres Bundeslandes eher ein mehrjähriger Prozess. Und weil ich im Video den zeitlichen Ablauf nicht ganz richtig beschrieben habe, hier nochmal kurz die Chronologie:

Herbst 1918:
Auflösung der Habsburgermonarchie, Ende des 1. Weltkrieges

September 1919:
Friedensvertrag von St. Germain mit Österreich, Deutschwestungarn wird Österreich zugesprochen

Juni 1920:
Friedensvertrag von Trianon mit Ungarn, Ungarn wird zur Abtretung Deutschwestungarns an Österreich verpflichtet

1921:
Im Jänner beschließt Österreich das Verfassungsgesetz zur Aufnahme des Burgenlandes als eigenständiges Bundesland.

In Folge verhindern ungarische Freischärler die Landnahme durch Österreich, der Grenzverlauf und die innenpolitische Situation in Ungarn sind unklar.

Im Oktober unterzeichnen Österreich und Ungarn nach Vermittlung Italiens die Venediger Protokolle, Ungarn stimmt der Übergabe des Burgenlandes zu, Ödenburg/Sopron wird Volksabstimmungsgebiet.

Im November übergibt Ungarn das Burgenland an Österreich.

Im Dezember erfolgt die Volksabstimmung in Ödenburg und Umgebung, die zum Verbleib der Stadt bei Ungarn führt.

1922:
Weitere Grenzverhandlungen zu einzelnen Dörfern unter Anwesenheit von Vertretern der Siegermächte

1923:
Letzte Grenzkorrekturen bzw. ein Abtausch zwischen Österreich und Ungarn

1924:
Letzte Sitzung der Grenzregulierungskommission

Wikipedia-Quellen zu:

Burgenland

Volksabstimmung in Ödenburg

Erster Weltkrieg

Thema: Allgemeine Randnotizen | Beitrag kommentieren

Ein gutes Zeichen

Samstag, 24. April 2021 | Autor:

Wie hier berichtet, haben wir in den letzten Tagen Reben nachgepflanzt. Dafür haben wir mehrere hundert Löcher gegraben, und diese Gelegenheit auch gleich genützt, um unseren Oberboden zu begutachten.

Meistens fand sich ein oder oft sogar mehrere Regenwürmer und immer konnten wir ihre Gänge im ausgestochenen Erdreich begutachten. Dazu jede Menge Wurzeln und deren Reste von vermeintlichen Unkräutern, Ameisenbauten und alles mögliche Getier.

Ein gutes Zeichen dafür, dass wir mit unserer Bearbeitung nicht ganz falsch liegen. Weder zu intensiv mechanisch, was Bodenstruktur und Humus langfristig zerstören würde, noch chemisch mit Herbiziden, die das Bodenleben stark beeinträchtigen. Sondern gerade nur so viel mechanische Lockerung wie für die Reben notwendig und so viel gesäte oder spontane Begrünungspflanzen wie möglich.

Thema: Reben und ihre Pflege | Beitrag kommentieren

Der Vollständigkeit halber

Donnerstag, 15. April 2021 | Autor:

Ab der Pflanzung eines Weingartens sterben laufend einzelne Weinstöcke ab. Krankheiten, Schädlinge, Altersschwäche oder Schäden in Folge menschlichen Versagens bei der maschinellen Bearbeitung reißen laufend Lücken in den Bestand.

Um einen Weingarten über die Zeit halbwegs vollständig und damit auch wirtschaftlich zu halten, ist es deshalb notwendig, von Zeit zu Zeit junge Reben in die Fehlstellen nachzupflanzen.

Die brauchen wegen der übermächtigen Konkurrenz der alten Nachbarn mit ihren tiefgehenden Wurzeln (und der nicht ganz so intensiven Pflege wie in einem nur aus sensiblen Jungpflanzen bestehenden neuen Weingarten) länger, bis sie ertragsfähig sind. Und dementsprechend lohnt sich die Mühe nur, wenn der Weingarten noch wenigstens 10 Jahre genützt werden soll, damit sie wenigstens ein paar Mal Trauben bringen dürfen.

Unser ältester Weißburgunder-Weingarten in der Ried Wieser hat bereits 43 Jahre auf dem Buckel. Weil er aber den meiner Meinung nach besten unserer Weißweine erbringt, pflegen wir ihn auch gerne noch viele Jahre weiter. Und haben deshalb heuer wieder einmal ordentlich nachgepflanzt. Mit Reben, die im Vorjahr von genau diesen Weinstöcken vermehrt wurden.

Thema: Reben und ihre Pflege | Ein Kommentar