Viele Hände, schnelles Ende

Mittwoch, 24. November 2021 | Autor:

Für uns Weinbauern ist die Lese der Höhepunkt des Weinjahres. Gilt es doch die Früchte der Arbeit von Jänner bis September zum richtigen Zeitpunkt in bestmöglicher Qualität nach Hause zu bringen. Diese Aufgabe überlassen wir in unserem Weingut keiner Maschine, sondern legen sie vertrauensvoll in die Hände unserer fleißigen Erntemannschaft, der wir auch heuer wieder zu großem Dank für ihren unermüdlichen Einsatz verpflichtet sind:

Laci aus der ungarischen Nachbarschaft schneidet nicht nur Trauben von den Reben, sondern fährt auch mit dem Traktor. Seine Frau Andrea und er unterstützen uns das ganze Jahr über bei der Weingartenpflege und dementsprechend gut kennen sie die Besonderheiten unserer Rieden.

Auch Sorin ist schon lange Zeit mit dabei. Er arbeitet in Rumänien bei der Bahn und kommt seit vielen Jahren für die Ernte und als Chef an der Roabá (rumänisch), der Talicska (ungarisch) bzw. der Scheibtruhe zu uns. Abwechselnd mit Laci leert er die Trauben in die Großkisten auf dem Wagen.

Ebenfalls lang gediente treue Erntehelfer und mittlerweile auch liebe Freunde sind Toni und Angela aus der Steiermark. Als sie noch berufstätig waren, haben sie sich für unsere Lese Urlaub genommen. Jetzt in der Pension sind sie selbst bei kurzfristigen wetterbedingten Verschiebungen immer zur Stelle.

Elisabeth und ihre Tochter Judit waren nach 2020 heuer zum zweiten Mal dabei. Sie kommen aus unserer ungarischen Nachbargemeinde Fertörakos bzw. Kroisbach und pendeln jeden Tag mit dem Fahrrad über die Grenze. Die zweite Lese war es auch für Erik aus der Slowakei. Voriges Jahr haben wir ihn über die gleiche Bekannte wie Elisabeth und Judit kennen- und schätzen gelernt. Wenn nicht gerade Lockdown ist, arbeitet er als Bühnentechniker in der Oper in Bratislava.

Ebenfalls heuer bereits zum zweiten Mal für zwei Tage mitgeholfen hat Bettina, die Frau eines deutschen Pfarrers, der als Urlauberseelsorger in Mörbisch immer wieder Arbeit mit Urlaub verbindet und vor zwei Jahren selbst auch schon Weinleseluft geschnuppert hat.

Eine große Hilfe sind natürlich meine Schwiegereltern Greti und Gerhard, sowie Tante Maria. Besonders wichtig war ihre Unterstützung heuer bei der süßen Auslese. Drei Wochen nach der Haupternte konnte uns der Großteil des Teams nämlich wegen der weiten Anreise verständlicherweise nicht mehr helfen. Gut, dass für solche Fälle Nachbarin Ella und unsere liebe Freundin Ilse parat stehen, beide erfahrene Weinleserinnen.

Auch unsere Kinder Anna und Viktoria waren bei der Auslese mit dabei, wie auch schon während der Haupternte, wenn Studium und Schule es zugelassen haben. Und meine Frau Birgit ist natürlich ebenfalls Teil der Crew.

Mein Vater Gerhard hat die Mannschaft und Logistik im Blick, erntet aber auch selbst den ganzen langen Tag, während sich meine Mutter Elfi um die um Unterbringung und vor allem die tägliche Verpflegung des großen Teams kümmert und Büro und Weinverkauf am laufen hält. Dabei kommt sie natürlich genausowenig zum Lesen wie ich, denn ich habe alle Hände voll zu tun, um die von den vielen Helfern sorgfältig geernteten Trauben genau so sorgfältig in Presshaus und Keller zu verarbeiten.

Thema: Lese 2021 | Beitrag kommentieren

Sterne, Punkte und ein Lächeln

Montag, 15. November 2021 | Autor:

Wettbewerbe und Bewertungen sind ein wichtiger Teil des Weinzirkus. Sie sind gut fürs Image der Branche, weil sie den öffentlichen Fokus auf die Qualität richten, halten das Thema Wein im Gespräch und fördern durch permanente Vergleiche das Niveau. Außerdem sind sie natürlich gut fürs Ego der Produzenten und wirken damit (nicht nur) auf junge Weinbauern motivierend.

Manche Betriebe bauen sogar ihre gesamte Vermarktungsstrategie auf der Werbewirkung hoher Bewertungen auf. Und passen ihren Weinstil an die Vorlieben der Meinungsbildner an, um von diesen regelmäßig ganz vorne platziert zu werden. Mit einem Außenseitersieg alle paar Jahre wäre ihr Geschäftsmodell schließlich nicht aufrecht zu erhalten.

Daran ist absolut nichts Verwerfliches, und ich schätze manche dieser Kollegen und Weine sehr. Allerdings ist meine Vorstellung unseres Berufs eine ganz andere und unsere Betriebsstruktur erlaubt mir, diese auch auszuleben. Wir keltern unsere Weine in erster Linie so, wie wir sie selber gerne trinken und suchen danach Kunden mit ähnlichen Vorlieben.

Trotzdem sind mir Bewertungen natürlich nicht egal. Wir nützen sie einerseits, um uns selbst auf die Probe zu stellen und andererseits natürlich auch auch, um auf uns und unsere Weine aufmerksam zu machen.

Für beide Zwecke sollte man Prämierungen aber nicht zu ernst nehmen, denn auch die besten Verkoster sind keine objektiven Degustationsmaschinen. So sehr ich mich zum Beispiel über den Platz unseres Leithaberg weiß 2019 mit dreieinhalb Sternen im Spitzenfeld der Vinaria-Verkostung „Französisch im Burgenland“ gefreut habe, so wenig haben mich die eineinhalb Sterne samt mäßiger Beschreibung („schon sehr gereift, limohaft, ziemlich schlank, eher kurz“) für den Chardonnay Reserve 2019 bei der selben Verkostung zum Verzweifeln gebracht. Nicht zuletzt, weil der gleiche Wein im Weinguide des gleichen Magazins vier Sterne bekommen hatte, von Falstaff 92 und von A la Carte 93 Punkte.

In die Versuchung, Spitzenplätze überzubewerten komme ich ohnehin relativ selten, denn bei den meisten Verkostungen liegen unsere Weine punktemäßig im soliden oberen Mittelfeld. Das liegt wohl daran, dass mein eher auf Feinheit und Eleganz als auf aufdringliche Aromen und Power abzielender Weinstil in der Verkostungssituation nicht genug heraussticht. Dass unsere Weine aber trotzdem (oder wahrscheinlich sogar genau deshalb) sehr viel Trinkvergnügen bereiten, kann man an den Notizen neben den Punkten ablesen. Die Weinbeschreibungen sind nämlich bei jenen Kostern, die sich die Mühe machen, nicht nur Textbausteine aneinander zu reihen, fast immer deutlich freundlicher als die nackten, aber halt viel plakativeren Punkte.

Ein schönes Beispiel dafür ist auch Marcus Hofschuster von wein.plus, der im obigen Video einen Einblick in das Entstehen seiner Verkostungsnotiz unseres Leithaberg Rot 2019 bietet. Seine 91 Punkte sind zwar viel höher einzuschätzen, als die 92 von Falstaff, die Wortwahl „das gefällt mir“, „schöne Tiefe“, „das ist schon sehr, sehr gut“, „das ist sauguter Wein“, „das macht richtig Laune“, „da will ich sofort etwas dazu essen“ und „sehr, sehr schön“ klingt aber zumindest für mich eigentlich nach noch mehr.

Früher hat mich diese Diskrepanz oft geärgert, und ich wäre gerne auch bzw. öfter ganz oben auf dem Podest gestanden. Mittlerweile weiß ich aber, dass mir diese Rolle im ständigen Rampenlicht und alles was damit verbunden ist gar nicht liegt. Und dass ein Kompliment von einem privaten Weinliebhaber oder auch das ehrliche, zufriedene Lächeln von Otto-Normalwein-Trinker mindestens genauso wertvoll ist.

Thema: Verkauf und Marketing | Beitrag kommentieren