Versenkt

Samstag, 27. Juni 2009 |  Autor:

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Die aktuelle Wetterlage ist sehr gefährlich für unsere Reben. Unsere letzte vorbeugende Spritzung gegen Oidium (echten) und Peronospora (falschen Mehltau) ist mehr als zwei Wochen her und wäre auch ohne die abwaschende Wirkung des Dauerregens der letzten Tage nicht mehr wirksam.

Gleichzeitig ist vor allem das Peronospora-Risiko extrem hoch und die heurige Ernte in großer Gefahr. Deshalb haben wir uns gestern nach einer ausgiebigen Besichtigung der Bodenverhältnisse entschlossen, in jenen Weingärten mit den sandigsten (und damit am schnellsten abtrocknenden) Böden eine Pflanzenschutzbehandlung zu wagen.

Eine solche Entscheidung trifft man nicht leichtfertig, denn ein zu frühes Befahren kann zu Verdichtungen in den tieferen Schichten des Bodens führen, die die Wurzeln beim Wachstum behindern.

Trotz intensiver Begutachtung des Bodens mußten wir den ersten Versuch am gestrigen Nachmittag schon in der zweiten Rebzeile abbrechen, weil sich unser kleiner Traktor, mit dem wir normalerweise diese Arbeit durchführen, nach vielversprechendem Beginn mitten im Weingarten mit seinen Rädern eingegraben hat, und nur mit dem großen Allradtraktor und einem langen Drahtseil wieder zu bergen war.

Nachdem es über Nacht nicht geregnet hat, und der Boden wieder ein paar Stunden mehr abtrocknen konnte, hat es mein Vater heute Vormittag mit dem großen Traktor (mit Allradantrieb und breiteren Reifen, die das Gewicht besser auf den Boden verteilen) erneut versucht.

Vier Weingärten lang ging es auch gut, und wie man hier sieht, hinterließ er dabei auch kaum Traktorspuren im feuchten Boden:

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In der Nachbarzeile, gleich links neben diesem Bild gab es aber offenbar eine besonders nasse Stelle, die an der Oberfläche nicht zu erkennen war.

Innerhalb von Sekunden versank mein Vater nämlich geradezu im grundlosen Matsch und konnte sich auch unter Verwendung aller technischen Möglichkeiten des Traktors (Allradantrieb, Differenzialsperren vorne und hinten) nicht mehr selbst befreien.

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Auch der erste Bergeversuch mit unserem zweiten Traktor und einem langen Drahtseil von festem Boden am Weg aus, blieb erfolglos.

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Dem örtlichen Bauunternehmer gelang es schließlich dann doch, unseren Traktor mit einem großen Bagger herauszuziehen. Schon zwei Meter weiter war der Boden wieder problemlos tragfähig, und mein Vater konnte die Fahrt bis zum Ende der Rebzeilen aus eigener Kraft fortsetzen.

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Thema: Reben und ihre Pflege

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9 Kommentare

  1. 1
    Harald 

    Diese Schwierigkeiten hatte ich auch bei den vergangenen Regenperioden. Einsinken geht zwar nicht, dafür schnelles bergabrutschen mit der Raupe.

    Seit zwei Tagen ist bei vielen Kollegen ein massiver Peronosporaausbruch erfolgt. Ich hatte bisher Glück.
    Ich drücke Dir die Daumen, das Deine Weinberge gesund bleiben.

    Viele Grüße von der Mosel

  2. 2
    Iris 

    Auch von hier aus: alle Daumen gedrückt, dass Ihr die anstehenden Schutzspritzungen unter besseren Bedingungen fortführen könnt!

    Bei uns in Südfrankreich ist die erste große Hitzewelle unterwegs, über 30° im Schatten (den’s im Weinberg am Hang logischerweise nicht gibt) am Nachmittag und sehr trocken.

    Spritzungen (eh nur mit dem auf dem Rücken getragenen Atomiseur), können da zum Glück noch etwas warten – aber auch bei den weiter laufenden Laub- und Sensarbeiten kommt man gang schön ins Schwitzen…

  3. 3
    roland 

    hab heute morgen bei uns auch die spritzung durchgeführt und es war schon höchste zeit, da schon die ersten ölflecken zu sehen sind. hoffentlich wars nicht zu spät.

    schöne grüsse aus niederösterreich

  4. 4
    Christoph Bauer 

    Hallo Bernhard,

    und schon weitergekommen mit dem Spritzen? Mir geht es momentan ähnlich, eine Spritze habe ich rausgebracht dann hat es wieder geregnet. So wie die letzten Wochen. So etwas habe ich hier im Weinviertel noch nicht erlebt. Bis 11 sind die Blätter nass und ab 3 am Nachmittag gibt es Gewitter.

    lg Christoph

  5. 5
    bf 

    Danke für die Wünsche. Wir konnten unsere Peronospora-Behandlung mit kleinen Abstrichen (z.B. bei den Randzeilen zu Nachbarweingärten, deren Besitzer den Boden vor dem Regen intensiv bearbeitet haben) heute abschließen.

    Mehr Infos gibt es hier.

    Grüße

    Bernhard

  6. 6
    Rudi 

    Hallo Bernhard!

    Die Situation ist bei uns ähnlich. Haben, nach sehr langen Diskussion, heute mit den Pflanzenschutzmassnahmen in unseren trockenen Weingärten beginnen wollen. Das Endergebniss – wie bei euch – eine mehr oder weniger spektakuläre Bergeaktion. Und der Pflanzenschutz wurde bis auf weiters aufs Wochenende verschoben. Kann man nur hoffen, dass sich das Wetter bald bessert.

  1. [...] 29. Juni 2009 |  Autor: bf Nach diesem Mißgeschick konnte mein Vater die dringend notwendige Behandlung gegen (primär den falschen) [...]

  2. [...] breit Während Bernhard Fiedler aus Österreich über die nasse Wetterlage schreibt, den Traktor im Matsch versenkt und hofft, dass seine Reben von den gefährlichen Pilzkrankheiten verschont bleiben, ist bei uns [...]

  3. [...] Die Peronospora-Gefahr hat sich dadurch deutlich verringert, und nachdem unsere Weingärten den nassen Juni im Gegensatz zu manch anderen weitgehend unbeschadet überstanden haben, können wir uns jetzt dank der guten Wasserversorgung über für diese Jahreszeit ungewöhnlich sattgrüne Reben freuen. [...]

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